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New Jersey Devils center Nico Hischier (13) looks to pass the puck as Carolina Hurricanes defenseman Brett Pesce (22) defends during the second period of an NHL hockey game Thursday, Feb. 15, 2018, in Newark, N.J. (AP Photo/Bill Kostroun)

Nico Hischier wird heute mit New Jersey in Bern auftreten. Bild: AP/FR51951 AP

Eismeister Zaugg

New Jersey kommt! Die erstaunliche Wirkung des «Mythos NHL» in Bern

Wenn die NHL-Stars kommen, haben die grossen SCB-Stars die Hosen noch immer voll. Dabei gibt es keinen Grund mehr, vor den New Jersey Devils mehr Respekt zu haben als vor Biel oder Davos.



Nach der 2:5 Niederlage gegen Biel wird Berns grosser Trainer Kari Jalonen gefragt, wie er nun die Partie gegen die New Jersey Devils vorbereite. Er sagt: «Nicht so wie andere Spiele.» Und auf die zweite Frage, ob es darum gehe, diesen Gegner zu besiegen oder einfach dieses Spiel zu überleben, ergänzt er: «Es geht darum, Spass zu haben.»

Berns Trainer Kari Jalonen im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem HC Lugano, am Dienstag, 25. September 2018, in der PostFinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Daniel Teuscher)

SCB-Trainger Kari Jalonen. Bild: KEYSTONE

Auch die SCB-Spieler werden natürlich von den Chronisten zum kommenden Spektakel gegen die New Jersey Devils befragt. Und durchs Band hinweg ist die Rede von einem tollen Erlebnis. Als stehe die Hochzeitsnacht bevor. Nur davon, dieses Spiel zu gewinnen, spricht keiner.

Das ist typisch für den nach wie vor viel zu grossen Respekt vor der berühmtesten, besten und wichtigsten Liga der Welt. In Bern hat sich in den zehn Jahren seit dem schmählichen 1:8 gegen die New York Rangers in einem Testspiel im Oktober 2008 nichts verändert.

Bern players, left, and New York Rangers leave the stadium after an Ice Hockey exhibition game between SC Bern and New York Rangers, at the Postfinance Arena in Bern, Switzerland, Tuesday, September 30, 2008. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Vor 10 Jahren wurde der SC Bern von den Ney York Rangers regelrecht vorgeführt. Bild: KEYSTONE

Natürlich ist die Partie gegen New Jersey ein «Jahrzehnt-Spiel.» Aber wir haben inzwischen eine so starke Liga, eine so hoch entwickelte Hockeykultur, dass diese Ehrfurcht vor der Mythos NHL völlig fehl am Platz ist.

Die NHL kommt – na und? An einem guten Abend kann der SCB die New Jersey Devils besiegen. So gut wie die ZSC Lions schon gegen Chicago gewonnen haben. Aber ein gutes Resultat ist natürlich nur möglich, wenn jeder daran glaubt. Und das war beim SCB am Samstagabend noch nicht der Fall.

Wenn es je ein praktisches Beispiel für die schöne Redewendung gegeben hat, wonach man die Wichtigkeit habe, die man sich selber gebe, dann erleben wir es in diesen Tagen in Bern.

Die amerikanischen «Hockey-Imperialisten» haben in Bern das Szepter übernommen. Sie passen sich nicht der Hockey-Kultur ihres Gastgebers an. Sie setzen wie selbstverständlich ihre Sitten und Bräuche durch. So ist auch klar, dass nach NHL-Regeln gespielt wird. Je ein Head- und ein Linienrichter kommen aus der NHL. Die wichtigste Regeldifferenz: wer prügelt, wird zwar auch, wie bei uns, mit fünf Minuten bestraft, kann aber anschliessend wieder spielen. Erst nach dem zweiten Prügel-Ausschluss wird ein Spieler unter die Dusche geschickt.

Montreal Canadiens' Nicolas Deslauriers, top, and New Jersey Devils' Brandon Baddock square off during first-period preseason NHL hockey game action Monday, Sept. 17, 2018, in Montreal. (Paul Chiasson/The Canadian Press via AP)

Erst kürzlich: Nicolas Deslauriers von Montreal Canadians prügelt sich mit Brandon Baddock von den New Jersey Devils. Bild: AP/The Canadian Press

Die Devils hausen in der Gästekabine des Berner Hockey-Tempels. Sie haben sich wohnlich eingerichtet und den Kabinengang mit allerlei «Kalender-Sprüchen» wie «play for each other» versehen. Solche Allerweltsweisheiten hängen in Nordamerika in allen Kabinengängen.

Wären wir nun politisch nicht korrekt (wir sind es aber), dann würden wir spotten und sagen: so war es wohl, als in alten Zeiten der britische Gouverneur von Hyderabad eine Cricket-Partie organisieren liess um den staunenden Einheimischen zu zeigen, wie man richtig Cricket spielt und organisiert.

Gut, das ist böse. Aber die Wirkung des «Mythos NHL» ist in Bern, in der Hockey-Hauptstadt Europas, schon erstaunlich.

Es ist faszinierend, wie Trainer, Sportchefs und Fans aus dem ganzen Land herbeigeeilt sind, um am Sonntag das Training der Devils im Berner Hockey-Tempel zu verfolgen.

Die Übungsstunde der Devils unterscheidet sich kaum von einem SCB-Training. Es ist ein typisches NHL-Training: Geübt wird das System, es ist für die Spieler anspruchslos (ein bisschen wie im Militär), aber intensiv. Ein durchschnittliches NLA-Training ist weniger intensiv, dafür kreativer und vielseitiger.

New Jersey Devils players listen to their head coach John Hynes, right, during the training at the Postfinance Arena in Bern, Switzerland, Sunday, September 30, 2018. The New Jersey Devils will face the SC Bern on Monday, October 1 2018, in a friendly game at the Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Trainer John Hynes gab seinen Spielern im gestrigen Training Anweisungen.  Bild: KEYSTONE

Aber es ist einfach alles wichtig. Es stehen bei der Spielerbank mehr Trinkflaschen herum, mehr emsige Helfer sind tätig, mehr Handtücher werden herumgereicht und mehr TV- und Videokameras zeichnen auf, was passiert.

So entsteht der Eindruck, hier sei ganz einfach eine viel bessere, wichtigere Mannschaft als der SCB im Einsatz.

Schweizer Meilensteine in der NHL:

Wir bescheidenen Schweizer werden nie lernen, so wichtig zu tun und herumzustehen wie ein echter NHL-Funktionär. Hockey-Bern verneigt sich in diesen Tagen vor den selbstbewussten, doch jederzeit freundlichen NHL-Abgesandten wie einst die alten Patrizier vor den Vertretern des französischen Königshofes.

Das ist es, was wir von der NHL lernen können: Die eigene Wichtigkeit zu zelebrieren und einen Mythos pflegen.

Dieser Mythos ist ein Teil des Geschäftes. Die NHL muss sich im gnadenlosen Sportkapitalismus Nordamerikas als Milliardengeschäft behaupten. Nur wer die eigene Wichtigkeit zu betonen und zu zelebrieren vermag, hat überhaupt eine Chance, wahrgenommen zu werden.

«Ich sehe das als einmaliges Erlebnis, das ich voll geniessen werde. Die Vorfreude ist riesig»

Nico Hischier

Wer Milliardäre dazu bringen will, zu investieren, muss richtig auftreten. Dazu gehört übrigens auch der respektvolle Umgang mit der eigenen Geschichte. Die Helden von einst werden verehrt, die Helden von damals kennt jeder Fan. Erst wer eine Geschichte hat und sie kennt, ist wichtig.

New Jersey Devils Swiss player Nico Hischier during the training at the Postfinance Arena in Bern, Switzerland, Sunday, September 30, 2018. The New Jersey Devils will face the SC Bern on Monday, October 1 2018, in a friendly game at the Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Nico Hischier im Training. Bild: KEYSTONE

Item, sportlich hat ein Team aus unserer höchsten Liga keinen Grund mehr, sich vor einer Mannschaft aus der NHL zu verstecken. Wir können sportlich nicht mehr viel, von der Art und Weise, wie ein Geschäft aufgezogen wird, jedoch noch sehr, sehr viel von der NHL lernen.

Diese viel zu grosse Ehrfurcht habe ich vor 30 Jahren hier in Bern schon einmal erlebt. Im Dezember 1986 kommen die Sowjets zu einem Gastspiel nach Bern.

Was die NHL heute, das waren die Sowjets (also die Vertreter der russischen Eishockey-Kultur) damals: unbesiegbare Titanen, die wir bestaunten. Ein Mythos.

Die Spieler redeten vor diesem Länderspiel genau so wie jetzt die SCB-Stars vor der Partie gegen New Jersey. Vom Erlebnis war die Rede. Wie toll und einmalig das sei.

Die Russen besiegen? Daran dachte niemand auch nur im Traum. Ein kräftiger Stürmer, dessen Name mir längst entfallen ist, hatte das Aufgebot für die Partie gegen die UdSSR mit der Begründung abgelehnt: «Gegen Fetisow spielen? Nein, danke!». Slawa Fetisow war damals wahrscheinlich der beste Verteidiger der Welt. Er ist später auch Stanley Cup-Sieger geworden.

Die Partie im Berner Hockeytempel gegen die Russen war ein rauschendes Fest. Wir verloren kläglich 2:10.

Switzerland's ice hockey national team celebrates their 4-2 victory against Russia during the Ice Hockey World Championships qualifying round at Basel's  St.Jakobs hall  in Switzerland, Thuesday, May 7 1998. (AP Photo/Rudi Blaha)

Die Schweiz besiegte 1998 Russland mit 4:2. Bild: AP

Heute lachen wir über die damalige Heldenverehrung. 1998 haben wir die Russen erstmals im Rahmen einer WM besiegt, 2000 in St. Petersburg packen wir den einst übermächtigen Gegner sogar bei einer WM in Russland. Ein Gastspiel einer russischen Nationalmannschaft ist heute eine Partie wie jede andere auch. Nur das Resultat zählt.

Noch sind wir nicht soweit, auch eine Partie gegen ein NHL-Team wie ein gewöhnliches Spiel zu sehen. Diesen letzten Schritt haben die SCB-Spieler noch nicht gemacht. Auch deshalb spielen sie beim SCB und nicht in der NHL.

ZUM NHL DRAFT 2017 VOM 23. UND 24. JUNI 2017 IN CHICAGO, USA, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZU NICO HISCHIER ZUR VERFUEGUNG - Le joueur bernois Nico Hischier, lors du match de hockey sur glace de 1/4 de finale de Coupe Suisse, Swiss Ice Hockey Cup, entre le EHC Visp et le SC Bern ce mercredi 25 novembre 2015 a la patinoire de la Litternahalle de Viege. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

2015 stand der Nico Hischier noch im Dienste der Berner.  Bild: KEYSTONE

Gegen die New Jersey Devils antreten – na und? Der Schlüsselspieler der Devils (Nico Hischier) ist ja auch nur ein ehemaliger … SCB-Junior.

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27Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • BillieJoe 01.10.2018 11:25
    Highlight Highlight Man darf nicht vergessen, dass ein solches Spiel für den NHL Vertreter einfach ein Vorbereitungsspiel ohne jeglichen sportlichen Wert ist. Genauso wie damals dieser Victoria Cup, den Herr Zaugg immer wieder erwähnt. Für den Z war es das Spiel des Jahrtausends, für Chicago ein Spiel von Dutzenden in der Vorbereitung. Sollte der SCB also heute gewinnen, nur nichts darauf einbilden.
    • MARC AUREL 01.10.2018 15:35
      Highlight Highlight Blablabla...BillieJoelein... geniess einfach das Spiel ohne Bemerkungen...
  • jjjj 01.10.2018 10:38
    Highlight Highlight Zug hat schon vor x Jahren einen NHL Club mit 8:4 oder so abgefertigt... just sayin...
    • jjjj 01.10.2018 12:07
      Highlight Highlight 2011: 8:4 gegen die NY Rangers...
  • Patrick59 01.10.2018 10:33
    Highlight Highlight Die russische Nationalmannschaft von 1986 mit der von 1998 zu vergleichen ist wie im Fussball Dortmund mit dem FC Bern-Breitenrain zu vergleichen. Das waren andere Zeiten.. Dieses Spiel heute Abend ist eine reine show, einfach zum geniessen. Ohne da etwas rein zu interpretieren.
  • Herren 01.10.2018 10:27
    Highlight Highlight Die Arroganz in Zauggs Artikel wird langsam unerträglich. Der SCB spielt 6 Spiele in 9 Tagen. Heute gibt es nichts, aber auch gar nichts zu gewinnen gegen dieses Team, das zu den Besten der Welt gehört. Schon daher ist der Vergleich mit einem WM-Kampf geradezu absurd.
    • äti 01.10.2018 13:14
      Highlight Highlight Ich finde Zauggs Artikel Klasse. Rundum.
  • Palpatine 01.10.2018 10:12
    Highlight Highlight Ich freue mich auch auf das Spiel. Nur darf man nicht vergessen, dass es ein Freundschaftsspiel ist. Die richtig harten Checks, das letzte Quäntchen Einsatz wird es nicht geben - und das wird wohl so auch vertraglich festgelegt worden sein.

    Schade nur, kommen mit den Devils ein Team zum Spiel, welches mir absolut egal ist.

    Und wer weiss: In naher Zukunft wird die NHL wohl in der Schweiz auch mal zwei Saisonsspiele bestreiten. DAS wäre dann real NHL. 🤘
  • TheNormalGuy 01.10.2018 10:09
    Highlight Highlight Wird das Spiel irgendwo übertragen? Free-TV?
    • Züzi31 01.10.2018 10:31
      Highlight Highlight Teleclub Zoom ab 19.30 Uhr
    • TheNormalGuy 01.10.2018 10:57
      Highlight Highlight Kann ich da einfach ein einziges Spiel kaufen oder so?
    • Züzi31 01.10.2018 11:07
      Highlight Highlight Ich glaube, Teleclub Zoom ist free tv. Also brauchst du meines Erachtens nichts zu bezahlen. 😊
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bobby_B 01.10.2018 09:43
    Highlight Highlight Es wäre nur eine klatsche oder Vorführung wenn die Berner gewinnen würden. Wie zbs. dazumal der grosse FC St. Gallen gegen den FC Küssnacht verloren hat.
  • Tikkanen 01.10.2018 08:27
    Highlight Highlight ...sehe ich genauso wie Du, Chlöisu👍🏻 Die Tüfeli werden den SCB nicht einschüchtern, der Ausgang des Spiels scheint mir offen. Das erwähnte Spiel 1986 habe ich nicht gesehen, mir ist aber ein Spiel SCB vs. ZSKA Moskau von Anfang der 90er in bleibender Erinnerung🤔Der Match war an einem Nachmittag im Oktober, evtl. wars Europacup oder so. Vom Superblock war nur noch Kasatonov dabei, dafür Kamenski, Vladinator Konstantinov, Davidov etc. Bern hat hochkant verloren😅
    Item, hinäch ist es offen, ich freue mich auf das Duell vom populärsten Team Europas vs. das unbeliebteste Team Nordamerikas🐻🍻😎
    • Tschüse Üse 01.10.2018 09:01
      Highlight Highlight populärste Team Europas😂😂
    • Hayek1902 01.10.2018 09:38
      Highlight Highlight Spielt ZSK heute in Bern? ;)
  • Goon 01.10.2018 08:25
    Highlight Highlight Ein Showspiel vergleichbar mit einer Aufführung des Zirkus Knie. Beides ist Unterhaltung pur und hat keinen sportlichen Wert. Verliert Bern ist es normal gelaufen und gewinnt Bern habens die Devils bicht so ernst genommen. So wird es heissen. Werde aber die Show auch geniessen 👍
    • Menü 1 mit Suppe 01.10.2018 09:02
      Highlight Highlight Tausche Showspiel mit Spengler-Cup
    • welefant 01.10.2018 09:29
      Highlight Highlight sowie dein spenglercup!:)
    • Staedy 01.10.2018 11:37
      Highlight Highlight Es ist wie Spenglercup, einfach im Oktober.
  • Connor McSavior 01.10.2018 07:27
    Highlight Highlight Der Schlüsselspieler der Devils ist Taylor Hall und niemand anderes. Der hat die Devils eigenhändig in die Playoffs geschossen letzte Saison.
    • ta0qifsa0 01.10.2018 07:50
      Highlight Highlight Sehr wohl gibt es bei den Devils noch mehr Schlüsselspieler als Hall.. Und da gehört Hischier sicherlich auch dazu.

      Eine Eishockeymannschaft kann
      nicht nur aus einem Schlüsselspieler bestehen, gell Connor 😉
    • Connor McSavior 01.10.2018 13:40
      Highlight Highlight Natürlich besteht irgendeine Mannschaft im Sport nicht nur aus einem Spieler.
      Aber wenn irgendjemand DER Schlüsselspieler bei den Devils ist, wie es im Artikel formuliert ist, dann ist es Hall und nicht Nico.
      Und das ist kein disrespect ihm gegenüber, ich garantiere dir, er wäre der erste der Hall als den Schlüsselspieler nennen wurde.
      Ausserdem war Hall League-MVP, das sollte die ganze Diskussion eigentlich abschliessen 😉
  • antivik 01.10.2018 07:19
    Highlight Highlight Als Fan eines Rivalen des SCB würde mich eine Klatsche "freuen", als Fan des Schweizer Eishockeys ein Sieg der Berner - win win also ;)
    Spass beiseite, ich freue mich auf ein schönes Spiel und die Werbung für unser Hockey!
    • Donald 01.10.2018 08:32
      Highlight Highlight Win-win falsch angewandt... :)

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