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Austria`s coach Roger Bader during the game between Lattvia and Austria, at the IIHF 2019 World Ice Hockey Championships, at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, on Saturday, May 11, 2019. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Welch eine Schmach für Österreich und «Gelee Royal» für unsere Hockey-Seele

Österreich verliert gegen Italien 3:4 nach Penaltys und steigt ab. Es war ein Drama, das unserer Hockey-Seele so wohltut.

klaus zaugg, bratislava



Welch bitterer Moment für Österreich! Nach dem Skandal um das «Ibiza-Video» von dem ehemaligen Vizekanzler Heinz-Christian Strache nun auch noch die Schmach auf dem Eisfeld.

In Zahlen: Mit 41:23 Torschüssen dominiert ein Italien, das zuvor während des ganzen Turniers in sechs Spielen nur ein einziges Tor erzielt hatte. Und nun macht es aus fünf Schüssen im Mitteldrittel zwei Treffer und zum ersten Mal seit 12 Jahren erzielt es auf höchstem WM-Niveau drei Tore in einem Spiel.

Im Penaltyschiessen prallt der Abschluss von Dominique Heinrich von der Torumrandung zurück – es wäre die Entscheidung und die Rettung gewesen. Auch Michael Raffl, der NHL-Haudegen (Philadelphia) mit 1.6 Millionen Dollar Salär scheitert. Ambris Dominic Zwerger darf nicht mal zum Penalty antreten. «Wir haben ihn bewusst draussen gelassen», wird Nationaltrainer Roger Bader hinterher sagen. «Er ist einfach kein Penalty-Spezialist.» Auch Peter Schneider, Biels neuer ausländischer Stürmerstar, versagt beim zweitletzten Versuch. Antti Törmänen sollte ihn nächste Saison besser nicht zu Penaltys antreten lassen.

Schliessllich trifft der Italo-Kanadier Sean McMonagles und setzt dem Trauerspiel ein Ende. Italien bleibt oben, Österreich, das uns im nächsten Frühjahr bei der WM in Zürich Zuschauer ins Hallenstadion gebracht hätte, steigt ab.

Italy's players celebrate after scoring during the Ice Hockey World Championships group B match between Austria and Italy at the Ondrej Nepela Arena in Bratislava, Slovakia, Monday, May 20, 2019. (AP Photo/Ronald Zak)

Bild: AP/AP

Es ist nicht Schadenfreude, die für unsere Seele ist wie «Gelee Royal», jener Spezialhonig, der ausschliesslich der Bienenkönigin vorbehalten ist. Es ist das ungläubige Staunen, wie gut wir geworden sind.

«Wir waren die bessere Mannschaft. Aber nicht immer gewinnt die bessere Mannschaft.»

Roger Bader, Trainer Österreich.

Frankreich und Österreich, aber auch Italien haben uns so manche schmähliche Niederlage an WM-Turnieren beschert. 1993 und 1995 führten sie sogar zum Abstieg der Schweiz. Und mehrmals standen diese drei Nationen den Schweizern vor der Rückkehr in die höchste WM-Klasse.

Gut, das war im letzten Jahrtausend, das ja mit den Kreuzzügen erst richtig lanciert worden ist. Und doch: der Blick zurück ist in diesem Augenblick einfach überwältigend.

Diese Partie zwischen Österreich und Italien war ein Drama sondergleichen. Wegen solchen Spielen lieben wir das Eishockey auch. Es war für Nationaltrainer Roger Bader eines dieser verrückten Spiele, die an eine Schachpartie mahnen: bei der Eröffnung war er noch frei und der Herr seiner Figuren auf dem rutschigen Spielbrett. Aber dann bekommt das Spiel eine eigene, auch von ihm nicht mehr kontrollierbare Logik. Kein Wunder wird er hinterher sagen: «Wir waren die bessere Mannschaft. Aber nicht immer gewinnt die bessere Mannschaft.»

Eigentlich hätte der Chronist Ambris Dominic Zwerger nach dem Spiel befragen wollen. Er ist ja in unserer Liga einer der besten, dominantesten Stürmer. Aber der freundliche Titan kann nicht sprechen. Tränen ersticken seine Stimme. Der Abstieg geht ihm zu Herzen. Und es soll niemand den Spielern den Vorwurf machen, sie hätten nicht gekämpft. Sie haben alles versucht. Vergeblich.

Ambri's player Dominic Zwerger celebrates the 2-1 goal, during the regular season game of the National League between HC Ambri-Piotta and HC Lausanne, at the ice stadium Valascia in Ambri, on Saturday November 24, 2018. (KEYSTONE/Ti-Press/Davide Agosta)

Ambris Stürmer Dominic Zwerger. Bild: TI-PRESS

Was uns ehrfurchtsvoll sagen lässt, wie gut wir geworden sind, ist das Eishockey, das Österreich und Italien in diesem Drama zelebriert haben. Das Spiel ist auf eine seltsame, melancholische Art und Weise langsam. Bluesig. Fast wie auf den alten TV-Bildern der Spitzenkämpfen unserer Liga aus den 1970er Jahren.

Erst solche Partien wie dieses Abstiegsdrama sind es, die einem die Fortschritte unseres Eishockeys vor Augen führen.

Langsam die Angriffsauslösung, manchmal fast schleichend die Spielzüge, nullkommanull Intensität, stolpernde Scheibenverluste, kuriose Wendungen und Szenen.

Ja, auf diesem Niveau waren wir auch einmal. Gegen solche Gegner haben wir einst regelmässig verloren. Es ist also noch gar nicht so lange her. Ergraute Chronisten erinnern sich noch mit leisem Grauen an diese Zeiten.

Erst solche Partien wie dieses Abstiegsdrama sind es, die einem die Fortschritte unseres Eishockeys vor Augen führen. Nicht einmal mit blühendster Fantasie hätten wir uns damals, als wir uns bei der WM noch auf Augenhöhe mit Italien, Österreich und Frankreich abmühten, vorstellen können, dass wir so gut werden, wie wir heute sind.

Gut, gut, das war jetzt alles ein wenig übertrieben. Man möge uns verzeihen. Und doch soll es auch einmal gesagt sein: Keine andere Hockeynation hat in den letzten 40 Jahren eine so stürmische Entwicklung durchlaufen wie die Schweiz.

Und ein Schweizer ist der unglückliche Held dieses unglücklichen Österreich. Nationaltrainer Roger Bader. Sein Vertrag läuft weiter. Verbandspräsident Gernot Mittendorfer hat sofort nach dem Spiel, als noch die Klänge der wunderbaren italienischen Hymne die Arena füllen («Fratelli d’Italia, l’Italia s’è desta» - «Brüder Italiens, Italien hat sich erhoben!») im Bauch des Stadions bestätigt: «Roger Bader wird nicht entlassen. Wir haben vor drei Jahren ein neues Programm gestartet und das war halt der erste kleine Rückschritt.»

Head Coach Roger Bader from Austria during a international ice hockey game between Switzerland and Austria, at the Lucerne Cup in Lucerne, Switzerland, on Thursday, December 13, 2018. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Österreichs Coach Roger Bader. Bild: KEYSTONE

Wahre Grösse zeigt sich eben in der Niederlage. Roger Bader stellt sich den österreichischen Journalisten und gibt ruhig, sachlich und freundlich Antwort. Man werde jetzt die Situation analysieren. «Aber das hätten wir auch getan, wenn der entscheidende Penalty nicht an die Latte, sondern ins Tor gegangen wäre.»

Dem ehemaligen österreichischen Sportminister Heinz-Christian Strache blieb nach seinem Video-Skandal wenigstens diese Schmach erspart: Eigentlich hätte er samt Entourage von Wien nach Pressburg reisen und mit seiner Präsenz den rauen Kerlen auf dem Eis das Selbstvertrauen stärken wollen.

Armes Österreich. Du hast keinen Sportminister und auch keine Mannschaft mehr auf höchstem WM-Niveau. Gegen diese sportlichen Schmerzen gibt es nur ein Heilmittel: Hoffnung auf den Wiederaufstieg mit Roger Bader und Geduld.

Früher, in den sagenumwobenen alten Zeiten, als sich das Habsburgerreich noch von der Adria bis in die kargen Ebenen Galiziens erstreckt, sagte die Welt bewundernd auf lateinisch: «Bella gerant alii, tu felix Austria nube. Nam quae Mars aliis, dat tibi diva Venus.» – «Kriege lass andere führen, du, glückliches Österreich, heirate! Denn was den anderen Mars, Venus, die Göttin, gibt’s dir.»

Gemeint war damit die kluge Heiratspolitik, die den Habsburgern mehr Landgewinn, Reichtum und Prestige einbrachte als alle Kriege, die andere Länder führten.

Das österreichische Eishockey befindet sich in diesen Tagen in einem so desolaten Zustand, dass nicht einmal mehr eine noch so kluge Heiratspolitik weiterhilft.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Der Typ 21.05.2019 13:01
    Highlight Highlight Eine kleine Frage. Ihr schreibt das Österreich uns an der WM in Zürich Fans gebracht hätten. Italien nicht? Ist ja genau so ein Nachbarland von der Schweiz. Zudem sind mehr Italiener als Österreicher in der Schweiz. Dazu ist man mit dem ÖV schneller von Milano in Zürich, wie von Innsbruck. Irgendwo geht dies im Artikel nicht auf. @Watson, könnt Ihr mir dies begründen?
    • Couleur 21.05.2019 13:39
      Highlight Highlight Das Interesse am Eishockey ist in Österreich doch um einiges grösser als in Italien. Das belegen auch die jeweiligen mitgereisten Fans bei der Nationalmannschaft. Darum entgehen der Schweiz sicherlich Einnahmen durch den Wegfall der Österreicher an unserer Heim WM.
    • Bäruin aka PHI (formerly known as Pat the Rat) 21.05.2019 18:16
      Highlight Highlight @ Couleur:

      Ich denke jedoch, dass viele in der Schweiz lebende Italiener durchaus Hockeybegeistert sind. Und wenn ich dann noch Ihren Nationalstolz betrachte, könnte das schon zu relativ vielen Zuschauern für die Azzurri führen.
  • Molson 21.05.2019 12:53
    Highlight Highlight Hochmut kommt vor dem Fall....
  • Theageti 21.05.2019 11:51
    Highlight Highlight Nach diesem Artikel haben die Hockeygötter entschieden, dass die Schweiz auf dem 4. Platz die Quali abschliessen und im Viertelfinal 0:6 rausgekegelt werden.

    Danke Eismeister.
  • Fanta20 21.05.2019 11:45
    Highlight Highlight Man darf natürlich nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen, aber süffig zu lesen sind sie alleweil, die Artikel vom Eismeister. Manchmal lernt man sogar noch etwas über Geschichte.
  • MikeT 21.05.2019 11:14
    Highlight Highlight Naja. Die Absteiger Frankreich und Österreich sind reichlich in der angeblich so starken Schweizer Liga vertreten oder spielten da mal. Bozon, Zwerger, Thiry, Hofer, Herburger, Hecquefeuille, Baumgartner, Berthon, Obrist. Die spielen nicht in einer "Operettenliga". Und daher stellt sich die Frage wo die Schweiz stünde, wenn sie nur mit Spielern der heimischen Liga bestückt wäre?
  • Muselbert Qrate 21.05.2019 08:06
    Highlight Highlight Schlimm wenn man sich am Misserfolg der anderen aufgeilen kann...! Wie peinlich, zum fremdschämen!!

    Ob Zwerger ein Titan unseres Hockeys ist, werden wir sehen wenn er ohne Kubalik spielen muss.
  • marak 21.05.2019 08:02
    Highlight Highlight Ok. Man kann dieses laue Thema wählen für einen Artikel. Es ist ja schön, dass wir weniger zittern müssen als vor 20 Jahren. Aber die Schweiz hätte es hier nicht gebraucht (zur CH gibt es bessere Themen).
    Man hätte aber darüber schreiben können, dass an einer 16er WM im Grunde eine zweite WM gibt - jene der letzten vier (2 Aufsteiger, 2 die kanpp oben blieben) und diese Direktduelle über den Verbleib im A entscheiden. Heuer haben sich mit I und UK die Aufsteiger durchgesetzt.
    Oder generell was über Mannschaften aus dem hinteren Bereich.
  • Nelson Muntz 21.05.2019 07:50
    Highlight Highlight Bleibt zu hoffen, dass wie die Kreuzzüge, solche Szenarien für die Nati nicht mehr aktuell werden.
  • stayhome 21.05.2019 07:34
    Highlight Highlight Man oh man ist dieser Artikel peinlich! Der Eismeister gibt jeden Tag mehr ab!
    • Bazzi 21.05.2019 09:52
      Highlight Highlight Nicht mal die Schussstatistik vermag er korrekt zu entschlüsseln
  • Hoscheho 2049 21.05.2019 06:47
    Highlight Highlight Ich finde es schade, dass Oesterreich absteigt. Mein Gelée Royale war der Sieg im Direktvergleich, das reicht.
  • Militia 21.05.2019 06:39
    Highlight Highlight Diese Lobhudelei ist zum (fremd)schämen. Die Schweizer sind nicht die besten, sie haben gerade gegen Schweden und vor allem gegen Russland verloren. Die Schweiz ist ein gutes, solides Team, welches an einem guten Tag und wenn alles passt auch die besten schlagen kann. Aber ansonsten einfach the best of the rest.
  • SirMike 21.05.2019 06:02
    Highlight Highlight Dieser Artikel sagt eigentlich alles, was man wissen muss ... über Klaus Zaugg. Wie da aus aus dem Nichts ein Nicht-Bezug zur Schweiz konstruiert wird, das ist eismeisterliche Klasse.🙈
  • Palpatine 21.05.2019 05:53
    Highlight Highlight "Keine andere Hockeynation hat in den letzten 40 Jahren eine so stürmische Entwicklung durchlaufen wie die Schweiz."

    Finnland? Die waren doch vor 40 Jahren auch noch kein Grosser.
    • Paia87 21.05.2019 07:38
      Highlight Highlight Oder die Slowakei, die hatten glohrreichere Zeiten als wir. Nur sind sie wieder etwas zurück gefallen. Etwas, was uns sehr schnell auch woeder passieren kann...
    • kupus@kombajn 21.05.2019 08:10
      Highlight Highlight @Paia87: Die Slowakei arbeitete sich aber nicht nach oben, die Slowakei war in diesem Sinne als Teil der CSSR bereits in der Weltspitze vertreten. Dass sie sich nach dem Zerfall der CSSR zuerst aus dem C nach oben kämpfen musste, hat nur damit zu tun, dass Tschechien die Rechtsnachfolge der CSSR angetreten hat und der eigenständige Slowakische Verband neu aufgenommen wurde. Sie profitierte noch eine gute Zeit lang von der Tschechoslowakischen Eishockeyschule und fällt nun kontinuierlich zurück.
    • Bruno Wüthrich 21.05.2019 09:39
      Highlight Highlight Nachschauen hätte sich gelohnt. Finnland war vor 40 Jahren regelmässig unter den Top5 oder sogar unter den Top4 (wenn Kanada wegen des Profistatus seiner Spieler nicht mitmachen durfte). Standen sich damals die Schweiz und Finnland mal gegenüber, lautete das Resultat meistens überdeutlich zu Gunsten der Finnen. Als die Schweiz 1988 (?) das erste Mal gewann, galt dies als eine der grössten Sensationen im Eishockey überhaupt. Vergleichen wir mit heute, so war die Entwicklung der Schweizer tatsächlich grösser als diejenige der Finnen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Couleur 21.05.2019 05:25
    Highlight Highlight Es geht auch in Richtung eines Österreicher Witzes, dass mit Bader ein Trainer eine Nationalmannschaft coacht, der in der Schweiz als Head Coach nie höher als in der ersten Liga tätig war. Bader ist doch das Trojanische Pferd des Schweizer Hockey Verbandes ;-)
  • derWolf 21.05.2019 03:23
    Highlight Highlight Was um Himmels Willen reitet euch jeweils bei solch schadenfrohen Artikeln? Berichtet doch einfach über das Abstiegsdrama ohne Selbstlob und Hohn. Und was soll das mit den Habsburgern und warum Sie Macht hatten? Eifersüchtig? Einfach peinlich und überflüssig.

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