Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Finland's Olli Palola (L) celebrates his goal against Russia with his team mates Pekka Jormakka and Leo Komarov (R) during the second period of their men's ice hockey World Championship final game at Minsk Arena in Minsk May 25, 2014.   REUTERS/Alexander Demianchuk (BELARUS  - Tags: SPORT ICE HOCKEY)

Bild: keystone

WM in Minsk

Eismeister Zaugg

Finnland 2014 wie die Schweiz 2013 – erstaunliche und ärgerliche Parallelen

Russland besiegt im WM-Finale Finnland 5:2 und holt den 27. WM-Titel. Als Erkenntnis aus der WM 2014 bleibt: Wir hätten auch in diesem Finale stehen können.

Ein Rückblick auf diese WM ist eine Mischung aus Zorn und Melancholie. Wir hätten so gut wie Finnland ins Finale vorstossen und wieder eine Medaille gewinnen können.

Es gibt erstaunlich viele Parallelen. Die Finnen gewannen nicht nur das Halbfinale gegen Tschechien mit dem gleichen Resultat (3:0) wie wir vor einem Jahr gegen die USA. Sie verloren im Endspiel gegen Russland (2:5) auch mit dem fast gleichen Resultat wie wir gegen Schweden (1:5). Sie führten in diesem Finale (2:1) wie wir vor einem Jahr gegen Schweden (1:0) und am Ende des Turniers hatten sie den MVP (den wertvollsten Spieler) auch in ihren Reihen. Bei uns war es Verteidiger Roman Josi, bei den Finnen Torhüter Pekka Rinne. Und so wie vor einem Jahr Martin Gerber im Finale nicht seine beste Partie gezeigt hatte, so spielte auch Pekka Rinne mit einer Abwehrquote von 87,18 Prozent im Endspiel nicht sein bestes Hockey.

Finland's goalie Pekka Rinne (R) fails to save a goal of Russia's Sergei Shirokov (unseen) during the first period of their men's ice hockey World Championship final game at Minsk Arena in Minsk May 25, 2014.               REUTERS/Vasily Fedosenko (BELARUS  - Tags: SPORT ICE HOCKEY)

Finnland-Goalie Pekka Rinne wurde zum wertvollsten Spieler des Turniers gewählt. Bild: keystone

Vor allem aber kopierten die Finnen unsere Taktik. Sie hatten in der Neuzeit noch nie so viele WM-Neulinge (14) und so wenig NHL-Profis (4) wie in Minsk. Sie fanden sich erst einmal in der Aussenseiterrolle wieder und mussten ums Viertelfinale zittern. Also wählten sie das gleiche taktische Layout wie die Schweiz vor einem Jahr.

«Guardiola-Hockey»

Vor ihrem Weltklassetorhüter Pekka Rinne (Nashville) installierten sie ein sehr gut strukturiertes, mobiles Defensivsystem. «Guardiola-Hockey» haben es einige genannt. Im Eishockey ist die Dominanz in der Mittelzone der Schlüssel eines gut funktionierenden Defensiv- und Offensivsystems. Genau das predigt auch der berühmte Fussballtrainer Pep Guardiola: Wer die Mitte dominiere, dominiere das Spiel. Zumal jüngste Statistiken zeigen: Fast 90 Prozent aller Tore im Eishockey fallen spätestens fünf Sekunden nach einem Scheibenverlust. Wenn der Gegner nicht mehr genug Zeit hat, die Verteidigung zu organisieren. Diese Scheibenverluste werden vor allem in der neutralen Zone, also in der Mitte des Spiels, provoziert.

Finland players watch as Russian players celebrate after Russia defeated Finland 5-2 in the gold medal match between Russia and Finland at the Ice Hockey World Championship in Minsk, Belarus, Sunday, May 25, 2014. (AP Photo/Darko Bandic)

Das Defensivsystem der Finnen überzeugte, gegen die spielstarken Russen reichte es für die aufopfernden Suomi jedoch nicht. Bild: AP/AP

Finnland hat mit dieser Taktik so das Halbfinale gegen Tschechien 3:0 gewonnen. Wie wir in Stockholm gegen die Amerikaner. Auch 3:0. Aber wie für die Schweiz war auch für Finnland das Finale gegen einen taktisch gleichwertigen, aber spielerisch besseren, talentierteren Gegner Endstation. Für uns gegen Schweden, für die Finnen gestern gegen die Russen.

Im Rückblick auf Minsk 2014 wird klar: Die Rolle der Finnen hätten auch wir spielen können. Wir haben in den Gruppenspielen gegen Finnland im Penaltyschiessen verloren (2:3). Im Falle eines Sieges wären wir an Stelle der Finnen ins Viertelfinale eingezogen. Oder noch anders: Wenn uns gegen die Amerikaner nicht zwei reguläre Tore aberkannt worden wären (2:3), dann wären wir ebenfalls ins Viertelfinale gekommen und dann wäre alles möglich gewesen.

Russia's goalie Sergei Bobrovski (L) looks on as his team mate Maxim Chudinov scuffles with Finland's Tommi Huntala (2nd R) during the first period of their men's ice hockey World Championship final game at Minsk Arena in Minsk May 25, 2014.         REUTERS/Alexander Demianchuk (BELARUS  - Tags: SPORT ICE HOCKEY TPX IMAGES OF THE DAY)

Die Schiedsrichter konnten keine überzeugende Leistung abliefern. Bild: keystone

Letztlich sind es ein paar Hätte und Wäre und Könnte zu viel. Mit ein bisschen Polemik können wir bei der WM 2014 von einer «gestohlenen» Medaille reden. Die miserablen Schiedsrichterleistungen gehören auch zur WM 2014 und selbst im Finale war die Leistung der Schiedsrichter ungenügend. Und einer der beiden Linienrichter, der für die zwei gegen uns aberkannten Tore mitverantwortlich war (Chris Carlsson), kam im Viertelfinale und im Finale zum Einsatz. Wir können das auch so interpretieren: Ganz offensichtlich hat unsere Verbandsführung unter Marc Furrer auf internationalem Niveau keinen Einfluss mehr. Und wir können es nicht oft genug sagen: Diese WM hat einmal mehr gezeigt, welch gute Schiedsrichter wir in der Schweiz haben. Für das Olympische Turnier und die WM ist keiner aufgeboten worden. Auch das ist ein Zeichen für die verlorene politische Bedeutung unserer Verbandsgeneräle.

Europäisches Hockey überzeugt

Fertig polemisiert: Bei der WM 2014 zeigt sich trotz allem ein erfreulicher Trend. Die WM hat spektakuläreres, trotz aller taktischen Disziplin offeneres und damit besseres Hockey als das Olympische Turnier gebracht. Die totale spielerische und taktische Blockade von Sotschi gab es bei der WM nicht. Weil es, anders als beim olympischen Turnier, ein Leistungsgefälle zwischen dem ersten und vierten Block gibt. Und es spielt eine Rolle, dass Spieler aus dem europäischen Hockey dominieren.

Die NHL ist auf diesem Niveau längst nicht mehr die wichtigste Liga. Auch wenn in diesem Finale die NHL-Stars Owetschkin und Malkin eine wichtige Rolle übernahmen. Im Spiel um den WM-Titel waren lediglich 13 NHL-Profis im Einsatz. Aber 26 aus der KHL. Und WM-Topskorer Wiktor Tichonow, der Grossbub des legendären gleichnamigen Trainers, spielt in der KHL (St. Petersburg).

Animiertes GIF GIF abspielen

Wegen dieser Geste musste Znaroks weit oben im Stadion Platz nehmen. Bild: keystone

Die Russen mussten im Finale ohne ihren neuen Bandengeneral Oleg Znaroks auskommen. Nach der olympischen Pleite ist der ehemalige Lette mit russischem und deutschem Pass zum neuen Nationaltrainer berufen worden. Dem feuerköpfigen Znaroks waren im Halbfinale gegen die Schweden die Sicherungen durchgebrannt. Nach einem Foul (Backlund kassierte für einen Check gegen Plotinkow einen Restausschluss) deutete Znaroks dem schwedischen Assistenten Rikard Gronberg während eines erregten verbalen Duells gut sichtbar im Fernsehen an, er werde ihm die Kehle durchschneiden.

Der Disziplinarausschluss des internationalen Verbandes sperrte die beiden Hitzköpfe aufgrund der TV-Aufnahmen für die letzte Partie. Das Spiel konnten zwar beide im Stadion sehen, aber sie durften weder für die Matchvorbereitung noch in den Pausen in die Kabinen. Znaroks Assistent Harijs Witolinsch stand als Cheftrainer an der Bande. Er hat eine lange Vergangenheit als Spieler in unserem Eishockey (u.a. Chur und Rapperswil) und lebt mit seiner Familie immer noch in der Schweiz. Unser Hockey hatte also doch noch ein wenig etwas mit dem Finale zu tun.



Das könnte dich auch interessieren:

«Es ist absurd» – der Chef erklärt, was er vom Feminismus hält

Link zum Artikel

Vorsicht, jetzt kommt die Wohnmobil-Rezession!

Link zum Artikel

Du bist ein Schwing-Banause? Wir klären dich rechtzeitig fürs Eidgenössische auf

Link zum Artikel

Zug steckt während 3 Stunden zwischen Grenchen und Biel fest – Passagiere wurden evakuiert

Link zum Artikel

Apples Update-Schlamassel – gefährliche iOS-Lücke steht zurzeit wieder offen

Link zum Artikel

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Playoff-Topskorer Martschini verlängert in Zug +++ Ambri verpflichtet Brian Flynn

Die Klubs der National League komplettieren ihre Kader für die Saison 2019/20. Wer wechselt wohin? Die aktuellsten Transfers und eine Übersicht sämtlicher Teams.

Der EV Zug und Nationalstürmer Lino Martschini (26) einigen sich auf eine längerfristige Vertragsverlängerung.

Der in den letzten Jahren regelmässig beste Schweizer Skorer des Teams bleibt mindestens bis Ende Saison 2022/2023 beim Playoff-Finalisten der letzten Saison.

In bislang sieben Saisons beim EVZ brachte es Martschini in 400 Einsätzen 338 Skorerpunkte. Der 50-fache Internationale war in der letzten Saison der beste Stürmer des EVZ in der Qualifikation (44 Punkte in 50 Spielen) und …

Artikel lesen
Link zum Artikel