DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Wohin des Weges, Leonardo Genoni?
Wohin des Weges, Leonardo Genoni?Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Darum brauchen die «neuen» ZSC Lions Leonardo Genoni gar nicht mehr

Die ZSC Lions können mit einem Halbfinal-Triumph über den SC Bern ein kurzweiliges Transferspektakel auslösen und viel Geld sparen. Es geht auch um die Zukunft von SCB-Torhüter Leonardo Genoni.
22.03.2018, 16:5622.03.2018, 17:27

Die ZSC Lions haben Zug soeben aus den Playoffs gekippt. Ortstermin. Die Atemluft im Bauch des Stadions ist getränkt mit Schweiss, Enttäuschung und Freude. Lärmiger Jubel und Trubel dringen aus der Kabine der Zürcher. Und im Gang davor stehen die ZSC-Bürogeneräle – Sportchef Sven Leuenberger und Manager Peter Zahner – mit gewichtiger Miene herum.

ZSC-Sportchef Sven Leuenberger.
ZSC-Sportchef Sven Leuenberger.Bild: KEYSTONE

Da stellt ein vorwitziger Chronist dem ZSC-Sportchef die Frage, wozu er eigentlich den Leonardo Genoni noch brauche? Der Lukas Flüeler sei ja mindestens so gut. Sven Leuenberger mag auf diese Provokation nicht eintreten.

Es ist ja so, dass Leonardo Genoni (30) beim SC Bern noch einen Vertrag für nächste Saison hat. Es ist aber weitherum bekannt, verkündet und unbestritten, dass die Zürcher den mehrfachen HCD- und SCB-Meistergoalie à tout prix nach Vertragsablauf in Bern endlich zurückholen wollen. Schliesslich ist er ja ein eigener Junior, der im Frühjahr 2007 Zürich verlassen hat um in Davos und in Bern die Hockeywelt zu erobern.

Genoni im August 2007 nach seinem Wechsel zum HC Davos.
Genoni im August 2007 nach seinem Wechsel zum HC Davos.Bild: KEYSTONE

Hard-Rock-Hockey statt Puckgeschiebe

Leonardo Genoni verdient beim SCB ziemlich genau 650'000 brutto im Jahr. Da er im August erst 31 wird und mindestens noch fünf gute Jahre vor sich hat und ihn Bern unbedingt halten will, darf er mit einer schönen Lohnerhöhung rechnen. Er dürfte ab 2019 der bestverdienende NLA-Torhüter aller Zeiten sein.

Soweit so gut. Aber nun hat Lukas Flüeler die ZSC Lions soeben mit einer Fangquote von 93,29 Prozent ins Halbfinale gehext. Der wehrhafte Riese (192 cm/ 99 kg) ist endlich wieder ein charismatischer Blocker mit einer zwingenden Ausstrahlung. Er ist der bisher beste Torhüter der Playoffs 2018.

Die Fangquote der Playoff-Torhüter
1. Leonardo Genoni (Bern) 95.78%
2. Lukas Flüeler (ZSC) 93.29%
3. Elvis Merzlikins (Lugano) 92.68%
4. Gilles Senn (Davos) 90.73%
5. Tobias Stephan (Zug) 90.61%
6. Robert Mayer (Genf) 89.44%
7. Jonas Hiller (Biel) 89.06%
8. Barry Brust (Fribourg) 85.07%

Inzwischen haben die Zürcher die von Hans Wallson eingeschleppte «Schwedische Grippe» auskuriert. Dieses unsägliche pseudointellektuelle Puckgeschiebe quer, rückwärts, wieder quer und wieder rückwärts mit Walzerdrehungen in den Ecken statt vor dem Tor hatte alle und vor allem auch Lukas Flüeler verunsichert.

Nun ist wieder Hard-Rock-Hockey angesagt. Einfach, urig, rau, geradlinig, vorwärts und direkt wie die Musik der alten Status Quo. Und siehe da: Nach Wiederherstellung einer vernünftigen taktischen Ordnung spielt auch Lukas Flüeler wieder sein bestes Hockey.

Bild: KEYSTONE

Playoff-Betriebstemperatur bei den Lions

Da auch nächste Saison ein nordamerikanischer Trainer (Serge Aubin) an der Bande stehen wird, dürfte sich am taktischen Layout und damit auch am Spiel von Lukas Flüeler wenig ändern.

Die «neuen» ZSC Lions brauchen Leonardo Genoni also nicht mehr. Neu in Anführungszeichen, weil es ja eigentlich eine Rückkehr zu den alten, wahren, meisterlichen nordamerikanischen ZSC-Tugenden in der Tradition von Kent Ruhnke, Larry Huras, Bob Hartley und Marc Crawford ist.

So oder so sind die ZSC Lions nun der gefährlichste Gegner für den Meister. Der SCB ist seit Mitte Dezember nicht mehr richtig gefordert worden. Hans Kossmann ist es hingegen gelungen, seine Jungs aus der Komfortzone zu vertreiben. Die ZSC Lions haben Playoff-Betriebstemperatur.

Hext Lukas Flüeler den ZSC auch gegen Bern weiter?
Hext Lukas Flüeler den ZSC auch gegen Bern weiter?Bild: KEYSTONE

Dieses Halbfinale wird so ausgeglichen sein, dass die Torhüter mit ziemlicher Sicherheit die Differenz machen werden. Und wenn Lukas Flüeler, mit Vertrag bis 2020, besser oder gleich gut sein sollte wie Leonardo Genoni, dann macht es für die Zürcher definitiv keinen Sinn mehr, sich um Leonardo Genoni zu bemühen. Es ist dann besser, das Geld in Transfers von Feldspielern oder ins ausländische Personal zu investieren.

Und so stellt sich für Leonardo Genoni und dessen Agenten Erich Wüthrich die Frage: Warum eigentlich zurück nach Zürich? Warum nicht nach Zug? Ja, Zug. Zum dritten Mal in vier Jahren sind die Zuger unter Trainer Harold Kreis bereits im Viertelfinale aus den Playoffs geflogen. Zu den Versagern gehört erneut Torhüter Tobias Stephan (34). Sein Vertrag läuft Ende der nächsten Saison aus. Also zum gleichen Zeitpunkt wie der Kontrakt von Leonardo Genoni. Das passt.

Der Vertrag von Tobias Stephan läuft nächste Saison aus.
Der Vertrag von Tobias Stephan läuft nächste Saison aus.Bild: KEYSTONE

Meister wird Zug nämlich nur mit einem Meistergoalie. Tobias Stephan ist, wie wir soeben gesehen haben, kein Meistergoalie. Es obliegt Zugs Sportchef Reto Kläy, nicht nur kurzfristig, sondern auch strategisch (langfristig) zu denken.

Wenn Sven Leuenberger Leonardo Genoni in Zürich also nicht braucht – wäre der aktuelle SCB-Torhüter dann, sofern er Bern verlassen wird, nicht der ideale, der perfekte Mann für Zug?Müsste sich Reto Kläy nicht bei Genonis Agent Erich Wüthrich melden?

Reto Kläy sagt auf eine entsprechende Anfrage: «Wer weiss, vielleicht habe ich ja schon angerufen ...». Leonardo Genoni ab Sommer 2019 nicht mehr in Bern, auch nicht in Zürich, aber in Zug? Transfer-Affaire à suivre.

Das Büro steht Kopf, wir sind im Playoff-Fieber

Video: Angelina Graf

Die besten 50 Eishockey-Spieler des Jahres 2017

Witziges zum Eishockey

Alle Storys anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

45 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Couleur
22.03.2018 17:36registriert Januar 2018
5 Spiele haben beim Eismeister so ziemlich alles in seiner Meinung fundamental kippen lassen...Affaire à suivre.
1738
Melden
Zum Kommentar
avatar
LebeauFortier
22.03.2018 17:44registriert März 2016
Ich bin glücklich mit Flüeler beim ZSC, auch wenn ihn Genoni die nächsten zwei Wochen austrumpfen sollte.

Flüeler hat uns immerhin schon 2x zum Meister gemacht. Gar nicht schlecht für einen, der von Unwissenden immer wieder als Lottergoalie betitelt wird. 🤫
15714
Melden
Zum Kommentar
avatar
Ürsu
22.03.2018 17:17registriert Juni 2015
Wieso sollte Genoni den SCB verlassen? Für mich nicht einleuchtend.
16244
Melden
Zum Kommentar
45
Einige Nationalspielerinnen verdienen nur 6000 Franken – im Jahr
Die Schweizer EM-Fahrerinnen verdienen deutlich weniger als männliche Fussballer. Bei einigen Topklubs erhalten die Männer 100 Mal so viel wie die Frauen – obwohl sie denselben Job beim selben Arbeitgeber ausüben.

«Riola!», schreit das Mädchen auf der Tribüne des Letzigrundstadions. Sie hält Riola Xhemaili ihr Smartphone hin, die Nationalspielerin nimmt dieses entgegen und knipst ein Selfie. Dieses Prozedere wiederholt sie einige Male, weitere Kinder schreien. Sie lächelt in die Kameras, danach unterschreibt sie noch diverse Trikots. Ein Mädchen weint, als sie kurz mit Xhemaili sprechen kann.

Zur Story