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Der Langnauer Chris DiDomenico, Mitte, kaempft um den Puck gegen Klotens James Sheppard, links, und Goalie Martin Gerber, Mitte, beim Eishockey Meisterschaftsspiel der NLA zwischen den SCL Tigers und den Kloten Flyers am Freitag, 23. Oktober 2015, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Martin Gerber tritt am Freitag nicht zum ersten, sondern zum zweiten Mal gegen Langnau an.
Bild: KEYSTONE

Symbol einer einmaligen Karriere: Martin Gerber nimmt nach 22 Jahren endlich Revanche gegen Langnau

Er spielte beim 5:4 der Kloten Flyers in Langnau nicht auf seinem allerallerhöchsten Niveau. Aber für den 41-jährigen Martin Gerber war es trotzdem ein historisches Spiel: Er trat zum zweiten Mal in seiner Karriere gegen die SCL Tigers an.



Was ist das Merkmal einer aussergewöhnlichen Karriere? Dass sie schon so lange dauert, dass wir uns gar nicht mehr an die Anfänge erinnern können.

Selbst die NZZ notiert zum freitäglichen Spiel der Kloten Flyers in Langnau: «Besonders war die Partie für Flyers-Keeper Martin Gerber. Der gebürtige Emmentaler spielte das erste Mal seit über einem Jahrzehnt wieder in der Ilfishalle und dort zum ersten Mal überhaupt gegen Langnau, wo er den Status einer Legende hat. Während des Lockouts 2004/05 hatte er für den Stammklub gespielt, damals war gar seine Trikot-Nummer 26 zurückgezogen worden. Gerbers Verbindung zu Langnau ist nach wie vor stark. Er renoviert im Dorf ein stattliches Haus und dürfte seinen Wohnsitz bald wieder hierhin verlegen.»

Goalie Martin Gerber steht in Langnau schon auf der Retired Numbers, vor dem Meisterschaftsspiel in der NLA, zwischen den SCL Tigers und den Kloten Flyers, am Freitag, 23. Oktober 2015, in der Ilfishalle in Langnau. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Mit Daniel Aegerter, Todd Elik und Walter Gerber in einem Boot: Martin Gerbers Rückennummer wird in Langnau nicht mehr vergeben.
Bild: KEYSTONE

Eine Reise in Hockey-Steinzeitalter

Nun gibt es an der Kompetenz der NZZ nichts zu rütteln. Wir verneigen uns und dies soll keine Kritik sein. Vielmehr wollen wir an diesem Beispiel zeigen, wie absolut einmalig Martin Gerbers Karriere ist. Er hat nämlich am Freitagabend beim 5:4-Sieg mit Kloten nicht zum ersten Mal in Langnau GEGEN Langnau gespielt. Es war das zweite Mal.

Aber um zu diesem ersten Spiel GEGEN Langnau vorzudringen, müssen wir eine weite Zeitreise unternehmen und das Rad der Zeit lange zurückdrehen. Zurück ins letzte Jahrhundert. In eine Hockeywelt lange vor unserer Zeit. Als es noch kaum Statistiken und kein Internet und nicht für jedermann ein Hosentelefon gab. Zurück bis zum Dienstag, den 19. Oktober 1993. Ein Spiel der Gruppe Zentralschweiz in der 1. Liga. 1993/94 ist nach 1991/92 Langnaus zweite und bis heute letzte Saison in der höchsten Amateurklasse.

Der GC Stuermer Alain Ayer, links, erzielt am Dienstagabend, 11. Maerz 1997, in Langnau das 0:3 fuer GC im Spiel gegen den SC Langnau. Goalie Martin Gerber, rechts, ist geschlagen. (KEYSTONE/Juerg Mueller)

Sogar dieses Bild ist wesentlich jünger als diese Geschichte: Martin Gerber 1997 gegen GC im Langnau-Tor.  
Bild: KEYSTONE

Am 19. Oktober 1993 spielen die Langnauer gegen den gegen den SC Thun-Steffisburg. Sie gewinnen 6:1 (1:1, 2:0, 3:0). Am Ende der Saison werden sie in die NLB zurückkehren. Und bei Thun steht ein ehemaliger Langnauer Junior im Tor. Martin Gerber, 19 Jahre alt. Er trägt die Rückennummer 74. In Langnau wollten sie ihn nicht mehr und hatten ihm empfohlen, es doch anderorts zu probieren, wenn er noch ein wenig Hockey spielen wolle. Für eine richtige Karriere reiche es sicher nicht. So hatte er in der Saison 1992/93 beim SC Signau in der 2. Liga verbracht und sich dort den Job mit «Buddy» Pfister geteilt, der später im Bankbusiness Karriere machen wird.

Nun ist Martin Gerber immerhin in der 1. Liga angekommen und vor Markus Schwendimann die Nummer 1 in Thun. In der Abstiegsrunde spielt er bei der Rettung seines Teams eine zentrale Rolle und wer will, kann schon den aggressiven Goalie erahnen, er sich später sogar in der NHL durchsetzen kann: in den zehn Partien verbüsst er sechs Strafminuten. Ansonsten wird kaum Statistik geführt. Möglicherweise war Martin Gerber damals an diesem 19. Oktober 1993 bei der 1:6-Niederlage statistisch eher besser als am 23. Oktober 2015. Am Freitag beim Sieg mit Kloten in Langnau wird ihm eine Fangquote von 87,10 Prozent notiert.

Eine Liga voller grosser Namen

Niemand kann am 19. Oktober 1993 ahnen, welche Welt-Karriere Thuns Torhüter-Nobody noch machen wird. Und wer jetzt erklärt hätte, dieser junge Mann werde einmal nicht nur die Langnauer in die NLA zurückhexen, sondern auch noch Meister in Schweden, Nationalgoalie, WM-Finalist, Stanley Cup-Sieger und Dollarmillionär, der hätte genauso gut behaupten können, der Chefredaktor der NZZ heisse neuerdings Jeremias Gotthelf.

Toronto Maple Leafs goalie Martin Gerber deflects the puck during the third period of an NHL hockey game against the New Jersey Devils on Tuesday, April 7, 2009, in Newark, N.J. The Maple Leafs beat the Devils 4-1. (AP Photo/Bill Kostroun)

Martin Gerber in der NHL: Darauf hätte 1993 noch niemand einen Rappen gewettet.
Bild: FR51951 AP

Langnau wird von Simon Schenk gemanagt und trainiert, bei den Thunern steht sein Sohn Christoph an der Bande. Nicht zuletzt die Empfehlung von Christoph Schenk, der das ausserordentliche Talent seines Goalies erkennt, ermöglichen Martin Gerber im Sommer 1994 die Rückkehr nach Langnau.

Der SC Langnau hat in dieser Saison einen Spieler in seinen Reihen, dessen Rückennummer später auch zurückgezogen wird: Reto von Arx. Er wird hinter Peter Moser (29 Tore/41 Assists) mit 35 Toren und 31 Assists aus 32 Spielen der zweitbeste Skorer seines Teams – im Alter von 17 Jahren. Er ist mit 62 Strafminuten auch der meistbestrafte Spieler seines Teams. Und den SC Langenthal, der in der gleichen Gruppe spielt, coacht ein Mann, der heute als Liga-Direktor immer noch eine Rolle in unserem Hockey spielt: Ueli Schwarz.

Die Zuschauer haben Langnau übrigens auch in der 1. Liga nicht im Stich gelassen. Durchschnittlich kommen 4224 Zuschauer zu den Heimspielen – bis heute Weltrekord für eine dritthöchste Hockey-Liga. Die Stimmung im Stadion war also bei Martin Gerbers erstem Spiel gegen Langnau vor 22 Jahren ungefähr gleich wie am letzten Freitag.

Wenn die restlichen 11 NLA-Klubs ihr Logo ändern würden ...

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1Kommentar anzeigen

Das wären die Logos der Schweizer Klubs, wenn sie NHL-Teams wären

Die Eishockey-Sprache ist englisch: Crosscheck, Slot und Butterfly-Goalie, Boxplay, Icing und Emptynetter. Auch die Schweizer Ligen heissen nicht mehr Nationalliga A und B, sondern National League und Swiss League. Nur die Klubs haben immer noch ihre alten Namen.

Höchste Zeit, dass auch sie sich wandeln upgraden und ihre HC, SC und EV durch zeitgemässe Namen ersetzen!

* Update: User weisen darauf hin, dass der richtige Plural «mice» lautet. Das ist natürlich korrekt. Da ein kleiner Fehler zum …

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