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Nashville Predators defenseman Roman Josi, left, battles Anaheim Ducks center Ryan Getzlaf for the puck during the first period of Game 2 of an NHL hockey first-round Stanley Cup playoff series in Anaheim, Calif., Sunday, April 17, 2016. (AP Photo/Chris Carlson)

Roman Josi (l.) gab in den NHL-Play-offs, wie hier gegen Anaheims Ryan Getzlaf, stets vollen Einsatz. Bild: Chris Carlson/AP/KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Josi besteht «Mannbarkeitsprüfung» – die WM war mit Nasen- und Fingerbruch nicht mehr möglich

Roman Josis Leidenszeit ist zu Ende. Der 25-jährige Schweizer Starverteidiger hat sich mit einem Bruch in der Nase und einem gebrochenen Finger durch die Play-offs gebissen.



Nach dem 0:5 in San Jose ist für Roman Josi (und Nashville) die Saison abgeschlossen. Trotz dem Ausscheiden hat der Berner die «Meisterprüfung» bestanden.

Die «Preds» mussten San Jose zum Sieg gratulieren.

Die Play-offs um den Stanley Cup gelten zu Recht als die härteste Prüfung überhaupt, die es im Mannschaftssport zu bestehen gilt. Nach 82 Qualifikationspartien beginnt erst im April die «richtige» Saison. Erst wer sich durch die Play-offs gebissen, Blessuren ignoriert und trotz Verletzungen seine Leistung gebracht hat, ist ein wahrer NHL-Profi. Der Stanley Cup als Cup des Schmerzes, als «Mannbarkeitsprüfung».

Helden wie Baun oder Campbell

Die Leiden in den Play-offs gehören nachgerade zur Stanley-Cup-Kultur. Der Held aller Helden heisst Bobby Baun, der 17 Jahre in der NHL spielte und wegen eines Play-off-Spiels ewigen Ruhm geniesst: 1964 wird er im sechsten Finalspiel zwischen Toronto und Detroit von einem Puck, den Gordie Howe abgefeuert hatte, am Fuss getroffen und vom Eis getragen. Er lässt den Knöchel fest einbinden, kehrt aufs Eis zurück und schiesst in der Verlängerung den Siegestreffer. Mit Schmerzmitteln vollgepumpt spielt er auch die 7. Partie, Toronto gewinnt und erst nach dem Triumph lässt Bobby Baun die Knöchelfraktur operieren. Er gewinnt mit Toronto den Cup 1962, 1963, 1964 und 1967.

Solche Heldengeschichten gibt es auch in der Neuzeit. 2013 wirft sich Bostons Defensivstürmer Gregory Campbell in einen scharfen Schuss von Pittsburghs Jewgeni Malkin. Am Fuss getroffen, sackt er zusammen, kommt wieder auf die Beine, blockiert mit letzter Kraft noch eine gute Minute lang Schuss- und Passlinien. Erst nach Ablauf der Strafe schleppt er sich unter tosendem Applaus vom Eis in die Kabine. Dort wird ein gebrochenes Wadenbein diagnostiziert.

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Gänsehaut pur: kurzes Video zur Heldentat von Gregory Campbell. YouTube/Germanbsfan YT channel

Die Geschichte von Roman Josi ist nicht ganz so dramatisch. Der «Silberheld» und beste Einzelspieler der WM 2013 hat eine weitere grosse Saison hinter sich: In der Skorerliste der Verteidiger ist er sowohl in der Qualifikation als auch in den Play-offs die Nummer vier. Mit einer neuen persönlichen Bestmarke von 61 Punkten ist er in der Qualifikation nur einen Zähler hinter Mark Streits Rekord aus der Saison 2007/08 (62 Punkte) geblieben. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis Roman Josi diese Marke übertreffen und der punktbeste NHL-Schweizer aller Zeiten wird.

Ewiges Play-off-Gesetz

In den Play-offs hat er sich mit einem Bruch in der Nase und einem gebrochenen Finger durchgebissen, und auch im letzten Spiel in San Jose stand keiner aus seinem Team länger auf dem Eis (24:28 min). Die NHL-«Mannbarkeitsprüfung» ist mit Auszeichnung bestanden.

In Moskau liess Nationaltrainer Patrick Fischer bis vor drei Tagen einen Platz für Roman Josi offen. Wegen seiner Blessuren hätte Roman Josi die WM so oder so nicht mehr bestreiten können. Das teilte er Patrick Fischer am letzten Dienstag mit und deshalb wurde für die Partie gegen Lettland Christian Marti für den letzten offenen Platz gemeldet.

Patrick Fischer, head coach of Switzerland's national ice hockey team, puts his jacket after a media briefing of the Swiss staff, at the IIHF 2016 World Championship, in Moscow, Russia, Thursday, May 12, 2016. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Durfte nichts von Josis Verletzungen wissen: Nationaltrainer Patrick Fischer.
Bild: KEYSTONE

Durchbeissen in den Stanley-Cup-Play-offs ist etwas ganz anderes als Durchbeissen bei einer WM. Nashville hätte seinem Starverteidiger unter den gegebenen Umständen die WM- Teilnahme möglicherweise gar nicht erlaubt. Das vermeintliche Warten auf Roman Josi, einen der besten Verteidiger der Welt, war im Rückblick eine romantische Verklärung der rauen Wirklichkeit.

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