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Belgium's Kevin De Bruyne, right, celebrates with teammates after scoring a goal during a Group B Euro 2016 qualifying soccer match between Belgium and Israel at the King Baudouin stadium in Brussels on Tuesday, Oct. 13, 2015. (AP Photo/Geert Vanden Wijngaert)

Hazard, De Bruyne, Nainggolan und, und, und – Belgien hat ein schier unerschöpfliches Spieler-Reservoir.
Bild: Geert Vanden Wijngaert/AP/KEYSTONE

Kometenhafter Aufstieg nach tiefem Fall: Wie Belgien zu seiner goldenen Generation gekommen ist

Mittlerweile ist es eine Selbstverständlichkeit: Belgien gehört an der EM 2016 in Frankreich als Nummer 2 der FIFA-Weltrangliste zum erweiterten Favoritenkreis. Der Weg an die Spitze war nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der Heim-EM 2000 aber hart und steinig.



«Unheimlich stark», «heisser Titelanwärter» oder «die muss man erst schlagen» – wenn Fussball-Experten vor der EM 2016 in Frankreich über Belgien sprechen sollen, geraten sie ganz schnell ins Schwärmen. Kein Wunder, Trainer Marc Wilmots hat mit Thibaut Courtois, Eden Hazard, Kevin De Bruyne oder Romelu Lukaku einige der heissesten Youngster der Welt in seinem Kader. Ganz Belgien spricht mittlerweile bereits von der goldenen Generation.

Aber Geheimfavorit auf den EM-Titel? Das «Geheim-» kann man eigentlich streichen. Die Belgier – bis vor kurzem noch die Nummer 1 der FIFA-Weltrangliste – gehören bereits seit zwei, drei Jahren zur Crème de la Crème des Weltfussballs.

The Belgium national soccer team line up from 04 September 1999. Back row from left:  Lorenzo Staelens, Bart Goor, Branko Strupar, Marc Wilmots, Jacky Peeters, Philippe Vande Walle. Front row from left: Emile Mpenza, Yves Vander Haeghe, Nico van Kerckhoven, Gert Verheyen and Eric Deflandre.   (KEYSTONE/EPA PHOTO/ANP/COR MULDER)

Die EM-Versager aus dem Jahr 2000 mit dem heutigen Coach Marc Wilmots (7) und dem damaligen Starstürmer Emile Mpenza. Bild: EPA ANP

Es ist mittlerweile etwas in Vergessenheit geraten: Schon in den 80er-Jahren war die belgische Fussball-Nationalmannschaft absolute Spitze – dank Spielern wie Torhüter Jean-Marie Pfaff, Verteidiger-Haudegen Eric Gerets, Regisseur Enzo Scifo oder Torjäger Jan Ceulemans. Bei der EM 1980 in Italien verloren die «Rode Duivels» erst im Final gegen Deutschland, 1986 scheiterten sie im WM-Halbfinal am späteren Weltmeister Argentinien. Und auch sonst waren sie regelmässiger Endrunden-Gast – zumindest bei Weltmeisterschaften.

Um die Jahrtausendwende folgte dann aber der grosse, jähe Absturz. Bei der sehnlichst erwarteten Heim-EM im Jahr 2000 folgte das peinliche Aus bereits in der Vorrunde. Zwei Jahre später schaffte man es an der WM in Südkorea und Japan zwar noch in den Achtelfinal, die uninspirierten Auftritte vermochten in der Heimat aber längst niemanden mehr zu begeistern. Die Mannschaft war chronisch überaltert. Das Durchschnittsalter betrug fast 30 Jahre und mit Danny Boffin stand damals sogar ein 37-Jähriger im Aufgebot. 

Dank Masterplan zurück an die Spitze

Es war augenscheinlich: Belgien hatte taktisch und technisch längst den Anschluss an die Weltspitze verloren. Die sportliche Bankrotterklärung, die sich seit der WM 1990 immer mehr manifestierte, hatte aber auch ihr Gutes. Die Verantwortlichen im belgischen Fussball rund um Michel Sablon – bei der WM 1986 noch Mitglied des Trainerstabes – erkannten die Zeichen der Zeit und handelten.

Der damalige technische Direktor des belgischen Verbandes initiierte einen kompletten Neuanfang. In Frankreich, Holland und Deutschland studierten drei Arbeitsgruppen die dortigen Projekte zur Talentsichtung und Jugendförderung und erarbeiteten unter seiner Führung einen Massnahmenkatalog für Klub-, Nationalteam- und Schulfussball. Einen Masterplan, der den belgischen Fussball wieder konkurrenzfähig machen sollte.

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Michel Sablon, heute technischer Direktor beim Fussballverband von Singapur. bild: Getty images

Die Umsetzung des ambitionierten Programms klappte dank der Mithilfe des Bildungsministeriums zunächst ganz gut. Überall in Belgien wurden professionelle Leistungszentren für Junioren gebaut, in denen zum Teil erstklassig ausgebildete Trainer die jungen Talente des Landes ausbildeten. Eine Lehrplanänderung ermöglichte es den Stars von morgen ausserdem, auch an öffentlichen Schulen professionell zu trainieren. Die unmittelbare Folge: kürzere Wege von der Schule ins Training, mehr Zeit auf dem Platz.

Die Verhandlungen mit den Klubs erwiesen sich allerdings als deutlich zäher, da sie sich zunächst nicht in ihre Angelegenheiten reinreden lassen wollten. Doch Sablon und sein Team blieben hartnäckig: Sie gingen zu den Vereinen und baten sie, in all ihren Jugendteams unterhalb der U18 ein flexibles 4-3-3-System einzuführen. Jeder Spieler sollte so schon früh seine Position im Team, seine feste Aufgabe kennen und verinnerlichen.

Nicht nur das Nationalteam profitiert

Rund fünf Jahre dauerte es, bis sich die belgischen Top-Vereine wie der RSC Anderlecht, KRC Genk oder Standard Lüttich komplett auf die Ideen des belgischen Verbands einliessen. Schnell profitierten auch sie. Die vielen aufstrebenden Talente drängten immer früher in Belgiens höchste Spielklasse und konnten im «Planschbecken» Pro League wegen der vielen Abgänge ins Ausland schnell erste Spielpraxis sammeln, sich ans Profi-Niveau gewöhnen. 

Entstanden ist so seit der Professionalisierung der Strukturen ein schier unerschöpflicher Fundus an gut ausgebildeten Spielern, die immer mehr zum grossen Export-Schlager des Landes werden. In der Premier League, der finanzstärksten Liga der Welt, spielten in der Saison 2015/16 18 Belgier mit einem Gesamtmarktwert von 403,5 Millionen Euro.

Belgium's Marouane Fellaini (R) celebrates his goal against Algeria with coach Marc Wilmots during their 2014 World Cup Group H soccer match at the Mineirao stadium in Belo Horizonte June 17, 2014.  REUTERS/Dominic Ebenbichler (BRAZIL  - Tags: SOCCER SPORT WORLD CUP)             TOPCUP

Wie weit führt Marc Wilmots seine Belgier in Frankreich? Bild: DOMINIC EBENBICHLER/REUTERS

Trotz des Massen-Exodus aus der Pro League haben sich in den letzten sieben Jahren vier verschiedene Teams für die Champions League qualifiziert. Auch dank der ausgeglicheneren Liga liegt Belgien in der UEFA-Fünfjahreswertung drei Ränge vor der Schweiz.

Eingestellt haben sich die Erfolge seit etwas mehr als zwei Jahren auch in der Nationalmannschaft. Spielend und jeweils als Gruppensieger qualifizierte sich die Truppe von Marc Wilmots nach fünf verpassten Endrunden in Serie für die WM 2014 in Brasilien, wo man im Viertelfinal an Argentinien scheiterte, und die EM 2016. Im letzten Jahr sorgte die U17 als WM-Dritter für das erste halbwegs zählbare Resultat, jetzt soll in Frankreich endlich der erste Titel seit dem Olympiasieg vor 96 Jahren her. Überraschen würde das längst niemanden mehr.

Mit dieser Truppe (provisorisches Kader, einer wird noch gestrichen) will Belgien an der EM für Furore Sorgen

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    Alle Leser-Kommentare
  • droelfmalbumst 28.05.2016 12:45
    Highlight Highlight Goldene Generation ist man erst wenn man Titel eingeholt hat. Belgien hat noch genau nichts. Viele top Spieler im Kader ist kein Synonym für Erfolg. Sich für Endrunder qualifizieren auch nicht sonderlich wenn man bedenkt dass Belgien hystorisch gesehen immer im guten Durchschnitt war. Würde mal sagen: chilled die günned au die EM nüt ;)
    • DeineMudda 28.05.2016 13:14
      Highlight Highlight Trotzdem ein Kader auf dass man als Schweizer neidisch ist.
    • droelfmalbumst 28.05.2016 13:29
      Highlight Highlight Von den Ergebissen ist die CH die letzten Jahre nicht schlechter. Daher nein, finde nicht dass man neidisch sein muss :)
    • DeineMudda 28.05.2016 14:15
      Highlight Highlight Naja, Belgien qualifizierte sich ziemlich souverän für die EM, während sich die Schweiz irgendwie durchknorzte und nicht gerade mit guten Leistungen brillierte. Man kann jetzt sagen, dass Belgien eine einfache Gruppe hatte, ja, aber dies liegt daran, dass sie sich diese mit konstanten Resultaten in den Vorjahren verdiente und darum im Topf Eins gesetzt war. Pragmatisch ausgedrückt würde ich behaupten, dass die Schweiz ohne die Änderung des Modus der EM sehr wahrscheinlich nicht im nächsten Sommer in Frankreich anzutreffen wäre. :)
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