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Goalietraining mit dem Star: Martin Gerber trainiert 2008 mit jungen Torhütern in Huttwil.
Goalietraining mit dem Star: Martin Gerber trainiert 2008 mit jungen Torhütern in Huttwil.
Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Ab 2016 bricht eine neue Eiszeit im Herzen der Schweiz an

Vier Jahre nach dem Ende der Huttwiler Eiszeit gibt es berechtigte Hoffnungen auf eine Wiedereröffnung des Eisstadions im Nationalen Sportzentrum.
26.06.2015, 10:2326.06.2015, 10:51

Der 22. Juni 2015 könnte als der Beginn der neuen Eiszeit in die Geschichte eingehen. Am Montag trafen sich Karl Brügger, Verwaltungsrat der SCL Tigers und Präsident der Nachwuchsorganisation SCL Young Tigers, und Peter Müller, Geschäftsführer der SCL Tigers, mit Markus Bösiger, Eigentümer des Sportcenters in Huttwil zu einem ausgedehnten Rundgang durchs Nationale Sportzentrum. Den Tag liess die Männerrunde bei einem gemütlichen Nachtessen im Bären in Dürrenroth ausklingen. Thema des Tages: Werden die SCL Tigers künftig das Sportcenter in Huttwil betreiben? Am Mittwoch gab es bereits eine weitere intensive Gesprächsrunde.

Die Hintergründe: Der Langenthaler Immobilien-Unternehmer Markus Bösiger will das Nationale Sportzentrum nicht verkaufen, sondern langfristig als Ganzes vermieten. Dazu gehört nicht nur die Eishalle, die als historische Stätte gilt, weil hier mit dem Prügel-Sieg gegen Kanada (3:2) am 13. Februar 1998 unter Ralph Krueger die internationale Renaissance unseres Hockeys begonnen hat. Dazu gehören auch ein Ausseneisfeld, eine Dreifachturnhalle mit Kraftraum, zwei Fussballfelder, eine Leichtathletikanlage, ein Restaurant, Seminarräume und Unterkünfte. Wer das Sportzentrum mietet, kann während des ganzen Jahres fast jeder Sportart frönen. Oder Teile der Anlage untervermieten. Darüber hinaus sind 24 Anlässe pro Jahr genehmigt, die nichts mit Sport zu tun haben (Konzerte, Open Airs, Festivals etc.).

Die Schweiz prügelt sich mit Kanada: Szene vom Länderspiel in Huttwil 1998.
Die Schweiz prügelt sich mit Kanada: Szene vom Länderspiel in Huttwil 1998.
Bild: KEYSTONE

Neues Eis für die halbe Schweiz

Aber warum die SCL Tigers? Nun, die Langnauer verlieren bei der Nachwuchsarbeit den Anschluss – und das kann mittelfristig das ganze Unternehmen gefährden. Zur Zeit stellen die Tiger keinen einzigen Junioren-Nationalspieler. Die Elite-Junioren verpassten in den letzten beiden Jahren sogar die Playoffs. Das grösste Problem: Den Langnauern fehlen Eis und Trainingsmöglichkeiten auf jeder Altersstufe. Ein zweites Eisfeld ist in Langnau in absehbarer Zeit nicht machbar. Andere Organisationen, wie die ZSC/GCK Lions, der SC Bern oder der EV Zug sind den Emmentalern inzwischen auch punkto Infrastruktur um Längen voraus und den SCL Tigers droht im Nachwuchs die Bedeutungslosigkeit.

Und so kommt Huttwil ins Spiel. Knappe dreissig Auto-Minuten von Langnau entfernt gibt es im geographischen Herzen der Schweiz ein Eisstadion. Das Problem: Es gibt kein Eis mehr in diesem Stadion, seit der Verband im Frühjahr 2011 den sportlich in die NLB aufgestiegenen und wirtschaftlich kerngesunden Huttwil Falcons die Lizenz verweigert hat. Auch das Personal müsste für die Eisaufbereitung zuerst rekrutiert werden. Eine solche Anlage zu mieten und auf eigene Rechnung zu betreiben, kostet Geld. Viel Geld. Mindestens eine Million Franken pro Jahr. Aber es gibt auch Möglichkeiten, wieder Geld hereinzuholen:

  • Der SC Langenthal hat das gleiche Problem wie die SCL Tigers. Kein zweites Eisfeld und zu wenig Eis für die Nachwuchsorganisation. Wenn in Huttwil ganzjährig Eis gemacht werden sollte, würde zusätzlich die erste Mannschaft des «kleinen» SCL ihre Saisonvorbereitung in Huttwil bestreiten.
  • Der Eishockeyverband, die ZCS Lions und die Rapperswil-Jona Lakers hielten seinerzeit regelmässig Trainingslager in Huttwil ab. Sie mussten nach der Eisschmelze im Sommer 2011 auf weniger gute, oder weiter entferntere Anlagen umsteigen. Die Chancen stehen gut, alte Kunden wieder zurück zu holen.

Die SCL Tigers und die SCL Young Tigers könnten die Anlage nicht nur für ihre Trainings benutzen. Es wäre auch möglich, einen Teil der Nachwuchs-Heimspiele und der Saisonvorbereitung in Huttwil auszutragen. Die Langnauer könnten in Huttwil eine Hockeyschule gründen und zusätzliche Nachwuchsteams laufen lassen und so das grosse Nachwuchspotenzial im Oberaargau und im Luzerner Hinterland erschliessen.

Nicht nur Eishockey in Huttwil: Ex-Fussballverbands-Präsident Ralph Zloczower an einem Tag der offenen Tür im Sportzentrum im Jahr 2009.
Nicht nur Eishockey in Huttwil: Ex-Fussballverbands-Präsident Ralph Zloczower an einem Tag der offenen Tür im Sportzentrum im Jahr 2009.
Bild: KEYSTONE

«Darf nicht sein, dass diese Sport-Infrastruktur nicht genutzt wird»

Das Nationale Sportzentrum unter der Federführung der SCL Tigers und SCL Young Tigers – das ist die Idee. Die SCL Tigers und SCL Young Tigers würden auch das gesamte Sport-Zentrum Personal rekrutieren und bezahlen. Karl Brügger bestätigt die Verhandlungen mit Markus Bösiger: «Wir führen Gespräche. Wir verstehen uns gut. Aber die ganze Sache braucht Zeit. Eine Umsetzung ist für diese Saison nicht machbar. Realistisch ist eine Wiedereröffnung für die Saison 2016/17.» 

Man arbeite zudem an einem Gesamtprojekt «Hockey Emmental», um das Eishockey im «Gotthelf-Land» auf allen Ebenen zu fördern und auf eine breitere Basis zu stellen. Karl Brügger ist beeindruckt vom Sportzentrum. «Ich habe am Montag zum ersten Mal die ganze Anlage besichtigt und bin in jeder Beziehung positiv überrascht. Ich wusste gar nicht, wie gut diese Anlage konzipiert ist. Es darf eigentlich gar nicht sein, dass diese erstklassige Sport-Infrastruktur nicht genutzt wird.»

Die Chancen stehen sehr gut, dass Karl Brügger und Markus Bösiger gemeinsam eine Lösung finden werden. Das Sportzentrum würde dann von den SCL Tigers geführt und Markus Bösiger bliebe im Hintergrund. Damit wären alle politisch-diplomatischen Befindlichkeiten ausgeräumt, die in den letzten Jahren den Betrieb immer wieder beeinträchtigt haben. Mit grosser Wahrscheinlichkeit werden wir im nächsten Jahr, ab August 2016, in Huttwil wieder Eis haben. Nicht am Stiel. Sondern im Stadion.

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