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Berns, Tristan Scherwey, Mitte, kaempft um den Puck, gegen Biels, Goalie Jonas Hiller, links, und4Robbie Earl, rechts, waehrend dem siebten Playoff Halbfinalspiel der National League, zwischen dem SC Bern und dem EHC Biel, am Dienstag 9. April 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Tristan Scherwey räumt Jonas Hiller aus dem Weg. Bild: KEYSTONE

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Bern besiegt Biels taktische Zauberlehrlinge – doch im Finale warten Zugs Hexenmeister

Ganz einfach: der SCB kann halt Playoff, Biel nach wie vor nicht. Doch im Finale muss Leonardo Genoni den SCB erneut retten. Und trotz allem eine erfreuliche Nachricht für Biel: vielleicht bleibt Verteidigungsminister Marco Maurer doch.



Am Ende einer aufwühlenden Serie, die für die grösste Aufregung in der SCB-Regierungszeit von Kari Jalonen geführt hat, scheint alles logisch, wahr und klar. Der SCB gewinnt die 7. Partie 5:1 und wird Finalist.

Ein 5:1 lässt scheinbar keinen Raum für Interpretationen, Fragen und Zweifel.

Aber es war auch in dieser letzten Partie viel dramatischer als es das eindeutige Resultat vermuten liesse. Es brauchte besondere Umstände, um dem SCB doch noch den Weg ins Finale zu öffnen.

War es also Glück für den SCB, Pech für Biel? Tatsächlich ist Biel am unglücklichen zweiten Gegentreffer zerbrochen. Nach 10 Minuten und 40 Sekunden kommt es zum Zusammenprall der Titanen. Jonas Hiller sprintet aus seinem Kasten, um den Puck vor dem anstürmenden Tristan Scherwey zu erreichen. Biels Robbie Earl hetzt dem SCB-Vorkämpfer verzweifelt nach. Beide geraten aus der Balance und prallen mit Biels Torhüter zusammen. Grégory Sciaroni schlenzt schliesslich den Puck ins leere Tor. Jonas Hiller muss sich in der Kabine pflegen lassen und kehrt erst zu Beginn des zweiten Drittels wieder zurück. Aber da steht es bereits 3:1. Alles ist gelaufen.

Unglücklich waren also die Umstände. Ansonsten ist der Treffer zum 2:0, dem Tor, das diese Serie letztlich entschieden hat, regulär. Wenn der Goalie seinen Torraum verlässt, um den Puck zu erreichen und dabei mit einem gegnerischen Spieler zusammenprallt, dann ist dies regeltechnisch ein Unfall. Kein Foul.

Aber Biel ist nicht nur am fehlenden Glück gescheitert. Der Untergang beginnt bereits viel früher mit einer Strafe von Fabian Lüthi. Er hat Simon Moser ohne Not mit dem Stock die Beine weggezogen (2:36 Min.). Es ist der Anfang einer Powerplay-Situation, die elf Sekunden vor Ablauf der Unterzahl mit dem 1:0 endet. In dieser Serie hat immer die Mannschaft gewonnen, die das erste Tor erzielt hat.

Die Bieler sind auch das Opfer ihrer Unerfahrenheit geworden. Sie waren noch nie im Finale. Der SCB hat soeben zum 13. Mal das Finale erreicht. Am Ende lässt sich dieses aufregende Halbfinale auf einen einzigen Satz reduzieren: der SCB kann Playoff, Biel nach wie vor nicht.

Berns Ramon Untersander kommt aufs Eis, vor dem siebten Eishockey Playoff-Halbfinalspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem EHC Biel, am Dienstag, 9. April 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der SC Bern kann Playoffs. Bild: KEYSTONE

Wir sollten allerdings nicht vergessen, woher die Bieler kommen. Noch im Frühjahr 2016 waren sie die Miserablen der Liga: sie hatten die Playouts verloren und kamen nur um die Nervenprobe Liga-Qualifikation herum, weil Ajoie als B-Meister nicht aufsteigen durfte. Und nun haben sie drei Jahre später den Qualifikationssieger über sieben Spiele gefordert.

Die Berner treten bereits morgen zum ersten Finalspiel gegen Zug an. Mit Biels taktischen Zauberlehrlingen sind sie im Halbfinale schliesslich doch noch fertig geworden.

Aber nun treffen sie auf die taktischen Hexenmeister. Die Zuger zelebrieren ein ähnlich modernes nordisches Hockey wie die Bieler. Aber sie sind eine Nummer grösser. Mit noch mehr Tempo, Kreativität und Energie. Mit einer besser ausbalancierten Mannschaft.

Zug hatte es im Halbfinale auch mit taktischen Zauberlehrlingen zu tun gehabt. Lausanne war eine taktische Operetten-Version des grossen SC Bern. Kein Wunder. Lausannes Trainer Ville Peltonen hat ja sein Handwerk bei SCB-Bandengeneral Kari Jalonen erlernt.

Der SCB spielt ein ähnlich altmodisches nordisches Defensiv-Hockey wie Lausanne. Aber mit einer viel robusteren, routinierteren Mannschaft, abgesichert von einem viel besseren Torhüter als Lausannes Sandro Zurkirchen und unter dem Kommando von Kari Jalonen, dem Hexenmeister dieser Defensiv-Taktik.

ARCHIVBILD ZUR VERPFLICHTUNG VON VILLE PELTONEN ALS TRAINER DES LAUSANNE HC, AM SAMSTAG, 11. NOVEMBER 2017 - SCB Trainer Kari Jalonen, rechts, und Assistenztrainer Ville Peltonen, links, waehrend einem Training des SC Bern, am Montag, 20. Maerz 2017, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Der Hexenmeister Kari Jalonen (hinten) und sein ehemaliger Zauberlehrling Ville Peltonen. Bild: KEYSTONE

Für Zug ein wenig beunruhigend: Kari Jalonen kann Meister. Dan Tangnes noch nicht.

Besonders reizvoll für die Zuger: im Rückblick erkennen wir, dass in erster Linie Leonardo Genoni den SCB im Halbfinale gerettet hat. Spätestens beim 1:0-Sieg in Biel am letzten Samstag hatte er beschlossen, ein Finalgoalie zu werden.

Berns Spieler feiern nach dem siebten Playoff Halbfinalspiel der National League, zwischen dem SC Bern und dem EHC Biel, am Dienstag 9. April 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE /Marcel Bieri)

Leonardo Genoni hat den SCB mal wieder gerettet. Bild: KEYSTONE

Nun hängt alles davon ab, ob Leonardo Geoni beschliesst, gegen seinen künftigen Arbeitgeber erneut ein Meistergoalie zu werden. Inzwischen hat er die beste Fangquote aller diesjährigen Playoff-Torhüter (94,54 Prozent). Für Zug ein wenig beunruhigend: Leonardo Genoni kann Meister, Tobias Stephan nach wie vor nicht.

Die Bieler waren faire Verlierer. Sie haderten nicht mit dem Schicksal und auch nicht mit den sehr guten Schiedsrichtern.

Stellvertretend für die professionelle Einstellung steht Damien Brunner. Er sagt, die beiden ersten Strafen (die zum 1:0 führten) seien klar gewesen. Er moniert eine gewisse Naivität, Schwächen im Powerplay und Boxplay und bei den Bullys.

Biels Topscorer Damien Brunner fotografiert, im fuenften Eishockey Playoff-Halbfinalspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem EHC Biel, am Donnerstag, 4. April 2019, in der PostFinance Arena in Bern. (PPR/Anthony Anex)

Biels Playoff-Topskorer Damien Brunner. Bild: PPR

Auf eine entsprechende Frage sagt er, diese erneute Halbfinalniederlage (vor einem Jahr scheiterten die Bieler nach einer 2:0-Führung im Halbfinale gegen Lugano) werde nicht zu einem Komplex führen. Sondern zu einer Weiterentwicklung einer Mannschaft mit vielen jungen Spielern. Ob Biels Playoff-Topskorer nun einem WM-Aufgebot Folge leisten wird, ist fraglich. Er sagt, sein Knie sei entzündet.

Ein Happyend könnte es für Biel doch noch geben. Marco Maurer (31) war Biels wichtigster Schweizer Verteidiger in der Qualifikation (mit der besten Plus/Minus-Bilanz des gesamten Teams). Auch in den Playoffs weist er eine positive Plus-Bilanz auf und er war Biels einziger Verteidiger, der im Laufe der Playoffs ins Tor getroffen hat (zum 3:1 im 7. Spiel).

Sein Wechsel zu Servette ist ein herber Verlust für Biel. Aber es ist durchaus möglich, dass Marco Maurer auch nächste Saison für den EHC verteidigen wird.

Er hat zwar bereits im Januar für die nächsten zwei Jahre bei Servette unterschrieben. «Aber unter der Voraussetzung, dass Chris McSorley Trainer sein wird.» Aber der Kanadier wird nächste Saison nicht mehr an der Bande stehen. Marco Maurer sagt, er wolle unbedingt bei Biel bleiben und wenn er eine Möglichkeit sehe, «dann unternehme ich alles, um bleiben zu können.»

Biels Sportchef Martin Steinegger schliesst einen Verbleib von Marco Maurer nicht aus. «Mal sehen, was beim Saisonschlussgespräch herauskommt. Aber er muss in jedem Fall die vertragliche Situation mit Servette klären.» Am Geld wird die Sache nicht scheitern: Marco Maurer hat in Genf keinen höher dotierten Vertrag als zuletzt in Biel.

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Die grossen Playoff-Wenden im Schweizer Eishockey

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Die grossen Playoff-Wenden im Schweizer Eishockey
quelle: keystone / ennio leanza
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Das Büro steht Kopf, wir sind im Playoff-Fieber

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