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Zug-Goalie Tobias Stephan erfreut sich einer ausgezeichneten Form.
Zug-Goalie Tobias Stephan erfreut sich einer ausgezeichneten Form.
Bild: Patrick Straub/freshfocus
Tobias Stephan in Hochform

Der Torhüter hat in Zug alles verändert

Der Transfer von Torhüter Tobias Stephan hat genügt, um aus dem EV Zug wieder ein Spitzenteam zu machen. Weil die Leistungskultur auch durch die Abstiegsrunde in der letzten Saison keinen Schaden genommen hat.
26.11.2014, 07:5126.11.2014, 08:42

Grosse Teams erkennen wir daran, wie sie mit dem «November-Blues» umgehen. Der November ist nicht nur die Zeit des Nebels, des ersten Schnees und der langen Nächte. Im November geraten die meisten Mannschaften, auch die grossen, in ein erstes Formtief. Aber nicht bei allen wirkt sich der «November-Blues» gleich stark aus.

Ausgeglichene Teams mit gut strukturiertem Spiel und intakter Leistungskultur überstehen den «November-Blues» ohne grosse Rückschläge in der Tabelle, verlieren zwar hie und da überraschend, mal sogar gegen die Lakers (!). Aber der Schaden hält sich im Rahmen. 

ZSC-Stürmer Morris Trachsler bringt Zug-Goalie Tobias Stephan nicht aus der Ruhe.
ZSC-Stürmer Morris Trachsler bringt Zug-Goalie Tobias Stephan nicht aus der Ruhe.
bild: Keystone

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Genau so ist es zurzeit bei den ZSC Lions. Die Zürcher haben bei der Niederlage gegen die Lakers (2:3 n.P.) am letzten Freitag mit Luca Cunti einen ihrer wichtigsten Offensivspieler durch eine Schulterverletzung verloren. Der Mittelstürmer muss sich keiner Operation unterziehen und dürfte nach vier bis sechs Wochen wieder dabei sein.

Ein kleines Team würde über einen solchen Ausfall jammern und in die Krise geraten. Bei den ZSC Lions ist die Reaktion eher «Cunti fällt aus – na und?» Nicht etwa wegen Geringschätzung dieses Spielers. Da stehe Gott davor! Es geht um etwas anderes: Sie können es sich leisten, eine Weile ohne Luca Cunti zu spielen. Er war ohnehin nicht in Form und die Pause wird ihm gut tun. Im Februar, wenn es in den Playoffs wirklich zählt, wird er in besserer Form sein.

Oder hätte es in Zug mit Luca Cunti zum Sieg gereicht? Nein. Das Spiel der ZSC Lions funktioniert trotz «November-Blues». Aber es fehlt jene Prise Frische, Dynamik, Wucht, Unberechenbarkeit und Kreativität, die es braucht, um im November einen Gegner wie dieses Zug zu besiegen oder zu zermürben. Oder präziser formuliert: Um einen Gegner zu besiegen, der einen so starken Torhüter hat.

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Stephans Ausstrahlung auf die Mitspieler

Der Spieler, der die Differenz gegen den Meister machte, ja, der die Differenz zur letzten Saison macht, ist Torhüter Tobias Stephan. Inzwischen der beste Goalie, der noch nie Meister geworden ist. Der mächtige, flinke und gelenkige Riese (192 cm/85 kg) stoppte die gegnerischen Angriffe mit stoischer Ruhe. Er gibt der Mannschaft so viel Rückhalt, dass seine Vorderleute so spielen, als seien sie ein paar Zentimeter grösser und ein paar Kilo schwerer und kräftiger.

Die Zuger wirken durch das neu gewonnene Selbstvertrauen robuster und böser als letzte Saison. Leitwolf Reto Suri ist auf dem Weg zu einer neuen persönlichen Rekordsaison. Mit Lino Martschini (168 cm) wagte sich sogar der Kleinste in den Infight vor dem Tor. Er versenkte einen Abpraller zum wegweisenden 1:1. In Schlagweite des wehrhaften Titanen Lukas Flüeler (193 cm, 99 kg).

Tobias Stephan hat sich in Zug schnell als feste Grösse etabliert. Dank ihm hat der EVZ mit den Playouts in dieser Saison nichts zu tun.
Tobias Stephan hat sich in Zug schnell als feste Grösse etabliert. Dank ihm hat der EVZ mit den Playouts in dieser Saison nichts zu tun.
Bild: KEYSTONE

Mit einem gewöhnlichen Goalie hätte der EVZ gegen diesen starken Meister mit drei bis fünf Toren Differenz verloren. Durch Tobias Stephan hat sich das ganze EVZ-Spielkonzept von Grund auf verändert. Es ist jetzt nicht mehr notwendig, die Entscheidung mit wildem Offensivhockey zu erzwingen und das Spektakel möglichst vom eigenen Tor fernzuhalten. Die Basis des Spiels sind schnelle Gegenstösse, die zu den entscheidenden Treffern führen. 

Schnelle, präzise Nadelstiche

Der EV Zug ist noch keine grosse, mächtige Hockeymaschine, die mit vier Linien unablässig über den Gegner hinwegrollt und einen Gegner zermürben kann wie die ZSC Lions oder wie inzwischen wieder der SCB und der HC Davos und an einem guten Abend der HC Lugano. Der EV Zug ist eher das Team der schnellen, präzisen offensiven Nadelstiche.

Die Zürcher, die Davoser, die Luganesi und die Berner sind inzwischen so gut, dass sie sich mit einem guten Torhüter in der oberen Tabellenhälfte halten können. So stark sind die Zuger noch nicht. Sie sind noch stärker als die anderen Spitzenteams vom Torhüter abhängig. Sie brauchen nicht einen guten, sondern einen grossen Torhüter.

Tobias Stephan und Reto Suri: Die Pfeiler des EVZ-Erfolgs.
Tobias Stephan und Reto Suri: Die Pfeiler des EVZ-Erfolgs.
Bild: KEYSTONE

Ein «Stromausfall» kann immer noch zu einem Absturz führen gegen Lugano (1:7). Aber weil die Leistungskultur auch in der vorangegangenen Krisensaison intakt geblieben ist, lösen solche Niederlagen keine Krisen aus. Sie führen lediglich dazu, dass das System wieder besser justiert wird. 

Aus dem Abstiegsrunden-Teilnehmer ist dank Tobias Stephan wieder ein Spitzenteam geworden. Ein Torhüter hat alles verändert.

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