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New Jersey Devils' Nico Hischier (13) celebrates with teammate Kurtis Gabriel after scoring against the Montreal Canadiens during the third period of an NHL hockey game, Saturday, Feb. 2, 2019 in Montreal. (Graham Hughes/The Canadian Press via AP)

Bild: AP/The Canadian Press

Nico Hischier ist so gut wie nie und wird bei der WM dabei sein

Nico Hischier (20) wird immer besser. Er ist die Lichtgestalt in der Krise der New Jersey Devils. Eine Begegnung mit dem «Roger Federer des Eishockeys».

Klaus Zaugg, Newark



Woran sehen wir, ob einer in einer NHL-Organisation ein Leitwolf ist? Natürlich an seinen Statistiken. Doch es gibt Faktoren, die noch mehr aussagen.

Wir erkennen die Leitwölfe nach einer Partie in der Kabine. Die Leitwölfe sind die Spieler, um die herum sich die grösste Traube von Chronistinnen und Chronisten bildet.

Und wie finden wir heraus, wer der wichtigste der Leitwölfe ist? Wenn Spieler in den Interviews über einen anderen Spieler ausgefragt werden.

New Jersey Devils center Nico Hischier, second from left, of Switzerland, and left wing Marcus Johansson, back right, of Sweden, react after Johansson scored a goal on Carolina Hurricanes goaltender Petr Mrazek (34), of the Czech Republic, during the first period of an NHL hockey game, Sunday, Feb. 10, 2019, in Newark, N.J. (AP Photo/Julio Cortez)

Nico Hischier (zweiter von links) beim Sieg gegen Carolina. Bild: AP/AP

Beides ist am Sonntagabend nach dem Sieg (3:2) der New Jersey Devils gegen Carolina der Fall. Zuerst wird Nico Hischier belagert. Er hat alle drei Treffer vorbereitet und ist als «first Star», als bester Spieler ausgezeichnet worden.

Anschliessend scharrt sich der «Nachrichtenzug» um den zweifachen Torschütze Marcus Johannson. Natürlich wird der 28-jährige Schwede gefragt, wie er sich nach so seiner tollen Leistung fühle und so. Das gehört hier quasi zum Ritual. Aber in erster Linie wollen alle wissen, was er über Nico Hischier zu sagen hat.

Das ist der Ritterschlag: wenn einer so gut ist, dass andere über ihn ausgefragt werden. Marcus Johansson rühmt seinen Teamkollegen in den allerhöchsten Tönen. Natürlich gehört es sich so. In Nordamerika gilt: Rede nur über andere, wenn du etwas Gutes zu sagen hast. Sonst schweige.

Doch die Anerkennung, die der Veteran mit über 500 NHL-Partien dem acht Jahre jüngeren Schweizer zollt, ist echt. Er rühmt Nico Hischiers Rolle als Leader auf und neben dem Eis. Seine Spielintelligenz. Seine defensiven und offensiven Qualitäten.

Nico Hischiers Teammates packen über ihn aus:

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Video: watson/Adrian Bürgler, Emily Engkent

Und es gibt noch ein Zeichen für die Bedeutung eines Spielers in einer NHL-Organisation. Die Mediengalerie sieht in den meisten Stadien gleich aus. An den Wänden hängen Bilder der wichtigsten Spieler. Schön eingerahmt. Die meisten Reporterinnen und Reporter hasten achtlos vorbei. Aber es lohnt sich, genauer hinzuschauen. Es sind Abbildungen, gemacht von den besten Sportfotografen. Diese Saison hängt nun auch ein Bild von Nico Hischier oben in der «Press Box» des «Prudential Center». Er steht zumindest bildlich auf Augenhöhe mit Giganten wie Martin Brodeur, Scott Stevens, Scott Niedermayer oder Patrik Elias.

Und das alles mit zwanzig! Ja, Nico Hischier ist am 4. Januar erst zwanzig Jahre alt geworden. Und dominiert bereits ein Spiel der rauen, echten und manchmal bösen Kerle in der wichtigsten Liga der Welt. Als habe er schon jahrelange Erfahrung. Dabei steht er erst in seiner zweiten Saison. Und diese zweite Saison gilt als die schwierigste einer Profikarriere. Die Unbeschwertheit des Neulings ist dahin. Es gilt, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Daran sind schon viele grosse Talente beinahe oder ganz zerbrochen. Nur die ganz Grossen werden in der zweiten Saison noch besser.

Nico Hischier ist so gut wie nie. Er hat nach 51 Partien 39 Punkte und wird mit ziemlicher Sicherheit seine letztjährige Statistik (52 Punkte) verbessern. Er steht im zweiten von drei Vertragsjahren. Der erste NHL-Vertrag ist für Spieler in seinem Alter reglementiert. Gleiche Dauer (3 Jahre) und gleiches Salär (nicht ganz eine Million) für alle. Im Frühjahr 2020 kommt der grosse Kassensturz. Ein Mehrjahresvertrag – fünf Jahre und mehr als 30 Millionen Dollar –  liegt durchaus drin.

Former Edmonton Oilers player Wayne Gretzky waves to the crowd after the final NHL hockey game at Rexall Place, Wednesday, April 6, 2016, in Edmonton, Alberta. The Oilers defeated the Vancouver Canucks 6-2. (Jason Franson/The Canadian Press via AP)

Wayne Gretzky. Bild: AP/The Canadian Press

Beim 3:2 gegen Carolina haben wir den wahren Nico Hischier gesehen. Er hat die meisten Offensivaktionen eingefädelt. Nicht spektakulär und auf den ersten Blick kaum sichtbar. Sondern leise, beinahe unauffällig mit einem smarten, öffnenden Pass. Ein wenig (aber nur ein wenig, übertreiben wollen wir nicht) wie einst Wayne Gretzky.

Nico Hischier ist bei uns auch schon als «Roger Federer des Eishockeys» bezeichnet worden. Das mag gewagt sein. Und ist doch ein guter Vergleich. Er ist weder Brecher noch Power- oder Spektakelstürmer. Er ist ein sanftes Genie in der Centerposition. Der Chefingenieur im spielerischen Maschinenraum der Devils. Ein kompletter, perfekter Spieler ohne Schwächen.

Die überragende Spielintelligenz ist seine grösste Qualität. Sie macht ihn für Schweizer Verhältnisse zu einem Jahrhundert-Spieler und in Nordamerika immer noch zu einem Jahrzehnt-Talent. Er ist neben dem Eis freundlich, bescheiden und ausgeglichen. Es gibt über ihn keine Skandalgeschichten. Bis heute ist alles in seiner Karriere perfekt gelaufen: Visp, Bern, Halifax, New Jersey. Auch so mahnt er als Lichtgestalt in der Krise der New Jersey Devils ein wenig an Roger Federer.

Die Erwartungen sind himmelhoch. Er war die Nummer 1 im Draft von 2017. Die New Jersey Devils rechnen damit, dass Nico Hischier das ganze Unternehmen in eine glanzvolle Zukunft führt.

Pittsburgh Penguins center Sidney Crosby (87) gets ready to take the face-off against the Toronto Maple Leafs during the first period of an NHL hockey game, Saturday, Feb. 2, 2019 in Toronto. (Nathan Denette/The Canadian Press via AP)

Sidney Crosby. Bild: AP/The Canadian Press

Manchmal erfüllen die Nummer-1-Drafts die kühnsten Erwartungen. Mario Lemieux, Sidney Crosby (Pittsburgh), Patrick Kane (Chicago) oder Alex Owetschkin (Washington) haben früher oder später ihre Mannschaft zum Stanley Cup geführt.

Aber es gibt auch hochbegabte Spieler, die ihre Organisation einfach nicht wie erwartet voranbringen (Connor McDavid/Edmonton) oder nicht wie erwartet vorangebracht haben und später wegtransferiert worden sind – wie Alex Daigle (Ottawa), Eric Lindros (Philadelphia) oder Joe Thornton (Boston).

Letzte Saison bestritt Nico Hischier als einziger Spieler seines Teams alle Partien und die Devils erreichten ähnlich überraschend die Playoffs wie diese Saison bei uns die SCL Tigers.

Diese Saison kommen die «Teufel» nicht aus der Krise heraus. Das Saisonmotto «Now we rise» (wörtlich: «Jetzt steigen wir auf») wirkt wie bitterer Hohn. Sie sind das drittschwächste Team der Liga. Das 3:2 gegen Carolina war erst der 21. Sieg im 55. Spiel und hat in erster Linie statistischen Wert. Die Chancen auf die Playoffs sind bald nur noch theoretischer Natur. Für Carolina, das gut im Rennen liegt und jeden Punkt für die Playoffs braucht, war die Niederlage ärgerlich wie die sonntägliche Pleite von Gottéron gegen die Lakers.

Warum sind die Devils in die Krise geraten? Nico Hischier sieht nicht einen Grund. Sondern viele Gründe. «Es ist die Summe der Details, die uns zum Verhängnis geworden ist.» Was sich bei der Ausgeglichenheit der Liga fatal auswirken kann. Eine wichtige Rolle spielt der verletzungsbedingte Ausfall von Taylor Hall (27). Der Nummer-1-Draft der Edmonton Oilers von 2010.

New Jersey Devils Taylor Hall (9) takes part in hockey practice, Wednesday, Jan. 11, 2017 in Edmonton, Alberta. This is Hall's first return to Edmonton since being traded to the Devils. (Jason Franson/The Canadian Press via AP)

Taylor Hall. Bild: AP/The Canadian Press

Der Vorteil: In New Jersey ist es im Vergleich zu Toronto oder Montreal selbst in einer Krise nahezu windstill. Das Management kann es sich erlauben, geduldig zu sein.

Wenn es nicht läuft, steht der Leitwolf in der Verantwortung. Davon lässt sich Nico Hischier nicht irritieren. «Der Druck ist so oder so in jedem Spiel da.» Es sei ihm bisher gut gelungen, mit dieser Belastung zu leben. Gab es Krisensitzungen? «Wir haben ein Teammeeting gehabt und da haben wir darüber gesprochen, was wir besser machen müssen.» Kein Drama. Einfach Alltag. Ja, er habe auch das Wort ergriffen. «Aber eigentlich halte ich mich zurück.»

Das Pech der Devils kann das Glück von Patrick Fischer werden. Wenn die Devils die Playoffs nicht erreichen, kann der Nationaltrainer Nico Hischier von allem Anfang an bei der WM einsetzen. Es wäre die erste WM für Nico Hischier und er bestätigt für den Fall, dass die Playoffs verpasst werden: «Wenn ich gesund bin und aufgeboten werde, dann bin ich dabei.»

Bei aller Bescheidenheit: Mit einem Aufgebot darf er definitiv rechnen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Max Pauer 11.02.2019 13:53
    Highlight Highlight Hoffentlich, hoffentlich bekommt er ein WM-Aufgebot. 😃
  • cinderella87 11.02.2019 10:13
    Highlight Highlight Ich möchte ja nicht den Miesepeter spielen. Aber Jersey braucht dringend noch ein Top Pick.
    Zudem müsste man alles unternehmen um noch bis zu Transferschluss (ich glaube 25.2) Panarin zu bekommen.
    Und auch dann wird es noch schwierig, auf dem Papier hat Jersey wahrscheinlich das schlechteste Kader von allen 31 Teams. Johansson wir total überschätzt(-10), Palmieri ist ein guter Top 6 Stürmer mehr aber auch nicht.
    Nico und Hall sind Top aber wen man die anderen Kader anschaut sieht man relativ schnell das man mit zwei Top Spieler keine Chance hat. Es braucht zwei Top Linien um erfolg zu haben.
    • HabbyHab 11.02.2019 11:00
      Highlight Highlight Wieso müsste man alles unternehmen, um Panarin zu bekommen? Damit er danach im Sommer wieder geht? Und dafür müsste man sicherlich mindesten den diesjährigen Erstrunden-Pick und einen Prospect abgeben. Das bringt ja wohl nichts, da Jersey sowieso nicht in die Playoffs kommt..
    • cinderella87 11.02.2019 11:21
      Highlight Highlight Die Idee währe schon das man in über diese Saison hinaus verpflichten kann. Mann kann schon bis ende Saison warten nur glaube ich das man die bessern Karten hat in zu binden wen er schon beim Club ist.
      Mit Marcus Johansson und vielleicht noch einem dritt Linien Spieler würde man vielleicht schon eine Lösung finden mit Columbus, da ja der Vertrag von Johansson auch ende Saison ablauft.
    • Brothamster 11.02.2019 13:15
      Highlight Highlight Panarin hat bereits angekündigt, dass er den Markt sondieren wolle, wenn die Saison vorbei ist, da wird es wohl keine grosse Rolle spielen, bei welchem Klub er aktuell noch unter Vertrag steht
  • PizzaPestoni 11.02.2019 07:27
    Highlight Highlight Seine einzige sichtbare Schwäche ist sicher no das Bully Spiel, doch kaum ein junger Spieler hat dort eine Quote über 47% Prozent. (Hischier hat 43.5%)

    Er hat alles, um einen, wenn nicht sogar den besten, two way Center der Liga zu werden.

    Die Devils haben eine gute Zukunft vor sich, diesen Sommer müssen sie jedoch einen Big Fish in der free agency verpflichten (Stone, Karlsson)
    • ta0qifsa0 11.02.2019 09:07
      Highlight Highlight Um wieder ein ernsthafter contender zu werden brauchen sie noch Spieler von diesem Kaliber - aber nicht zwingend diesen Sommer schon! Vieles wird auch davon abhängen, ob Marcus Johansson bleiben wird oder nicht - denn ohne ihn brauchen sie zwingend noch einen Top 6-Forward!

      Mit einem Top 2019er-pick (Mein Wunsch wäre Kakko) und ihrem letztjährigen 1st rounder Ty Smith im line up, einem gesunden Taylor Hall und sehr wichtig -> besserem goaltending (Da wird v.a. Schneider gefragt sein) ist die PO-quali bereits möglich!
  • BeatBox 11.02.2019 07:10
    Highlight Highlight Das grösste Problem der Devils in dieser Saison ist das Goaltending! Aber auch da zeichnet sich eine Verbesserung ab mit Blackwood.

    Hischier wird nie der spektakuläre Spieler wie Mac Jesus, oder Matthews, aber er wird ein dominierender 1st line Center werden. Nächstes Jahr noch ein paar Kilo Muskelmasse dazu und man kann ihn gar nicht mehr abdrängen.

    Bei seiner Spielweise vergisst man bei der Bewertung manchmal sein Alter. Only the sky is the limit!
  • HabbyHab 11.02.2019 06:55
    Highlight Highlight "Aber es gibt auch hochbegabte Spieler, die ihre Organisation einfach nicht wie erwartet voranbringen (Connor McDavid/Edmonton)" --> Es ist eher so, dass die Oilers es nicht schaffen, McDavid vorabzubringen.
  • Nelson Muntz 11.02.2019 06:29
    Highlight Highlight Respekt, so unauffällig wurden die Tigerli noch nie in einrn NHL Artikel eingebaut 😂🤪

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