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Damien Brunner liegt nach dem Zusammenprall mit Bodenmann benommen auf dem Eis.
Bild: screenshot srf

Eismeister Zaugg

Die Sperre gegen SCB-Stürmer Bodenmann – ein politisch motiviertes Fehlurteil

SCB-Stürmer Simon Bodenmann wird für den Zusammenstoss mit Luganos Damien Brunner für ein Spiel gesperrt. Weshalb dieses Urteil barer Unsinn ist.



Damit es kein Missverständnis gibt: Hiermit beginnt eine Polemik. Wenn wir wissen wollen, warum SCB- Stürmer und WM-Silberheld Simon Bodenmann heute Abend nicht spielen darf und erst noch eine saftige Busse zu bezahlen hat (1350 Franken), müssen wir nichts von Eishockey verstehen.

Wir müssen auch keine TV-Bilder analysieren. Er ist nämlich nicht wegen eines Fouls gesperrt worden. Beim Zusammenstoss zwischen Damien Brunner und Simon Bodenmann hat es keine Regelwidrigkeit gegeben. Deshalb haben die Schiedsrichter ja auch keine Strafe ausgesprochen.

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Der Zusammenprall von Brunner und Bodenmann.
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Warum darf Simon Bodenmann trotzdem nicht spielen? Weil die Ligaführung ein schlechtes Gewissen hat. Der SC Bern hat vor allem im zweiten und dritten Finalspiel (1:0 und 3:2 n.V. für den SCB) von einer grosszügigen Regelauslegung profitiert. Kein Schelm, wer behauptet, dass im Finale vorübergehend die heute in allen wichtigen Hockeyligen gültige strenge Regelauslegung («Nulltoleranz») ausser Kraft gesetzt worden ist.

Wenn rustikales, uriges Rumpel-Hockey Urständ feiert, dann ist die talentiertere Mannschaft im Nachteil. In diesem Finale ist Lugano die talentiertere Mannschaft. Luganos Trainer Doug Shedden hat natürlich übertrieben, als er nach der samstäglichen Niederlage in Bern (1:2 n.V.) ätzte, die Liga solle doch den Pokal gleich dem SCB aushändigen und auf die restlichen Spiele verzichten. Aber ganz und gar Unrecht hatte er halt nicht.

Bloss eine Entschädigung

Niemand soll Ligadirektor Ueli Schwarz und Verbandsdirektor Florian Kohler (unter seiner Aufsicht führt Beat Kaufmann die Schiedsrichter-Abteilung) nach dem Finale den Vorwurf machen, es sei etwas nicht mit rechten Dingen zu- und hergegangen. Mit der Sperre gegen Simon Bodenmann ist Lugano nun für die Schiedsrichter-Benachteiligung im zweiten und dritten Spiel sozusagen angemessen entschädigt worden.

Bern Stuermer Simon Bodenmann, rechts, diskutiert mit Schiedsrichter Marc Wiegand, Mitte, vorne Linienrichter Cedric Borga, im 4. Eishockey Playoff-Finalspiel der National League A zwischen dem SC Bern und dem HC Lugano, am Samstag, 9. April 2016, in der PostFinance-Arena in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Simon Bodenmanns Sperre ist eine Farce.
Bild: KEYSTONE

Das Fehlurteil im Fall Bodenmann steht für eine Unsitte, die sich im Laufe dieser Saison in die Gerichtsbarkeit eingeschlichen hat: Der Trend der Ligafunktionäre, sich in die Gerichtsbarkeit einzumischen, die eigentlich unabhängig sein sollte und Sperren nach politischen Befindlichkeiten (im Bestreben, nach aussen gut dazustehen) zu fällen. Das ist auch der Hauptgrund, warum Einzelrichter Reto Steinmann, der letzte der Unbestechlichen, Aufrechten und der Gerechten, sein Amt nach 13 Jahren niederlegt.

Was bewirkt der Ausfall von Simon Bodenmann sportlich? Nichts. Sollten die Berner heute Abend verlieren, werden wahrscheinlich nicht alle der Versuchung widerstehen können, diese Sperre als Ausrede zu benützen. Aber der SCB kann diesen Ausfall problemlos verkraften. Simon Bodenmann gehört nicht zu den Einzelspielern, die beinahe unersetzlich sind – dies wären beim SCB lediglich Torhüter Jakub Stepanek und, für die Chemie und die Wirkung des Teams, Tristan Scherwey, Cory Conacher und Thomas Rüfenacht.

Keine Parallelen zum Fall Bertuzzi

In der Geschichte des modernen Hockeys hat bis heute eigentlich nur eine Sperre einem Team die Playoff-Chancen «zerstört»: Vancouvers Leitwolf Todd Bertuzzi verletzte bei einem Amokfoul im März 2004 Colorados Steve Moore so schwer, dass dieser seine Karriere beenden musste und bis heute an den Folgen dieses Fouls leidet.

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Der brutale Angriff von Todd Bertuzzi gegen Steve Moore.
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Die NHL sperrte Todd Bertuzzi für 20 Spiele (und damit auch für die ersten sieben Playoffpartien). Vanocuver, einer der Stanley Cup-Favoriten, scheiterte schon in der ersten Runde gegen Calgary. Das Foul zog gerichtliche Auseinandersetzungen nach sich, die erst nach zehn Jahren im August 2014 mit einer aussergerichtlichen Einigung zwischen Todd Bertuzzi und Steve Moore zu Ende gingen. Über die Details der Einigung wird Stillschweigen bewahrt. Steve Moore hat mehr als 50 Millionen Dollar gefordert.

Warum bringe ich dieses Beispiel? Aus zwei Gründen. Erstens um zu zeigen, wie dumm Doug Sheddens Forderung von 20 Spielsperren für Simon Bodenmann nach der Partie in Bern war. Solche lächerlichen Forderungen heizen bloss das Klima unnötig auf.

Lugano's assistant coach Pat Curcio, left, and head coach Doug Shedden, are pictured during the game between Switzerland's HC Lugano and Finland's Jokerit Helsinki, at the 89th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, on Monday, December 28, 2015. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Die Schimpftiraden von Doug Shedden bringen niemandem etwas.
Bild: SPENGLER CUP

Zweitens ist da noch etwas viel Wichtigeres: Spielsperren sollten nie leichtfertig und politisch motiviert ausgesprochen werden. Eine Sperre ist immer eine klare juristische Schuldzuweisung. Eher früher oder später werden die Versicherungen aufgrund von Spielsperren das Verschulden taxieren. Sie werden, wenn es bei einen Foul zu Verletzungen kommt, gegenüber dem gesperrten Spieler Regressforderungen erheben und das Urteil der Hockeygerichtsbarkeit als juristische Grundlage benützen.

Ende der Polemik.

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