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Jubel bei Luganos Reto Suri, Luganos Luca Fazzini, Luganos Matteo Romanenghi und Luganos Benoit Jecker, von links, nach dem Tor zum 2-2 beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EV Zug und dem HC Lugano, am Samstag, 21. September 2019 in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Jubel bei Luganos Reto Suri, Luganos Luca Fazzini, Luganos Matteo Romanenghi und Luganos Benoit Jecker, von links, nach dem Tor zum 2:2 beim Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem EV Zug und dem HC Lugano. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Lugano und der Wunsch, so zu werden wie Ambri

Lugano hat einen der berühmtesten Sportpsychologen der Welt engagiert. Dabei brauchen die Tessiner auf dem Weg zur Bescheidenheit bloss einen besseren Torhüter.



Seit dem Wiederaufstieg von 1982 ist Lugano in seinem Selbstverständnis, aber auch in der Wahrnehmung der Konkurrenz auf der Alpen-Nordseite «grande».
Die grössten Namen und höchsten Saläre. Titel und Triumphe, Eishockey unter Palmen.

An dieser Einschätzung ändert auch die vergebliche Jagd nach neuem Ruhm nichts. Seit dem 7. und bisher letzten Titel von 2006 hat Lugano zweimal die Playoffs verpasst.

Aber Lugano hat in den letzten Jahren unter diesem Image gelitten. Die kluge Präsidentin Vicky Mantegazza will es ändern. Sie hat längst erkannt, dass Geld ohne Geist im Mannschaftssport nicht funktioniert.

Ihr zentrales Anliegen: Sie will eine Mannschaft mit Spielern, die sich mit dem Klub identifizieren und nicht mehr solche, die das gute Leben unter Palmen und das grosse Geld suchen. Sie hat ihrem Klub deshalb den grössten Umbruch seiner neueren Geschichte verordnet.

Die Praesidentin des HC Lugano Vicky Mantegazza  an der offiziellen Team-Praesentation des HC Lugano, am Samstag, 10. August 2019 in Lugano. (KEYSTONE/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Die Präsidentin des HC Lugano Vicky Mantegazza an der offiziellen Team-Präsentation des HC Lugano, am Samstag, 10. August 2019 in Lugano. Bild: KEYSTONE

Die neue Ausrichtung führt erst einmal zurück zur Bescheidenheit. Freiwillig. Die Präsidentin ist Milliardärin. Lugano könnte ja jeden Spieler «kaufen». Aber Geld soll eben – wie in Ambri – nicht mehr die zentrale Bedeutung haben.
Mit etwas Boshaftigkeit können wir sagen: Lugano kopiert Ambri. Was nicht einer gewissen Ironie entbehrt.

Einst ist Ambri in eine tiefe Krise gestürzt, weil es «grande», gross und meisterlich wie Lugano werden wollte. Erst die Rückkehr zur Bescheidenheit, zu den wahren Werten der Leventina, hat Ambri gerettet und letzte Saison in die Playoffs zurückgebracht.

Kann Lugano werden wie Ambri? Oder ist Lugano dazu verurteilt «grande» zu sein? Heisst es nicht im Buch der Bücher, es sei einfacher für ein Kamel durch ein Nadelöhr zu schlüpfen, als für die Reichen und Hoffärtigen ins Himmelsreich zu kommen? Aufs Eishockey übertragen: Es ist einfacher für ein Kamel durch ein Nadelöhr zu schlüpfen, als in Lugano dauerhaft und erfolgreich bescheiden zu sein. Die «Operation Bescheidenheit» ist jedenfalls eines der interessantesten Experimente in der neueren Geschichte unseres Hockeys.

Erkennen wir schon ein neues Lugano? Zwängen sich die Kamele schon durchs Nadelöhr?

Ja. Aber wir müssen etwas genauer hinschauen um es zu sehen. Dass wieder einmal ein neuer Trainer (Sami Kapanen) an der Bande steht, ist nicht ungewöhnlich. Lugano hat seit dem letzten Titel von 2006 oft den Trainer gewechselt, manchmal auch während der Saison.

Dass der notorisch erfolglose Sportchef Roland Habisreutinger nach zehn Jahren ohne Titel den Schreibtisch räumen musste und durch Hnat Domenichelli ersetzt worden ist, und dass Torhüter Elvis Merzlikins das Abenteuer NHL wagt, ist den Gesetzen dieses Geschäftes geschuldet.

Es ist ein anderer Wechsel, der uns das neue Lugano zeigt. Obwohl die Fans letzte Saison in einem Spruchband gefordert hatten, sie solle das Portemonnaie öffnen (welch eine Frechheit!), hat Vicky Mantegazza bei Grégory Hofmann auf ein Salär-Wettbieten verzichtet und ihn nach Zug ziehen lassen. Das wäre vor ein paar Jahren undenkbar gewesen und hätte dem Selbstverständnis des «Grande Lugano» widersprochen.

Ambri's player Michael Fora right, fights for the puck with Zug's player Grégory Hofmann left, during the preliminary round game of National League A (NLA) Swiss Championship 2019/20 between HC Ambri Piotta and EV Zug at the ice stadium Valascia in Ambri, Switzerland, Friday,  September 13, 2019. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Vicky Mantegazza liess sich bei Grégory Hofmann (links) nicht auf ein Salär-Wettbieten mit dem EV Zug ein – und liess ihn ziehen. Bild: KEYSTONE/Ti-Press

Der charismatische Publikumsliebling und beste Torschütze der Liga (letzte Saison 30 Tore) und WM-Silberheld von 2018 ist durch Zugs Reto Suri ersetzt worden, der nicht in erster Linie für Tore steht (letzte Saison 18). Sondern für vorbildliche Arbeitseinstellung, Leitwolfqualitäten, intensives Spiel und Leidenschaft. Bei der ersten Direktbegegnung am letzten Samstag hat keiner von beiden für seinen neuen Arbeitgeber getroffen.

«Modesto Lugano» statt «Grande Lugano»

Entsprechend ist Lugano mit zwei Heimniederlagen gegen Lausanne (2:5) und Davos (2:3) gestartet und es zeichnet sich ab, dass erst einmal die Playoffs das Ziel sein müssen. Das ist eben wahre, gelebte Bescheidenheit.
Aber es wäre grob fahrlässig, dieses neue, demütige Lugano nun zu unterschätzen.

In Zug hat Lugano den ersten Punkt geholt (2:3 n.P) und dabei eine erstaunliche Leistung gezeigt. Ja, wir haben tatsächlich ein neues, ein anderes Lugano gesehen: Mutig, engagiert, leidenschaftlich. Sozusagen ein «Ambri des reichen Mannes.»

Der neue Sportchef Hnat Domenichelli gehört zu den wenigen Klubgenerälen mit Sinn für Selbstironie und Humor. Er hat kürzlich einen Chronisten, der dafür bekannt ist, dass er gerne gegen Lugano polemisiert, spasseshalber gefragt, was denn der Sportchef tun müsse, um mit Lugano Erfolg zu haben. Die Aufzählung (guter Goalie, mindestens drei gute Ausländer etc.), die auch jeder Zuschauer im Stadion so machen würde, hat er mit ernster Miene um einen Punkt ergänzt: «Spieler, die mit Leidenschaft unseren Dress tragen.»

Dazu passt, dass seine erste «Personal-Massnahme» nicht das Engagement eines zusätzlichen Ausländers ist. Ab Mitte Oktober bis Ende Saison kommt einer der bekanntesten Sportpsychologen der Welt, um in Lugano Trend die inneren Werte zu verstärken: Dr. Saul L. Miller. Eine grosse Nummer.

EVZ Mentalcoach Saul Miller verfolgt das sechste Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem EV Zug und dem SC Bern, am Montag, 17. April 2017 in der Bossard Arena in Zug. (KEYSTONE/Alexandra Wey)

Dr. Saul L. Miller – kann er Wunder vollbringen? Bild: KEYSTONE

Er hat mehrere Bücher über Sportpsychologie geschrieben. Typische amerikanische Ratgeber, die vermeintlich Banales in grosse Zusammenhänge stellen und gerade deshalb zum Lichte der Erkenntnis führen können. Seine Bücher lesen sich leicht und haben auch einen gewissen Erkenntnis- und einen noch grösseren Unterhaltungswert.

Seine Reise nach Lugano ist keine Sensation. Der Kanadier ist einst über seinen Freund Larry Huras in die Schweiz gekommen und hat Gefallen an unserer Sportkultur, unserer Lebensart und unserem Land gefunden.

Er kennt unser Hockey durch frühere Beratertätigkeiten in Lugano (also Lugano noch «grande» sein wollte), Bern und Zug, aber auch für unsere Nationalmannschaft und dem U 20-WM-Team sehr gut. Auf seiner Homepage prangt als Referenz das SCB-Klublogo. Er war mit den Bernern Meister. Wenn er nun nach Lugano kommt, so ist es fast eine Heimkehr.

Der freundliche ältere Herr mit einer gesunden Portion Eitelkeit ist ein überaus angenehmer Zeitgenosse, der sich nicht in den Vordergrund drängt und im Klub eher umgeht wie ein geheimnisvoller Magier, fast wie ein Phantom.

Was kann dieser «Hexenmeister» der Sportpsychologie bewirken?

Wir sollten die Wirkung von «Motivations-Voodoo» nicht überschätzen. Aber eben auch nicht unterschätzen. Und sein Engagement passt ja wunderbar zur neuen Philosophie der Bescheidenheit, zur neuen Bedeutung der inneren Werte in Lugano.

«Meine Herren, wenn Sie keinen guten Torhüter zur Verfügung haben, dann vergessen Sie alles, was Sie soeben gehört haben.»

Der Chronist hat nun mit vielen Worten und viele Zeilen über Luganos neuen Weg, über das «Experiment Bescheidenheit» berichtet. Die Frage, ob dieses neue Lugano erfolgreich sein wird, kann er hingegen in einem Satz mit fünf Wörtern beantworten: Ja, mit einem besseren Torhüter.

Schon Dave King, der legendäre kanadische Hockey-Lehrer, Hockey-Philosoph und Hockey-Coach mit Erfahrung an der Bande in der NHL und der KHL, pflegte seine Referate mit einem Satz zu beenden: «Meine Herren, wenn Sie keinen guten Torhüter zur Verfügung haben, dann vergessen Sie alles, was Sie soeben gehört haben.»

So einfach ist es. Sandro Zurkirchen (29) ist statistisch mit einer Fangquote von 88,90 Prozent nur die Nummer 15 der Liga. Ein guter Goalie. Aber ein grosser Goalie war er noch nie. Und Stefan Müller (23) ist ein österreichischer Operetten-Torhüter mit Schweizer Lizenz. Gerade gut genug für die Swiss League. Er sollte eigentlich bei den Ticino Rockets spielen. Keine Konkurrenz für Sandro Zurkirchen.

Selbst wenn wir davon ausgehen, dass Doktor Miller die beiden Goalies etwas besser machen wird, dürfen wir mit leiser Lust zur Polemik sagen: Kein anderes Team der Liga ist auf der Torhüterposition so schwach besetzt wie Lugano.
Ein guter ausländischer Torhüter würde Lugano gut tun. Das Gesicht würde das Management dabei nicht verlieren. Ambri hat ja auch einen ausländischen Goalie.

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    Alle Leser-Kommentare
  • sisco 24.09.2019 13:22
    Highlight Highlight ich habe dieses "Runterputzen" von Akteuren, die auf dem Eis stehen so satt! Lotter-Leo, Operetten-Torhüter, das Urteil über S. Zurkirchen, usw.

    Trauen Sie sich dies auch den betreffenden Akteuren 1 zu 1 ins Gesicht zu sagen, Herr Zaugg?

  • Sverige 24.09.2019 13:01
    Highlight Highlight Wenn Lugano sein möchte wie Ambri, aber von den Ansprüchen her erfolgreicher, dann verstehe ich nicht, warum die Jungen bei Lugano bei jedem Trainer, jetzt auch bei Sami Kapanen, nicht genug Chancen bekommen. Wenn ein Riva in der 4. Linie spielt, oder gefühlte 40-50 Sekunden Eiszeit pro Spiel erhält, dann ist das einfach absolut lächerlich und hat nichts mit: Lugano möchte gerne Ambri sein, zu tun. Lugano muss seine Strategie ändern und auch der Tochter Vicky Mantegazza' klar machen, dass sie sich trotz viel Geld, nicht in sportliche Sachen einmischen soll, von dem sie keine Ahnung hat.
  • Hans Muster (2) 23.09.2019 15:06
    Highlight Highlight Ich glaube nicht nur Lugano hat sich reformiert, auch K. Zaugg hat sich (zu einem besseren?) gewandelt. Ich glaub der erste Bericht, wo er sich nicht mit alten Klischee's über Lugano lustig macht. Einfach noch gesagt Herr Zaugg: Der Wandel von Lugano begann bereits im Jahr 2011, falls sie mal recherchieren möchten. Aber in ihrer Belustigung über Lugano haben sie das nicht gemerkt. Zweitens ist Zurkirchen kein schlechter Goalie, aber natürlich, der Millionen-Genoni ist besser. Auch Biel + Fribourg haben (noch) besser Hüter. Alle anderen Teams inkl. Bern, Z oder Davos haben eher schlechtere Hüte
  • HotIce 23.09.2019 09:08
    Highlight Highlight es macht aber mehr spass, ein „grande lugano“ verlieren zu sehen als ein bescheidenes lugano gewinnen zu sehen. 🤭
  • egemek 23.09.2019 08:42
    Highlight Highlight Ich denke nicht, dass Luganos Torhüter schwächer sind als die von Ambri und Davos.
  • N. Y. P. 23.09.2019 07:28
    Highlight Highlight Bitte ab jetzt solche Artikel.

    Vicky macht das genau richtig. Spieler mit Leidenschaft. So soll es sein.

    Es gibt im Kanton Zürich auch einen Eishockeyclub, bei dem man das Gefühl hat, die Spieler (alles Häuptlinge, keine Indianer) seien nur wegen der Kohle dort.

    Ganz anders beim SCB. Dort kriegt man auch gute Kohle, ist aber auch stolz beim SCB spielen zu dürfen.

    Klaus, jetzt noch zu den anderen 11 Clubs so eine Story.
  • maylander 23.09.2019 06:43
    Highlight Highlight Die Fangquote ist mit Vorsicht zu geniesse. Die Qualität der Schüsse und der Abgabeort, wird dabei nicht betrachtet.

    Ansonsten hat eine Mannschaft wieder erwarten schon zweimal zu Null gespielt. Dort lottert weder die Verteidigung noch der Goalie. Ein Bericht über Rappi wär da angebracht.
    • Scrj1945 23.09.2019 10:05
      Highlight Highlight Niemals schreibt zaugg positiv über rappi. Das kann er wahrscheindlich gar nicht. Dann müsste er sich noch eingestehen, dass seine saisonvorschau über rappi falsch war
    • 2 linienpass 23.09.2019 10:59
      Highlight Highlight Warum sollte er über was anderes schreiben als gefühlte jede halbe Stunde über Genoni oder Langnau? Er bekommt von Watson auch für die hunderste Wiederholung jedes mal Geld.
      Also weiter gehts mit Genoni die 1267. oder Langnau die 2853.

      Und bei mir geht das warten auf einen Bürgler Artikel weiter, da bekommt man Eishockey und nicht eine Zaugg Soap.
    • Bäruin aka PHI (formerly known as Pat the Rat) 23.09.2019 15:07
      Highlight Highlight @2 linienpass:

      Aber Er hat doch soeben gerade einen Artikel veröffentlicht, in dem es NICHT um Genoni geht und dabei auch Langnau mit KEINEM WORT erwähnt wird.

      Also was jammerst Du?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sloping 23.09.2019 05:06
    Highlight Highlight Zurkirchen war in den ersten Spielen sicher kein grosser Torhüter und es ist fraglich, ob er dem Druck der Nr. 1 in Lugano je gewachsen sein wird. Aber ein neuer starker ausländischer Torhüter alleine wird nicht das Hauptproblem beseitigen: Nämlich eine der schlechtesten Verteidigungen der Liga. Das wurde intern wohl schon in der Vorbereitung realisiert, darum die Verpflichtung eines zweiten ausländischen Verteidigers. Aber Chorney ist eine verschwendete Lizenz und hinter Löffel und Chiesa genügt keiner höheren Ansprüchen. Entweder noch nicht (Riva) oder nicht mehr (Vauclair).
    • Hans Muster (2) 23.09.2019 15:15
      Highlight Highlight Zum Teil hast du sicher recht mit der Verteidigung. Wobei Wellinger und Jecker sicher nicht schlecht sind. Die Nummern 6 + 16 sind in Lugano unerwünscht + das Problem, weshalb man diese beiden behalten hat weiss nur der R.H. nur der ist nicht mehr dabei- wobei bei der 6 meinten Insider, dass er einen sehr einflussreichen Papa hat im Sottoceneri. Ich möchte dich aber sehr wohl darauf hinweisen, dass zB auch Zug, Biel Fribourg oder der Z nicht glänzende Verteidiger haben. Gute Verteidiger sind rar und kaum substituierbar mit Junioren, das geht im Sturm.

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Für Zündstoff zum Start der neuen Saison …

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