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Biels Cedric Haechler, zweite von links, jubelt nach seinem Tor (4-2) mit Davos Dario Simion, Davos Magnus Nygren, und Davos Marc Wieser, waehrend dem Swiss Ice Hockey Cup halbfinale zwischen den HC Biel und dem HC Davos, am Donnerstag, 4. Januar 2018, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Erstmals im Cupfinal der Neuzeit: der HC Davos. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Nach einem der besten Cup-Spiele der Geschichte: Ist Davos gar ein Meisterkandidat?

Am Anfang steht die Frage, ob der HCD den Cup-Halbfinal in Biel überhaupt ernst nehmen wird. Am Ende steht eine Meisterwarnung für die Titanen der Liga.



Der HC Davos gewinnt in Biel eine der besten und intensivsten Cup-Partien der Geschichte 4:2 und trifft im Finale am 4. Februar auswärts auf die Rapperswil-Jona Lakers.

Drei Erkenntnisse gibt es aus dieser Partie:

Erstens: Das Wort des Präsidenten hat beim HCD Gewicht. Gaudenz Domenig hatte nach Intervention von Hauptsponsor «Zürich» seinen Trainer ermahnt, die Partie ernst zu nehmen. Und tatsächlich trat Arno Del Curto in Biel in Bestbesetzung an.

Davos Cheftrainer Arno Del Curto spricht, waehrend dem Swiss Ice Hockey Cup halbfinale zwischen den HC Biel und dem HC Davos, am Donnerstag, 4. Januar 2018, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Arno Del Curto machte seine Spieler heiss, damit der Präsident Freude (und Geld) bekommt. Bild: KEYSTONE

Er liefert dafür eine interessante Begründung: «Unsere Situation in der Qualifikation ist so unerwartet gut, dass wir das Risiko eingehen konnten, mit unseren besten Spielern in Biel anzutreten. Hätten wir bloss etwa 50 Punkte gehabt, hätten wir dieses Spiel fahren lassen und uns auf die folgenden Meisterschaftspartien konzentriert.» Der HCD tritt nun zweimal gegen Zug an. «Wir müssen aufpassen, dass wir nun nicht eine Klatsche erwischen.» Es gehört zu den Kuriositäten dieser Meisterschaft, dass der HCD nach 36 Spielen mit einem negativen Torverhältnis auf Platz zwei in der Tabelle steht.

Die Sache mit dem Versprechen an den Präsidenten

Als weiteren Grund für den starken Auftritt in Biel gibt Arno Del Curto das Versprechen ab, das er Gaudenz Domenig gegeben hat. «Wir haben zwei zusätzliche Ausländer bewilligt bekommen (Brandon Buck und Mikael Johansson – die Red.). Ich habe meinem Präsidenten versprochen, dass wir dafür alles tun werden, um so viel Geld wie möglich durch den Cup hereinzubekommen um die Kosten für diese Ausländer zu bezahlen. Für mich gilt: Ein Mann ein Wort. Dieses Versprechen mussten wir einlösen.»

In der Tat ist nun ein schöner Teil der Kosten für die beiden zusätzlichen Ausländer durch die Cup-Einnahmen gedeckt. Cup-Chef Willi Vögtlin rechnet vor: «Mit der Final-Qualifikation hat der HCD bereits 108'000 Franken eingespielt. Gewinnt der HCD den Final, werden wir insgesamt 328'000 Franken nach Davos überweisen.» Der Nonkonformist Arno Del Curto hat also durchaus hockeykapitalistisches Verantwortungsgefühl.

Stresstest bestanden

Zweitens: der HCD hat einen aussergewöhnlichen «Stresstest» bestanden. Die Halbfinalpartie in Biel war das 6. Spiel in 9 Tagen. Gegen ein Biel, das die zweite Partie in 9 Tagen bestritt. Arno Del Curto sagt: «Diese Erfahrung hilft unseren jungen Spielern im Hinblick auf die Playoffs.» Und vor zwei Tagen hatte der HCD bereits Meister und Tabellenführer SC Bern 4:1 besiegt.

Davos Gregory Sciaroni, links, Biels Beat Forster, und Davos Marco Forrer, rechts, kaempfen um den Puck, waehrend dem Swiss Ice Hockey Cup halbfinale zwischen den HC Biel und dem HC Davos, am Donnerstag, 4. Januar 2018, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Mit vereinten Kräften stoppte Davos Biel – und dies trotz Stresstest. Bild: KEYSTONE

Die Bieler waren in diesem Halbfinale frischer. Sie spielten mutig und druckvoll. Es war erstaunlich, wie zäh, bissig und gut organisiert die Davoser dagegen hielten. «Wir spürten die Müdigkeit und mussten uns deshalb auf die Defensive konzentrieren» sagt der HCD-Trainer. «Es wäre für uns schwierig geworden, wenn wir in Rückstand geraten wären und wir hätten kaum mehr als ein Tor noch aufholen können.» Die gut eingeschulten Automatismen halfen seinen Jungs. Sie erzielten zwei Treffer in Überzahl und einen in Unterzahl. Das Boxplay funktionierte vorzüglich und hielt einmal auch einer 3 gegen 5 Übermacht stand.

Es ist zwar «nur» eine Cup-Partie. Doch diese famos bestandene Belastungsprobe der letzten Tage sollte der Konkurrenz eine Warnung sein: Der HCD ist ganz offensichtlich playoff-tauglich. Was uns zur dritten Erkenntnis führt.

Meisterkandidat dank Goalie van Pottelberghe?

Drittens: Dieser stressresistente HCD kann mit einem grossen Torhüter Meister werden. Vor einem Jahr entwickelte sich Gilles Senn (21) vor den Playoffs zur Nummer 1. Er hexte den HCD gegen Lausanne ins Halbfinale – doch dann waren seine Batterien leer.

Davos Goalie Joren Van Pottelberghe, waehrend dem Swiss Ice Hockey Cup halbfinale zwischen den HC Biel und dem HC Davos, am Donnerstag, 4. Januar 2018, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Joren van Pottelberghe kann jedes Spiel für Davos gewinnen. Bild: KEYSTONE

Nun war Joren van Pottelberghe (20) klar besser als Biels Jonas Hiller (35). Trainer Antti Törmänen holte den ehemaligen NHL-Titanen nach den ersten 20 Minuten und drei Gegentreffern vom Eis und ersetzte ihn durch Elien Paupe (22). Sage mir, wie Jonas Hiller spielt und ich sage dir, ob Biel siegen kann. In diesem Halbfinale war der Torhüter der Bieler nicht gut genug.

Immer mehr zeichnet sich ab: Der flinke Stilist Joren van Pottelberghe ist so talentiert, dass er jede Partie für den HCD gewinnen kann, wenn er sein bestes Hockey spielt. Und er war mental erstaunlich robust und steckte einen haltbaren zweiten Gegentreffer problemlos weg. Arno Del Curto schränkt ein: «Er muss nun noch konstanter werden.»

Wenn Joren van Pottelberghe auch in den Playoffs konstant auf diesem Niveau spielt – dann ist der HCD sogar ein Meisterkandidat. Ja, der HCD kann als erster Club das «Double» holen – Cup und Titel. Dieses Halbfinale in Biel sollte den ZSC Lions und dem SCB eine Warnung sein.

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