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Berns Martin Pluess, der seine Eishockey-Karriere beendet, wird geehrt und verabschiedet sich von den Fans, beim Eishockeyspiel der National League zwischen dem SCB Bern und den ZSC Lions, am Freitag, 12. Januar 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Ex-SCB-Stürmer Plüss wird gestern vor dem Spiel gegen die ZSC Lions verabschiedet. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Warum Martin Plüss eine «falsche» SCB-Legende ist

Damit Martin Plüss zu einer Legende des SC Bern werden konnte, hat Marc Lüthi kurzerhand die Gesetze geändert. Der SCB-General ist neuerdings auch ein Legenden-Macher.



Kein Hockeyunternehmen im Land versteht es so gut, seine Helden zu ehren wie der SC Bern. Hier ist eben die Hockeykultur höher entwickelt als anderswo. Aber Achtung: Wer ein Held wird, entscheidet am Ende SCB-General Marc Lüthi, der König von Bern.

Die höchste Ehre beim SC Bern ist der sogenannte «Legendenstatus». Gestern ist Martin Plüss (40) vor dem Spiel gegen die ZSC Lions in einem festlichen Akt dieser Status verliehen worden. Sein Dress mit der Nummer 28 ist unters Hallendach aufgezogen worden. Zu den Klängen des Berner Marsches. Ein kultiges Musikstück aus dem Jahre 1791, das zum Symbol wurde zum Widerstand gegen die napoleonische Besatzung.

Wer eine Legende werden darf, hängt von diesen objektiven, in Stein gemeisselten Kriterien ab:

Vier dieser fünf Kriterien müssen erfüllt sein, um in den SCB-Hockeyhimmel der Legenden aufzusteigen. Vor Martin Plüss sind zwölf Spieler zu Legenden gemacht worden: René Kiener, Peter Stammbach, Martin Rauch, Roland Dellsperger, Sven Leuenberger, Renzo Holzer, Patrick Howald, Marc Reichert, Rentato Tosio, Ivo Rüthemann, Marco Bührer und David Jobin.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

Für manche sind die Gesetze gleicher

Nun wird der aufmerksame Fan stutzig: Auch Martin Plüss eine SCB-Legende? Kann nicht sein. Er erfüllt nämlich zwei Kriterien nicht. Er hat seine Profi-Karriere nicht beim SCB begonnen und «nur» neun statt der erforderlichen zehn Jahre in Bern gespielt. Martin Plüss, die «falsche» SCB-Legende.

Es ist beim SCB halt wie im richtigen Leben: Die Gesetze sind für alle gleich und für ein paar andere gleicher. Martin Plüss erfüllt tatsächlich die Voraussetzungen für den SCB-Helden-Status nicht. SCB-General Marc Lüthi sagt: «Wir haben die Möglichkeit, den Dress eines Spielers auch dann unter dem Dach aufzuhängen, wenn die Kriterien nicht erfüllt sind. Von diesem Recht haben wir im Fall von Martin Plüss Gebrauch gemacht. Er hat das verdient.» Wenn Marc Lüthi «wir» sagt, dann meint er eigentlich «ich». Entschieden wird in solchen Sachen von der Geschäftsleitung und die macht, was der grosse Vorsitzende und Mitbesitzer sagt.

Holzer, Howald und Rauch keine Legenden mehr?

Rund um den SCB-Legendenstatus gibt es noch eine weitere Besonderheit. Die Geschäftsleitung (also Marc Lüthi) hat im Herbst beschlossen, dass neu ein Kriterium in jedem Fall erfüllt sein muss: das Karriereende in Bern. Das aber bedeutet, dass der Legendenstatus von Renzo Holzer, Patrick Howald und Martin Rauch nach neu gesprochenem Recht subito wieder annulliert werden müsste.

Patrick Howald, SC Bern, schiesst am 4. April 1992 in Bern beim Playoff-Spiel gegen den SC Freiburg bereits nach 38 Sekunden das erste Tor fuer die Berner. (KEYSTONE/Juerg Mueller)

Legendärer Stürmer: Patrick Howald. Bild: KEYSTONE

Dieses Trio hat die Karriere nicht in Bern beendet. Wird nun das Trio aufgrund der neuen Bestimmung wieder aus dem Legenden-Himmel vertrieben und das Leibchen vom Dach heruntergeholt? Lüthi, etwas unwirsch: «Nein. Natürlich nicht.»

Die neue Bestimmung (Karriereende in Bern zwingend) führt dazu, dass beispielsweise Philippe Furrer, wahrlich ein echter SCB-Held, der Legendenstatus verwehrt bleibt. Obwohl er vier von fünf Kriterien bereits erfüllt hat. Aber er verteidigt aktuell für Lugano und ab nächster Saison für Fribourg-Gottéron.

LuganoÕs player Philippe Furrer in action during the preliminary round game of National League Swiss Championship between HC Lugano and HC Ambri Piotta, at the ice stadium Resega in Lugano, Switzerland, on Friday, January 5, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

SCB-Legende im falschen Dress: Philippe Furrer. Bild: TI-PRESS

Die Vorstellung, dass Furrer keine SCB-Legende werden kann, fällt einem SCB-Fan schwer. Lüthi sagt dazu: «Wer sagt denn, dass er seine Karriere nicht doch beim SCB beenden wird?» Nun ja, vielleicht wechselt der WM-Silberheld nach Vertragsablauf bei Gottéron im Frühling 2021 im Alter von 35 Jahren zurück zum SCB.

Warum ist es eigentlich so wichtig geworden, dass einer die Karriere beim SCB beenden muss, um eine Legende zu werden? Marc Lüthi hat eine Antwort, die in Bern die Antwort auf alle Hockeyfragen ist. Heute und immerdar: «Weil wir es so wollen.»

Wie wird eigentlich Lüthi dereinst geehrt werden?

Aber was, wenn Leonardo Genoni den SCB viermal zum Titel hext und dann die Karriere in Zürich beendet? Dann kann er nach heute geltendem Legenden-Gesetz keine SCB-Legende werden. Aber jede Wette: Dann kommt er dank einer weiteren Gesetzesänderung doch unters Dach und Marc Lüthi wird sagen: «Wir haben die Möglichkeit, den Dress eines Spielers auch dann unter dem Dach aufzuhängen, wenn die Kriterien nicht erfüllt sind. Von diesem Recht haben wir im Fall von Leonardo Genoni Gebrauch gemacht. Er hat das verdient.»

Der SCB-General sollte auch etwas für seinen Nachruhm tun und daran denken, eine zusätzliche Kategorie nach NHL-Vorbild zu schaffen. Für «Builders». Also für jene Männer, die den Schlittschuh-Club Bern gross gemacht haben. Für Mannsbilder wie Fred Bommes und Marc Lüthi. Ehre, wem Ehre gebührt.

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