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Zweikampf zwischen dem Fribourger Tristan Vauclair und dem Davoser Dario Meyer, beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und dem HC Fribourg-Gotteron, am Freitag, 25. Oktober 2019, im Eisstadion in Davos. (KEYSTONE/Juergen Staiger)

Die Davoser zeigen sich diese Saison kämpferisch. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Davos – oder: Ein Hockey-Wunder steht vor dem Stresstest

Der HC Davos ist das Überraschungsteam der Saison. Weil der Sportchef und der Trainer den Mut zum Risiko haben. Aber nun folgt die Bewährungsprobe.



Vor sieben Monaten waren die Davoser tief unten. Sie entkamen in den Playouts gegen die Lakers gerade noch der Schmach des letzten letzten Platzes.

Inzwischen steht der HCD hochgerechnet auf Punkte pro Spiel mit 2,07 Punkten auf Rang zwei hinter den ZSC Lions (2,15). Die Steigerung gegenüber der letzten Saison ist eines der erstaunlichsten Hockey-Comebacks der Historie. In Zahlen:

Die Verbesserung ist nicht durch teure Transfers «erkauft» worden. Sie ist das Resultat einer klugen, behutsamen Revolution: Die sportliche Führung im Büro und an der Bande ist mit dem neuen Sportdirektor Raeto Raffainer, dem neuen Trainer Christian Wohlwend und mehreren neuen Assistenten umfassend erneuert worden. Zudem werden drei neue Ausländer beschäftigt.

Switzerland`s team director Raeto Raffainer at the pressconference after losing the quarter final game between Canada and Switzerland, at the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships, at the Steel Arena in Kosice, Slovakia, on Thursday, May 23, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Davoser Sportdirektor Raeto Raffainer ist eines der Puzzleteile, die zum Erfolg des HCD beitragen. Bild: KEYSTONE

Die Steigerung ist für Raeto Raffainer kein unerklärliches Wunder: «Wir haben auch vom Spielplan profitiert.»

«Unser bisheriges Programm dürfte ein Grund sein, warum wir abgesehen von unseren Langzeitverletzten bisher von Ausfällen weitgehend verschont geblieben sind.»

Bei diesem Vorteil geht es nicht um eine Manipulation von Spielplanchef Willi Vögtlin, der ja auch beim Spengler Cup die Partien einteilen darf. Der Grund ist ein anderer: Die Davoser konnten wegen des Umbaus ihrer Arena bis Mitte Oktober keine Heimpartien austragen und sind deshalb mit ihrem Programm im Rückstand: Sie haben erst 14 Partien ausgetragen. Die ZSC Lions, Biel und Servette hingegen schon 20. Bei einigen Teams kommt noch die Zusatzbelastung durch die Champions League: Biel hat deshalb fast doppelt so viele Ernstkämpfe (27) bestritten wie der HCD.

Die Konkurrenz hatte also bisher erheblich mehr Stress. Raeto Raffainer sagt: «Unser bisheriges Programm dürfte ein Grund sein, warum wir abgesehen von unseren Langzeitverletzten bisher von Ausfällen weitgehend verschont geblieben sind.» Man habe sich besser erholen können und auch genug Zeit gehabt, um Partien zu analysieren und das Spiel zu justieren.

Der HCD-Sportdirektor ist mit dem Start mehr als zufrieden – und blickt doch der Fortsetzung der Meisterschaft mit gemischten Gefühlen entgegen: «Die Zeit der Wahrheit kommt für uns erst noch mit der hohen Belastung vor allem im Januar.»

Nach dem Zusatzprogramm Spengler Cup (in dieser Zeit kann die Konkurrenz – Ambri ausgenommen – ruhen) hat der HCD im Januar 12 Partien auszutragen. Mit dem Spielplan-Vorteil ist es dann definitiv vorbei.

Christian Wohlwend, le coach du HC Davos, lors du match du championnat suisse de hockey sur glace de National League LNA, entre le Geneve Servette HC et le  HC Davos, ce samedi 5 octobre 2019 a la patinoire des Vernets a Geneve. (KEYSTONE/Martial Trezzini)

Christian Wohlwend zeigt sich kämpferisch – und zuversichtlich. Bild: KEYSTONE

Trainer Christian Wohlwend ist zuversichtlich, diesen «Stresstest» zu bestehen. «Es wird schwierig. Wir haben einige Partien so knapp gewonnen, dass es auch anders hätte ausgehen können.» Aber die Energie werde auch bei der höheren Anzahl Spiele kein Problem sein. «Wir Bündner sind von Haus aus gewohnt zu kämpfen.»

Er vertraue auf das Erbe, das ihm Arno Del Curto hinterlassen habe. Hohe Belastung, Leidenschaft und Intensität in Spiel und Training gehöre seit Arno Del Curto zur DNA des HC Davos. Und tatsächlich spielt der HCD diese Saison ein Lauf- und Tempohockey, das an die grossen Zeiten unter Arno Del Curto mahnt.

Die Steigerung verdankt der HCD aber auch den Torhütern und damit dem Mut zum Risiko. Es ist eine Ironie der Hockey-Geschichte, dass Arno Del Curto seine grössten Triumphe seiner Kühnheit verdankt, auf junge Torhüter zu setzen, die noch praktisch keine oder gar keine Erfahrung in der höchsten Liga hatten: Erst auf Jonas Hiller (2004) und dann auf das Duo Leonardo Genoni/Reto Berra (2007).

Im Spätsommer 2018 hatte er diesen Mut verloren und setzte Gilles Senn (23) und Joren van Pottelberghe (22) unmittelbar vor dem Saisonstart dem ausländischen NHL-Lotter-Veteranen Anders Lindbäck (31) vor die Nase. Joren van Pottelberghe wurde gar aussortiert und erst nach Dänemark und anschliessend nach Kloten geschickt.

Joren van Pottelberghe, aufgenommen im Training des HC Davos, am Donnerstag, 5. September 2019, in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Joren van Pottelberghe ist inzwischen wieder die Nummer 1 beim HCD. Bild: KEYSTONE

Im Rückblick erkennen wir: Dieser fatale Goalie-Irrtum war der Anfang vom Ende der grössten Schweizer Trainerkarriere.

Inzwischen ist Joren van Pottelberghe zurück, die Nummer 1, Nationaltorhüter mit Einsatz beim Deutschland Cup (Verlängerungs-Sieg gegen Deutschland) und mit einer Fangquote von 92,34 Prozent statistisch klar besser als beispielsweise Zugs Meistergoalie Leonardo Genoni (89,18 %). Sogar Sandro Aeschlimann (24) hat als Nummer 2 in Davos oben die besseren Statistiken (91,43 %) als Genoni.

Auch so gesehen mahnt Trainer Christian Wohlwend mit seinem Mut zum Goalie-Risiko an den Arno Del Curto der besten Jahre.

Das ist doch schon mal ein gutes Zeichen.

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