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Switzerland's head coach Patrick Fischer reacts during the Ice Hockey Deutschland Cup at the Curt-Frenzel-Eisstadion in Augsburg, Germany, Friday, November 4, 2016. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Nati-Trainer Patrick Fischer hat in der Slowakei alles richtig gemacht. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Patrick Fischer wie Ralph Krueger – die «Pausenplatz-Ära» ist zu Ende

Die Rückkehr zur taktischen Realität beschert Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer den grössten Turniererfolg ausserhalb einer WM seit 2006.



Kein anderes Turnier während der Saison ist für die Schweizer so schwierig zu gewinnen wie der Slowakei-Cup. Der Heimsieg ist Pflicht, die Stadien sind voll, die Stimmung ist grandios. Die Slowaken bieten jeweils die bestmögliche Mannschaft auf. Nur die NHL-Stars fehlen. Zum letzten Mal haben die Schweizer 2006 unter Ralph Krueger das Turnier in Oberungarn gewonnen. In den letzten Jahren waren wir gegen diesen Gegner in der Slowakei chancenlos (0:2, 0:5, 0:3). Letztmals haben wir die Slowaken in der Slowakei 2009 unter Ralph Krueger besiegt (3:2).

Und nun am Samstag ein grandioses 4:3. Mit elf Neulingen. Gegen eine starke slowakische Mannschaft. Die Schweizer bogen sich unter dem gewaltigen Ansturm des Gegners im Mitteldrittel (die Slowaken holten in 66 Sekunden von 0:3 auf 2:3 auf). Aber sie brachen nicht.

Taktikwechsel führt zum Erfolg

Wie ist das möglich? Nun zahlt sich ein Wechsel an der Bande aus. Der Schwede Tommy Albelin ersetzt den verantwortungsscheuen Opportunisten Felix Hollenstein. Mit Hilfe des schwedischen Defensivspezialisten hat Patrick Fischer den taktischen Haushalt endlich in Ordnung gebracht. Ohne dabei sein Charisma, seine Begeisterungsfähigkeit und seinen Optimismus einzubüssen. Im Idealfall ergibt die Kombination Patrick Fischer/Tommy Albelin zumindest hockeytechnisch einen neuen Ralph Krueger.

Der Schweizer Eishockey National Assistenttrainer Tommy Albelin erteilt bei einer Trainingseinheit Anweisungen, am Donnerstag, 3. November 2016, im Curt-Frenzel-Stadion in Augsburg. Die Nationalmannschaft nimmt vom 4. bis 6. November 2016 am Deutschland-Cup teil. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Tommy Albelin ist ein wichtiger Mann bei der Hockey-Nati. Bild: KEYSTONE

In der letzten Saison, bei der letzten WM und noch im vergangenen Herbst, beim ersten Turnier mit Tommy Albelin als Assistent, liess Patrick Fischer «Pausenplatz-Hockey» spielen. Wildes, spektakuläres, aber unstrukturiertes, naives, international untaugliches Offensivhockey mit viel zu hohem taktischem Risiko. Die WM-Viertelfinals 2016 verpasste er und im Herbst 2016 setzte es beim Deutschland Cup in Augsburg noch einmal drei krachende Niederlagen ab – die letzte mit 1:4 gegen die Slowakei.

Die wundersame Wende, die jetzt im vierten Sieg in Serie (gegen Frankreich und Weissrussland beim Heimturnier in Biel und nun gegen Weissrussland und die Slowakei in Nitra) führt der Nationaltrainer auf den Wechsel der Taktik, die Abkehr vom «Pausenplatz-Hockey» zurück. «Wir haben die Taktik geändert und spielen jetzt mit viel weniger Risiko. Es gelingt uns, die neutrale Zone zu kontrollieren.» Diese Kontrolle der neutralen Zone ist der Schlüssel jedes Defensivsystems.

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Die Jungs nach dem Sieg am Slowakia Cup. hockeyfans.ch / andreas robanser

Patrick Fischer sagt, er habe auch darauf geachtet, physisch starke Spieler zu nominieren. Vor allem in der Abwehr: Vier Verteidiger sind grösser sind als 190 cm (Dave Sutter, Claude Paschoud, Christian Marti, Fabian Heldner) und Phil Baltisberger war mit 186 cm der Kleinste. Noch nie hatten wir eine Abwehr mit so viel Wasserverdrängung.

Und siehe da, es war in Nitra, als sei die Uhr um elf Jahre zurückgestellt worden. Zum letzten Mal haben die Schweizer 2006 das Turnier in der Slowakei gewonnen. Unter Ralph Krueger. Die Schweizer spielten beim 4:3 gegen die Slowakei wie einst unter Krueger. Taktisch diszipliniert, geduldig, selbstsicher und furchtlos.

Davosers Jungs an die WM?

Die Frage ist natürlich: wer von den elf Neulingen hat das Potenzial für künftige WM- und Olympiaeinsätze? Patrick Fischer sagt: «Dieser oder jene Spieler wird bei der nächsten WM dabei sein. Aber nicht viele.»

08.12.2015; Skelleftea; Eishockey Champions League - Skelleftea AIK  - HC Davos;
Claude-Curdin Paschoud (davos)
(Olga Westerberg/Bildbyran/freshfocus)

Claude Paschoud hat sich in Nitra gut geschlagen. Bild: Olga Westerberg/Bildbyran/

Drei Neulinge sind potenzielle WM-Kandidaten. Die HCD-Titanen Claude Paschoud (22) und Fabian Heldner (20). Noch nicht für Paris 2017. Aber für die Turniere von 2018 (Olympia, WM). Beide haben eine NHL-Postur. Beide sind für ihre Grösse erstaunlich beweglich (unter HCD-Trainer Arno Del Curto sind alle «gut zu Fuss») und beide können die Scheibe auch unter Druck kontrollieren und behaupten.

Der Davoser Fabian Heldner fuehrt den Puck im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League A zwischen dem HC Ambri-Piotta und dem HC Davos, am Montag, 2. Januar 2017, in der Valascia Eishalle in Ambri. (KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Auch sein Davoser Klubkollege Heldner drängte sich auf. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Beide gingen gegen die Slowaken mit einer Plus-Bilanz vom Eis: Fabian Heldner mit +1, Claude Paschoud gar mit +2. Nur noch ein weiterer Abwehrspieler hatte in dieser Partie eine positive Statistik: Dave Sutter (+1). Biels cooler, furchtloser Titan, der die nächsten drei Jahre im Zürcher Hallenstadion rumpeln wird, ist der Geheimtipp. Er ist wahrscheinlich der einzige der elf Neulinge, der bereits zur nächsten WM 2017 in Paris aufgeboten wird.

Die Schweiz wird taktisch erwachsen

Der Unterschied zur «Ära Krueger»: das Defensivkonzept ist zwar sehr ähnlich – aber die neue Spielergeneration, die es umsetzt, ist talentierter.

Nitra 2017 hat uns noch etwas gezeigt: Im Februar machen Aufgebote für junge Spieler viel mehr Sinn als die Nomination von Routiniers, für die Länderspiele kein Abenteuer mehr sind. Die elf Neulinge rissen mit ihrer Leidenschaft die ganze Mannschaft mit. Kein Vergleich zum unsäglichen uninspirierten und undisziplinierten Auftritt beim Deutschland Cup im vergangenen Herbst.

Switzerland's Headcoach Patrick Fischer is pictured during the Swiss Ice Hockey Challenge 2016 between Switzerland and France, at the Tissot Arena in Biel, Friday, 16 December 2016. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Patrick Fischer ist an der Bande der Nati lernfähig. Bild: KEYSTONE

Seit Nitra 2017 wissen wir: Nationaltrainer Patrick Fischer ist lernfähig. Die Phase des Pausenplatz-Hockeys hat er hinter sich gelassen und er wird taktisch erwachsen. Das weckt Hoffnungen für die WM 2017 in Paris und das olympische Turnier 2018.

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