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epaselect epa05355735 Dimitri Payet of France in action during the UEFA EURO 2016 group A preliminary round match between France and Romania at Stade de France in Saint-Denis, France, 10 June 2016.

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Dimitri Payet ist erst mit 29 Jahren zum Superstar gereift. Bild: GEORGI LICOVSKI/EPA/KEYSTONE

Dimitri Payet, der kontroverse Wandervogel mit dem goldenen Füsschen

Ausgerechnet Dimitri Payet schiesst EM-Gastgeber Frankreich im Eröffnungsspiel gegen Rumänien in der Nachspielzeit zum 2:1-Zittersieg. Der 29-jährige Mittelfeldspieler galt lange als ewiges Talent mit schwierigem Charakter, das den Durchbruch nie schaffen wird.



Keine Frage, er ist der Mann der Stunde: Dimitri Payet. Mit einem Traumtor schiesst er die Franzosen in der 89. Minute des EM-Eröffnungspiels gegen Rumänien doch noch zum nicht mehr für möglich gehaltenen 2:1-Sieg. 

Doch auch ohne den Treffer wäre Payet, der zum ersten Mal an einem grossen Turnier dabei ist, heute wohl das grosse Thema gewesen. Zu auffällig spielte der 29-jährige Mittelfeldspieler von West Ham United, zu sehr stellte er die designierten Stars wie Paul Pogba oder Antoine Griezmann in den Schatten. Seine Statistiken sind grandios: 12 Torschussbeteiligungen, darunter der Assist zum 1:0 und eben das Traumtor zum 2:1.

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Payets Siegtreffer in der Nachspielzeit.
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Damit hat der 1,78-Meter-Mann nur gerade 90 Minuten gebraucht, um zum ersten Anwärter auf die Auszeichnung als Spieler des Turniers zu werden. Doch wer ist eigentlich dieser Dimtri Payet, der bisher nur eingefleischten Fussball-Fans ein Begriff, aber schon 2010 französischer Nationalspieler war?

Nun ja, im Gegensatz zu vielen seiner Fussballer-Kollegen verlief seine Karriere alles andere als geradlinig. Auf den ersten Blick hat er alles, was es zum Superstar braucht: Payet ist schnell, schussgewaltig und beidfüssig. Er glänzt mit einer tollen Spielübersicht und tritt Freistösse wie kaum ein anderer.

«Er hat grosses Talent, ist aber zu unbeständig.»

Arsenal-Trainer Arsène Wenger über Dimitri Payet

Doch Payet ist anders als viele Vorzeige-Profis. Er löst vieles spielerisch, was sich andere hart erarbeiten müssen. Trainieren soll nicht so seine Sache sein. Lange hatte er Mühe mit Disziplin und Kritik, was ihm immer wieder Schwierigkeiten einhandelte und seine Laufbahn zu seiner wilden Achterbahnfahrt werden liess.

Von La Réunion zweimal aufs Festland

Payet wurde am 29. März 1987 auf der zu Frankreich gehörenden Insel La Réunion im Indischen Ozean geboren. Früh zeigte sich sein Talent mit dem Ball und so verliess er mit zwölf Jahren seine Familie und wechselte in die Jugendakademie des AC Le Havre.

Bald plagte den jungen Dimitri aber das Heimweh. Wetter und Mentalität waren komplett anders als in seiner Heimat und auch mit dem strengen Alltag bei seinem neuen Klub kam er nicht klar. Das führte unweigerlich zu Problemen: Bald wurde ihm ein schwieriger Charakter und mangelnde Motivation nachgesagt und so kehrte Payet nach vier Jahren in seine Heimat La Réunion zurück, wo er dann doch erste Erfahrungen im Profi-Bereich sammeln konnte.

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Dimitri Payet im Trikot des FC Nantes.
bild: afp

Doch sein Talent war zu gross, als dass er in Vergessenheit hätte geraten können. 2006 holte der FC Nantes den mittlerweile 19-jährigen Payet aufs Festland zurück. Allerdings sicherte man sich ab: Die «Kanarienvögel» liessen sich nämlich eine Option in den Vertrag schreiben, wonach der Klub den Zweijahresvertrag bei Schwierigkeiten bereits nach sechs Monaten wieder hätte auflösen können.

Doch dazu kam es nicht. Nach einer Eingewöhnungszeit von einem Jahr schaffte er den Sprung in die Profi-Mannschaft, wo er sich nach starken Leistungen in der Ligue 1 auch ein Aufgebot für die französische U21-Nationalmannschaft verdiente.

Beinahe-Schlägerei mit den Teamkollegen

Als Nantes Ende Saison abstieg, sicherte sich im Sommer 2007 die AS Saint-Etienne für 4 Millionen Euro Payets Dienste. Die Debüt-Saison dort war erneut zum Vergessen, danach spielte sich der Youngster aber doch in die Stammelf. Reibungslos verlief es für Payet aber auch bei «Les Verts» nicht: 2010 warfen ihm seine Mitspieler Yohan Benalouane und Blaise Matuidi mitten im Liga-Spiel gegen Toulouse mangelnden Einsatz vor und stürmten auf ihn los. Payet wurde abseits der Kameras handgreiflich, nach nur 31 Minuten folgte die Auswechslung.

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Die Laufbahn von Dimitri Payet.
bild: Screenshot Wikipedia

Trotz dieses Skandals blieb der begnadete Techniker in Saint-Etienne und legte einen Bombenstart in die Saison 2010/11 hin. In den ersten sieben Spielen traf er sieben Mal, führte damit sogar die Torjägerliste der Ligue 1 an. Die Belohnung folgte Ende September 2010, als er zum ersten Mal für die französische A-Nationalmannschaft nominiert wurde.

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Nicht immer ein Herz und eine Seele: Dimitri Payet und Blaise Matuidi bei St. Etienne.
bild: getty images europe

Doch der nächste Skandal liess nicht lange auf sich warten: Im Januar 2011 wollte Payet am letzten Tag der Transferperiode unbedingt zu Paris Saint-Germain wechseln, doch Saint-Etienne verweigerte ihm die Freigabe. Zum Bleiben gezwungen reagierte er wie eine gekränkte Diva eben reagiert und erschien nicht zum Training, was ihm eine Verbannung ins Nachwuchsteam einbrockte. Ende Saison wechselte er dann für 9 Millionen Euro zum amtierenden französischen Meister OSC Lille.

Bielsa und Bilic als grosse Förderer

Zusammen mit dem jungen Eden Hazard wirbelte Payet dort die Liga ganz schön durcheinander, nach zwei Jahren war aber auch hier bereits wieder Schluss. Für 8,7 Millionen Euro ging's weiter zu Olympique Marseille, wo er bei seinem Debüt bereits nach 15 Minuten einen Doppelpack erzielte. 

Doch wieder blühte Payet erst im zweiten Jahr bei OM so richtig auf. Unter dem neuen Trainer Marcelo Bielsa kriegte er erstmals die Freiheiten, die er braucht. Erstmals legte er eine von A bis Z überzeugende Saison hin und zahlte das Vertrauen mit sieben Toren und 21 Assists mehr als zurück.

«Erst durch den Wechsel auf die Spielmacherposition verstand ich wirklich, was Konstanz bedeutet. Unter Bielsa wurde ich zu einem neuen Spieler.»

Dimitri Payet

Doch auch in Marseille hielt es ihn nur zwei Saisons, im Sommer 2015 wechselte Payet für 15 Millionen Euro zu West Ham United, wo er unter Trainer Slaven Bilic ohne Eingewöhnungszeit zum Superstar reifte. Dank seinen 12 Toren – vor allem den direkt verwandelten Freistössen – und 15 Assists wurde er bei den «Hammers» sofort zum Leistungsträger und Publikumsliebling. Doch mit seinen Leistungen weckte er natürlich auch Begehrlichkeiten.

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Einer dieser Freistösse: Payet trifft gegen Crystal Palace.
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Im Januar bot der chinesische Erstligist Shanghai Shenhua 48 Millionen Euro für Payet. Vergeblich, sein Vertrag wurde vorzeitig bis 2021 verlängert. Doch West Ham droht bereits neues Ungemach. Schon vor der EM sollen Real Madrid und der FC Barcelona angeklopft haben. Gut möglich, dass der neue französische Nationalheld also auch London bald wieder verlässt.

Zwar sagte Payet nach Saisonende: «Ich habe zurzeit keinen Kontakt zu anderen Klubs und habe einen langfristigen Vertrag bei West Ham. Es ist sehr wahrscheinlich, dass ich nächste Saison immer noch hier bin.» Wenn er so weiterspielt wie gegen Rumänien, wird der Wandervogel seinem Ruf aber wohl wieder einmal gerecht werden und weiterziehen, um nochmals einen Schritt nach vorne zu machen.

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