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Patrick Fischer, head coach of Switzerland national ice hockey team, left, looks on during their Ice Hockey World Championship group B preliminary round match between Switzerland and Slovenia in Paris, France on Saturday, May 6, 2017. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Jetzt muss er sich etwas überlegen: Patrick Fischer nach dem knappen Startsieg.  Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Die bittere Wahrheit jenseits der hockeypolitischen Korrektheit

Die Schweizer WM-Aktien haben einen regelrechten Kurssturz erlitten. Aber das kann auch eine grosse Chance sein.

klaus zaugg, paris



Eishockey und ... Schwingen haben ganz ähnliche ungeschriebene Gesetze. Auch nach hitzigem Kampf reichen sich die Titanen die Hände zur Versöhnung. Der Sieger hilft im Schwingen dem Verlierer immer auf die Beine und wischt ihm das Sägemehl vom Rücken. Bei der WM gratuliert der Coach des Verliererteams im Rahmen der offiziellen Medienkonferenz stets zuerst dem Sieger, bevor er mit seinen Ausführungen und Ausreden beginnt.

Es war daher schon beinahe ein diplomatischer Fauxpas, als der slowenische Cheftrainer Patrick Fischer im Rahmen der offiziellen Medienkonferenz nach unserer ersten WM-Partie spontan dankte, innehielt, sich sofort korrigierte, gratulierte und dann mit seinen Erklärungen begann. Er hatte ja wirklich Grund zum Dank.

Patrick Fischer, head coach of Switzerland national ice hockey team, right, reacts during their Ice Hockey World Championship group B preliminary round match between Switzerland and Slovenia in Paris, France on Saturday, May 6, 2017. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Da wusste Patrick Fischer noch nicht, dass sich der gegnerische Trainer nach dem Spiel bei ihm bedanken wird. Bild: KEYSTONE

Ein Gegner wird von Trainern, Spielern und Funktionären nie geschmäht. Durch alle Länder und Medien ziehen sich respektvolle Äusserungen über gegnerische Mannschaften und Spieler. Gerade deshalb ist es wichtig, die eigenen Leistungen richtig einzuschätzen und Misserfolge intern nicht schönzureden.

Da entfallen dem Eismeister mal wieder die Namen

Aufschlussreicher sind Aussagen im inoffiziellen Gespräch bei ausgeschalteten Kameras und Tonknochen jenseits der hockeypolitischen Korrektheit und der Öffentlichkeit. Wie gestern Abend im «Parc de Bercy» neben der WM-Arena.

Ich ging nach Hause, und da kreuzte zufälligerweise ein grosser, alter, weiser und weitgereister Bandengeneral meinen Weg. Heutige Funktion, Name und Nation sind mir soeben entfallen. Die Unterhaltung war aufschlussreich und sollte dem hockeyinteressierten helvetischen Leser nicht gänzlich vorenthalten werden.

klaus zaugg

Wen traf der Eismeister da zufällig? Wir wissen es nicht. bild: watson/freshfocus

Nach dem Sturmlauf ins WM-Finale von 2013, mit Siegen unter anderem über Schweden, Kanada, Tschechien und die USA, erreichen die Schweizer WM-Aktien ihren höchsten internationalen Kurswert. Der ältere Herr, der mir am Samstagabend im Park begegnet ist, sagte mir vor dem Olympischen Turnier von 2014 in Sotschi: «Ihr könnt dieses Turnier gewinnen.» Er sagte es nicht einfach. Er meinte es so.

Schneller als die Schweiz landete niemand im Mittelmass

So viel Respekt, so viel Anerkennung wie nach der Silber-WM von 2013 hat es für unser Hockey seit der Verbandsgründung (1908) wahrscheinlich noch nie gegeben. Schweizer Hockey, wie hoch willst du noch hinaus? Wir standen vor einem «goldenen Zeitalter».

Wahrscheinlich hat noch nie eine Hockeynation aus einem grandiosen Erfolg so wenig gemacht und ist sportlich so schnell wieder im Mittelmass gelandet wie die Schweizer nach Stockholm 2013.

Switzerland's Roman Josi, 2nd left, celebrates his goal with teammates Raphael Diaz, left, Morris Trachsler, 3rd left, Julian Walker, 2nd right, and Matthias Bieber, right, after scored the 1:0, during the the Gold Medal game between Switzerland and Sweden at the IIHF 2013 Ice Hockey World Championships at the Globe Arena in Stockholm, Sweden, on Sunday, 19 May 2013. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Wisst ihr noch, 2013? Da führten wir im WM-Final mal mit 1:0. Bild: KEYSTONE

Das nicht durch hockeypolitische Korrektheit gemilderte Urteil meines alten Bekannten über das WM-Startspiel der Schweizer ist wenig schmeichelhaft. Ich will es nicht in der ganzen Länge ausbreiten. Das würde nicht den internationalen hockeydiplomatischen Gepflogenheiten entsprechen. Aber doch ein paar Kernpunkte wiedergeben. «Really bad», ja «terrible» sei das Spiel der Schweizer gewesen, das Coaching und das taktische Verhalten und die Disziplin auch.

Was Bandengeneral wohl auf Englisch heisst?

Die Unterhaltung ging hin und her wie die Schiffchen am Webstuhl, und schliesslich wollte mein Gesprächspartner wissen, wie denn meine Einschätzung der helvetischen Lage sei. Ich sagte, dass ich unseren Cheftrainer eher als Cheerleader denn als grossen Bandengeneral sehe.

Cheerleader Patrick Fischer

Liebe User, gewöhnt euch besser an dieses halbschöne Bild. Ich habe das Gefühl, wir werden es noch einige Male sehen bis zum WM-Ende. bild: keystone/watson

Die Antwort wiederzugeben wäre billige Polemik. Nur so viel: Die Diskrepanz zwischen der Aussenwahrnehmung unseres Hockeys und dem geschäftigen Optimismus und der Selbstwahrnehmung unserer Verbandsgeneräle ist erheblich. Aber wie sagt man in Paris so schön: «On a l’importance qu’on se donne.»

Der Kurssturz ist eine Chance

Aber dieser Kurssturz ist auch eine grosse Chance. Unsere Nationalmannschaft spielt nur drei Jahre nach dem WM-Finale von 2013 in den Augen der Grossen wieder die Rolle eines Aussenseiters. Wir dürfen sogar ein wenig darauf hoffen, dass uns die Titanen des Welteishockeys nicht mehr ganz ernst nehmen. Dass wir mit einem Erfolg gegen die Grossen den schmählichen Punktverlust gegen Slowenien wettmachen und das Viertelfinale doch erreichen können.

Getreu dem welschen Motto, das zur WM in Paris passt: «Reculer pour mieux sauter». Ein paar Schritte zurück (beispielsweise vom 4:0 zum 4:4 gegen Slowenien), um dann umso weiter zu springen. Um bis nach Köln ins Viertelfinale zu springen, ist allerdings heute erst einmal ein Sieg gegen Norwegen (20.15 Uhr, im Liveticker) gefragt.

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    Alle Leser-Kommentare
  • el_bengalo 07.05.2017 14:33
    Highlight Highlight Mutig von Fischer Buddy Brunner den ersten Penalty schiessen zu lassen. Das hätte ich mich nicht getraut. Zum Glück haben wir solch ein Mathematik-Genie als Trainer, irgendwann wird er treffen, hat er sich gedacht, und irgendwann werden wir Weltmeister. Gratulation an den Trainer! :)
  • XAALLAAX 07.05.2017 13:12
    Highlight Highlight Medien wie Fans sollten ihre Energie WÄHREND dem Turnier voll und ganz auf Unterstützung und positives Denken verwenden.
    Motzen, jammern und am Trainer zweifeln kann man NACH dem Turnier immer noch den ganzen Sommer lang, sollte es denn Grund dazu geben.
    Schliesslich ist erst 1/7 der Gruppenphase gespielt und alle Türen zum Erfolg stehen noch weit offen. Heute 60 Minuten den gestrigen Start durchziehen und die Schweiz nimmt richtig Fahrt auf Richtung Viertelfinal! Allez! :-)
  • Ursus ZH 07.05.2017 13:06
    Highlight Highlight Lass mich raten Eismeister: der grosse, alte, weise und weitgereister Bandengeneral heisst Zaugg!
  • «SLAPSHOT» 07.05.2017 12:42
    Highlight Highlight ist fischer nach dieser wm noch vermittelbar als headcoach? oder muss KZ nachhelfen?
  • Aareschwumm 07.05.2017 11:37
    Highlight Highlight Unter dem Bild versteckt sich Marc Lüthi 🙃🤔
    Benutzer Bild
  • Boogie Lakeland 07.05.2017 11:30
    Highlight Highlight Also nach diesem Artikel weiss ich ähnlich viel wie vor dem Lesen...
  • Robi14 07.05.2017 10:08
    Highlight Highlight Aldo "er" fand das Spiel "terrible". Das wollten Sie und nicht vorenthalten?
  • San_Fernando 07.05.2017 09:37
    Highlight Highlight Ein Sieg in Sotschi? Das ist das Lächerlichste das ich je gehört habe. Zaugg überschätzt die NLA MASSIVST!!!!
    Ohne NHL-Stammspieler ist eine Achtelfinal-Teilnahme m.E. eine Riesen-Überraschung.
  • Warumdennnicht? 07.05.2017 09:23
    Highlight Highlight "Die Antwort wiederzugeben wäre billige Polemik."

    Ich musste laut lachen als ich dies gelesen habe. Ausgerechnet in einem Text von Klausi habe ich es gelesen. ;)
  • samy4me 07.05.2017 08:41
    Highlight Highlight "Die Diskrepanz zwischen der Aussenwahrnehmung unseres Hockeys und dem geschäftigen Optimismus und der Selbstwahrnehmung unserer Verbandsgeneräle ist erheblich."

    Besser kann man das nicht beschreiben ohne beleidigend zu werden.
  • -woe- 07.05.2017 08:31
    Highlight Highlight Ich frage mich, warum Fischer nicht schon nach der letzten WM zurückgetreten ist. Kann er die eigene Leistung so schlecht einschätzen?
    Dass der Verband nicht handelt und ihn entlässt, ist logisch. Das käme einem Fehlereingeständnis gleich. Und unsere Verbandsführung ist ja absolut unfehlbar...
    • Warumdennnicht? 07.05.2017 12:29
      Highlight Highlight ungehlbar sind sie nicht, aber sie lassen sich von aussen (Medien) beeinflussen und stellen so den einzigen Schweizer Trainer auf dem Markt (damals) mit NLA erfahrung ein. Obwohl er keine guten Referenzen oder ähnliches mitbringt.

      Die Medien wollten es so und sie gaben nachgegeben und unbedingt einen Schweizer gewollt.

      Nun haben sie einen, der ein guter Kolleg vieler Spieler und Rafa ist, welcher jedoch keine Führungsqualitäten hat, wie es sich schon in Lugano gezeigt hat.

      1/2
    • Warumdennnicht? 07.05.2017 12:29
      Highlight Highlight Die Medien können die absetzung nicht fordern, da sie ja den Verband fast schon gezwungen haben einen Schweizer zu nehmen obwohl keine Qualität auf dem Markt war.

      Mein Fazit? Selber Schuld, aber auch die Medien haben mit der Hetze mitgeholfen.

      2/2

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