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Luganos Gregory Hofmann and the team react after losing the final game between Team Canada and Switzerlands HC Lugano at the 90th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Saturday, December 31, 2016. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Schon wieder nur Zweiter: Was ist nur mit dem Grande Lugano passiert? Bild: SPENGLER CUP

Eismeister Zaugg

Spengler Cup ist, wenn Kanada gewinnt – Schweizer Hockey ist, wenn Lugano verliert

Die Kanadier gewinnen den 90. Spengler Cup. Sie besiegen im Finale den HC Lugano 5:2. Es ist nicht möglich, gegen Lugano ein entscheidendes Spiel zu verlieren.



Es ist ein logisches Ende eines spektakelreichen Turniers. Fürs Business ist der Triumph der Kanadier, zur besten Zeit des «Frühstückfernsehens» live ins Heimatland übertragen, gut. Die Popularität des Spengler Cups ist in Übersee erstaunlich. Selbst im offiziellen Standardwerk zur hundertjährigen Geschichte des kanadischen Hockeys «It’s our game» sind vier von 410 Seiten der Altjahrs-Hockeyparty gewidmet.

Aber reizvoller als eine Würdigung des Siegers (die wir ja eigentlich bei der heutigen Technik vom Vorjahr herüberkopieren können) ist eine philosophische Betrachtung des Verlierers. Das Team Canada hatte im Finale gegen Lugano erneut ein «Freilos». Wie im Vorjahr.

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Das 5:2 ins leere Tor besiegelt Luganos Schicksal. Video: streamable

Der HC Lugano ist wahrlich das YB des Eishockeys. Mit dem Unterschied, dass das Verlieren, anders als bei YB, in Lugano noch nicht Kultcharakter hat. Aber bald bekommen wird.

Der HC Lugano hat in der Zeitspanne eines Jahres fünfmal (!) meistens kläglich versagt. Zweimal am 31. Dezember das Finale beim Spengler Cup gegen das Team Canada verloren. Im Schweizer Cup gegen Langenthal (!) ausgeschieden. In der Champions Hockey League an den ZSC Lions gescheitert. Die einzige ruhmreiche Niederlage setzte es im Playoff-Finale gegen den SC Bern ab. Und zuvor hat Lugano neun Jahre lang keine einzige Playoff-Serie gewonnen.

Erst wenn wir uns die Boshaftigkeit gestatten, dieses Versagen aufzulisten und so vor Augen zu führen, erahnen wir die ganz besonderen Dimensionen dieser faszinierenden Verliererkultur.

Die Kabine als Spiegelbild

Wie ist das möglich? Lugano leistet sich ja die teuerste Mannschaft ausserhalb der NHL und der KHL. Wer wissen will, warum es so ist, wie es ist, musste einfach beim Spengler Cup nach einer Partie nur in den Kabinengang heruntersteigen. Und sich ein wenig umschauen, wenn die Helden, die in ihren Ausrüstungen Reitern aus dem Mittelalter ähneln, vom Eis stapfen und in der Kabine verschwinden.

Bei keiner anderen Profimannschaft der Welt haben neben den Spielern so viele Menschen Zutritt zur Kabine, dem Allerheiligsten des Sportes. Was da für gutgekleidete jüngere und ältere Männer, viele in wunderbar eleganten Lugano-Blazern, ein- und ausgehen. Natürlich immer auch Sportchef Roland Habisreutinger. Der schlaue Bergler aus Arosa zelebriert die Bedeutung seiner Person gerne dadurch, dass er selbst dann am Natel hängt, wenn er gemessenen Ganges einherschreitet. Wie dies viele Personen der Zeitgeschichte zu tun pflegen.

Luganos goalkeeper Elvis Merzlikins and Tony Martensson react after the canada goal to 4-1 during the final game between Team Canada and Switzerlands HC Lugano at the 90th Spengler Cup ice hockey tournament in Davos, Switzerland, Saturday, December 31, 2016. (KEYSTONE/Melanie Duchene)

Lugano-Keeper Elvis Merzlikins ist am Boden zerstört. Bild: SPENGLER CUP

Der nüchterne Analyst, denkt: Wow, Country Club! Hier sind wohl Börsenkurse und Immobilienpreise wichtiger als die Taktik fürs nächste Spiel. Und tatsächlich ist es seit 2006 nicht mehr gelungen, aus dieser losen Interessengemeinschaft freundlicher Jungmillionäre ein Team zu formen. Der letzte, der das schaffte, war Leitwolf Ville Peltonen, der Lugano 2006 zum Titel führte. Heute ist er beim SCB der charismatischste Assistent der Liga – und wohl ein künftiger Trainer in Lugano.

Der Spengler Cup hat uns aber auch gezeigt: Lugano ist ein fröhlicher, sympathischer Verlierer. Ein Verlierer mit Stil. Und die sind noch seltener als Sieger mit Stil.

Lapierre und Bürgler als Sinnbild

Unter dem Präsidium der freundlichen Milliardärin Vicky Mantegazza – ihr Familienclan sichert das wirtschaftliche Überleben – ist Lugano eine Hockeyfamilie, die uns aufs Vortrefflichste unterhält. Fast wie einst die Kultserie «Fascht e Familie» unseres staatstragenden Fernsehens. Der Unterschied ist bloss: Die Wirklichkeit rund um den HC Lugano übertrifft jede Fiktion eines TV-Drehbuchschreibers.

Einer Mannschaft einen cholerischen Kanadier an die Bande zu stellen (Doug Shedden), die mit den Leistungen und Launen ihrer schwedischen Weltklassespieler steht und fällt, ist so absurd, wie Donald Trump zum Parteichef der US-Demokraten zu machen. Dazu passt Maxim Lapierre, der beim Spengler Cup vor den Augen der ganzen TV-Sportnation als das entlarvt worden ist, was er schon immer war: Der lächerlichste kanadische Bösewicht, der je in der Schweiz gespielt hat. Der teuerste Maulheld unserer Hockeygeschichte.

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Maxim Lapierre und Daniel Rahimi üben sich im Halbfinal im Trashtalk.  Video: streamable

Und schliesslich passt es auch ins Bild, dass Dario Bürgler, der freundliche Innerschweizer, Luganos bester Spieler im Finale war und zwei Tore erzielte. Er spielt erst seit dem letzten Herbst in Lugano. Er hat die faszinierendste Verlierer-Kultur unserer Sportgeschichte noch nicht verinnerlicht.

Ach, wäre doch dieses Lugano Dauergast beim Spengler Cup. Leider kommt nächstes Jahr das Nationalteam als zweite helvetische Mannschaft. Aber vielleicht wird die Unterhaltung fast ebenso gut sein. Schliesslich ist Nationaltrainer Patrick Fischer ein gescheiterter Trainer des HC Lugano.

Wenn er denn in einem Jahr noch im Amt ist.

Die Spengler-Cup-Sieger im neuen Jahrtausend

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Die Spengler-Cup-Sieger im neuen Jahrtausend
quelle: keystone / gian ehrenzeller
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