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In der Trainingshalle des SCB ist schon länger wieder Eis vorhanden.
In der Trainingshalle des SCB ist schon länger wieder Eis vorhanden.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Keine Energie für Hockey-Eis? Die Verbandsführung ist besorgt

Hitze plus Energiekrise: Was, wenn die Politik auf die Idee kommt, bei der Energie für die Eisaufbereitung in den Hockey-Stadien zu sparen? Unsere höchste Hockey-Führung ist beunruhigt.
04.08.2022, 18:3605.08.2022, 10:10

Vorerst ist es bloss eine Episode: Die Eisproduktion im Stadion des HC Sierre ist von den Behörden erneut verschoben worden. Zwei Saisonvorbereitungsspiele sind gefährdet.

Weil es im Eisstadion Graben – dem baufälligsten im Land – noch kein Eis gibt, trainiert der SL-Klub HC Sierre zurzeit in Brig. Und das wird sich auch in nächster Zeit nicht ändern.

Aufgrund der hohen Temperaturen haben die Behörden beschlossen, die Eisproduktion um eine weitere Woche zu verschieben. «Es ist zu heiss», sagt Eddy Beney vom Gemeinderat gegenüber der Lokalzeitung Le Nouvelliste.

Eine Entscheidung, die Alain Bonnet, Präsident des HC Sierre, nachvollziehen kann: «Es ist kompliziert, im Hochsommer, wenn es draussen 36 Grad heiss ist, Eis zu produzieren und es in einer so schlecht isolierten Infrastruktur in gutem Zustand zu halten. Aber wir werden damit fertig.»

Da die heissen Sommer wahrscheinlich wiederkehren werden, plädieren der Verein und die Gemeinde Sierre für einen späteren Saisonbeginn. «Wir sollten bis November Fussball spielen und im Oktober wieder mit Hockey anfangen», sagt Gemeinderat Eddy Beney. «Meine Kollegen in der Swiss League haben die gleiche Argumentation», ergänzt Alain Bonnet. «September ist zu früh. Wir haben sowieso Mühe, die Eishallen zu dieser Zeit zu füllen.»

Kurzfristig muss der HC Sierre Lösungen für die auf eigenem Eis angesetzten Saisonvorbereitungsspiele gegen Lausanne (12. August) und Basel (16. August) finden. Sie müssen entweder woanders stattfinden oder abgesagt werden.

Das ist, wie gesagt, eine Provinzposse. Die Graben-Halle in Sierre ist so wenig für den Standard unserer Hockey Stadien repräsentativ wie ein mit Schweröl, alten Autoreifen und Braunkohle befeuertes Kraftwerk für die moderne Stromproduktion.

Michael Rindlisbacher sorgt sich vor allem um den Nachwuchs- und Amateurbereich.
Michael Rindlisbacher sorgt sich vor allem um den Nachwuchs- und Amateurbereich.Bild: keystone

Aber was ist, wenn neben der Hitze die Energiekrise ins Spiel kommt? Die Politik hat auf alle Hockey-Stadien Einfluss: Sei es, weil die Stadt oder die Gemeinde direkt oder indirekt Besitzerin oder zumindest Kreditgeberin ist, sei es, weil städtische oder kommunale Institutionen über die Energielieferung oder Bewilligungsverfahren Einfluss nehmen können. So gesehen ist Hockey untrennbar mit der Politik verbunden.

Die Verbandsführung unter Präsident Michael Rindlisbacher, das höchste Hockey-Gremium im Land ist jedenfalls beunruhigt und hat eine umfangreiche Stellungnahme zum Problem erarbeitet:

«Nachhaltigkeit ist bei Swiss Ice Hockey (dem Verband – die Red.) seit Längerem ein wichtiges Thema. Wir haben dazu bereits verschiedene Projekte lanciert.

Das Thema Energiebedarf und insbesondere eine bevorstehende mögliche Energieknappheit haben wir erst kürzlich in der Geschäftsleitung diskutiert. Wir sind uns bewusst, dass uns dies direkt betreffen kann. Wir beobachten daher die Entwicklung laufend und stehen mit allen beteiligten Stellen im Austausch.

Aktuell erarbeiten wir verschiedene Szenarien und erstellen daraus unsere Eventualplanung. Im Vordergrund steht für uns dabei ein möglicher Entscheid der Politik, die Energienutzung in gewissen Bereichen einzuschränken, was gravierende Einschränkungen insbesondere für den Nachwuchs- und Amateurbereich in allen Landesteilen zur Folge hätte. Dies haben bereits die Einschränkungen im Zusammenhang mit der Pandemie (Schliessung von Eishallen, Trainingsverbot, Saisonabbruch) in den letzten drei Saisons gezeigt.

Eine solche Massnahme gilt es daher, wenn immer möglich, zu verhindern.»

Etwas weniger beunruhigt ist Denis Vaucher, der Manager der National League. Er verweist auf die hohe Energie-Effizienz, den hochmodernen Energie-Ausbaustandart bei den Stadien, die in der höchsten Liga bis auf die 1961 erbaute Arena in Genf in allen Bereichen auf dem neusten Stand sind. Es sei sogar so, dass die Stadien heute übers Jahr durch entsprechende Anlagen für Sonnenenergie mehr Energie ins Netz einspeisen als sie im Winter verbrauchen.

Das Stadion in Zug ist eines der modernsten – und energieeffizientesten – des Landes.
Das Stadion in Zug ist eines der modernsten – und energieeffizientesten – des Landes.Bild: KEYSTONE

Wo er recht hat, da hat er recht: Zudem sind die Stadien heute sehr gut isoliert. Die Hitze ist kein Problem.

Und doch: Die Versuchung, im Hinblick auf die eidgenössischen Wahlen im Herbst 2023 ist die Versuchung für Politikerinnen und Politiker aller Couleur erheblich, mit dieser Thematik Debatten anzuheizen und Medienpräsenz zu ergattern. Denis Vaucher sagt, ein Argumentarium sei erarbeitet.

Diese energiepolitische Suppe dürfte zwar nicht so heiss gegessen werden, wie sie gekocht wird. Aber ausgelöffelt ist sie eben auch noch lange nicht.

Verbandspräsident Michael Rindlisbacher hat ein feines politisches Gespür, die Verbandsführung ist bei ihm in guten Händen. Wie heisst doch der Grundsatz: «Gouverner, c’est prevoir» («Regieren heisst, sich vorsehen»).

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39 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bruno Wüthrich
04.08.2022 20:21registriert August 2014
Zitat: "er führt den Verband ehrenamtlich und uneigennützig für eine bescheidene Pauschal-Entschädigung von 107 000 Franken pro Jahr"

Ich will auch ein solches Ehrenamt. So uneigennützig (und bescheiden) wie der Rindlisbacher bin ich schon lange...
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RuBisCO
04.08.2022 19:28registriert Oktober 2021
Ja, ich bin Hockeyfan und regelmässig in den Stadien. Und dennoch: sollten wir mit einem (partiellen) Blackout konfrontiert sein, werden wir grössere Probleme haben als fehlendes Eis.
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Machiavellii
04.08.2022 19:22registriert Mai 2022
Ich würde anstelle der Hockey Klubs schon mal vorgängig beim Bund wieder Hilfsgelder beantragen, damit man nächste Saison mindestens 10 Ausländer aus der KHL engagieren kann!
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