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Davos' head coach Christian Wohlwend during the game between Team Canada and HC Davos, at the 93th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Saturday, December 28, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Hat sich nicht ans Drehbuch gehalten: HCD-Trainer Christian Wohlwend. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Wenn das Herz des HCD-Trainers stärker ist als das Drehbuch

Also doch: Eishockey ist ein unberechenbares Spiel. Sogar neben dem Eis. Wie selbst dem smarten HCD-Sportdirektor Raeto Raffainer die Dinge aus dem Ruder gelaufen sind. Die HCD-Fans wird’s freuen.



Vom grossen Strategen Carl von Clausewitz lernen wir: Ein noch so sorgfältig ausgearbeiteter Schlachtplan wird beim ersten Schusswechsel zur Makulatur (wertlos gewordenes Stück Papier).

Wie kommunizieren wir im Krisenfall? Kein Problem. Es gibt unzählige Gaukler und sonstige Scherenschleifer, die den verantwortungsscheuen modernen Managern für teures Geld beibringen, was man sagen soll und was nicht.

Davos`Raeto Raffainer during the game between TPS Turku and HC Davos, at the 93th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Sunday, December 29, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Raeto Raffainer weiss, wie Kommunikation mit den Medien geht. Bild: KEYSTONE

Raeto Raffainer braucht keinen dieser Berater. Der smarte HCD-Sportdirektor ist ein begabter Kommunikator und hat während seiner Tätigkeit beim Verband in diesem Bereich reichlich Erfahrungen gesammelt. Und doch hat es ihn jetzt erwischt.

Beim Verband war halt alles strukturiert (unter Präsident Michael Rindlisbacher heute ein «Bundesamt für Eishockeywesen»). Im Rahmen einer Weltmeisterschaft sind die Medienauftritte so durchorganisiert, dass sich die Gemüter in der Regel beruhigt haben, wenn den Helden des Abends die Mikrofone entgegengestreckt werden.

Im nationalen Spielbetrieb oder bei einem Turnier wie beim Spengler Cup läuft hingegen alles viel spontaner. Und die Kontrolle wird schwieriger. Zudem ist ja beim HCD soeben die Hochzeitsreise zu Ende gegangen: Bisher ist für Sportdirektor Raeto Raffainer und Trainer Christian Wohlwend in der Meisterschaft alles perfekt gelaufen. Wonne und Sonne wie auf einer Hochzeitsreise. Erst hier beim Spengler Cup hat der Alltag, der Ernst des Lebens angefangen.

Der Engadiner erzählt nicht ohne Selbstironie über sein persönliches Kommunikations-Waterloo beim Turnier. Davos hat sich bekanntlich mit einem verschenkten Sieg gegen Kanada (1:5) in eine heikle Lage gebracht und kann das riskante Pokerspiel nur mit einem Sieg im Viertelfinal rechtfertigen. Wie wir wissen, ist alles schiefgelaufen. Davos verliert gegen Turku 1:3 und scheidet aus. Die grösste Spengler Cup-Pleite seit Einführung des neuen Formates mit sechs Teams (2010).

Raeto Raffainer erzählt, er habe sich während des letzten Drittels unten in der Kabine auf die Fragen nach dem Spiel vorbereitet. «Ich habe mir ein Drehbuch zurechtgelegt. Was sind die zu erwartenden Fragen, was unsere Antworten. Was dürfen wir sagen und was nicht.» Sozusagen wie ein Carl von Clausewitz des Eishockeys.

Auf dem TV-Schirm habe er mit einem Auge das Spiel verfolgt. «Nach dem 1:2 wusste ich: so, jetzt das Krisen-Drehbuch.» Er habe nach dem Spiel sofort Trainer Christian Wohlwend zur Seite genommen und sei mit ihm das Drehbuch durchgegangen. Punkt für Punkt. Explizit habe er ihm eingeschärft, ja nichts zu den Fans zu sagen. Raeto Raffainer kennt schliesslich seinen Pappenheimer. Mehr geht nicht. So kann nichts schief gehen. Oder?

«Wir werden auf unsere Fans zugehen und die Sache besprechen.»

HCD-Sportchef Raeto Raffainer

Tatsächlich stellt sich der HCD-Trainer mit einiger Verspätung (eben wegen des vorangegangenen Drehbuch-Studiums) vor der HCD-Kabine den kritischen Fragen der Chronistinnen und Chronisten. Und vergessen ist das Drehbuch. Herrlich authentisch regt sich Christian Wohlwend über die fehlende Unterstützung durch die Fans auf und stellt Ambris Anhänger als leuchtendes Beispiel hin. Wo er recht hat, da hat er recht. Das Herz ist stärker als das Drehbuch.

Hinterher habe ihm Christian Wohlwend kleinlaut gestanden, er habe halt doch etwas zu den Fans gesagt. Sozusagen der kommunikative Super-Gau, der auch sogleich einen Sturm im Wasserglas der sozialen Medien auslöst. Ein ehernes Gesetz des Sportes sagt: Lege dich niemals mit den Fans an! So etwas ist schlimmer als während des Freitagsgebetes in einer Moschee stehend laut ein Vaterunser zu beten.

Aber Raeto Raffainer hat auch für diesen Fall sein Drehbuch. «Wir werden auf unsere Fans zugehen und die Sache besprechen.» Und er profitiert davon, dass die klassischen HCD-Fans den Spengler Cup seit Jahren boykottieren. Weil sie das Turnier als Kommerz-Spektakel verachten. Sie müssten ja für den Besuch dieser Spiele viel Geld ausgeben. Also galt ja Christian Wohlwends Kritik gar nicht den wahren HCD-Fans.

Beim Treffen mit den Fans (der Termin steht natürlich noch nicht fest und Raeto Raffainer muss ja auch da noch ein Drehbuch schreiben) werde Christian Wohlwend natürlich auch dabei sein.

Wohlwend poltert auch beim SRF gegen die eigenen Fans. Video: SRF

Und vor den Fans muss sich der temperamentvolle HCD-Trainer sowieso nicht an ein Drehbuch halten. Er darf sein Herzen reden lassen. Darauf dürfen sich die eingefleischten HCD-Anhänger jetzt schon freuen: Der wahre, der echte, der «unzensierte» Christian Wohlwend hat einen hohen Unterhaltungswert.

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • c_meier 30.12.2019 22:52
    Highlight Highlight oh erst jetzt gesehen, bei Trinec spielt Jakub Stepanek, Meistergoalie beim SCB in der Saison 2015/2016.
  • MikeT 30.12.2019 21:58
    Highlight Highlight Dass die Hardcore-Fans, von denen es gemäss Zuschauerschnitt in Davos übrigens nicht so viele gibt, den SC als Kommerz schmähen, ist ja lächerlich. Ohne diese Kohle würden die Gegner schon längst Winterthur und Ticino Rockets heissen.
    • Stiffmaster 31.12.2019 01:41
      Highlight Highlight Diese Aussage stimmt im Artikel halt auch einfach nicht. Der gute Chlöisu hat offensichtlich noch nie mit einem "Hardcore" HCD-Fan gesprochen..

      Die Ostkurve Davos ermöglicht ihren Mitgliedern sogar ein Vorkaufrecht auf Tickets am SC. Da besteht definitiv kein Boykott. Die aktive Fanszene besucht die Spiele zwar tatsächlich nicht, aber das hat praktische Gründe wie Zugänge, Sektorentrennung etc. Mit dem Kommerz hat das nichts zu tun.
      Sollte sich bei den organisatorischen Problemen eine Lösung abzeichnen, stehen die Chancen gut, dass auch diese Fans wieder an den SC gehen.
    • SörgeliVomChristophNörgeli 31.12.2019 02:18
      Highlight Highlight Das habe ich mir auch gedacht. Ohne Spender-Cup-Kohle wäre del Curtos grösster Erfolg die Nicht-Playoff-Quali mit dem ZSC im letzten Eishockey-Jahr.
  • AntiZ 30.12.2019 21:56
    Highlight Highlight So lange er liefert, darf er auch „lafere“. Jetzt noch DiDo zu Wolwo. Und Action pur ist angesagt.
  • Pomponius 30.12.2019 21:10
    Highlight Highlight Braucht es für das Wort 'Makulatur' tatsächlich eine Erklärung? 🤔
  • MARC AUREL 30.12.2019 20:19
    Highlight Highlight Nein, Wohlwend darf so nicht reden! Es waren nicht die wahren Fäns??? Ohne SC wäre der HCD nirgends... also brauchen sie die Modefäns um sich zu finanzieren!
    • Lümmel 31.12.2019 01:58
      Highlight Highlight Du bist mir ja ein schöner Fän...!
  • Zanzibar 30.12.2019 20:11
    Highlight Highlight Ein ehernes Gesetz des Sportes sagt: Lege dich niemals mit den Fans an! So etwas ist schlimmer als während des Freitagsgebetes in einer Moschee stehend laut ein Vaterunser zu beten. 🤣🤣🤣

    Das Fans den Vereinen vorschreiben wollen was sie zu tun haben werde ich nie verstehen. Die sollen Applaus klatschen und die Mannschaft unterstützen und nicht gegen den eigenen Verein poltern. Das finde ich unabhängig von Verein und Sportart.
    • Max Dick 31.12.2019 11:12
      Highlight Highlight Haha der unterste Satz ist ja toll. Das Volk darf sich nicht gegen die Führung erheben, sondern nur zujubeln und die Klappe halten. Das sind ja geile Ansichten, die es doch noch gibt Ende 2019 in der Schweiz :D

      Ein guter Fan kämpft für seinen Verein. Wenn nötig auch gegen die eigene Vereinsführung.
  • Tikkanen 30.12.2019 19:51
    Highlight Highlight ...richtig Chlöisu, Wolwos Wutrede war authentisch und eine schöne Ausnahme im leider heutzutage von PR Fritzen vorgegebenen Interview Einheitsbrei. Aber heikel ist die Sache trotzdem. Denn wer wie die Murmeli nur wenige Zuschauer zu mobilisieren vermag, sollte es sich mit den wenigen nicht noch verscherzen. Zumal unter Grumpy Arno eine Aufstellung wie die gegen die Kanadier nie erfolgt wäre. Jänu, der Wolwo wird noch viel Grund zum Töipelä haben, die Zeit der Erfolge ist vorbei, Angesichts des bescheidenen Kader ist Busers Katzenmusik schier attraktiver als der HCD

    Item, Schweizermeister🐻🏆
    • mukeleven 30.12.2019 20:02
      Highlight Highlight eventuell zuerst noch vor deiner tuere sauber wischen - da hats noch offene goali-krümmel unter dem türteppich... 😉
    • Gigi,Gigi 30.12.2019 20:26
      Highlight Highlight Genau, HCD wird Schweizer Meister!
    • Hoscheho 2049 30.12.2019 20:29
      Highlight Highlight Herz? Heerz?! Ah nein, doch Blitz⚡️😂
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