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Tristan Scherwey (links) ist mit zwei Toren nicht nur Matchwinner, sondern auch Reizfigur. 
Tristan Scherwey (links) ist mit zwei Toren nicht nur Matchwinner, sondern auch Reizfigur. Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Der SCB auf Halbfinal-Kurs – aber hat Kari Jalonen Tristan Scherwey wirklich im Griff?

Biel macht alles richtig und verliert trotzdem 1:3. Der SCB wird ins Halbfinale einziehen. Doch wird Tristan Scherwey zum «Unguided Missile», zum unkontrollierbaren Spieler?
12.03.2017, 10:1212.03.2017, 18:20

Es gelingt dem Aussenseiter, Intensität ins Spiel zu bringen. Die Bieler machen alles richtig. Aber sie machen mit unzulänglichen Mitteln. Es stimmt: Biel hatte, wie schon im ersten und zweiten Spiel kein Glück. Es stimmt: der SCB darf sich als Titan in den Zweikämpfen mehr erlauben als der Aussenseiter. Es stimmt: Ein Fehlentscheid der Schiedsrichter ermöglicht dem SCB das 0:3.

Aber entscheidend ist das alles nicht. Entscheidend ist, dass der SCB auf allen Positionen besser besetzt ist. Der Meister ist im vierten Spiel ein logischer, ein verdienter Sieger. Trainer Kari Jalonen hat die Unzulänglichkeiten, die in der dritten Partie zur Niederlage geführt hatten (3:6) korrigiert.

Die tüchtige, kreative Marketing-Abteilung des EHC Biel liefert uns die treffende Analyse für diese dritte Niederlage in der vierten Partie dieser Viertelfinal-Serie. Sie hat eine Werbung verkauft, die direkt mit Jonas Hiller verknüpft ist. Neunmal pro Spiel (je dreimal pro Drittel) muss auf dem grossen Videowürfel diese Werbung für eine Reinigungs-Firma geschaltet werden. «Big Save!» («Grosse Parade») leuchtet dann auf und «Danke, Jonas!». Mit dem Zusatz «Wir halten nicht nur Tore sauber.»

Jonas Hiller konnte sich gestern kaum auszeichnen.
Jonas Hiller konnte sich gestern kaum auszeichnen.Bild: KEYSTONE

In den meisten Partien ist es für die Regie kein Problem, diese Werbung zu schalten. Aber gestern war es im ersten Drittel nicht so einfach. Weil es zu wenig «Big Saves» gab. Und so wurde die Werbung einmal eingeblendet, als Jonas Hiller bloss die Scheibe blockiert hatte. Also nach einer «billigen» Dutzendparade. Womit wir beim Kern der Sache sind. Der SCB hat die Partie bereits im ersten Drittel entschieden. Zweimal lässt Jonas Hiller die Scheibe abprallen, zweimal landet sie anschliessend im Tor. 0:2 in der 13. Minute. Aus. Vorbei. Bevor es richtig angefangen hat.

Spielsperren gegen Dufner und Plüss
Die nächste Playoff-Viertelfinal-Partie zwischen Qualifikationssieger Bern und Biel vom Dienstag, 14. März findet ohne den Bieler Mauro Dufner und den Berner Martin Plüss statt. Beide wurden wegen eines Tritts von hinten in die Füsse (Slew Footing) für eine Partie gesperrt. (sda)

Irgendwann fällt der Apfel vom Baum

Nun mag es billig sein, ständig Biels Torhüter in den Mittelpunkt zu rücken. Aber es sind eben die besten Früchte, woran die Wespen der Kritiker nagen. Jonas Hiller ist einer der grössten Torhüter unserer Hockeygeschichte – und daran ändert auch diese Viertelfinalserie nichts.

Schmutz liegt sinnbildlich für seine Bieler am Boden.
Schmutz liegt sinnbildlich für seine Bieler am Boden.Bild: KEYSTONE

Der ehemalige NHL-Titan ist Biels einziger Einzelspieler, der selbst gegen den Titanen SC Bern die Differenz für den Aussenseiter machen kann. Deshalb steht er im Zentrum jeder Analyse. Sage mir, wie Jonas Hiller spielt und ich sage Dir, ob Biel gegen den SCB eine Chance hat. So einfach ist das.

In der Taktik des Meisters spielt Jonas Hiller deshalb eine zentrale Rolle. Wir können diese Taktik, wiederum etwas polemisch, als «Bäume schütteln» bezeichnen. So oft wie möglich wird die Scheibe einfach vor das Tor von Jonas Hiller spediert. Wohlwissend, dass eher früher als später der Abpraller kommt und das Tor fällt. So wie wenn an einem Baum gerüttelt wird, irgendwann ein Apfel fällt. Fallen muss. Das 0:2 war geradezu ein klassisches Produkt dieser einfachen und wirkungsvollen Taktik.

Biels Verteidiger sind zu wenig gut, um Jonas Hiller wirkungsvoll abzuschirmen und die zurückprallenden Pucks zu kontrollieren. Der Torhüter also ein «Opfer» seine Abwehr? Ja. Aber ein Torhüter mit der Klasse von Jonas Hiller müsste eigentlich seinen Stil auf diese Schwäche seiner Vorderleute ausrichten.

Schiri-Fehler ja, Spielentscheidend nein

Wir haben im vierten Spiel ein tapferes, ein leidenschaftliches Biel gesehen, das, angetrieben von Leitwolf Robbie Earl, nie aufgegeben hat. Der mutige Aussenseiter brachte die notwendige Intensität ins Spiel – aber letztlich hat diese Intensität dem SC Bern geholfen. Denn der Meister ist auf allen Positionen besser besetzt und profitiert aufgrund seiner spielerischen Klasse von Ausnahmesituationen (Powerplay, Boxplay). Die Bieler hatten genügend Powerplay-Gelegenheiten. Sie vermochten erst eine auszunützen (zum 1:3), als es zu spät war. Der SCB machte hingegen aus seinem ersten Powerplay gleich das 0:1.

Marco Maurer im Zweikampf mit Justin Krüger.
Marco Maurer im Zweikampf mit Justin Krüger.Bild: KEYSTONE

Oder waren am Ende die Schiedsrichter schuld? Dem 0:3 ging tatsächlich eine umstrittene Szene voraus. Berns Defensivsoldat Alain Berger brachte im Boxplay Biels Verteidiger Marco Maurer ganz klar regelwidrig zu Fall, und aus dieser Situation heraus erzielte SCB-Vorkämpfer Tristan Scherwey in Unterzahl das 0:3.

«The Boys are the Boys.»
Kari Jalonen

Grund also, mit den Refs zu hadern? Ja, in dieser Situation ist den Schiedsrichtern tatsächlich ein Fehler unterlaufen. Nein, in Bezug auf den Ausgang des Spiels. Biel war ganz einfach nicht gut genug, um einen Meister zu besiegen, der nach dem Ausrutscher vom Donnerstag (3:6 auf eigenem Eis) wieder zu seinem unspektakulären, unerbittlichen Defensivspiel zurückgefunden hat. Und um es polemisch auf den Punkt zu bringen: Die Schiedsrichter machten weniger Fehler als … Jonas Hiller.

Tristan Scherwey kann nicht nur austeilen, manchmal muss er auch einstecken. Das Bild entstand 2015 nach dem Faustkampf mit Ambri Paolo Duca.
Tristan Scherwey kann nicht nur austeilen, manchmal muss er auch einstecken. Das Bild entstand 2015 nach dem Faustkampf mit Ambri Paolo Duca.

Der unkontrollierbare Matchwinner

Der SCB hat trotz des Sieges in dieser vierten Partie einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen. Eine Mannschaft, die spielerisch und taktisch so gut ist, sollte disziplinierter auftreten. Die bange Frage: hat Trainer Kari Jalonen seine Jungs wirklich im Griff? Er sagt nach dem Spiel «The Boys are the Boys». Er meint damit: so sind Spieler halt, so sind Playoffs halt, so ist Eishockey halt.

«Wir sind böse Buben und nur der Sieg zählt»
Tristan Scherwey

Aber Tristan Scherwey, mit zwei Treffern der Matchwinner, hat es übertrieben. Er springt nach Spielschluss als erster über die Bande und sorgt dafür, dass schliesslich die Spieler beider Mannschaften noch einmal aufs Eis stürmen um sich an einer Rangelei zu beteiligen.

Braucht Tristan Scherwey wieder mal eins aufs Maul?Video: YouTube/amordeo76

Tristan Scherwey ist eine Reizfigur. Er provoziert verbal und mit Checks, die immer wieder an der Grenze der Legalität sind. «Wir sind böse Buben und nur der Sieg zählt», begründet er nach der Partie seine Spielweise.

Aber der SCB-Vorkämpfer wirkt in dieser Serie phasenweise wie eine «Unguided Missile». Wie ein unkontrollierbarer Spieler. Gegen Biel kann er sich das noch leisten. Im Halbfinale nicht mehr. Halbfinale? Ja, der SCB wird das Halbfinale erreichen. Sollte der SCB nun gegen Biel dreimal hintereinander verlieren und das Halbfinale verpassen, müsste Trainer Kari Jalonen unverzüglich entlassen werden.

NLA-Trikotnummern, die nicht mehr vergeben werden

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46 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bettina Lüthi
12.03.2017 11:07registriert November 2015
Ich sags ungern 😂 aber nach Gestern habe uch ernsthaft einen Artikel zum freilos Zug oder zu ZSC-Lugano nezüglich Blindenbacher oder Torhütersituation erwartet. Aber das war dann wohl ein Traum
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Peter_Griffin
12.03.2017 11:45registriert Februar 2015
So langsam wirds echt lächerlich mit der monotonen SCB Berichterstattung.
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BennyG
12.03.2017 11:22registriert September 2015
Was macht Zaug wenn Bern am Dienstag gewinnt? Sehr warscheinlich wird er dann schon über die potenziellen Halbfinalpaarungen ( also SCB gegen wen?) schreiben, als über ZSC Lugano.

Watson, bitte stellt noch zwei weitere Journalisten ein welche den Rest des Geschehens beleuchten.
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