Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Patrick Fischer, head coach of Switzerland national ice hockey team, leaves the media briefing, during a Swiss team training optional session of the IIHF 2018 World Championship, at the Royal Arena, in Copenhagen, Denmark, Friday, May 18, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Patrick Fischer muss nach dem verlorenen Spiel viele Fragen beantworten, darunter auch unberechtigte. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Patrick Fischer und die fieseste aller Kritiken

Hat Patrick Fischer im Finale die falschen Penalty-Schützen nominiert? Für den Verlierer die schlimmste, die ungerechteste aller Fragen.

klaus zaugg, kopenhagen



Das Eis ist von schlechter Qualität und irritiert vor allem die Künstler, die technisch Begabten, die Aussergewöhnlichen. Erst recht am Ende eines epischen Dramas, das sich über gut und gerne drei Stunden hingezogen hat.

Die Hockey-Götter können sich nicht entscheiden, wem sie den Sieg schenken wollen. Also lassen sie würfeln. Es kommt im Finale in Kopenhagen – am Ende des besten Spiels aller Zeiten einer helvetischen Nationalmannschaft – zum Penalty-Schiessen. Cheftrainer Patrick Fischer hat fünf Schützen zu nennen. Er entscheidet sich für Sven Andrighetto, Kevin Fiala, Enzo Corvi, Gaëtan Haas und Nino Niederreiter.

epa06753320 Anders Nilsson of Sweden saves the last shot from Nino Niederreiter of Switzerland in the IIHF World Championship ice hockey finale between Sweden and Switzerland in Royal Arena in Copenhagen, Denmark,  20 May 2018.  EPA/Liselotte Sabroe  DENMARK OUT

Nino Niederreiter traf nicht. Bild: EPA/SCANPIX DENMARK

Nur Sven Andrighetto trifft. Zum 1:0. Die anderen scheitern. Hat Patrick Fischer die falschen Spieler nominiert? Schnell ist das Urteil gefällt: Ja natürlich. Sonst hätten wir ja das Penalty-Schiessen gewonnen. Diese Kritik ist die fieseste aller Kritiken am Nationaltrainer.

abspielen

Die Highlights des WM-Finals. Video: YouTube/IIHF Worlds 2018

Nichts spricht gegen Fischers Wahl

Erstens: es gibt keinen Grund, nichts, absolut nichts, das gegen diese Wahl der Penalty-Schützen spricht.

Zweitens: ein Penaltyschiessen am Ende eines Spiels, eines Dramas, bei dem es darum geht, die Meister der Welt zu werden, also um den ultimativen Preis, ist völlig unberechenbar. Niemand weiss, ob ein Spieler in dieser Situation versagen oder triumphieren wird. Es geht nicht mehr um hockeytechnische Faktoren. Es geht um Kopf und Seele, um Glück und Pech bei einem Tanz auf der Rasierklinge der Nervenbelastung.

Patrick Fischer, head coach of Switzerland national ice hockey team, speaks to the media, during a Swiss team training optional session of the IIHF 2018 World Championship, at the Royal Arena, in Copenhagen, Denmark, Friday, May 18, 2018. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Patrick Fischer hat schwierige Entscheidungen getroffen. Bild: KEYSTONE

Drittens ist es die billigste Kritik. Hinterher sind alle klüger, nach dem Krieg ist jeder Soldat ein General. Und wer sagt denn, dass andere nicht versagt hätten?

Hinterher dem Coach vorzurechnen, er habe die falschen Spieler für diesen «Showdown» nominiert, ist so ziemlich die unfairste Kritik, die es gibt. Patrick Fischer ist vor der Hockeygeschichte von aller Schuld und Kritik vollumfänglich freizusprechen.

Auch beim Torhüter traf Fischer die richtige Wahl

Hingegen gab es eine andere heikle Personalentscheidung, für die Patrick Fischer tatsächlich vor der Hockeygeschichte geradestehen muss: Die Wahl des Torhüters für den Viertelfinal, für den Halbfinal und für den Final.

Doch Fischer hat die richtige Entscheidung getroffen. Er hat Leonardo Genoni und nicht Reto Berra ins Tor gestellt. Obwohl Reto Berra bis zu diesem Zeitpunkt in den Gruppenspielen den besseren Eindruck hinterlassen hatte, obwohl Reto Berra die Schweiz 2013 im Halbfinale gegen die USA ins Final gehext hatte (3:0 gegen die USA).

Switzerland's goalie Leonardo Genoni looks the puck during the Ice Hockey World Championships final match between Sweden and Switzerland at the Royal arena in Copenhagen, Denmark, Sunday, May 20, 2018. (AP Photo/Petr David Josek)

Leonardo Genoni war die richtige Wahl als Torhüter. Bild: AP/AP

Patrick Fischer hat gespürt, welcher seiner Torhüter «heisser» ist. Auch gerade wegen dieser richtigen Entscheidung hat das beste WM-Team aller Zeiten die beste WM aller Zeiten gespielt.

Als die Kritik berechtigt war

Es gibt in der ganzen Geschichte des internationalen Hockeys nur eine einzige Penalty-Entscheidung, die falsch war und um die herum sich vortrefflich polemisieren lässt. Den Schwefelgeruch dieser Fehlentscheidung bringt der Coach nie mehr aus den Kleidern. Und es ist ein grosser Coach.

Stanley Cup-Sieger mit Colorado, Schweizer Meister und Cup-Sieger mit den ZSC Lions. Marc Crawford. Eine Legende. Einer der angesehensten Bandengeneräle überhaupt.

Zuerich, 09.10.2015, Eishockey NLA - ZSC Lions - HC Davos, Trainer Marc Crawford (ZSC). (Marc Schumacher/EQ Images)

Marc Crawford. Bild: Marc Schumacher

1998 nehmen die NHL-Profis zum ersten Mal beim olympischen Turnier teil. Im Halbfinale kommt es zu einem mit dem WM-Finale von 2018 vergleichbaren Drama. Die Hockeygötter lassen im Spiel Tschechien gegen Kanada im Penalty-Schiessen um den Finaleinzug würfeln.

Marc Crawford lässt zum letzten Penalty Verteidiger Ray Borque antreten. Er scheitert. Dominik Hasek hält. Wayne Gretzky, der Mann, der so ziemlich alle Skorerrekorde hält, lässt Marc Crawford während diesem Penalty-Drama auf der Bank. Tschechien besiegt danach im Finale Russland und wird zum ersten Mal Olympiasieger.

Das ist bis heute im internationalen Eishockey der einzige Penalty-Entscheid eines Coaches, den wir mit gutem Gewissen kritisieren dürfen.

So sieht es aus, wenn NLA-Teams Frauen anflirten

Video: watson

Unvergessene Eishockey-Geschichten

Bobby Orr entscheidet mit dem «Flying Goal» den Stanley-Cup-Final

Link zum Artikel

Ralph Krueger schreibt das wichtigste SMS der Schweizer Hockey-Geschichte 

Link zum Artikel

Deutschland verpasst die grosse Sensation, weil der Puck auf der Linie kleben bleibt

Link zum Artikel

NHL-Star Darryl Sittler stellt einen Rekord für die Ewigkeit auf

Link zum Artikel

04.01.1987: Als nach der grössten Prügelei aller Zeiten die Lichter ausgingen und ein Spiel die Eishockey-Welt veränderte

Link zum Artikel

16.01.1905: Nach 23 Tagen Anreise werden die Dawson City Nuggets im Stanley-Cup-Final mit 2:23 vermöbelt

Link zum Artikel

19.10.1996: Del Curto klärt seine Spieler auf: «Zum Schiri nüma ‹Fuck you› sägä, äs git zwei Minuta, hä!»

Link zum Artikel

24.02.2006: Neunmal das F-Wort in einer Minute – Greg Holst macht sich mit legendärem Ausraster-Interview unsterblich

Link zum Artikel

14.05.2008: Philippe Furrer schiesst das kurioseste Eigentor der Schweizer Hockey-Geschichte

Link zum Artikel

10.10.1979: Ein gewisser Wayne Gretzky bestreitet sein erstes Spiel in der NHL – er wird sämtliche Rekorde pulverisieren

Link zum Artikel

18.02.2006: Die «Eisgenossen» spielen kanadischer als die Kanadier und rächen sich für eine uralte Schmach

Link zum Artikel

11.03.1979: NHL-Haudegen Randy Holt prügelt sich zu einem bis heute gültigen Rekord – 67 Strafminuten in einem einzigen Spiel

Link zum Artikel

08.04.1980: Sie wissen nicht, was sie tun, als sich zwei Schweden als erste Hockeyspieler einen Playoff-Bart wachsen lassen

Link zum Artikel

28.01.2009: Die Zürcher Löwen krönen sich zu Europas Eishockey-Königen

Link zum Artikel

24.03.1936: Im längsten Hockey-Spiel aller Zeiten fällt das goldene Tor erst im 9. Drittel – um 2.35 Uhr nachts

Link zum Artikel

28.12.1999: «La Montanara» erklingt in Berlin – Ambri krönt sich zum europäischen Champion

Link zum Artikel

Nie haben wir uns mehr über ein Tor gegen die Schweiz gefreut als bei Omarks Penalty-Trick

Link zum Artikel

22.09.2012: Rick Nash meldet sich mit einem Blitz-Hattrick in der Schweiz zurück

Link zum Artikel

30.12.1981: Wayne Gretzky schafft den verrücktesten seiner Rekorde: 50 Tore in 39 NHL-Spielen

Link zum Artikel

26.12.1993: Dank Chomutow und Bykow träumt Aufsteiger Davos vom ersten Spengler-Cup-Titel seit 35 Jahren

Link zum Artikel

Amerikas College-Boys erlegen den russischen Bären

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

24 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
flying kid
21.05.2018 10:21registriert August 2017
Klaus Zaugg schreibt über ungerechtfertigte Kritik an Fischer... welch Ironie 🤦🏼‍♂️
Ich behaupte, alles richtig gemacht, Platz 2 ist super. Klar wäre Weltmeister schön, aber es hat dieses Jahr nicht sollen sein.
Und nun wäre es Zeit, dass sich KZ bei Fischer für alle seine reisserischen Texte entschuldigt!
1839
Melden
Zum Kommentar
Nelson Muntz
21.05.2018 09:46registriert July 2017
Fischer hat alles richtig gemacht. ich hielt vor der WM nichts von ihm, er hat es aber bewiesen, dass er der richtige Mann zur richtigen Zeit ist!
842
Melden
Zum Kommentar
meliert
21.05.2018 10:19registriert August 2014
ein Tag an dem wir auf die 🇨🇭 stolz sein können! Wir waren im Final und nicht Russland, Kanada, USA etc. - eine super Leistung der Schweizer Icehockey Nati angeführt von Patrick Fischer!
472
Melden
Zum Kommentar
24

«Mega cool, was hier abgeht» – WM-Silberhelden von tausenden Fans frenetisch empfangen

Rund zwölf Stunden nach dem verlorenen WM-Final ist die Schweizer Hockey-Nati wieder in der Heimat gelandet. Tausende Fans warteten am Flughafen in Zürich-Kloten und bereiteten ihren WM-Silberhelden einen grandiosen Empfang.

Artikel lesen
Link zum Artikel