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Switzerland's Simon Bodenmann (C) celebrates scoring agasint Sweden's goaltender Jhonas Enroth during their Ice Hockey World Championship game at the O2 arena in Prague, Czech Republic, May 9, 2015.   REUTERS/REUTERS/Joel Marklund/Pool

Endlich zappelt die Scheibe im Netz: Simon Bodenmann jubelt über seinen Ablenker mit der Schulter. Bild: POOL/REUTERS

Eismeister Zaugg

Ein Tor, das alles verändern kann – folgt auf das Operettenhockey doch noch der Triumphmarsch?

Schon heute Sonntag kann die Entscheidung fallen. Wenn Deutschland gegen Tschechien keinen Punkt holt, dann steht die Schweizer Hockey-Nati im Viertelfinal. Die WM, die mit Wiener Operettenhockey begonnen hat, kann doch noch im Triumphmarsch enden.

klaus zaugg, Prag



Waren die Schweden leichtsinnig? Überheblich? Nein. Die Schweizer haben im bisher besten Turnierspiel, in der besten WM-Partie seit dem WM-Halbfinal von 2013 gegen die USA (3:0) einem starken Schweden einen Punkt abgeknöpft (1:2 n.V).

Es ist der goldene Punkt, der uns ins Viertelfinale bringen kann – und dort ist, unabhängig vom Gegner, alles möglich. Eine verrückte WM: Die Runde der letzten Acht ist mit zwei Siegen in sieben Spielen möglich. Der Steigerungslauf vom Operettenhockey gegen Österreich (3:4 n.P) zum unvollendeten Triumphmarsch (1:2 n.V. gegen Schweden ist halt trotz allem eine Niederlage) ist zwar erstaunlich, entspricht aber der Qualität dieser Mannschaft. Sie ist mit elf Silberhelden so talentiert wie das WM-Finalteam von Stockholm.

09.05.2015; Prag; Eishockey WM 2015 - IIHF WORLD ICE HOCKEY WORLD CHAMPIONSHIP;
Sweden - Switzerland;
Die Schweizer Eric Blum (SUI) bedanken sich bei den Fans 
(Andy Mueller/freshfocus)

Trotz Niederlage: Die Schweizer Hockey-Nati wird von den rund 5000 mitgereisten Fans gefeiert. Bild: freshfocus

Wenn bisher der freundliche Führungsstil von Glen Hanlon kritisiert worden ist, dann dürfen wir ihn jetzt dafür loben, der Mannschaft so viel Selbstverantwortung wie nötig zu geben. Denn die Wahrheit steht immer oben auf der Resultatanzeige.

Die vermeintlich «Kleinen» haben bisher für uns gespielt. Das Glück hat an unsere Türe geklopft und wir waren da, um die Türe aufzumachen und es hereinzulassen. Gewisse Parallelen zur WM 2000 in Russland, zur wundersamen Wende durch das 3:2 gegen Russland nach der vermeintlich alles entscheidenden 2:4-Niederlage gegen Frankreich, sind nicht zu übersehen.

Mit dem Unterschied, dass das, was damals ein Wunder war, heute im Grunde Alltag ist. In einem nahezu perfekten Spiel ist also kein Hockey-Wunder vollbracht worden, sondern lediglich die Bestätigung der Qualität unseres Hockeys. Das ist der Unterschied zur WM 2000.

Keine grosse Reden, aber die richtigen Anweisungen

Dieses 1:2 n.V. hat denn auch nicht zu einer Party geführt. Andres Ambühl sieht es realistisch: «Wir haben auch in diesem Spiel im Powerplay kein Tor erzielt und dem Gegner zu viele Konter ermöglicht. Es sind die kleinen Dinge, die oft die Differenz machen. Das Tor ist ja auch nicht eine so grosse Sache – der Puck hat ja den Bodenmann beinahe am Kopf getroffen und ist dann ins Netz gegangen.» Und er erwähnt die exzellente Torhüterleistung von Leonardo Genoni. Es ist ein gesunder Realismus und ein gutes Zeichen, dass die Geschichte dieser WM noch lange nicht zu Ende geschrieben ist.

Erreicht die Schweizer Nati die WM-Viertelfinals noch?

Nationaltrainer Glen Hanlon sagt, das Tor sei eine Belohnung für Simon Bodenmann. «Sein Wert für unsere Mannschaft sind nicht nur seine Tore und wir haben ihm das immer wieder gesagt. Nun ist er belohnt worden.» Er habe vor diesem Spiel keine grossen Reden gehalten. «Wir haben nochmals daran erinnert, was wir besser machen müssen. Dazu gehört auch, dass sich die Stürmer vor den Torhüter stellen und ihm die Sicht nehmen. Anders ist es fast nicht mehr möglich, ein Tor zu erzielen.» Und so ist dann dieses vielleicht goldene Tor auch gefallen. Simon Bodenmann stand vor dem Tor und lenkte Eric Blums Schuss zum 1:1 ab.

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Der Schultertreffer von Bodenmann. gif: SRF

Da wir erst zwei Spiele gewonnen haben (1:0 gegen Deutschland, 3:1 gegen Frankreich),  müssen wir nach wie vor jeden Tag neu rechnen. Nun ist die Ausgangslage so: Wenn Deutschland heute gegen Tschechien punkten sollte – was durchaus möglich ist – dann bleiben den Schweizern immer noch zwei weitere Chancen gegen Kanada (heute 20.15) und Tschechien (Dienstag, 20.15). Reto Berra steht heute gegen Kanada im Tor.

Alles ist noch möglich

Wenn Deutschland heute gegen Tschechien nicht punktet, sind wir im Viertelfinal. Der guten Ordnung halber sei noch erwähnt, dass es für uns nach wie vor eine ganz besondere theoretische Möglichkeit gibt, die Viertelfinals zu verpassen: Wenn wir gegen Kanada und Tschechien keine Punkte holen und wenn Österreich seine zwei letzten Spiele gegen Deutschland und Kanada gewinnt, dann kommen die Österreicher bei Punktgleichheit auf unsere Kosten in die K.o.-Runde. So verrückt ist diese WM. Zwei Spiele vor Schluss ist für den Aufsteiger noch beides möglich: Abstieg und Viertelfinal.

Switzerland's head coach Glen Hanlon (top) gestures during their Ice Hockey World Championship game against Sweden at the O2 arena in Prague, Czech Republic, May 9, 2015.   REUTERS/David W Cerny

Glen Hanlon will nicht rechnen, er hofft auch gegen Kanada auf Punkte. Bild: DAVID W CERNY/REUTERS

Kommt die Schweiz weiter, ist der wahrscheinlichste Gegner das Team der USA. Das weckt schöne Erinnerungen. Auf dem Weg zu WM-Silber schalteten wir diesen Gegner im Halbfinal aus. Aber wenn wir jetzt – so wie alles gelaufen ist – die Viertelfinals nicht schaffen, dann ist es eine historische Pleite. 

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1 Kommentar
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Eismeister Zaugg

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