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Zuerichs Cheftrainer Arno Del Curto, Mitte, feuert seine Spieler an, im Eishockey Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und die ZSC Lions, am Freitag, 1. Maerz 2019 in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Zirkusdirektor: ZSC-Coach Arno Del Curto muss weiterhin um den Playoff-Einzug zittern. Bild: KEYSTONE

Eismeister Zaugg

Die ZSC Lions – ein hoffnungsvolles «Zirkus-Team» mit «Lotter-Goalie»

Die Berner gewinnen gegen die ZSC Lions spektakulär und können sich doch nicht aus ganzem Herzen freuen. Die Zürcher zittern weiterhin um die Playoffs und dürfen doch auf die Verteidigung des Titels hoffen. Erkenntnisse aus einem verrückten Spiel.



Eigentlich sollten die Berner feiern. Mit dem 5:4 gegen die ZSC Lions haben sie zum dritten Mal in Serie unter Trainer Kari Jalonen die Qualifikation gewonnen. Dreimal in Serie auf Rang 1 – das ist in diesem Jahrhundert noch keinem Team gelungen. Nicht in der Qualifikation. Nicht in den Playoffs. Und sie haben diese Saison alle sechs Direktbegegnungen gegen die ZSC Lions gewonnen.

Und doch ist die Freude ein wenig getrübt. Nur bis zum 5:1 war es ein grosser, mächtiger SC Bern. Ein Titan. Ein Favorit auf den Titel. Nach dem 5:1 (42. Minute) war die Herrlichkeit zu Ende. Die wilden, mutigen, beinahe verzweifelten Zürcher dominierten den Rest der Partie mit 14:6 Torschüssen und kamen bis auf 5:4 heran. Sie hatten in den letzten Sekunden gar noch Chancen zum Ausgleich.

Nun ist kein Grund zur Sorge. Es war ja für den SCB mehr oder weniger nur noch bloss ein Pflichtspiel. Es ist also verständlich, dass nach dem 5:1, nach getaner Arbeit sozusagen, der Schlendrian Einkehr gehalten hat.

Aber da ist eben noch etwas: die Ursache für die ZSC-Niederlage ist für den SCB höchst unerfreulich. Niklas Schlegel kassierte nämlich drei haltbare Treffer (zum 2:0, 4:1 und 5:1) und ein weiteres Gegentor hätte ein guter Goalie auch verhindert (das 3:1). Er wehrte lediglich 84,85 Prozent der Schüsse ab. In Bern gewinnt eine Mannschaft nur, wenn der Torhüter eine Fangquote von mehr als 90 Prozent erreicht.

Niklas Schlegel ist nächste Saison beim SCB der Nachfolger von Leonardo Genoni, der nach Zug wechselt. Er hat in diesem kapitalen Match für die Zürcher versagt. An seinem künftigen Arbeitsort.

In Bern wäre Schlegel die Nr. 2

Nun mag diese Kritik polemisch, respektlos und überzogen sein. Aber Niklas Schlegel kommt in die «Torhüter-Hauptstadt» Europas. In Bern hat es seit dem ersten Titel (1959) in den letzten 60 Jahren nie einen «Lotter-Goalie» gegeben. Kein anderes Team hat eine so ruhmreiche Goalie-Tradition. Die Helden heissen René Kiener (Meister), Jürg Jäggi (Meister), Edgar Grubauer (Aufsteiger), Renato Tosio (Meister), Marco Bührer (Meister), Jakub Stepanek (Meister) und Leonardo Genoni (Meister).

An diesen Namen wird Niklas Schlegel gemessen werden. Nächste Saison wird er nach drei so schwachen Partien wie am Freitagabend durch einen ausländischen Torhüter ersetzt und zur Nummer 2 degradiert. Immerhin wird er in Bern hinter einer besser organisierten Hintermannschaft spielen. Aber in Bern wird von den Torhütern seit 60 Jahren erwartet, dass sie die Verteidigung besser machen und nicht durch die Verteidigung besser gemacht werden müssen.

Zuerichs Torhueter Niklas Schlegel beim Eishockey-Qualifikationsspiel der National League A zwischen dem HC Davos und den ZSC Lions, am Samstag, 23. Februar 2019, in der Vaillant Arena in Davos. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Drei schwache Partien gegen den SC Bern: ZSC-Torhüter Niklas Schlegel. Bild: KEYSTONE

Der Titelverteidiger hat nun im 14. Spiel seit dem Trainerwechsel bereits die 9. Niederlage eingefahren. Es muss einmal gesagt sein: Der gefeuerte Serge Aubin war im Vergleich zu Arno Del Curto ein…Erfolgstrainer.

Der Kommandowechsel hatte bisher keinerlei sportliche Wirkung. Und doch wäre es fatal, diese ZSC Lions im Kampf um die Playoffs (die sie noch aus eigener Kraft erreichen können) oder um den Titel abzuschreiben falls sie die Playoffs erreichen.

Nach dem 5:1, als alles verloren schien, als die Nervenanspannung weg war, da spielten sie auf einmal meisterlich und dominierten unter der Führung des bissigen Leitwolfes Roman Wick den Qualifikationssieger in dessen Stadion fast nach Belieben.

Alles ist möglich beim ZSC

Diese Lockerheit kann sich auch einstellen, wenn die Playoffs geschafft sind. Auf einmal blitzte die meisterliche Herrlichkeit auf. Was ja keine Überraschung sein kann: diese Mannschaft hat letzte Saison den Titel geholt und ist anschliessend auf dem Transfermarkt gar noch verstärkt worden.

Die ZSC Lions haben wahrscheinlich mehr Talent wie der SCB. Aber es ist ja schon hundertmal gesagt, geschrieben und gesendet worden, dass die taktische Ordnung fehlt, die den SCB auszeichnet.

Die zweite Hälfte dieser verrückten Partie in Bern hat den Zürchern gezeigt: alles ist möglich. Und warum sollte es nicht gelingen, sich erneut so zusammenzuraufen wie vor einem Jahr? Warum nicht noch einmal aus den Tiefen der Tabelle heraus (Platz war es vor einem Jahr) den Titel holen? Warum nicht in gut fünf Wochen vergessen machen, was die Fans während fünf Monaten verärgert hat?

Aber vor den letzten zwei Partien gegen die Lakers (h) und Servette (a) sind die ZSC Lions erst einmal ein hoffnungsvolles «Zirkus-Team» mit «Lotter-Goalie», das die Playoffs noch nicht erreicht hat.

Nico Hischier beantwortet unsere ungewöhnlichen Fragen

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Video: watson/Emily Engkent, Sandro Zappella

Die grossen Playoff-Wenden im Schweizer Eishockey

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Suli 02.03.2019 13:04
    Highlight Highlight Ich habe ich das Gefühl das der Herr Zaugg ein Goaliegegner ist. Jeder Goalie jeder Stufe zieht wie jeder Mensch schlechte Tage ein. Es gibt keine Lottergoalies.
    • Lumina 02.03.2019 15:46
      Highlight Highlight Doch die gibt's sehr wohl!

      Benjamin Conz ist z.B. so einer - hat man bei Fribourg jahrelang und selbst (trotz der aktuell recht guten Ausgangslage) öfters auch mal bei Ambri, immer wieder gesehen.

      Und vom ehemaligen Klotener "Schwachbaum" oder dem was bei Winterthur oder den Ticino Rockets zwischen den Pfosten steht, will ich gar nicht erst anfangen.
  • Rock'n'Rohrbi 02.03.2019 11:38
    Highlight Highlight Auch Herr Bührer hat manchen Lapsus und dunkle Spiele im SCB Kasten erlebt und ist daran gewachsen und besser geworden. Der junge Schlegel hat Potential und wird durch Vertrauen und Praxis eine ähnliche Karriere wie Marco anstreben können. Es braucht Geduld ...doch die ziehe ich einer Verpflichtung eines ausländischen Torhüters vor. Caminada/Schlegel werden sich gegenseitig zu guter Leistung pushen. Dann schauen wir wenn Niklas an selber Stelle nächstes Jahr den ZSC stoppt was Klausi dazu meint und wieder rein interpretiert?
  • Rumpelstilz 02.03.2019 11:18
    Highlight Highlight Ich könnte schwören, dass der Begriff "Lottergoalie" im Zusammenhang mit Marco Bührer geboren wurde...
  • humbug 02.03.2019 11:15
    Highlight Highlight Ein bisschen vermessen die Aussage, dass Schlegel drei schwache Partien am Stück gespielt hat. Wenn er am Dienstag für viele der beste Spieler war und die Statistik ihm recht gibt bei einer Fangquote von 97.5% und dem Penalty-finish.
  • andrin89 02.03.2019 10:48
    Highlight Highlight Herr Zaugg sagt, Schlegel würde nach 3 Partien wie jene gegen den SCB ersetzt. Die Bildunterschrift sagt aber, dass Schlegel nun 3 schwache Partien hintereinander gespielt hat, was absoluter Blödsinn ist.
    • Christoph Bernet 02.03.2019 12:58
      Highlight Highlight Fehler in der Bildlegende geht auf meine Kappe, nicht die von Herrn Zaugg. Ist korrigiert, danke für den Hinweis.
  • Oh!SchonBierUhr! 02.03.2019 10:15
    Highlight Highlight Somit wäre Genoni, gemäss der Aussage oben, an diesem Abend auch ein Lottergoalie.
    Schliesslich hatte er eine Fangquote von 88.57%...
    Oder war jemand anderes zwischen den Pfosten?
    Oder hat Bern verloren?
  • MR92 02.03.2019 09:44
    Highlight Highlight Für mich gehört Zürich unter den Strich. Das gestern war während 45 Minuten unterirdisch.
  • Herren 02.03.2019 09:43
    Highlight Highlight Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling und ein schlechtes Spiel keinen Lottergoalie. Blickniveau.
  • UncleHuwi 02.03.2019 09:39
    Highlight Highlight Ich würde Herr Zaugg gerne einmal in einer Torhüterausrüstung auf dem Eis sehen. Ich bin mir sicher dass er danach das Wort "Lottergoalie" nicht mehr so oft verwenden würde. Es gibt keine "Lottergoalies" in der National League.
    • Baron Swagham IV 02.03.2019 10:06
      Highlight Highlight Und ich würde viele Kommentierende gerne mal vier Wochen in einer Redaktion sehen beim brainstormen, recherchieren und verfassen von ca 40-50 Artikeln in besagter Zeitspanne 😎
    • UncleHuwi 03.03.2019 12:07
      Highlight Highlight Ich behaupte auch nicht das der Chronist einen schlechten Job macht oder seine Arbeit ein Zuckerschlecken ist...ich sage ja nur dass er den Begriff "Lottergoalie" zu oft/schnell verwendet und er scheinbar keine Ahnung wie komplex und anspruchsvoll die Arbeit eines Eishockeygoalies ist. Nicht jedes Tor das "haltbar" aussieht, ist auch eines. Gruss von einem Hockeygoalie;)
  • forevernewbie 02.03.2019 09:03
    Highlight Highlight das wird doch alles fehlinterpretiert.
    schlegel arbeitet bereits für den scb und macht das grossartig. jetzt muss der z noch 8ter werden damit schlegel noch ein paar tore gegen bern in den playoff reinlassen kann. nur arno hats noch nicht gesehen.
  • feuseltier 02.03.2019 08:36
    Highlight Highlight Wenn der ZSC scheitern würde ist nicht die Frage mit oder ohne Arno,  sondern eher mit oder ohne diese Mannschaft.

    Eigentlich sollte dann gck die Relegation fertig spielen d due 1. Mannschaft trainieren bis der Final fertig gespielt ist!!!

    Das sollte man durchsetzen,  weil diese Mannschaft seit 2 Jahren praktisch niemehr richtig überzeugt hat! !

    Qualispieli unterirdisch und einfach nicht akzeptabel
  • feuseltier 02.03.2019 08:35
    Highlight Highlight Wo sind jetzt alle die Flüeler haters und pro Schlegel? ??

    Flüeler ist schon mehrmals Meister geworden und das schafft man nicht mit nur einem guten Torhüter. ..
  • Hoefi14 02.03.2019 08:23
    Highlight Highlight Nur weil Schlegel gestern mal nicht einen guten Abend eingezogen hat, ihn gleich als Lottergoalie zu bezeichnen finde ich einwenig übertrieben. Der SCB wird sich noch aus einem weiteren Grund nicht so glücklich sein, die wahr. das wenn der Z die Play-offs noch erreicht 8. bleiben werden ist bereits ziemlich gross.
  • TheWall_31 02.03.2019 08:16
    Highlight Highlight Dass der Z erst gross aufspielt, wenns um nichts mehr geht, wenns nichts zu verlieren gibt, wenn die Erwartungshaltung bei den anderen liegt... das macht mir Sorgen. Sorgen um die Playoffs, da ist der Druck enorm, Sorgen um die sportliche Zukunft des Vereins. Aktuell ist der Z untrainierbar und die Mannschaft kann nicht von heute auf morgen ausgetauscht werden. Auf nächste Saison kommen "einfache Arbeiterbünzlis", mal sehen, ob das etwas bewirkt.

    Ich bin jedenfalls, wie so oft dieses Jahr, ziemlich konsterniert... 🔵⚪🔴
  • Klartext 02.03.2019 08:15
    Highlight Highlight Leider ja, seit Sulo hat der Z keine nachhaltige Konstanz mehr im Kasten! Klar braucht es auch grundsolide Verteidiger, welche dem Goali das Leben einfacher machen, diese fehlen dem Z aktuell aber ebenfalls. Flüeler wie auch Schlegel mögen immer mal wieder Weltklasse spielen, meist kehrt aber eher früher als spärer wieder Ernüchterung ein. Flüeler ist zudem noch verletzungsanfällig. So bitter es ist, aber in der momentanen, schon sehr langanhaltenden Verfassung des Z, haben sie nichts verloren in den Playoffs!
    • Tenno 02.03.2019 08:51
      Highlight Highlight Sulo ist etwa zwei Etagen höher als jeder von Klaus aufgezählte Goalie. Ein solches Kaliber werden wir in der Schweiz kaum mehr sehen.
      Der Witz mit dem Aufsteigergoalie war aber lustig von Klaus.
    • Suli 02.03.2019 13:05
      Highlight Highlight Auch Suli war nicht immer in Bestform
  • maylander 02.03.2019 07:11
    Highlight Highlight Die Fangquote wird auch massgeblich von den Vorderleuten beeinflusst.
    Das ist harte mühsame Sisiphusarbeit , etwas was den Lions nicht liegt.
    • marak 02.03.2019 10:10
      Highlight Highlight He, he. Man glaubt fast, sie sparen sich den mühsamen Teil auf die Playoffs auf. Momentan feilen sie am perfekten Timing: Wie viele Spiele ohne den mühsamen Teil und trotzdem ins Playoff kommen.
    • HabbyHab 02.03.2019 13:54
      Highlight Highlight .. wurde nicht letzte Playoffs noch die gute Defensivarbeit der Zürcher gelobt..
    • marak 02.03.2019 16:34
      Highlight Highlight @HabbyHab: Eben, im Playoff.

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