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Damien Brunner liegt nach dem Zusammenprall mit Bodenmann benommen auf dem Eis.<br data-editable="remove">
Damien Brunner liegt nach dem Zusammenprall mit Bodenmann benommen auf dem Eis.
Bild: screenshot srf
Eismeister Zaugg

Die Sperre gegen SCB-Stürmer Bodenmann – ein politisch motiviertes Fehlurteil

SCB-Stürmer Simon Bodenmann wird für den Zusammenstoss mit Luganos Damien Brunner für ein Spiel gesperrt. Weshalb dieses Urteil barer Unsinn ist.
12.04.2016, 07:5112.04.2016, 11:00

Damit es kein Missverständnis gibt: Hiermit beginnt eine Polemik. Wenn wir wissen wollen, warum SCB- Stürmer und WM-Silberheld Simon Bodenmann heute Abend nicht spielen darf und erst noch eine saftige Busse zu bezahlen hat (1350 Franken), müssen wir nichts von Eishockey verstehen.

Wir müssen auch keine TV-Bilder analysieren. Er ist nämlich nicht wegen eines Fouls gesperrt worden. Beim Zusammenstoss zwischen Damien Brunner und Simon Bodenmann hat es keine Regelwidrigkeit gegeben. Deshalb haben die Schiedsrichter ja auch keine Strafe ausgesprochen.

Der Zusammenprall von Brunner und Bodenmann.
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Warum darf Simon Bodenmann trotzdem nicht spielen? Weil die Ligaführung ein schlechtes Gewissen hat. Der SC Bern hat vor allem im zweiten und dritten Finalspiel (1:0 und 3:2 n.V. für den SCB) von einer grosszügigen Regelauslegung profitiert. Kein Schelm, wer behauptet, dass im Finale vorübergehend die heute in allen wichtigen Hockeyligen gültige strenge Regelauslegung («Nulltoleranz») ausser Kraft gesetzt worden ist.

Wenn rustikales, uriges Rumpel-Hockey Urständ feiert, dann ist die talentiertere Mannschaft im Nachteil. In diesem Finale ist Lugano die talentiertere Mannschaft. Luganos Trainer Doug Shedden hat natürlich übertrieben, als er nach der samstäglichen Niederlage in Bern (1:2 n.V.) ätzte, die Liga solle doch den Pokal gleich dem SCB aushändigen und auf die restlichen Spiele verzichten. Aber ganz und gar Unrecht hatte er halt nicht.

Bloss eine Entschädigung

Niemand soll Ligadirektor Ueli Schwarz und Verbandsdirektor Florian Kohler (unter seiner Aufsicht führt Beat Kaufmann die Schiedsrichter-Abteilung) nach dem Finale den Vorwurf machen, es sei etwas nicht mit rechten Dingen zu- und hergegangen. Mit der Sperre gegen Simon Bodenmann ist Lugano nun für die Schiedsrichter-Benachteiligung im zweiten und dritten Spiel sozusagen angemessen entschädigt worden.

Simon Bodenmanns Sperre ist eine Farce.<br data-editable="remove">
Simon Bodenmanns Sperre ist eine Farce.
Bild: KEYSTONE

Das Fehlurteil im Fall Bodenmann steht für eine Unsitte, die sich im Laufe dieser Saison in die Gerichtsbarkeit eingeschlichen hat: Der Trend der Ligafunktionäre, sich in die Gerichtsbarkeit einzumischen, die eigentlich unabhängig sein sollte und Sperren nach politischen Befindlichkeiten (im Bestreben, nach aussen gut dazustehen) zu fällen. Das ist auch der Hauptgrund, warum Einzelrichter Reto Steinmann, der letzte der Unbestechlichen, Aufrechten und der Gerechten, sein Amt nach 13 Jahren niederlegt.

Was bewirkt der Ausfall von Simon Bodenmann sportlich? Nichts. Sollten die Berner heute Abend verlieren, werden wahrscheinlich nicht alle der Versuchung widerstehen können, diese Sperre als Ausrede zu benützen. Aber der SCB kann diesen Ausfall problemlos verkraften. Simon Bodenmann gehört nicht zu den Einzelspielern, die beinahe unersetzlich sind – dies wären beim SCB lediglich Torhüter Jakub Stepanek und, für die Chemie und die Wirkung des Teams, Tristan Scherwey, Cory Conacher und Thomas Rüfenacht.

Keine Parallelen zum Fall Bertuzzi

In der Geschichte des modernen Hockeys hat bis heute eigentlich nur eine Sperre einem Team die Playoff-Chancen «zerstört»: Vancouvers Leitwolf Todd Bertuzzi verletzte bei einem Amokfoul im März 2004 Colorados Steve Moore so schwer, dass dieser seine Karriere beenden musste und bis heute an den Folgen dieses Fouls leidet.

Der brutale Angriff von Todd Bertuzzi gegen Steve Moore.
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Die NHL sperrte Todd Bertuzzi für 20 Spiele (und damit auch für die ersten sieben Playoffpartien). Vanocuver, einer der Stanley Cup-Favoriten, scheiterte schon in der ersten Runde gegen Calgary. Das Foul zog gerichtliche Auseinandersetzungen nach sich, die erst nach zehn Jahren im August 2014 mit einer aussergerichtlichen Einigung zwischen Todd Bertuzzi und Steve Moore zu Ende gingen. Über die Details der Einigung wird Stillschweigen bewahrt. Steve Moore hat mehr als 50 Millionen Dollar gefordert.

Warum bringe ich dieses Beispiel? Aus zwei Gründen. Erstens um zu zeigen, wie dumm Doug Sheddens Forderung von 20 Spielsperren für Simon Bodenmann nach der Partie in Bern war. Solche lächerlichen Forderungen heizen bloss das Klima unnötig auf.

Die Schimpftiraden von Doug Shedden bringen niemandem etwas.<br data-editable="remove">
Die Schimpftiraden von Doug Shedden bringen niemandem etwas.
Bild: SPENGLER CUP

Zweitens ist da noch etwas viel Wichtigeres: Spielsperren sollten nie leichtfertig und politisch motiviert ausgesprochen werden. Eine Sperre ist immer eine klare juristische Schuldzuweisung. Eher früher oder später werden die Versicherungen aufgrund von Spielsperren das Verschulden taxieren. Sie werden, wenn es bei einen Foul zu Verletzungen kommt, gegenüber dem gesperrten Spieler Regressforderungen erheben und das Urteil der Hockeygerichtsbarkeit als juristische Grundlage benützen.

Ende der Polemik.

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36 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Eskimo (Inuit für die Selbstgerechten)
12.04.2016 09:18registriert Februar 2015
Das mühsame ist halt einfach dass die Schiedsrichter während der Quali jede Kleinigkeit bestrafen und auch im Zweifelsfall eher auf Strafe entscheiden. Und dann in den Playoffs haben Sie plötzlich keine Eier mehr klare Strafen zu geben da sie Meisterschaftsentscheidend sein könnten. Da weiss doch kein Spieler mehr was er sich erlauben darf und so wird das ganze Spiel zur Lotterie...
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123und456
12.04.2016 09:38registriert Juli 2015
Herrgott immerhin gibt Zaugg für einmal zu, dass es ihm hier nur um die Polemik geht. Für einmal mimt er nicht den "hockeyexperten"..😊
Ich habe mir die ganze iihf rule 124 angeschaut und, tut mir leid liebe lugano- und scb-supporter, man kann die Aktion in 2 Richtungen auslegen. Entweder man taxiert es a la scb(natürliche Bewegung) dann ists nicht strafbar. Oder aber nach punkt 3/4 absatz iv. Bodenmann vergrössert/verlagert seinen oberkörper(oder einen Teil davon)und trifft deshalb Brunner. Das ganze aus einer Schutzreaktion heraus. Wirkt insofern strafmildernd
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das Otzelot
12.04.2016 08:39registriert April 2016
Bis jetzt kann mir einfach niemand erklären wo der SCB im 3 Spiel bevorzugt wurde. Bei der angeblichen Brunner Penalty Szene ging ein klares Foul voraus. In der Szene wurde Bern BENACHTEILIGT. Auch bei den Strafenauslegungen nach den
Schlägereien war IMMER Lugano im Powerplay.
Na ja, Mund abputzen und gewinnen. So machen das Männer.
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