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Manchmal wird selbst der Maus alles ein bisschen zu viel.
Manchmal wird selbst der Maus alles ein bisschen zu viel.Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Darum ist der EHC Olten das Lugano der Swiss League

Olten feuert Trainer Bengt-Ake Gustafsson – und wird zum «Lugano der Swiss League». Die Mannschaft wäre eigentlich gut genug für den Aufstieg.
05.02.2018, 14:49

Ein grosser Name ist gescheitert. Bengt-Ake Gustafsson, Weltmeister als Spieler, Weltmeister und Olympiasieger als Trainer, Aufsteiger mit Langnau, ist in Olten des Amtes enthoben worden.

Einerseits überraschend. Andererseits wie erwartet. Überraschend, weil er mit einer Mischung aus Geduld und Charisma der richtige Mann schien, das unruhige Olten zu befrieden, zu einigen und zu neuen Ufern zu führen. Wie in Langnau. Dort lag nach dem Abstieg 2013 alles darnieder. Der Schwede übernahm im Herbst 2013 die Mannschaft, festigte sie taktisch, beruhigte die Gemüter und der knapp verlorene NLB-Final von 2014 stärkte die Zuversicht. Im Frühjahr 2015 ist Langnau nach einem Sieg in der Liga-Qualifikation über die Lakers in die höchste Liga zurückgekehrt, verlängerte aber mit seinem Aufstiegstrainer nicht.

Gustafsson muss Olten verlassen.
Gustafsson muss Olten verlassen.Bild: KEYSTONE

Hingegen ist ein Trainerwechsel in Olten nicht überraschend. Seit der Entlassung von Scott Beattie im November 2014 sind nacheinander Dino Stecher, Heiki Leime, Eric Beaudoin und Maurizio Mansi, Bengt-Ake Gustafsson und nun Chris Bartolone zum Cheftrainer ernannt worden.

Zu grosse Nähe des Managements zu den Spielern

Olten ist nicht Langnau, wo Bengt-Ake Gustafsson zweimal (Ligaerhalt 2000 und 2001, Aufstieg 2015) erfolgreich war. Olten ist eher wie Lugano. Mit weniger Geld. Aber mehr Nebel. Was Olten mit Lugano gemeinsam hat: Die Spieler, um die Meisterschaft zu gewinnen bzw. aufzusteigen, die Leidenschaft fürs Hockey, der Glaube an grosse Namen und genug Geld, um grosse Namen (zumindest für die Swiss League) zu verpflichten. Aber auch die zu grosse Nähe des Managements zu den Spielern. Diese Nähe untergräbt in unruhigen Zeiten die Autorität des Trainers. Die Spieler, die das Ohr des Geschäftsführers oder des Präsidenten oder der Präsidentin haben, sind immer mächtiger als der Trainer. Die Versuchung, im Misserfolg die Schuld dem Chef und nicht dem eigenen Unvermögen zuzuschreiben, ist gross.

Topskorer Truttmann: Der «Damien Brunner» des Nebels.
Topskorer Truttmann: Der «Damien Brunner» des Nebels.Bild: KEYSTONE

Der Glaube an grosse Namen personifiziert in Lugano Damien Brunner (31). Der teuerste Schweizer Spieler der Klubgeschichte. Marco Truttmann (32) ist die Swiss-League-Antwort auf Luganos Stürmerstar und Oltens teuerster Schweizer Spieler der Geschichte. Der Grund, nach Lugano zu gehen, ist für Damien Brunner das Geld. Der Grund, in Olten zu bleiben, ist für Marco Truttmann das Geld. Beide sind sensible offensive Schillerfalter, die im Alleingang Spiele entscheiden, wenn sie glücklich mit ihrem Trainer und ihren Spielkameraden sind. Aber verkümmern, wenn sie mit dem Trainer und in der Mannschaft nicht mehr glücklich sind.

Den Glauben an grosse Namen personifiziert auch Bengt-Ake Gustafsson. Aber als der Verwaltungsrat erkannte, dass es ein Problem gibt und dem Trainer öffentlich das Vertrauen aussprach, da war es bereits zu spät. Nach aussen galt der Schwede noch als grosser Name. In der Kabine, bei den Spielern, nicht mehr.

Starker Sportchef würde helfen

Die Oltner haben vieles richtig gemacht. Gustafsson hätte der richtige Trainer sein können. Aber er hat zu früh resigniert und mochte den «Kampf» mit den Alphatieren in der Kabine nicht aufnehmen. Wenn der Puck nicht seinen Weg geht, dann neigt er ohnehin dazu, den Dingen mit staatsmännischer Gelassenheit ihren Lauf zu lassen. Diese Gelassenheit hat in Olten nicht funktioniert und dazu geführt, dass die Dinge aus dem Ruder gelaufen sind. Und auch wenn er es so nie sagen wird – am Ende des Tages wird er sich gedacht haben: Was mache ich als NHL-Legende, Weltmeister und Olympiasieger eigentlich noch in Olten? Anders als zu Langnau, wo er ab Herbst 1999 seine grosse Trainerkarriere so richtig lanciert hat, wo sein Sohn Anton heimisch geworden ist, hat er zu Olten keinerlei emotionale Bindung. Sein Kumpel Jakob Kölliker hatte ihm, als er noch Sportchef war, den Job in Olten verschafft.

In Olten ist bei aller Leidenschaft fürs Eishockey die Hege und Pflege der Leistungskultur etwas vernachlässigt worden. Weil der tüchtige Geschäftsführer Peter Rötheli den Spielern zu nahe steht. Die Bildung familiärer Strukturen führt zu einem milden Leistungsklima.

Olten ist eine Hockeystadt mit dem Potenzial für die National League. Die entscheidende Frage ist: Gelingt die «Gewalten-Trennung»? Olten braucht mittelfristig einen starken, von den alteingesessenen Gruppierungen und von Geschäftsführer Rötheli unabhängigen Sportchef mit Durchsetzungsvermögen. Auch in Bern kehrte der Erfolg erst ein, als es die Chefs der Sportabteilung wagten, SCB-General Marc Lüthi erfolgreich zu widersprechen.

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quelle: watson / lea senn
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