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06.05.2015; Prague; Eishockey WM 2015 - IIHF ICE HOCKEY WORLD CHAMPIONSHIP;
Switzerland - Latvia;
Lettland Spieler jubeln neben Mark Streit (SUI) nach dem Tor zum 1:2 
(Andy Mueller/freshfocus)

Mark Streit leitet den lettischen Siegtreffer mit einem Fehlpass ein. Bild: freshfocus

Eismeister Zaugg

Mark Streit nach der Niederlage gegen Lettland: «Nein, so würde ich den Pass nicht mehr spielen»

Es passt zum Drama gegen Lettland (1:2 n.V.), dass ausgerechnet Leitwolf Mark Streit (37) den entscheidenden Fehler gemacht hat. Für Nationaltrainer Glen Hanlon ist nun guter Rat teuer.

klaus zaugg, prag



Das 85. Spiel (!) an einer WM hat Mark Streit die dramatischste Niederlage beschert. Die zweite Minute der Verlängerung gegen Lettland läuft. Mark Streit stürmt auf der Aussenbahn in die gegnerische Zone. In der Mitte ist Matthias Bieber mitgelaufen. Mark Streit spielt den Pass rückwärts in die Mitte um seinem Kollegen eine Torschussmöglichkeit zu eröffnen. Der Puck wird abgefangen, der Gegenangriff führt zum Siegestreffer für die Letten (62:19 Min.).

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Der Fehler von Streit führt zum Gegentreffer. gif: srf

Mark Streit ist eine der grössten Spielerpersönlichkeiten unserer Hockeygeschichte. Er versteckt sich nach diesem Missgeschick nicht. Ein Reporter fragt ihn, wie er diese Szene gesehen habe. Er antwortet cool: «Genauso wie Sie.» Und ergänzt: «Nein, so würde ich den Pass nicht mehr spielen.»

Der Leitwolf mit einer Minus-Bilanz

Es gibt allerdings entlastende Argumente für den Angeklagten Mark Streit. Er hat nicht einen Fehler in der eigenen Zone gemacht. Er hat versucht, die Entscheidung zu erzwingen. So, wie es sich für einen Leitwolf gehört. Dass es ausgerechnet ein konstruktiver Spielzug ist, der den Untergang herbeiführt, ist eine bittere Ironie der Geschichte dieser WM.

Mark Streit hat in dieser Partie erstmals länger gearbeitet (25:14 Minuten) als Roman Josi (23:41 Min.). Die Statistik ist sein Feind. Er hat jetzt eine Minus- Bilanz (-2) und Roman Josi eine Plus-Bilanz (+3). Erinnerungen an 2012 steigen auf. Als nach dem Verpassen der Viertelfinals der Boulevard über eine Story zu Mark Streit den bösartigen Titel «Captain Minus» setzte. Captain Mark Streit hatte das Turnier mit einer Statistik von -5 beendet.

Switzerland's Mark Streit and Roman Josi (R) argue with officials during their Ice Hockey World Championship game at the O2 arena in Prague, Czech Republic May 6, 2015. REUTERS/David W Cerny

Mark Streit (links) hat bisher eine Minus-2-Bilanz, Roman Josi eine Plus-3. Bild: DAVID W CERNY/REUTERS

Hanlon steht hinter seinem Captain

Mark Streit ist zusammen mit Roman Josi der überragende Feldspieler der Schweizer. Nationaltrainer Glen Hanlon hat sich nach dem Spiel nicht zu einer Kritik an seinem Captain hinreissen lassen. Das tut ja ohnehin kein Coach. War Mark Streit als ältester Spieler des Teams (er ist 37) womöglich in dieser Schlussphase nicht mehr frisch? «Nein», sagt Glen Hanlon. «Er ist in guter Form.» Wo er recht hat, hat er recht.

Glen Hanlon sagt, seine Mannschaft habe so gut gespielt, dass es berechtigte Hoffnungen auf einen Punktgewinn gegen die anstehenden drei Partien gegen die Titanen Schweden, Kanada und Tschechien gebe. «Die Geschichte sagt ja, dass es den Schweizern eher leichter fällt, gegen Grosse zu punkten.»

Switzerland's head coach Glen Hanlon (C) gestures to the players during their Ice Hockey World Championship game against Latvia at the O2 arena in Prague, Czech Republic May 6, 2015. REUTERS/David W Cerny

Glen Hanlon glaubt an Punktgewinne gegen die Titanen Schweden, Kanada und Tschechien. Bild: DAVID W CERNY/REUTERS

Ladehemmungen vor dem Tor

Mit der Leistung gegen Lettland war er «in einigen Teilen» zufrieden. «In anderen aber nicht.» Womit war er nicht zufrieden? «Mit dem Toreschiessen.» Die Schweizer dominierten die Letten mit 36:21 Torschüssen. Aus insgesamt 126 Schüssen haben die Schweizer in Prag bloss acht Tore erzielt.

Im Powerplay hatte Glen Hanlon gegen Lettland erstmals nicht mehr Mark Streit und Roman Josi gemeinsam aufs Eis geschickt. «Unser Powerplay war nun besser.» Aber eben nicht gut genug. Unsere Powerplay-Erfolgsquote beträgt 5,26 Prozent. Gut ist diese Quote ab 20 Prozent.

Was am meisten fehlte, war ein grosser, kräftiger Stürmer, im Überzahlspiel für Unruhe sorgen und dem Torhüter die Sicht nehmen kann. Glen Hanlon sagt: «Wir haben darüber nachgedacht, ob wir einen solchen Spieler mit zum Turnier nehmen sollen. Aber wir können es uns nicht leisten, einen Stürmer zu nominieren, der nur zu diesem Zweck taugt.»

Egal-Meme Ryan Gardner

Ob ihm auch egal ist, dass er nicht an der WM spielt? Bild:

Das Zittern beginnt

Gibt es denn überhaupt einen Stürmer, den er für diese Rolle hätte nominieren können? Glen Hanlon denkt nach und sagt dann: «Nein.» Der einzige, der dafür in Frage gekommen wäre, ist Ryan Gardner (37), den der SCB bei Gottéron soeben gegen Timo Helbling getauscht hat. Aber der Gardner war in den Playoffs weit von einer WM-Form entfernt.

Wie weiter? Die Rechnung ist einfach: Lettland schafft auf unsere Kosten die Viertelfinals, wenn es aus den letzten drei Partien (Frankreich, Österreich, Deutschland) mindestens sechs Punkte holt und die Schweiz gegen die Titanen (Schweden, Kanada, Tschechien) nicht mehr punktet.

Bild

Noch ist die Schweiz unter den Top 4. screenshot: srf

Glen Hanlon sagt, er werde nun das weitere Vorgehen mit seinen «core players» besprechen. Also mit seinen Leitwölfen. Wer sind die eigentlich? «Das ist intern. Aber es ist klar, dass Roman Josi und Mark Streit dazu gehören.»

Gegen Lettland konnte Mark Streit auf dem Eis für einmal nicht helfen. Aber vielleicht hat er ja ein paar gute Ratschläge für Glen Hanlon. Für unseren Nationaltrainer ist guter Rat jetzt sowieso teuer.

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    Alle Leser-Kommentare
  • urano 07.05.2015 09:03
    Highlight Highlight die schwächste mannschaft seit jahren...falsche spielerauswahl - keine taktik - schwacher trainer - das wird nix mehr mit dieser wm - das gibt keinen einzigen punkt mehr
  • BeatBox 07.05.2015 08:46
    Highlight Highlight OK, der Pass von Streit ging in die Hosen. In der Overtime muss man ein bisschen mit mehr Risiko spielen, da das Penaltyschiessen dann wirklich unvorhersehbar ist. Wenn die Stürmer aber in einem solchen Match gerade mal ein Törchen zustandebringen, kann man einfach nicht die Verteidiger zur Rechenschaft ziehen. Das Riesengrosse Problem liegt genau dort wo es Klaus Zaugg sieht (und ich bin gaaanz selten gleicher Meinung mit KZ). Gardner war keine Option, aber es kann doch nicht sein, das Gardner der einzige Schweizer ist, der vor die Kiste stehen kann...!?!

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