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ARCHIVBILD ZUR TRAINERENTLASSUNG BEIM HC LAUSANNE --- Lausanne's Head coach Daniel Ratushny looks his players, during a National League A regular season game of the Swiss Championship between Lausanne HC and Geneve-Servette HC, at the Malley stadium in Lausanne, Switzerland, Sunday, January 8, 2017. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Lausanne trennt sich von Trainer Ratushny – am Tag nach einem Derbysieg. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Grössenwahn in Lausanne und Zirkus in Genf – was am Lac Léman los ist

Einen Tag nach dem 8:4-Sieg im Derby gegen Servette trennt sich Lausanne von Trainer Dan Ratushny. Das welsche Hockey steckt in einer hausgemachten Krise. Der Grössenwahn des Managements ist in Genf und Lausanne die grösste Gefahr.



Lausanne und Servette haben das gleiche Problem: Selbstüberschätzung. Beginnen wir in Genf. Chris McSorley ist der Grund, warum aus Servette das beste Sportunternehmen des Welschlands geworden ist.

Die neuen nordamerikanischen Besitzer mit ihrer typischen nordamerikanischen Arroganz wissen es besser. Sie haben Chris McSorley entmachtet, zum Sportdirektor ohne Mitspracherecht und Kompetenz degradiert und bezahlen ihn fürstlich dafür, nichts zu tun.

Geneve-Servette's Head coach Craig Woodcroft, right, and Geneve-Servette's General Manager Chris McSorley, left, sitting next to her players, from left to right, defender Henrik Toemmernes, of Sweden, center Tanner Richard, defender Dan Weisskopf, center Kevin Romy, Defender Goran Bezina, forward Makai Holdener and center Adam Hasani, speaks to the media, during presentation of new Geneve-Servette's players before starting the new season from the National League A (NLA) Swiss Championship 2017-2018 at the press conference, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Friday, September 1, 2017. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Aufnahme mit Symbolcharakter: McSorley (links) ist in Genf zur Randfigur verkommen. Bild: KEYSTONE

Lausannes Sportdirektor Jan Alston hatte in den letzten Jahren sehr viel Glück bei seinen Entscheidungen. Drei Trainer haben seine Mannschaft besser gemacht, als sie tatsächlich ist. Gerd Zenhäusern brachte Lausanne als Nothelfer in die NLA zurück, Heinz Ehlers legte das taktische Fundament für die Playoffs und Dan Ratushny brachte die Emotionen für einen Höhenflug.

Grösse zeigt sich auch neben dem Eis

Lausanne war noch nie ein Spitzenteam. Aber auf den taktischen Geleisen, die Ehlers gelegt hatte, fuhr Motivator Ratushny letzte Saison in die Spitzengruppe der Liga. Mit einer Mannschaft, die rein nominell in die untere Tabellenhälfte gehört. Wenn Etienne Froidevaux der wichtigste Schweizer Center ist, kann es sich nicht um ein Spitzenteam handeln.

Und wenn Sandro Zurkirchen im Tor steht, erst recht nicht. Er ist ein guter, aber kein grosser Goalie. Was sich an einer Episode zeigen lässt. Leonardo Genoni hatte vorzeitig im Herbst 2015 bereits beim SC Bern unterschrieben. Er stand dazu, informierte in Davos seine Mitspieler und der SCB bestätigte offiziell seine Verpflichtung ab der Saison 2016/17. Ambris Zurkirchen hatte im Herbst 2016 bei Lausanne unterschrieben. Aber er hatte nicht das Rückgrat, dazu zu stehen und Lausanne verheimlichte den Transfer bis im letzten Sommer. Grösse zeigt sich auch neben dem Eis.

Le gardien lausannois Sandro Zurkirchen est au sol apres avoir encaisse le but marquant la defaite de son equipe lors de la rencontre du championnat suisse de hockey sur glace de National League entre le Lausanne Hockey Club, LHC, et le SLC Tigers, ce samedi 7 octobre 2017 a la patinoire provisoire de Malley 2.0 a Lausanne. (KEYSTONE/Valentin Flauraud)

Lausanne-Keeper Zurkirchen hat die schwierige Aufgabe, die Legende Huet zu ersetzen. Bild: KEYSTONE

Nun hat Lausanne mit Cristobal Huet einen grossen Torhüter, der zu alt ist, um noch ein grosser zu sein und mit Sandro Zurkirchen einen Torhüter, der ein grosser sein sollte, aber nie einer sein wird.

Ein programmierter Eklat

Lausanne hat die Bescheidenheit verloren, die immer und auf allen Ebenen die Grundvoraussetzung für den Erfolg eines nominell nicht erstklassigen Teams ist. Lausanne war letzte Saison das meistüberschätzte Team der Liga. Das wäre kein Problem gewesen, wenn das Management sich dessen bewusst wäre.

Lausanne hatte nur noch 11 der letzten 29 Partien der vergangenen Saison gewonnen und hätte gewarnt sein können. In den letzten Wochen sind die Vorstellungen davon, was in Lausanne machbar ist, zwischen Sportdirektor Jan Alston und seinem Trainer immer weiter auseinander gegangen. Der Eklat war programmiert. Dan Ratushny ist an unrealistischen Erwartungen eines arroganten Managements gescheitert.

«Cinderella left the Building» pflegen die Nordamerikaner zu sagen. Will heissen: Das Glück hat ein Unternehmen verlassen. Vier Jahre lang hauste das Glück im Stadion. Ungewöhnlich lange und gerade lange genug, um das Management in Lausanne arrogant zu machen.

Lausanne's players forward Yannick Herren, left, forward Nicklas Danielsson, of Sweden, 2nd left, center Loic In-Albion, 3rd left, center Johnny Kneubuehler, 2nd right, and forward Axel Simic, right, past Lausanne's Head coach Daniel Ratushny, during a National League regular season game of the Swiss Championship between Lausanne HC and Geneve-Servette HC, at the Malley 2.0 temporary stadium in Lausanne, Switzerland, Tuesday, October 10, 2017. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Der LHC ist derzeit als Achter knapp über dem Strich, Servette als Vorletzter liegt darunter. Bild: KEYSTONE

In Genf ist die Situation noch dramatischer

Nun hat nach vier Jahren Party der Alltag begonnen. Alltag in Lausanne bedeutet: Die Qualifikation für die Playoffs ist ein Erfolg. Nicht mehr. Aber auch nicht weniger. Je früher diese Einsicht beim Management reift, desto besser.

Die nächste Trainerentlassung wird in Genf folgen. Dort ist die Situation noch weit dramatischer als in Lausanne. Die nordamerikanischen Eishockey-Imperialisten haben Chris McSorley, den charismatischsten Trainer des welschen Hockeys durch Craig Woodcroft ersetzt. Wer den Chef durch einen Clown ersetzt, darf sich nicht wundern, dass sein Sportunternehmen zum Zirkus verkommt. Servette ist vom Vorzeigeunternehmen zum Zirkus verkommen. Aber die Besitzer haben es noch nicht bemerkt.

Apropos Servette und der Adler:

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