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Das Bild beweist ganz klar: Die Fans Kameruns lieben mich jetzt schon. 
bild: watson

Kamerun sucht einen Nationaltrainer auf Twitter – das ist (endlich!) meine Chance

Kamerun sei dank: Endlich habe ich doch mal noch die Chance, Nationaltrainer zu werden. Obwohl sich die Stellenausschreibung auf Twitter teilweise liest wie diejenige für einen Bürojob beim regionalen Fussballverband – da bewerbe ich mich! Und habe auch grad einen Vorschlag für einen Co-Trainer.
15.12.2015, 15:1116.12.2015, 08:47
Reto Fehr
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Falschmeldung
Satire - (fast) kein Wort ist wahr!

Kamerun geht in der Trainerrekrutierung neue Wege: Der afrikanische Verband schreibt die Stelle öffentlich aus und verbreitet das Inserat gar auf Twitter. Das ist endlich meine Chance. Bis heute um 18 Uhr läuft die Frist – ich habe meine Unterlagen auf den letzten Drücker eingereicht. Da ich keine Konkurrenz fürchte, möchte ich euch die offiziellen Anforderungen nicht vorenthalten.

Die Kandidaten müssen:

  • kamerunischer oder ausländischer Nationalität sein
  • einen guten Leumund besitzen
  • physisch bereit sein und sich guter Gesundheit erfreuen
  • eine starke Persönlichkeit besitzen
  • hohe Glaubwürdigkeit und über nationales und internationales Ansehen verfügen
  • Erfahrungen in den besten Klubs, Profivereinen oder Nationalteams
  • den afrikanischen Fussball gut kennen
  • ein guter Trainer sein und alle erforderliche Diplome besitzen
  • ein gutes Palmares ausweisen (nationale oder internationale Trophäen als Spieler oder Trainer)
  • bereit sein, permanent in Kamerun zu wohnen
  • über gute Computerkenntnisse verfügen (Word, Powerpoint, Excel, etc.)
  • Französisch und/oder Englisch perfekt beherrschen
  • gute Kontakte im professionellen Fussball haben

Das Beste kommt aber am Schluss: Die Unterlagen müssen elektronisch eingereicht werden – und zwar an folgende Email: lions.indomptables2015@gmail.com
Okay, das hört sich grad eher nach einem Angebot für billigen Sex an. Aber ja, für meinen Traumjob mach ich alles. Weil ich trotzdem auffallen möchte, kombiniere ich CV und Bewerbungsschreiben. Das unterstreicht auch meine Fähigkeit, verschiedene taktische Systeme erfolgreich zu durchmischen. Hier also mein Bewerbungsschreiben:

Bewerbungsschreiben

Aux principaux concernés,

Ich bewerbe mich hiermit auf die Stellenausschreibung auf Ihrer Website vom 14. Dezember 2015.

Als ich Ihre Stellenausschreibung las, war mir sofort klar: Sie suchen mich! Bevor wir zur Sache kommen, hier erst einmal der Beweis, dass ich mit Fans umgehen kann – wir wissen alle, wie wichtig dies heutzutage ist:

Der Weg zum Fan-Foto am Afrika-Cup 2015

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Der Weg zum Fan-Foto am Afrika-Cup 2015
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So, jetzt gehe ich kurz auf Ihre wichtigsten Anforderungen ein, welche ich ähnlich souverän beherrsche, wie ihre Verbandsfunktionäre das Feilschen um Siegprämien.

  • Ich habe die kameruanische oder ausländische Nationalität
  • Ich habe einen guten Leumund. Einen sehr guten sogar, wie ich finde. Meine ewigen guten Absichten konnte ich zuletzt am Sonntagabend beweisen, als ich beim BrändyDog meinen Gegenspieler auf einen Fehler aufmerksam machte.
  • Physisch bereit und gesund bin ich natürlich auch. Ich kam gerade von einer langen Velotour zurück – meine Ausdauer ist beeindruckend. Und das ist ja wichtig bei Fussball-Projekten in Afrika.
  • Starke Persönlichkeit? So Zeugs steht doch immer bei Stellenausschreibungen – natürlich habe ich die. Trotzdem lasse ich mir hin und wieder auch gerne etwas vorschreiben. Beispielsweise dass der Cousin des Bruders des Finanzministers Kameruns mit ins WM-Kader soll. Ich empfinde diese Inputs als sehr bereichernd.
  • Computerprogramme wie Word, PowerPoint, Excel, etc. beherrsche ich blind. Ich kann sogar Formeln im Excel einfügen. So habe ich bei watson zusammen mit einem Arbeitskollegen unseren Excel-Jahresarbeitsplan erschaffen, damit wir das komplizierte SAP nicht benutzen müssen. Sie sehen: Ich versuche mein Umfeld laufend zu optimieren. Und schöne Word-Art-Gestaltungen beherrsche ich seit der KV-Lehre ebenfalls. Eine kleine Kostprobe davon habe ich hier unten eingefügt. Einziger kleiner Haken bei meinen Word-Kenntnissen: Mit dem grossen AE, UE und OE habe ich noch etwas Mühe. Aber ich bin sicher, sie haben eine Sekretärin, welche das kann, n’est pas?

Das wären meines Erachtens die wichtigsten Punkte ihrer Anforderungsliste. Französisch und Englisch spreche ich natürlich perfekt. Ich war ja schliesslich mit René, Simone et François im «brouillard» auf dem Chasseral oder am Gare de Lyon. Noch heute beherrsche ich den «Allô?! – Allô! – C'est toi Simone?»-Dialog des «On y va» auswendig.

Französisch? Ein Klacks.
YouTube/onegloriousdayafter

Den Fussball in Kamerun verfolge ich schon seit Jahren. Emile M’Bouh – das rundeste Gesicht der ganzen Welt – kenne ich beispielsweise noch vom Panini-Album der WM 1990.

Meine Idee von Fussball ist eher rustikal und auf eine fast unüberwindbare Defensive ausgelegt. Ihr hattet damit ja an der WM 1990 Erfolg. Ich erinnere an Claudio Caniggia. So müssen wir wieder Fussball spielen:

Das vielleicht bekannteste WM-Foul von Kameruns halber Mannschaft an Claudio Caniggia 1990.
YouTube/djsk1pp

Meine Erfahrungen in professionellen Klubs sind zwar noch überschaubar. Aber ich verfüge über eine schnelle Auffassungsgabe und habe in Trainingslagern schon Schwergewichte wie Krylia Sowjetov Samara (1:17) oder Apollon Limassol (1:7) herausgefordert. Ich bin mir sicher, dass diese Klubs sich noch an mich erinnern, falls Sie diese kontaktieren möchten.

Ausserdem bin ich Mitglied eines Nationalliga-A-Futsalvereins in der Schweiz und spielte schon auf jedem Kontinent Fussball. Erfahrungen im Trainer-Business kann ich natürlich vorweisen: Bei Schülerturnieren amtete ich meist als Captain/Trainer und profitiere davon auch während der Grümpi-Karriere. Das Mixed-Turnier in Mönchaltorf beispielsweise habe ich als Spielertrainer mehrmals gewonnen. Früher half ich auch mal meinem Vater aus, als dieser die E-Junioren unseres lokalen Vereins an einem Spiel nicht betreuen konnte. Ich habe sie dann zu einem klaren Sieg geführt.

Den Kinderfussball-Kurs des SFV habe ich vor einigen Jahren mit Bravour bestanden. Noch heute profitiere ich von Showtrainings als Junior bei Timo Konietzka und Andy Egli. Und im Probetraining beim FC Tuggen durfte ich durch die Schule von Jozef Bajza, dem ehemaligen tschechischen Nationalspieler (beispielsweise mit zwei Medizinbällen den Schneehang hoch spurten, ca. 250-mal). Ich könnte also ihren Jungs problemlos auch die alte osteuropäische Schule beibringen, falls ich Mängel in der Organisation entdecke.

Ausserdem habe ich beim «Bundesliga-Manager» meist Teams aus unteren Ligen bis ganz nach oben geführt oder beim Spiel «Teamchef» mit geschickten Aktienhandel Millionen gescheffelt und dann die Mannschaft zum Schwergewicht geformt. 

Mein Palmares liest sich ziemlich beeindruckend – insbesondere in jungen Jahren. Ich war Regionalmeister in Zürich, habe das Hallenturnier in Uznach mehrfach gewonnen und war in Greifensee am Sommerturnier auch meist gut platziert. Ebenfalls in meinem Vitrinenschrank steht die Trophäe für den besten Spieler des Fespo-Showturniers 1992 und ich war Mitglied und Captain einer regionalen Auswahl in Rapperswil. Dazu kommen verschiedene Auftritte an Pfingstturnieren in Österreich. Breitenbach und Ebbs möchte ich hier besonders erwähnen. An die Resultate habe ich zwar nur schwammige Erinnerungen, aber ich erinnere mich an einen guten Teamzusammenhalt – sehr wichtig im heutigen Fussball. Zu guter Letzt habe ich im Torwandschiessen beim Public Viewing während der WM 2014 gegen einen Arbeitskollegen bei «3 unten, 3 oben» mit dem falschen Fuss 6:0 gewonnen. Ehrlich.

Den afrikanischen Fussball verfolge ich intensiv. Mein Notizbuch von den Afrika-Cups 2010 und 2015 ist voll. So habe ich gute Kontakte zu einem hohen Tier im kongolesischen Verband und bin besonders stolz auf ein Selfie mit Robert Kidiaba, dem grossartigen Hopse-Hopse-Reiter-Torhüter:

Robert Kidiaba zeigt's: Ich bin euer Mann.<br data-editable="remove">
Robert Kidiaba zeigt's: Ich bin euer Mann.
Bild: Watson

In Kamerun dauerhaft zu wohnen wäre kein Problem für mich. Es ist schon lange mein Traum, irgendwann auf dem schwarzen Kontinent zu leben. Berührungsängste mit Fans habe ich wenig, also eigentlich keine:

Ein Bad in der Fanmenge – jederzeit.<br data-editable="remove">
Ein Bad in der Fanmenge – jederzeit.
Bild: watson

Erste Erfahrungen in schwarzer Magie, Voodoo und Co. erhielt ich aus erster Hand. Sollten also in der Anfangsphase die Spieler meine Ideen nicht gleich verstehen und der Erfolg wider Erwarten ausbleiben – ich habe gute Kontakte zur Zwischenwelt:

Mein Freund hier könnte mich sicher beraten und unterstützen, würden die Resultate ausbleiben.<br data-editable="remove">
Mein Freund hier könnte mich sicher beraten und unterstützen, würden die Resultate ausbleiben.
Bild: watson

Zum Abschluss nehme ich mir die Freiheit noch einen Wunsch zu äussern. Als Co-Trainer würde ich Sandro Zappella gerne mitnehmen. Er hat bei Wetzikon 2 in dieser Vorrunde bewiesen, dass er einen Aufsteiger in der 3. Liga problemlos im gesicherten Mittelfeld halten kann. Er fühlt sich nach diesen ersten Monaten langsam aber sicher für grössere Aufgaben berufen.

«Rasenmeister» Sandro Zappella: Noch holt er alles aus Wetzikons Reserven, bald erobert er die Fussballwelt.<br data-editable="remove">
«Rasenmeister» Sandro Zappella: Noch holt er alles aus Wetzikons Reserven, bald erobert er die Fussballwelt.
Bild: Watson

Ausserdem schuldet er mir noch einen Gefallen, weil ich gestern seine Abendschicht übernahm. Doch im Nachhinein ist dies ja ein Glücksfall – ansonsten hätte ich ihre Stellenausschreibung wohl verpasst. Und wie sie auf diesem Beweisfoto sehen, beherrscht auch er alle PC-Programme der Welt. Synchron, natürlich.

Sandro Zappella beherrscht die geforderten Computerprogramme ebenfalls.<br data-editable="remove">
Sandro Zappella beherrscht die geforderten Computerprogramme ebenfalls.
Bild: watson

Bei allfälligen Fragen zögern Sie bitte nicht, mich zu kontaktieren. Ansonsten verbleibe ich mit freundlichen Grüssen und freue mich, meine Fähigkeiten in einem persönlichen Gespräch besser vorstellen zu können.

Meilleurs salutations

Reto Fehr 

Afrika-Cup 2015

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Afrika-Cup 2015
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