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Kloten Flyers Torhueter Michael Flueckiger enttaeuscht am Boden nachdem er 4 Sekunden vor Spielende den Treffer zum 0-1 kassiert waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und den ZSC Lions am Sonntag, 26. Januar 2014, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Symbolische Pleite

Eismeister Zaugg

Warum Kloten so nie mehr besser wird als die ZSC Lions

Die «Sekunden-Pleite» gegen die ZSC Lions (0:1) hat für die Kloten Flyers symbolische Bedeutung: Sie werden nicht mehr dazu in der Lage sein, dauerhaft besser zu sein als der Kantonsrivale.

klaus zaugg



Im letzten Jahrhundert, während der «Belle Epoque» des ZSC, als im alten Kult-Hallenstadion noch Marihuana geraucht wurde, waren Siege gegen den EHC Kloten eine Sensation. Der charismatische ZSC-Sportchef Guido Tognoni liess einmal aus Anlass eines Derby-Sieges eine Krawatte anfertigen.

Eishockeyspieler Andres Ambuehl, links, und Fussballexperte Guido Tognoni, rechts, posieren waehrend der Praesentation des Whiskeys Chivas18, am Mittwoch, 29. Mai 2013 in Zuerich. ..(PHOTOPRESS/Samuel Truempy)

Er liess sich als ZSC-Sportchef eine Derbysieg-Krawatte anfertigen. Guido Tognoni mit Andreas Ambühl. Bild: PHOTOPRESS

Die Zeichen der Zukunft

Noch stehen sich die ZSC Lions und die Kloten Flyers praktisch auf Augenhöhe gegenüber. Aber mittelfristig werden die Klotener Krawatten für Derbysiege in Auftrag geben. Das 0:1 gegen die ZSC Lions durch einen Treffer vier Sekunden vor Schluss und der Transfer von Peter Guggisberg sind die Zeichen an der Wand, die uns die Zukunft zeigen. 

Die ZSC Lions sind durch eine Kombination aus Geld und Kultur eines der erfolgreichsten Hockeyunternehmen Europas geworden. Einerseits stehen Mittel für gute Transfers zur Verfügung. Und andererseits werden hohe Investitionen in die Nachwuchsabteilung getätigt. Kein anderes Hockeyunternehmen bildet heute so erfolgreich so viele Spieler aus wie die Organisation der ZSC Lions. Längst werden die Spieler für die dritte und vierte Formation aus den eigenen Reihen rekrutiert.

Es fehlt die Hockeykultur

Die Überlegenheit des alten Kloten gegenüber dem alten ZSC basierte im letzten Jahrhundert auf der viel stärkeren Hockeykultur. Auf der damals besten Nachwuchsabteilung im Lande. Der EHC Kloten baute im Laufe der 1990er Jahre sogar weitgehend mit eigenen Spielern eine meisterliche Dynastie auf, die viermal hintereinander die Meisterschaft gewann (1993 bis 1996).

Aber die Kapitalisierung des Eishockeys verführte die Klotener im Laufe der letzten zehn Jahre zu einer Abkehr von ihrer Kultur. Immer mehr Transfers statt eigene Spieler und am Ende beinahe die Pleite. Beinahe wäre Präsident Jürg Bircher der grosse Coup dennoch gelungen. 2009 und 2011 verloren die Kloten Flyers den Titelkampf erst im Finale gegen den HC Davos. Beim alles entscheidenden 2:3 auf eigenem Eis am 12. April 2011 erzielte Peter Guggisberg zwei Tore für Davos. Nun haben die Klotener Peter Guggisberg gekauft. Nun müsste es funktionieren.

Peter Guggisberg skort zukünftig für Kloten anstatt den HC Davos. Bild: KEYSTONE

Die Nachwuchsarbeit hat an Boden verloren

Aber die Kloten Flyers werden scheitern. Sie haben eine historische Chance verpasst. Weil sie vom rechten Hockeyglauben abgekommen sind. Die neue wirtschaftliche Stabilität wäre eine einmalige Chance, die Nachwuchsabteilung zu hegen, zu pflegen und in diesem Bereich die ZSC Lions wieder zu überholen. Das wäre die Voraussetzung, um die Nummer 1 im Kanton zu sein.

Aber Klotens Nachwuchsorganisation ist nicht mehr die erste Adresse im Land. Wir wollen nicht polemisieren und verweisen auf die Fakten: Die Elite-Junioren, die einst die Konkurrenz dominierten, darben in der höchsten Nachwuchsliga auf dem 8. Tabellenplatz. Inzwischen verwirklichen die ZSC Lions die Ideale des einstigen Ausbildungsklubs Kloten viel besser als die Klotener.

Aufrüsten, aber zu welchem Preis?

Auf nächste Saison wird in Kloten aufgerüstet. Die Rückkehr von Steve Kellenberger aus Biel, einem eigenen Junior, macht Sinn. Der Nutzen der Zuzüge der Davoser Peter Guggisberg und René Back oder des Zuger Corsin Casutt ist hingegen fraglich.

Kloten Flyers Verteidiger Philippe Schelling, von links, Gian Andrea Randegger und Michael (Micki) DuPont koennen es nicht fassen, dass ihr Team 4 Sekunden vor Spielende einen Treffer hinnehmen musste waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League A zwischen den Kloten Flyers und den ZSC Lions am Sonntag, 26. Januar 2014, in der Kolping Arena in Kloten. (KEYSTONE/Patrick B. Kraemer)

Bild: KEYSTONE

Die Mannschaft wird nicht besser (Back kommt, Félicien Du Bois geht). Peter Guggisberg kann, wenn er denn gesund ist und auf und neben dem Eis integriert werden kann, die Offensive zwar besser machen. Aber sein Transfer verteuert die Mannschaft auf Jahre hinaus: Jene, die behaupten, er sei jetzt der bestverdienende Schweizer Spieler in der NLA, haben zwar keine Beweise.
Aber es gibt auch keine Gegenbeweise. Guggisbergs Salär ist unter den Agenten kein Geheimnis und wird zum Massstab künftiger Verhandlungen mit Klotens Sportchef André Rötheli.

Das Problem ist strukturell

Es ist nicht mehr möglich, ein Meisterteam zusammenzukaufen. Der beste Weg zum dauerhaften Erfolg ist der Aufbau einer eigenen Hockeykultur – so wie es die ZSC Lions machen. Dafür fehlt den neuen Herren in Kloten zwar nicht das Geld. Aber offensichtlich die Erleuchtung und die Geduld.

Das 0:1 vom Sonntag zeigt uns die Zukunft des Unternehmens: Durchaus konkurrenzfähig, aber trotzdem reicht es nicht ganz, um dauerhaft so erfolgreich zu sein wie die ZSC Lions – und die Betriebsverluste werden bei der aktuellen Unternehmensphilosophie jedes Jahr siebenstellig sein. Die Strukturen in Kloten (Arena, Gastronomie-Möglichkeiten) machen es unmöglich, ein Spitzenteam zu finanzieren und die Begeisterung der Zuschauer hält sich in Grenzen (5545 pro Partie). 

Nur in Rapperswil-Jona, Biel, Biel, Davos und Lugano waren es noch weniger. Nicht einmal dem äusserst tüchtigen, vom Verband abgeworbenen Marketing-Guru Lukas Hammer ist es gelungen, die Einnahmen signifikant zu erhöhen. Wenn er es nicht schafft – wer dann?

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    Alle Leser-Kommentare
  • Clark Kent 27.01.2014 18:09
    Highlight Highlight was ist eigentlich zsc? ist das die pleite-mannschaft, die damals von gc übernommen wurde? und kloten ist doch der konkursclub, der vom verbandspräsidenten gerettet wurde. darüber lohnt es sich zu schreiben?
  • Zesi 27.01.2014 16:55
    Highlight Highlight @Kontos: du bist wohl auch noch nicht all zu lange beim Eishockey:
    Eric Blum, Lukas Stoop, Philipp Schelling, Matthias Bieber, Cyrill Bühler alle vom Z....
    • kontos 28.01.2014 08:49
      Highlight Highlight Nur habe ich nicht wie KZ behauptet, eine Mannschaft müsse mit eigenen Spielern gebildet werden und es könne keine Mannschaft zusammengekauft werden ....
      Wer lesen kann ist im Vorteil!
  • kontos 27.01.2014 14:33
    Highlight Highlight Der Autor ist wohl noch nicht all zu lange in der Eishockeyszene Schweiz dabei ...... ;-) ansonsten wüsste er nämlich das eine Verstärkung wie ein Topskorer durchaus auch bei der Konkurenz gekauft werden kann! Der ZSC macht dies gerade vor! Also sind die Flyers lediglich in die Fussstapfen des grossen Kantonsrivalen getreten, der die Spieler Wick, Blindenbacher und Bärtschi übernommen hat, obwohl diese nicht beim Z'et in der NLA debütiert haben, sondern .........?
  • deed 27.01.2014 08:25
    Highlight Highlight Bei dieser Gelegenheit bedankt sich der ZSC Fan bei Kloten noch für die freiwillige Überlassung des Stürmers Roman Wick.

Heinz Ehlers, der letzte Marxist des Schweizer Eishockeys

Biel rauscht mit begeisterndem Tempohockey gegen die SCL Tigers in eine spektakuläre Niederlage. Hat es schon mal vor, während und nach einem Spiel der Qualifikation so viel zu reden gegeben? Nein, seit Jahren nicht mehr.

Zwei Zahlen sagen uns, dass sich ein Drama abgespielt haben muss: 36:18. Mit diesem Torschussverhältnis hat Biel gegen Langnau 2:5 verloren. Noch verrückter: Im Schlussdrittel dominiert Biel zu Land, zu Wasser und in der Luft mit 17:7 Torschüssen und verliert diesen Abschnitt 0:3.

Aber es rockt auch neben dem Eis. Vor und nach dem grossen Spiel.

Die Partie ist vorbei. Fast alle Zuschauerinnen und Zuschauer haben die Arena verlassen. Die Schiedsrichter und die Spieler sind in den Kabinengängen …

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