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Luganos Linus Klasen im dritten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem SC Bern, in der Resega Halle in Lugano, am Donnerstag, 7. April 2016. (KEYSTONE/Ti-Press/Carlo Reguzzi)

Luganos Topskorer Linus Klasen konnte in den letzten beiden Finalpartien wenig bewirken.
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Eismeister Zaugg

Die Tessiner in Rücklage im Playoff-Final – Luganos Problem: «Two and a Half Men»

Ist Luganos Zauberschwede Linus Klasen (30) eben doch ein Weichei? Mit zweieinhalb Schweden kann Lugano den SC Bern jedenfalls nicht besiegen.



Um zu erklären, warum Lugano in diesem grossen Finaldrama der Untergang droht (der aber nach wie vor abgewendet werden kann!), ist es durchaus hilfreich, dies an einem Beispiel aus Nordamerika zu tun. Dabei müssen wir uns bewusst sein, dass den Nordamerikanern der Begriff «Krieg», der eigentlich im Sport nichts zu suchen hat, im Eishockey sehr leicht über die Lippen kommt.

Berns Eric-Ray Blum, rechts, im Duell mit Luganos Luca Fazzini, links, im dritten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem SC Bern, in der Resega Halle in Lugano, am Donnerstag, 7. April 2016. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Kann sich der HC Lugano nochmals aufrappeln?
Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Die Geschichte ist verbürgt und hilft uns Luganos Problem zu verstehen. Jim Peplinski, der Haudegen der Calgary Flames, hat sie einmal erzählt. Vor einer Playoffpartie zwischen den Calgary Flames und den Edmonton Oilers in den 1980er Jahren hielt Calgarys Coach Bob Johnson eine flammende Kabinenrede, die ungefähr so ging: «Es wird heute da draussen wieder Krieg sein. Schaut euch um, damit ihr wisst, mit wem ihr ins Gefecht zieht.»

Der härteste und böseste Mann im Team war Tim Hunter. Der mit Abstand talentierteste, aber weichste Kent Nilsson. Der Vater von ZSC-Schillerfalter Robert Nilsson sollte später u. a. auch drei Jahre für Kloten zaubern (1989 bis 1992).

Jim Peplinski erzählt, er habe sich also nach rechts umgesehen, Tim Hunter erblickt und sei erleichtert gewesen. Dann habe er nach links geschaut und Kent Nilsson gesehen und geseufzt: «Na gut, immerhin einer von zwei…»

Luganos Topscorer Linus Klasen, links, im Duell mit Berns Simon Bodenmann, rechts, im dritten Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem HC Lugano und dem SC Bern, in der Resega Halle in Lugano, am Donnerstag, 7. April 2016. (PHOTOPRESS/Samuel Golay)

Linus Klasen versucht sich gegen Simon Bodenmann zu behaupten.
Bild: PHOTOPRESS

Ungefähr so muss sich Tony Martensson fühlen, wenn er vor dem Gang durchs Fegefeuer gegen den SC Bern in der Kabine zwischen seinen Landsleuten Fredrik Pettersson und Linus Klasen sitzen sollte. Wenn er auf der einen Seite den für skandinavische Verhältnisse bissigen Pettersson sieht, wird er beruhigt sein. Aber wenn er auf der anderen Seite Linus Klasen erblickt, könnte er an dessen «Kampftauglichkeit» ebenso zweifeln wie einst Jim Peplinksi an jener von Kent Nilsson.

Luganos wichtigste Sturmlinie können wir also mit etwas Boshaftigkeit nach einer US-TV-Serie benennen: «Two and a Half Men» («Zweieinhalb Männer»). Die «halbe Portion» ist Linus Klasen. Luganos Antwort auf Kent Nilsson.

Lugano siegte im ersten Spiel gegen einen freundlichen, verspielten SC Bern 5:4. Linus Klasen zelebrierte zwei Tore und einen Assist. In der zweiten und dritten Partie gegen einen nun grimmigen, rauen, bösen SCB ist er ohne Skorerpunkt geblieben und mit viel Boshaftigkeit dürfen wir ihn als Weichei bezeichnen. Tony Martensson und Fredrik Pettersson kamen beim 2:3 n. V. am Donnerstag wenigstens zu je einem Punkt.

Mit zweieinhalb Männern aus Schweden kann Lugano diesen SCB nicht besiegen. Und noch etwas zeigt uns, dass in diesem grossen Finaldrama vieles anders ist als in der Vergangenheit. Noch immer gilt vielerorts das Vorurteil: «Mit Finnen kann man nicht gewinnen.» Und es wird das Hohelied der Schweden gesungen.

Die Luganesi mit dem Assistenztrainer Ivano Zanatta, vorne rechts, und Spieler Sandy Jeannin, vorne links, feiern mit dem Meisterpokal den soeben gewonnenen 7. Meistertitel nach dem fuenften Playoff-Finalspiel der Eishockey NLA zwischen dem HC Lugano und dem HC Davos, am Donnerstag, 13. April 2006, in Lugano. Das Spiel endet 3:1 zugunsten von Lugano.  (KEYSTONE/PHOTOPRESS/Karl Mathis)

Vor zehn Jahren führten die Finnen den HC Lugano zum Meistertitel. Können das die Schweden 2016 auch?
Bild: PHOTOPRESS

2006 führten drei Finnen Lugano zum bisher letzten Titel. Petteri Nummelin, Ville Peltonen und Jukka Hentunen. Das Trio liess sich in 17 Playoffpartien sage und schreibe 72 Skorerpunkte gutschreiben. Da ist die Bilanz der drei aktuellen Lugano-Schweden mit 39 Punkten aus zwölf Partien nicht ganz so brillant.

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2006 ist Lugano mit drei ganzen finnischen Mannsbildern Meister geworden. Jetzt versucht es Lugano sozusagen mit zweieinhalb schwedischen Männern.

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