Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Biels Spieler jubeln nach dem Sieg neben Klotens Martin Gerber, Rene Back und Tommi Santala, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und den Kloten Flyers am Freitag, 26. September 2014, in der Eishalle Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Biels Spieler jubeln nach dem Sieg gegen Kloten. Martin Gerber, Rene Back und Tommi Santala gehen einmal mehr als Verlierer vom Platz. Bild: KEYSTONE

Nach der Overtime-Niederlage gegen aufmüpfige Bieler

Eismeister Zaugg

«Weiche» Faktoren haben gegen Kloten entschieden

Kloten holt in Biel den ersten Punkt und verliert am Ende trotzdem 1:2 n. V. Ist mit dem schlechtesten Drittel aller Zeiten nun der absolute Tiefpunkt erreicht?



Bemühen wir uns um Objektivität. Schildern und analysieren wir nur, was wir gesehen haben. Losgelöst vom Wissen, was eigentlich aufgrund der investierten Mittel, der Saisonprognosen und der auf den Leibchen aufgenähten Buchstaben sein müsste. 

Wir haben auf dem Eis keinen Unterschied zwischen der billigsten (Biel) und einer der teuersten Mannschaften der Liga (Kloten Flyers) gesehen. 

Biels Matthias Rossi, links, im Zweikampf mit Klotens Torhueter Martin Gerber bei der Torszene zum 1-0, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und den Kloten Flyers am Freitag, 26. September 2014, in der Eishalle Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Biels Matthias Rossi wird bei der Torszene zum 1:0 unsanft in Martin Gerber geschubst. Bild: KEYSTONE

Kevin Schläpfers Biel mahnt mit der taktischen Konstanz und Disziplin über vier Linien ein wenig an einen ZSC mit kleinen Namen und grossen Herzen.

Wie ein ZSC der kleinen Namen und grossen Herzen

Biel spielt besser als sein Talent

Kleine Namen deshalb, weil die Gesamtsumme des Talentes (und damit auch des Lohnes) bei Biel viel kleiner ist als bei Kloten. Wahrscheinlich etwa im Verhältnis 40:60. Dieses fehlende Talent einerseits und der teuerste Torhüter der Liga (Martin Gerber) andererseits führten dazu, dass die Klotener wenigstens den ersten Punkt der Saison holten.  

Klotens Torhueter Martin Gerber wehrt einen Puck von Biels Eliot Berthon ab, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und den Kloten Flyers am Freitag, 26. September 2014, in der Eishalle Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Martin Gerber hielt, was zu halten war: Hier wehrt er einen Puck von Biels Eliot Berthon ab. Bild: KEYSTONE

Mit taktischer Intelligenz und Leidenschaft hat Biel einmal mehr besser gespielt als es eigentlich das Talent erlauben würde. Deshalb reichte es für die Verlängerung und dort zum hochverdienten Sieg. Es ist nachgerade typisch, dass sich die Bieler vom späten Ausgleich nicht verunsichern liessen und in der Verlängerung doch noch siegten. 

Aber eigentlich interessieren uns ja die Kloten Flyers mehr. Sie sind als Anwärter auf den Titel in die Saison gestartet und wähnten sich so stark, dass sie sogar auf die Besetzung der vierten Ausländerposition verzichtet haben.

Viele offene Fragen

Wie kann es sein, dass eine Mannschaft mit dem Talent für die Spitzengruppe der Liga nach sechs Runden immer noch ohne Sieg auf dem letzten Platz steht? Wie kann es sein, dass die Klotener in Biel gegen eine Mannschaft verloren haben, gegen die sie 20 der letzten 24 Partien gewonnen hatten? 

Wie kann es sein, dass sie ein Spiel verloren haben, das sie aufgrund des glücklichen Ausgleiches in der Schlussphase (53. Min.) gar nie mehr hätten verlieren dürfen?  

Klotens Matthias Bieber, rechts, jubelt neben Topscorer Peter Guggisberg nach seinem Tor zum 1-1 im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und den Kloten Flyers am Freitag, 26. September 2014, in der Eishalle Biel. (Photopress/Peter Klaunzer)

Klotens Matthias Bieber jubelt über seinen Ausgleichstreffer. Die Glücksgefühle bleiben jedoch nicht für lange Zeit. Bild: PHOTOPRESS

Es sind negative «weiche» Faktoren, die erneut entschieden haben. Als jene Qualitäten, die nichts mit Talent und eingesetztem Kapital zu tun haben: Die Arroganz, aus der nach 14 Pflichtspiel-Niederlagen in Serie Verunsicherung geworden ist, die fehlende Leidenschaft, die mangelhafte taktische Disziplin. 

Das schlechteste Drittel in Klotens NLA-Klubgeschichte

In Biel hat Kloten wahrscheinlich den absoluten Tiefpunkt erreicht. Mit 16:0 (!) Torschüssen dominierten die Bieler im ersten Drittel die Partie. Sie verpassten es, daraus ein 4:0 oder gar ein 5:0 zu machen. Torhüter Martin Gerber bewahrte in seinem bisher besten Saisonspiel seine Mannschaft vor dem frühzeitigen Untergang.

In der Ära mit Wolfgang Schickli und Tomas Tamfal hat Kloten nie so schwach gespielt wie in dieser Startphase. «Das wird wohl so sein» sagt Trainer Felix Hollenstein. «Es war auch nicht so, dass wir defensiv spielen wollten. Es war einfach nicht mehr möglich.»

«Es war einfach nicht mehr möglich.»

Felix Hollenstein

Klotens Trainer Felix Hollenstein, rechts, diskutiert mit seinem Spieler Philippe Schelling, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und den Kloten Flyers am Freitag, 26. September 2014, in der Eishalle Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Klotens Trainer Felix Hollenstein «diskutiert» mit seinem Spieler Philippe Schelling. Bild: KEYSTONE

Diese ersten 20 Minuten in Biel stehen mit ziemlicher Sicherheit für das schlechteste Drittel in Klotens NLA-Klubgeschichte (seit 1962). Erst dann kehrten die Zürcher ins Spiel zurück und dominierten das zweite und dritte Drittel mit 14:6 bzw. 13:7 Torschüssen.

Logische Niederlage

Aber es ist kein Zufall, dass Kloten am Ende doch einen Weg in die Niederlage gefunden hat. 51 Sekunden vor Schluss leistet sich Victor Stancescu einen Frustrationsstockschlag. Die daraus resultierende Zweiminutenstrafe nützt Biel in der Verlängerung mit dem ersten Schuss zum Sieg. 

Biels Topscorer Ahren Spylo, rechts, erzielt das Tor zum 2-1 gegen Klotens Torhueter Martin Gerber, im Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem EHC Biel und den Kloten Flyers am Freitag, 26. September 2014, in der Eishalle Biel. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Biels Topskorer Ahren Spylo erzielt mit dem 2:1 den Game Winner.  Bild: KEYSTONE

Der Punktgewinn ist für Kloten kein Schritt aus der Krise. Die Art und Weise, wie das Spiel doch noch verloren wurde, ist eher ein weiterer Schritt tiefer in die Krise hinein. Aber vielleicht gelingt ja heute Abend gegen Ambrì der erste Sieg. Der Befreiungsschlag. Trainer Felix Hollenstein hat jedenfalls so etwas wie den Notstand ausgerufen: «Gegen Ambrì müssen wir einfach siegen. Egal wie.»

So oder so zeigt sich ja Morgenröte. Am Mittwoch dürfen die Kloten Flyers bei Dübendorf (1. Liga) zur ersten Cuprunde antreten. Was auch immer kommen mag – gegen Dübendorf wird Felix Hollenstein mit seiner Mannschaft siegen. 

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

Die verschmähten Junioren, die unsere Klubs Millionen kosten

Die laufende U20-WM erklärt uns, warum die Spieler-Löhne so hoch sind und entlarvt, wie absurd die Erhöhung auf zehn Ausländer ist.

Bei der U20-WM treten jedes Jahr die besten Junioren-Spieler der Welt an. In der Regel sind auch die besten Kanadier und Amerikaner dabei – abgesehen von ein paar Ausnahmen, die es zu diesem Zeitpunkt bereits in die NHL geschafft und keine Freigabe bekommen haben. Die U20-WM eignet sich also vorzüglich dazu, internationale Vergleiche anzustellen.

Nur Fakten, keine Polemik. Der Beginn der neuen, grossen Zeit unseres Hockeys können wir gut in die Saison 1997/98 verlegen. Bei der U20-WM in Helsinki …

Artikel lesen
Link zum Artikel