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Der Davoser Reto von Arx, links, verabschiedet sich nach dem Schlusspfiff vom Klotener Marcel Jenni nach dem 3:1 Sieg der Davoser im 5. Playoff Halbfinalspiel der Eishockey Nationalliga A zwischen dem HC Davos und den Kloten Flyers am Donnerstag, 22. Maerz 2007, in Davos. (KEYSTONE/Photopress/Arno Balzarini)

Reto von Arx und Marcel Jenni: Hätten beide den Special Award verdient gehabt.
Bild: PHOTOPRESS

Eismeister Zaugg

Billig und schäbig: Marcel Jenni ist an den Swiss Hockey Awards vergessen worden

Unseren Verbandsgenerälen ist ein unverzeihlicher Fauxpas unterlaufen. Sie haben Marcel Jenni (41) vergessen.



Als Fauxpas wird eine Takt- und Stillosigkeit aus Unkenntnis oder Gedankenlosigkeit bezeichnet. Und genau das ist es auch.

Swiss Ice Hockey (also der Verband) zeichnet im Rahmen des Galaabends unter anderem auch verdiente Persönlichkeiten mit dem sog. «Special Award» aus. Das letzte Wort bei der Vergabe dieser ganz besonderen Auszeichnung hat der Verwaltungsrat des Verbandes um Präsident Marc Furrer. Also das höchste Gremium unseres Eishockeys.

Reto von Arx (39) ist mit dem «Special Award» ausgezeichnet worden. Eine richtige Wahl. Aber unsere Verbandsgeneräle haben eine einmalige Chance zur Versöhnung verpasst. Richtig wäre es gewesen, Reto von Arx UND Marcel Jenni mit dem Special Award zu ehren.

Beide Spieler haben nach der letzten Saison ihre grandiosen Karrieren beendet. Und beide waren die Hauptdarsteller des Skandals von Salte Lake City. 2002 wurden Reto von Arx und Marcel Jenni wegen Nachtschwärmerei vorzeitig und mit Medienspektakel von den Olympischen Spielen nach Hause geschickt. Nie sind in der modernen Geschichte unseres Hockeys zwei Spieler öffentlich so gedemütigt worden.

Ob Reto von Arx und Marcel Jenni ausgerechnet in der Hauptstadt der Mormonen (kein Alkoholausschank) tatsächlich im Ausgang waren, ist nie bewiesen worden. Unvergesslich bleibt die Anmerkung von Marcel Jennis Zimmerkollegen Martin Gerber zu diesem Thema: «Als ich eingeschlafen bin, war er noch da. Als ich am Morgen aufgewacht bin, war er auch da …»

Der Olympia-Skandal führte zu einem tiefen und langanhaltenden Zerwürfnis zwischen dem HC Davos und dem damaligen Nationaltrainer Ralph Krueger. Reto von Arx kehrte nie mehr für eine WM in die Nationalmannschaft zurück. Marcel Jenni war schon bei der WM 2003 wieder dabei und beendete seine internationale Karriere mit der WM 2010 in Deutschland.

Grosse Verdienste fürs Schweizer Hockey

Die Verdienste dieser beiden Spieler für unser Hockey können nicht hoch genug bewertet werden. Reto von Arx ist der erste Schweizer Torschütze in der NHL. Er war jahrelang als HCD-Leitwolf einer der besten Spieler der Liga und er hat über 1000 Partien für seinen Klub bestritten. Marcel Jennis Karriere dauerte auch länger als 1000 Spiele. Er hat sich als erster Schweizer im Ausland Starstatus erspielt und war 2001 bei Färjestad bester Playoffskorer im schwedischen Meisterteam. Er stürmte sechs Jahre in Schweden. Der Zürcher war Meister mit Lugano (1999) und hat nach seiner Rückkehr in die Schweiz Kloten in neun Jahren dreimal ins Finale geführt.

17.04.2014; Zuerich; Eishockey NLA Playoff ZSC Lions -  Kloten-Flyers; Marcel Jenni (Kloten) (Daniela Frutiger/Freshfocus)

Marcel Jenni hat viel fürs Schweizer Hockey geleistet.
Bild: Daniela Frutiger/freshfocus

Reto von Arx und Marcel Jenni sind starke, eigenwillige Persönlichkeiten und sie waren so erfolgreich weil sie immer den  Mut hatten, ihren Weg zu gehen und ihre eigene Meinung zu vertreten. Der «Special Award» wäre nun eine wunderbare Gelegenheit zur Versöhnung gewesen.

Der Verwaltungsrat schiebt die Verantwortung ab

Warum ist diese Chance vergeben worden? Die offizielle Antwort des Verbandes lautet so: «Die Jury hat Reto von Arx einstimmig zur Wahl vorgeschlagen. Der Verwaltungsrat von Swiss Ice Hockey hat sich auf diesen Vorschlag gestützt und Reto von Arx für den Special Award nominiert.»

Wie billig! Wie schäbig! Dem Verwaltungsrat, dem höchsten Gremium unseres Hockeys ist es nicht in den Sinn gekommen, neben Reto von Arx auch Marcel Jenni zu den Special Award zu nominieren und schiebt die Verantwortung einfach auf die Jury ab. Dabei hat der Verwaltungsrat das letzte Wort. Eine Doppelauszeichnung wäre sehr wohl möglich gewesen.

Früher haben Verbandsgeneräle bei der Vergabe des «Special Award» ihre Aufsichtspflicht sehr wohl wahrgenommen und beispielsweise verhindert, dass sich der ehemalige Liga-Präsident Franz A. Zölch diese Auszeichnung zuschanzen konnte.

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