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Biels Trainer Kevin Schlaepfer vor dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und dem SC Bern, am Samstag, 12. September 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Kevin Schläpfer darf sich momentan zum Thema Nationalteam nicht äussern. 
Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Biels berechtigter Zorn über ein unmoralisches Angebot – Schläpfer bekommt Interview-Verbot

Kevin Schläpfer bekommt ein offizielles Interview-Verbot zum Thema Nationalteam und Biels Manager Daniel Villard öffnet den Blick auf beispiellose Arroganz der Verbandsfunktionäre.



Kevin Schläpfer hat in Biel einen Vertrag bis 2018. Ohne Ausstiegsklausel. Das hat Nationalmannschafts-Direktor Raeto Raffainer nicht daran gehindert, Kevin Schläper hinter dem Rücken der Bieler Geschäftsführung eine Offerte zu unterbreiten.

Im Eishockey ist es Usanz, einen Spieler oder Trainer mit einem laufendem Vertrag nur mit Einverständnis des Arbeitgebers zu kontaktieren. Obwohl eine Kontrolle nicht möglich ist, wird dieses Agreement meistens eingehalten – oder man sollte eigentlich annehmen, dass sich wenigstens die Funktionäre des Verbandes mit ihrer Vorbildfunktion daran halten.

Vertreter wurden nach Biel eingeladen

Kevin Schläpfer hat Manager Daniel Villard über das Angebot informiert und anschliessend ist es zu einer bemerkenswerten Begebenheit gekommen. Daniel Villard sagt: «Wir haben die Verbandsvertreter nach Biel eingeladen und klargemacht, dass wir Kevin Schläpfer nicht freigeben. Dabei haben wir auch darüber gesprochen, was denn wäre, wenn eine Freigabe ereilt würde.»

Raeto Raffainer, Director of National Teams of the Swiss Ice Hockey, speaks to media, during an informal media meeting of the Switzerland national team, at the IIHF 2015 World Championship, at the O2 Arena, in Prague, Czech Republic, Monday, May 4, 2015. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Raffainer hat Schläpfer eine Offerte angeboten ohne die Bieler Geschäftsführung zu informieren. 
Bild: KEYSTONE

Nun ist es so, dass im Falle einer Kündigung zur Unzeit (der juristische Ausdruck dafür, wenn jemand einen weiterlaufenden Vertrag vorzeitig auflöst) bei einem Spieler der neue Klub dem alten Verein eine Million zu bezahlen hat. Die Liga hat diese Strafsumme zum Schutze von laufenden Verträgen eingeführt.

Wenn nun ein Trainer vorzeitig abgeworben wird, ist diese Bestimmung theoretisch auch anwendbar. Wenn nicht, so ist doch mindestens der Klub, der einen Trainer freigibt, angemessen zu entschädigen. Schon aus Anstand.

Biel hätte keine Entschädigung bekommen

Daniel Villard sagt, der Verband hätte Biel nicht einmal für die vorzeitige Freigabe von Kevin Schläpfer entschädigt. «Man hat uns erklärt, die Nationalmannschaft sei so wichtig, dass es eine Ehrensache sei, den Trainer für diesen Posten freizugeben. Ich frage mich schon, in welcher Welt wir eigentlich leben.» Das Angebot, einen der charismatischsten und besten Trainer einfach aus einem noch bis 2018 gültigen Vertrag ziehen zu lassen ohne dafür in irgendeiner Form entschädigt zu werden, können wir als unmoralisches Angebot bezeichnen.

Daniel Villard, Geschaeftsfuehrer, waehrend der Vorsaison-MK des EHC Biel, am Montag, 24. August 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Daniel Villard will Schläpfer nicht freigeben.
Bild: KEYSTONE

Raeto Raffainer bestätigt die Zusammenkunft in Biel, sagt jedoch nichts zu dem, was dort verhandelt worden ist. «Kein Kommentar.» 

Die ganze, eigentlich unwürdige Episode ist für Daniel Villard, einen der kompetentesten Hockeymanager im Land, immerhin eine Art «Aha-Erlebnis.» Er sagt: «Wir müssen uns langsam aber sicher fragen, ob wir uns das alles bieten lassen müssen.»

Inzwischen hat Biel seinem Trainer offiziell ein Interview-Verbot zum Thema Nationalmannschaft auferlegt und die Chronistinnen und Chronisten offiziell darüber informiert. Das hat es so noch nicht gegeben; die Verbandsfunktionäre tragen mit ihrem in jeder Beziehung ungeschickten Vorgehen Unruhe in die Klubs. Um die Situation nicht noch mehr anzuheizen, wird es notwendig, ein Sprachverbot für Angelegenheiten rund um den Nationaltrainer zu erlassen. Wie sagte doch Daniel Villard? «Ich frage mich schon, in welcher Welt wir eigentlich leben.»

So steht es um die 12 NLA-Trainer

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So steht es um die 12 NLA-Trainer (Stand Februar 2016)
quelle: freshfocus / andy mueller/freshfocus
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