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Die Schweizer müssen mit ansehen, wie die lettische Flagge gehisst wird.
Die Schweizer müssen mit ansehen, wie die lettische Flagge gehisst wird.
Bild: freshfocus
Eismeister Zaugg

Und die Strafaufgabe für alle Verlierer: Jeden Tag neu rechnen

Zum ersten Mal bei dieser WM richtig Rock und Roll: Nach der spektakulären Niederlage gegen Lettland (1:2 n.V) beginnt das grosse WM-Drama in drei Akten.
06.05.2015, 19:2406.05.2015, 19:31

Sieger trainieren und spielen. Verlierer trainieren, spielen – und rechnen. Ob es vielleicht doch noch reicht. Genau das müssen jetzt die Schweizer nach der Niederlage gegen Lettland tun.

Diese Niederlage dürfen wir mit schönen Worten abfedern: Es ist eine spektakuläre und dramatische Niederlage nach einem grandiosen Hockey-Drama. Aber eine Niederlage ist halt eine Niederlage. Wer nach einem glücklichen Ausgleich in den letzten Minuten in der Verlängerung doch noch in die Niederlage taumelt, ist halt auch ein wenig naiv.

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Das 2:1 für die Letten in der Verlängerung
gif: srf

Der Beginn des WM-Dramas

Noch stehen wir auf Platz drei. Aber wir müssen rechnen. Wenn Lettland in den drei ausstehenden Partien gegen Frankreich, Österreich und Deutschland sechs Punkte holen und wir gegen die Titanen Schweden, Kanada und Tschechien leer ausgehen – dann schafft Lettland auf unsere Kosten die Viertelfinals.

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Das ist die einfachste Variante. Die Schweizer haben jetzt die Zusatzaufgabe, nach jedem Spieltag ihre Chancen rechnerisch zu erfassen. Das grosse WM-Drama beginnt.

Es ist eine Ironie der Geschichte dieser WM, dass die Schweizer in ihrem mit Abstand besten Spiel dieser WM möglicherweise die entscheidende Niederlage erlitten haben. Das Glück, das uns gegen Frankreich (3:1) und Deutschland (1:0) wundersame Siege beschert hat, fehlte nun. Nach 2 Minuten und 19 Sekunden erzielte Kaspars Daugevins in der Verlängerung den Siegestreffer für die Letten.

Lettland jubelt nach dem Siegtreffer, Streit dreht enttäuscht ab.
Lettland jubelt nach dem Siegtreffer, Streit dreht enttäuscht ab.
Bild: freshfocus

Die Schweizer hätten genug Powerplays und Chancen gehabt, um diese Partie nach 60 Minuten zu gewinnen. Jetzt, im Wissen um das Resultat vom Ende her analysiert, gibt es indes gute Gründe, warum es nicht funktioniert hat. In den ersten drei Partien gegen Österreich (3:4 n.P), Frankreich (3:1) und Deutschland (1:0) zauderten und zögerten die Schweizer.

Sie wussten nicht recht, was sie spielen sollten: Bissig fräsend vorwärts oder vielleicht doch besser auf Konter lauernd defensiv? Sie blieben im taktischen Niemandsland stehen und retteten sich aus dem Stand heraus und besiegten Frankreich und Deutschland.

Alles, aber nicht normal

Gegen Lettland haben wir im Spiel der letzten Chance eine taktisch neue Mannschaft gesehen. Die Schweizer stürmten mutig vorwärts und im Normalfall hätte es für den Sieg nach 60 Minuten und die Viertelfinals gereicht. Der Normalfall wäre ein normales Powerplay, eine normale Chancenauswertung und ein normaler gegnerischer Torhüter gewesen.

Das Powerplay war zwar gut, besser als bisher (Roman Josi und Mark Streit spielten nun erstmals nicht mehr zusammen an der blauen Linie), aber zu wenig effizient. Die Chancenauswertung war ungenügend und Torhüter Edgar Masalskis (war Nothelfer bei Ambri) ausserordentlich gut. Ja, er war sogar Weltklasse.

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Der überragende Masalskis in Aktion.
gif: srf

Ein wichtiger Faktor war bei allen Sturm- und Drangperioden die physische Unterlegenheit der Schweizer. Die Letten waren in allen drei Zonen in den Zweikämpfen besser. Sie sind grösser und kräftiger.

Wenn das Tor zugemauert ist

Eine uralte Hockeyweisheit sagt, dass drei Viertel der Tore nach schnellen Gegenstössen und eben nicht nach Druckperioden erzielt werden. Wenn eine Mannschaft das gegnerische Tor belagert, dann halten sich in der Regel zehn Feldspieler plus der Goalie auf der Fläche von ein paar Wolldecken auf. Da ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendein Schlittschuh, eine Hand, ein Bein, ein Arm oder ein Stock dem Puck den Eintritt ins Tor verwehrt eben gross.

Wir können etwas boshaft auch sagen: Die Schweizer stürmten kopflos in die Niederlage. Als der Ausgleich endlich gelang (58:09 durch Bieber), stolperten sie in der Verlängerung doch noch in die Niederlage. Irgendwie hilf- und führungslos. Es wäre eine höfliche Übertreibung zu behaupten, Glen Hanlon habe alles im Griff gehabt.

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Bieber drückt den Puck doch noch für die Schweiz ins Tor.
gif: srf

So beginnt nach dieser Niederlage mit offensiven Pauken und Trompeten das Rechnen. Die Chancen, dass die Schweizer gegen die Grossen (Schweden, Kanada, Tschechien) doch noch weitere Punkte holen sind ungefähr gleich gut wie die Aussichten, dass Lettland gegen die Kleinen (Frankreich, Österreich, Deutschland) die notwendigen Punkte (sechs müssen es mindestens sein) nicht holt.

Die besten Bilder der Eishockey-WM 2015

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