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Jogi Löw ist in Urlaubsstimmung. bild: dpa

Löw im Sardinien-Urlaub – was, wenn er noch gar nichts vom Özil-Drama weiss?

Mesut Özil tritt aus der Nationalelf zurück, rechnet mit DFB-Chef Grindel ab. Das ganze Land diskutiert – nur der Bundestrainer schweigt beharrlich. Hat Joachim Löw in seiner Auszeit überhaupt davon mitbekommen? Eine Satire.

Christian Helms / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Wir haben einen Tipp bekommen. Eine winzige Insel vor der Nordküste Sardiniens, dorthin soll er sich zurückgezogen haben nach dem WM-Aus. In der Einöde grübelt Joachim Löw angeblich noch immer über das Mexiko-Spiel, über das Match gegen Korea, darüber, was das jetzt für den deutschen Fussball bedeutet – und für ihn persönlich. Operation «saubere Analyse». Absolute Funkstille hat Löw sich verordnet.

Eigentlich wollten wir ihn schon einen Tag früher überraschen. Die Bucht, in der der Bundestrainer sich versteckt haben soll, ist aber nur per Boot zu erreichen. Kein Fischer will mehr fahren. «Morgen wieder», murmelt schliesslich einer, dann aber in aller Frühe, bevor die Juli-Hitze alle Lebensgeister lähmt. Den Abend lassen wir bei Wildschwein und Mirto ausklingen, dem roten Likör, den man hier überall serviert bekommt.

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Jogi Löw ist grossser Mirto-Fan. bild: shutterstock

Das Gespräch kreist erneut um die entscheidende Frage: Wieso hat Löw sich noch immer nicht zur Causa Özil geäussert? Es muss doch irgendeine plausible Erklärung dafür geben, warum sich der Bundestrainer nicht zum Abgang seines langjährigen Lieblingsspielers zu Wort meldet. Kein Wort des Bedauerns, zu den Umständen, nichts.

Für acht sind wir verabredet, kurz vor neun brechen wir schliesslich auf. Das Wasser im Maddalena-Archipel schillert grün bis türkis, es sind die Farben des deutschen WM-Ausweichtrikots. Ein Zeichen? Der grimmige Sarde setzt uns schliesslich an einem verlassenen Strand ab. Langsam wird es heiss, ein Klima wie auf der Promenade in Sotschi vor dem Schweden-Spiel, dort hat man Löw zum letzten Mal glücklich erlebt. Im glitzernden Sand liegt ein toter Frosch.

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Das Wasser beim Maddalena-Archipel: Beinahe so türkis wie die deutschen Auswärtstrikots. bild: shutterstock

Halb Weltmeister-Trainer, halb Eremit

Ein heruntergekommenes Steinhaus mit rötlichen Ziegeln, das muss es sein. Wir klopfen an der Tür – und tatsächlich: Löw öffnet. Etwas schmaler ist er geworden – ausser an den Oberarmen  –, er raucht offensichtlich wieder, gleichzeitig duftet sein Refugium aber auch nach Pflegeprodukten, die speziell für anspruchsvolle Männerhaut entwickelt wurden. Löw räuspert sich ausgiebig, man merkt, dass er lange mit niemandem mehr gesprochen hat. Er ist in diesen Tagen: halb Weltmeister-Trainer, halb Eremit.

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Löw geniesst die Zeit am Meer. bild: twitter

In der Hütte hängen wild bekritzelte Zettel an den Wänden, auf einem Tisch liegt ein grosses Stück Pecorino, daneben steht eine Espresso-Kanne. Strom hat er hier nicht, mehr Abgeschiedenheit ist kaum denkbar. Funkstille, im wahrsten Wortsinn. Der Smartphone-Akku muss lange schon versagt haben.

«Herr Löw, wir müssen dringend über Mesut Özil reden.» – «Fangt Ihr schon wieder an mit diesem Foto?» Und ganz plötzlich ist es Gewissheit: Die aktuellsten Entwicklungen kennt der Bundestrainer noch gar nicht, kein I/III, kein II/III, kein III/III. Das erklärt dann auch sein Schweigen.

Löw bricht sich ein gewaltiges Stück Pecorino ab. Er setzt sich, atmet schwer, fragt immer wieder nach. «Der Mesut hat was? Und was sagt der Reinhard dazu?» Der deutsche Fussball hat es am Ende also doch noch in die K.-o.-Runde geschafft. Klar, hätte der Bundestrainer das alles geahnt, er hätte sein Schweigegelübde unverzüglich beendet. Morgen reist er zurück, in aller Frühe. Bevor die Hitze kommt.

Anmerkung: Diese Geschichte ist natürlich komplett erfunden. Und trotzdem ist sie noch immer glaubhafter als die Variante, in der ein Bundestrainer die spektakuläre Rücktrittserklärung eines langjährigen Stammspielers tagelang unkommentiert lässt; eine Erklärung, in der der Präsident des Deutschen Fussball-Bunds ohne grosse Umwege als Rassist beschrieben wird.

Im Ernst: Wie unsinnig wäre diese Version?

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    Alle Leser-Kommentare
  • MGPC 27.07.2018 20:52
    Highlight Highlight Auch wenn dies eine Satire ist, denke ich der Özil kennt die Vorgehensweise bei solchen Sachen. Er hat bestimmt zuerst seinen direkten Vorgesetzten informiert bevor er an die Öffentlichkeit ging . Das Schweigen von Löw ist in meinen Augen taktisch sehr klug.
  • Töfflifahrer 27.07.2018 20:09
    Highlight Highlight Ich würde es verstehen, wenn er sich in den Ferien nicht äussert. Das kann warten bis er aus den Ferien zurück ist, ist ja kein Weltuntergang. Bis dann soll er die Ferien geniessen und nach den Ferien den "Wiederaufbau" starten.
    Ich finde es sogar gut wenn er sich nicht dem Diktat der heutigen Medienphilosophie von "Sofort und noch schneller" beugt.
    Möglicherweise sieht er sich ja auch nicht verpflichtet zu jeder Aussage sei es von Özil oder vom DFB Stellung nehmen zu müssen. Warum auch, es reden ja eh schon genug Deppen mit.
  • Fly Baby 27.07.2018 16:38
    Highlight Highlight Ich würde es als grossartig erachten, wenn Jogi sich so isolieren würde.
    Er ist ein sensationeller Coach, ich denke er wird es wieder richten.

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