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Biels Trainer Kevin Schlaepfer reagiert im Eishockey National League A Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gotteron, am Sonntag, 29. November 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Kevin Schläpfer ist mit Biel Tabellenletzter und trotzdem gefragt wie Justin Bieber.
Bild: KEYSTONE

Popstar Kevin Schläpfer: «Ich bin Letzter – und trotzdem warten die Frauen auf mich»

Jeder andere Trainer wäre nicht mehr im Amt. Aber Kevin Schläpfer ist in Biel mehr als ein Trainer. Ein Popstar. Deshalb wird ihm alles verziehen.



Eine Prise Hansi Hinterseer, eine Prise Stefan Raab und dazu ein wenig Eishockey: Biels Trainer Kevin Schläpfer spielt die einzige Rolle, die ihm das Amt sichert. Nur als Hockeytrainer könnte er sich in Biel nicht mehr behaupten. Bei «Halbzeit» steht sein EHC Biel auf dem 12. und letzten Platz. Im neuen Stadion. Mit der teuersten Mannschaft der Klubgeschichte. Grösser, böser und besser wollte Biel sein. Und wieder die Playoffs erreichen. Bisher war Biel kleiner, weicher und weniger gut.

Die Spieler vom EHC Biel jubeln beim 2-3 im Eishockey National League A Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gotteron, am Sonntag, 29. November 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Jubelnde Bieler sind diese Saison bislang ein seltenes Bild.
Bild: KEYSTONE

Eine Playoff-Qualifikation ist immer noch möglich, aber inzwischen eher unwahrscheinlich. Also geht es nicht mehr nur um Siege und Niederlagen und Tabellenpositionen wie sonst im Sportgeschäft üblich. Nun geht es vor allem um gute Unterhaltung. So wie die Armen ohne Musik tanzen gelernt haben, so lernen die Bieler nun, sich an einer Mannschaft zu erfreuen, die auf dem letzten Platz steht. Das Stadion war gestern für das Spiel des Tabellenletzten gegen Gottéron ausverkauft.

An die Ehre appelliert

Diese gute Unterhaltung hat Biel beim 5:4 n.P gegen Gottéron geboten. Aus einem 1:3 wird im Schlussdrittel ein 4:3, in der letzten Minute kassieren die Bieler den Ausgleich und am Ende gewinnen sie das Penalty-Schiessen. «In der ersten Pause habe ich meinen Spielern gesagt: Da draussen ist ein ausverkauftes Stadion und wir liegen 1:3 zurück. Das geht nicht. Wir müssen unseren Zuschauern etwas bieten.» Entschlossen kehrten seine Jungs aufs Eis zurück und schafften die Wende.

EHC Biel Stuermer Niklas Olausson, rechts, trifft mittels Penalty gegen Gotteron Goalie Benjamin Conz, links, im Eishockey National League A Spiel zwischen dem EHC Biel und dem HC Fribourg-Gotteron, am Sonntag, 29. November 2015, in der Tissot Arena in Biel. (KEYSTONE/Dominic Steinmann)

Im Penaltyschiessen behält der EHC Biel gegen Gottéron die Oberhand. 
Bild: KEYSTONE

Der Ausgleich (4:4) 51 Sekunden vor Schluss ist Torhüter Simon Rytz nicht anzulasten: Gottérons Julien Sprunger ist neben Langnaus Thomas Nüssli der einzige Schweizer Stürmer der Liga, der so präzis und scharf schiesst. Er hat genau dort getroffen, wo ein kleiner Goalie nicht weiss, ob er mit der Schulter oder der Fanghand abwehren soll. Simon Rytz ist 174 cm gross. Das ist ihm zum Verhängnis geworden. Zugs Tobias Stephan (192 cm) hätte diesen Puck einfach abtropfen lassen.

Schläpfer wie Timberlake

Der Held dieser Bieler Wende ist in der Wahrnehmung des Publikums kein Spieler. Sondern der Trainer. Biel hat unter dem spielenden Personal keinen Star, der in die ganze Hockey-Schweiz ausstrahlt. Biels Gesicht ist Kevin Schläpfer. Was sich nach dem Spiel gestern wieder einmal zeigt. Unten im Kabinengang wartet eine Gruppe Frauen. Es sind die Mitarbeiterinnen eines Sponsors. Sie wollen keinen Spieler sehen, sondern den Trainer.

20.11.2015; Biel; Eishockey NLA - EHC Biel - EV Zug;  Trainer Kevin Schlaepfer (Biel) verlaesst die Spielerbank. (Christian Pfander/freshfocus)

Biel-Trainer Kevin Schläpfer ist nach dem Sieg gegen Gottéron ein viel gefragter Mann.
Bild: Christian Pfander/freshfocus

Kevin Schläpfer kommt und grüsst und scherzt und es geht zu und her wie bei einem Auftritt von Justin Timberlake. Auch Präsident Andreas Blank steigt in den Kabinengang hinunter und gibt seiner Erleichterung Ausdruck. Und von Verwaltungsrätin Stéphanie Mérillat gibt’s einen Kuss für den charismatischen Bandengeneral mit dem herben Charme.

Auch als Schlusslicht ein Entertainer

Der neutrale Chronist denkt: Kein Trainer, ein Popstar. Und so ist es. Kevin Schläpfer ist der Leadsänger, seine Spieler bloss die Band. «Seht ihr, ich bin Letzter und trotzdem warten die Frauen auf mich» scherzt er. Aber eigentlich scherzt er nicht. Er ist davon überzeugt, dass es so ist. Es ist dieses Selbstvertrauen, das ihn immer wieder über alle Zweifel siegen und nicht abstürzen lässt.

Dabei hätte es auch einen Helden auf Schlittschuhen gegeben. Beispielsweise Kult-Captain Mathieu Tschantré, der sich mit schwerem Durchfall durch die Partie gequält hat. Er hätte eigentlich nicht spielen sollen – aber er spielte. Um ein Zeichen zu setzen.

29.11.2015; Biel; Eishockey NLA - EHC Biel - HC Fribourg-Gotteron;
von links: Torjubel zum 1:0 fuer Biel mit Mathieu Tschantre, Nicholas Steiner, Torschuetze Paer Arlbrandt und Niklas Olausson (Biel)
(Sandro Stutz/freshfocus)

Mathieu Tschantré kämpft sich trotz Durchfalls durch die Partie und darf mit seinen Teamkollegen feiern.
Bild: Sandro Stutz/freshfocus

Nur noch die SCL Tigers sorgen als Schlusslicht für ähnlich viel Medienpräsenz wie Biel. Und das verdanken die Bieler Kevin Schläpfers Rolle als Entertainer. So war er ja eigentlich schon immer. Aber noch nie so extrem wie jetzt. Und vor allem: Noch nie war es für ihn so wichtig, ein Entertainer zu sein.

Der Erfolg über Fribourg-Gottéron ist erst der 5. Sieg in den letzten 21 Spielen. Kein anderer Trainer könnte sich mit dieser Bilanz im Amt halten. Tatsächlich ist ja Kevin Schläpfer das Dauerthema. Aber er steht nicht in der Kritik wie ein gewöhnlicher Trainer und ihn trifft auch nicht der Zorn des Publikums. Inzwischen ist es eher ein Mitfiebern, getragen von der Hoffnung: Hoffentlich bleibt er. Das hat es so in unserem Hockey noch nicht gegeben und wäre wohl nur noch im Falle einer Krise bei Arno Del Curto in Davos so.

Aber Ende des Tages ist Kevin Schläpfer eben doch ein Eishockeytrainer. Wenn er zu viel auf Popstar macht, riskiert er seine Karriere. Nicht jetzt. Diese Saison verzeihen ihm die Bieler ausser einem Abstieg noch alles. Aber nächste Saison nicht mehr.

Kevin Schläpfer überkommen bei der Pressekonferenz die Emotionen

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Clark Kent 30.11.2015 19:54
    Highlight Highlight wie bitte zum ersten??? was soll nüssli sein??? wie bitte zum zweiten??? in welchen medien hat langnau denn eine riesige präsenz??? mal abgesehen von watson..

    meine güte, jetzt hebt er aber vollends ab.
    10 3 Melden
    • hanibal79 06.12.2015 14:13
      Highlight Highlight In der Bernerzeitung und wenns brodelt, sogar im Blick
      0 0 Melden
  • hereal 30.11.2015 14:52
    Highlight Highlight trotz allem :lieber ein rock n roller als ein popstar...
    4 2 Melden
  • manolo 30.11.2015 12:03
    Highlight Highlight auch ich bin mit einem punkt nicht einverstanden. der 4 treffer von sprunger, MUSS ritz unbedingt mit der fanghand halten!
    der gute ritz mit dem ich sehr zufrieden bin, hat leider auf der fanhandseite eine kleine schwäche, (zu langsam mit der fanghand) die leider schon zu etlichen blöden toren geführt hat!
    6 3 Melden
  • Senftube 30.11.2015 10:24
    Highlight Highlight Für einmal bin ich mit Klaus nicht ganz einverstanden. Kevin Schläpfer wird nicht einfach "alles verziehen" und zur Zeit mehrheitlich nur vom Vorstand getragen. Viele (undankbare) Fans haben ihn leider schon längstens abgeschrieben, nichts da von "Popstar" sondern viel eher "Prügelknabe". Ist jemand populär, werden automatisch viele Neider auf den Plan gerufen. Darum soll es jetzt um Schläpfer wieder ruhiger werden, damit alles wieder ins Lot kommt in Biel.
    22 4 Melden

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