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06.05.2015; Prague; Eishockey WM 2015 - IIHF ICE HOCKEY WORLD CHAMPIONSHIP;
Switzerland - Latvia;
Die Mannschaften nach Spielschluss und waehrend der Nationalhymne 
(Andy Mueller/freshfocus)

Die Schweizer müssen mit ansehen, wie die lettische Flagge gehisst wird. Bild: freshfocus

Eismeister Zaugg

Und die Strafaufgabe für alle Verlierer: Jeden Tag neu rechnen

Zum ersten Mal bei dieser WM richtig Rock und Roll: Nach der spektakulären Niederlage gegen Lettland (1:2 n.V) beginnt das grosse WM-Drama in drei Akten.



Sieger trainieren und spielen. Verlierer trainieren, spielen – und rechnen. Ob es vielleicht doch noch reicht. Genau das müssen jetzt die Schweizer nach der Niederlage gegen Lettland tun.

Diese Niederlage dürfen wir mit schönen Worten abfedern: Es ist eine spektakuläre und dramatische Niederlage nach einem grandiosen Hockey-Drama. Aber eine Niederlage ist halt eine Niederlage. Wer nach einem glücklichen Ausgleich in den letzten Minuten in der Verlängerung doch noch in die Niederlage taumelt, ist halt auch ein wenig naiv.

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Das 2:1 für die Letten in der Verlängerung gif: srf

Der Beginn des WM-Dramas

Noch stehen wir auf Platz drei. Aber wir müssen rechnen. Wenn Lettland in den drei ausstehenden Partien gegen Frankreich, Österreich und Deutschland sechs Punkte holen und wir gegen die Titanen Schweden, Kanada und Tschechien leer ausgehen – dann schafft Lettland auf unsere Kosten die Viertelfinals.

Das ist die einfachste Variante. Die Schweizer haben jetzt die Zusatzaufgabe, nach jedem Spieltag ihre Chancen rechnerisch zu erfassen. Das grosse WM-Drama beginnt.

Es ist eine Ironie der Geschichte dieser WM, dass die Schweizer in ihrem mit Abstand besten Spiel dieser WM möglicherweise die entscheidende Niederlage erlitten haben. Das Glück, das uns gegen Frankreich (3:1) und Deutschland (1:0) wundersame Siege beschert hat, fehlte nun. Nach 2 Minuten und 19 Sekunden erzielte Kaspars Daugevins in der Verlängerung den Siegestreffer für die Letten.

06.05.2015; Prague; Eishockey WM 2015 - IIHF ICE HOCKEY WORLD CHAMPIONSHIP;
Switzerland - Latvia;
Lettland Spieler jubeln neben Mark Streit (SUI) nach dem Tor zum 1:2 
(Andy Mueller/freshfocus)

Lettland jubelt nach dem Siegtreffer, Streit dreht enttäuscht ab. Bild: freshfocus

Die Schweizer hätten genug Powerplays und Chancen gehabt, um diese Partie nach 60 Minuten zu gewinnen. Jetzt, im Wissen um das Resultat vom Ende her analysiert, gibt es indes gute Gründe, warum es nicht funktioniert hat. In den ersten drei Partien gegen Österreich (3:4 n.P), Frankreich (3:1) und Deutschland (1:0) zauderten und zögerten die Schweizer.

Sie wussten nicht recht, was sie spielen sollten: Bissig fräsend vorwärts oder vielleicht doch besser auf Konter lauernd defensiv? Sie blieben im taktischen Niemandsland stehen und retteten sich aus dem Stand heraus und besiegten Frankreich und Deutschland.

Alles, aber nicht normal

Gegen Lettland haben wir im Spiel der letzten Chance eine taktisch neue Mannschaft gesehen. Die Schweizer stürmten mutig vorwärts und im Normalfall hätte es für den Sieg nach 60 Minuten und die Viertelfinals gereicht. Der Normalfall wäre ein normales Powerplay, eine normale Chancenauswertung und ein normaler gegnerischer Torhüter gewesen.

Das Powerplay war zwar gut, besser als bisher (Roman Josi und Mark Streit spielten nun erstmals nicht mehr zusammen an der blauen Linie), aber zu wenig effizient. Die Chancenauswertung war ungenügend und Torhüter Edgar Masalskis (war Nothelfer bei Ambri) ausserordentlich gut. Ja, er war sogar Weltklasse.

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Der überragende Masalskis in Aktion. gif: srf

Ein wichtiger Faktor war bei allen Sturm- und Drangperioden die physische Unterlegenheit der Schweizer. Die Letten waren in allen drei Zonen in den Zweikämpfen besser. Sie sind grösser und kräftiger.

Wenn das Tor zugemauert ist

Eine uralte Hockeyweisheit sagt, dass drei Viertel der Tore nach schnellen Gegenstössen und eben nicht nach Druckperioden erzielt werden. Wenn eine Mannschaft das gegnerische Tor belagert, dann halten sich in der Regel zehn Feldspieler plus der Goalie auf der Fläche von ein paar Wolldecken auf. Da ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendein Schlittschuh, eine Hand, ein Bein, ein Arm oder ein Stock dem Puck den Eintritt ins Tor verwehrt eben gross.

Wir können etwas boshaft auch sagen: Die Schweizer stürmten kopflos in die Niederlage. Als der Ausgleich endlich gelang (58:09 durch Bieber), stolperten sie in der Verlängerung doch noch in die Niederlage. Irgendwie hilf- und führungslos. Es wäre eine höfliche Übertreibung zu behaupten, Glen Hanlon habe alles im Griff gehabt.

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Bieber drückt den Puck doch noch für die Schweiz ins Tor. gif: srf

So beginnt nach dieser Niederlage mit offensiven Pauken und Trompeten das Rechnen. Die Chancen, dass die Schweizer gegen die Grossen (Schweden, Kanada, Tschechien) doch noch weitere Punkte holen sind ungefähr gleich gut wie die Aussichten, dass Lettland gegen die Kleinen (Frankreich, Österreich, Deutschland) die notwendigen Punkte (sechs müssen es mindestens sein) nicht holt.

Die besten Bilder der Eishockey-WM 2015

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • marak 07.05.2015 08:21
    Highlight Highlight Ich bleibe dabei: Die Schweiz ist stärker als die Hälfte des Feldes, aber zu wenig stark um die schwächere Hälfte regelmässig ohne grösseres Herzklopfen zu besiegen. Verlieren die Grossen maximal einmal alle paar Jahre gegen einen Schwächeren, ist das leider bei uns nicht der Fall. Darum gehören wir ja auch nicht zu den Grossen. Und dann gibt schon ein Problemchen im Bereich Chancenausertung. Egal ob der Goalie Weltklasse ist oder nicht. Denn dann hätte man mindestens gegen Austria nach 60 Minuten gewonnen.
  • länzu 07.05.2015 00:43
    Highlight Highlight Habe mir heute Abend das Spiel zwischen Schweden und Kanada angeschaut. Und ich kann mirt beim besten Willen nicht vorstellen, dass die Schweiz gegen eine dieser Equipen auch nur ein Tor schiesst. Die stehen so kompakt und sind so schnell in der Angriffsauslösung, da kriegen unsere Traumtänzer Brunner, Romy, Almond, Suri etc. schon Schwindelanfälle vom Zusehen. Dazu sind sie körperlich so überlegen, dass ich schwarz sehe. Einzig unsere Torhüter, Ambühl und Josi sehe ich auf gleicher Stufe. Ausserdem haben die Kanadier einen Coach, der anch dem 0:3 mal alle Linien umstellte und so Erfolg hatte.
  • Tom Garret 07.05.2015 00:40
    Highlight Highlight Ich bin nachwievor recht positiv gestimmt. Die WM verläuft etwa so wie ich es erwartet hatte. Das man ein, zwei Punkte liegen lässt gegen die vermeintlich einfachen Gegner war doch absehbar. Aber man hat sich gegen die Teams gut geschlagen die hauptsächlich gemauert haben. Früher sah das noCh ganz anders aus... Lettland hat fast ausschliesslich auf Konter gespielt und trotzdem kam man auf über 35 Torschüsse und viele guten Chancen. Jetzt bin ich sehr gespannt wie sich die schweiz schlägt wenn der Gegner stärker ist und garantiert nicht nur hinten reinsteht. Ich traue den schweizern 2 bis 4 Punkte zu in den nächsten drei Spielen...
  • Ari Gold 06.05.2015 21:16
    Highlight Highlight "Das Powerplay war gut."
    - ich glaube ich schaue eine andere WM als Zaugg...
  • Martin Egger 06.05.2015 21:09
    Highlight Highlight Ausser frage es ist eine Enttäuschung und ja man kann nicht immer mit Stockholm vergleichen, aber dieser Artikel ist quasi 'Pussy' Gerede gehört nicht in eine Sport Section. Drei Spiele und wir habens in der Hand. Die Grossen sind sehr gut aber such die Spielen auf Eis. Bitte diese Angsthasen Mentalität abschalten im Eishockey. Das ist nicht die Fussball Nati. Wir können sehr wohl gegen alle gewinnen aber such auf die Fresse kriegen. Was ich sehen will is Kampfgeist und kein Gejammer wie dieser Artikel
  • exeswiss 06.05.2015 20:29
    Highlight Highlight streit oder josi könnten spielertrainer sein, es würde nicht schlechter laufen.

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