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epa04374463 Brazilian defender Douglas Pereira poses for the media during his presentation as a new player of FC Barcelona at Camp Nou stadium in Barcelona city, Catalonia, north-western Spain, 29 August 2014.  EPA/ALEJANDRO GARCIA

Das hat sich nicht gelohnt: Douglas kostete den FC Barcelona im letzten Sommer 5,5 Millionen Euro. Bild: EPA/EFE

Douglas beim FC Barcelona: Ein 5,5-Millionen-Euro-Mann, der geholt wurde, um nicht zu spielen

Rechtsverteidiger Douglas kostete den FC Barcelona im letzten Sommer 5,5 Millionen Euro. Spielen darf er jedoch fast nie. Was als Märchen begann, endet wegen zwielichtigen Transfermechanismen als Drama – nicht für die Hintermänner, aber für den Spieler.



Er war im Sommer 2014 der letzte Transfer des FC Barcelona vor der einjährigen Transfersperre, welche die FIFA wegen der Verpflichtung von Minderjährigen über den Klub verhängte. Doch wie beim Transfer von Thomas Vermaelen, der für zehn Millionen Euro von Arsenal kam und wegen Oberschenkelproblemen noch keine Minute spielen konnte, bewiesen die Katalanen auch bei Douglas Pereira dos Santos kein gutes Händchen.

5,5 Millionen Euro kostete der 24-jährige, brasilianische Rechtsverteidiger. Er unterschrieb einen Fünfjahresvertrag und wurde schnell als designierter Nachfolger von Dani Alves hochstilisiert. Doch davon ist Douglas noch weit entfernt. Trainer Luis Enrique scheint nicht viel von ihm zu halten: Nur viermal kam er in seiner ersten Saison für Barcelona bislang zum Einsatz, insgesamt während 236 Minuten: Dreimal in der Copa del Rey, einmal in der Meisterschaft, wo er am 5. Spieltag gegen Granada nur durch seine 31 Rückpässe auffiel.

epa04531661 FC Barcelona´s Brazilian midfielder Douglas Pereira (L) prepares to shoot in presence of Javi Cabezas (R) of Huesca during the round of 32 of the King's Cup second leg match played at Camp Nou stadium in Barcelona, northeastern Spain, on 16 Decembre 2014.  EPA/ALEJANDRO GARCIA

Einer von vier Einsätzen: In der Copa del Rey darf Douglas gegen Huesca Flanken schlagen. Bild: EPA/EFE

Überrascht über Douglas' Reservisten-Rolle ist aber höchstens sein Berater. Barça sei nicht gerecht mit ihm umgegangen, wetterte er neulich beim spanischen Radiosender RAC1. Fans und Experten runzelten dagegen schon bei der Bekanntgabe des Transfers im letzten August die Stirn. Kein Wunder: Der Rechtsverteidiger, der einst als grosses Talent galt, war bei seinem vorherigen Klub – dem FC Sao Paulo – nicht einmal Stammspieler.

Der Ablauf des Transfers war ebenfalls alles andere als alltäglich: Die Barça-Scouts wurden eigentlich nach Brasilien geschickt, um den jungen Innenverteidiger Rodrigo Caio zu beobachten. Dieser zog sich jedoch einen Kreuzbandriss zu und so verpflichteten die Katalanen kurzerhand seinen Mannschaftskameraden Douglas.

Traurig, aber wahr: Der Brasilianer ist bei den Barça-Fans mittlerweile zur Witzfigur geworden. Was Nicklas «Lord» Bendtner in England oder Deutschland ist, ist Douglas in Spanien

Zwielichtige Transfergeschäfte

Aber warum hat Barcelona Douglas überhaupt geholt? Etwas Licht kommt ins Dunkel, wenn man sich die Karriere des Vielgescholtenen etwas genauer ansieht. Der zwölffache U20-Nationalspieler spielte in seiner Jugend für den Goias EC und kam dort ab 2008 in der ersten Mannschaft zum Einsatz. 2012 übernahm der Werksklub Desportivo Brasil die Transferrechte.

Der Klub, der vor allem Junioren-Teams stellt, wiederum gehört zu Traffic, einer mächtigen Agentur im brasilianischen Fussball. Traffic besitzt nicht nur eigene Klubs (neben Desportivo Brasil auch den portugiesischen Erstligisten Estoril Praia), sondern hält auch einen Grossteil der TV-Rechte, veröffentlicht Sendungen sowie Zeitungen und ist extrem aktiv auf dem Spielermarkt.

FC Barcelona's new Brazilian player Douglas Pereira gestures during his official presentation at the Camp Nou stadium in Barcelona, Spain, Friday, Aug. 29, 2014. Barcelona says it has agreed to sign defender Douglas Pereira from Sao Paulo on a five-season deal for 4 million euros ($5.3 million). (AP Photo/Manu Fernandez)

Bei der Vorstellung in Barcelona hat Douglas noch gut lachen. Bild: Manu Fernandez/AP/KEYSTONE

Der wichtigste Geschäftsteil ist mittlerweile aber die hauseigene Akademie. Dort werden Jugendliche an den Profifussball herangeführt, um sie mit 18 Jahren wieder gewinnbringend abzugeben. Daraus macht niemand einen Hehl: «Wir sind Geschäftsleute. Uns interessiert nur der Profit», gab Vize-Präsident Rodolfo Canavesi 2013 gegenüber 11freunde.de unverblümt zu.

Meist werden die Talente an Palmeiras abgegeben, mit dem brasilianischen Erstliga-Klub hat man einen Vertrag abgeschlossen. 80 Prozent der Transfers werden untereinander abgewickelt. Werden die Spieler weiterverkauft, hält Traffic weiter Anteile, meist 40 Prozent. Spekulation mit Talent lautet das Erfolgsrezept. 

Interesse an den brasilianischen Talenten zeigen nämlich auch europäische Grossklubs. So ist Manchester United an der «Academia Traffic de Futebol» als Scouting-Partner beteiligt und hält das Vorverkaufsrecht auf fünf Nachwuchstalente aus dem grossen Pool.

Nicht der erste Traffic-Transfer von Barça

Aber zurück zum FC Barcelona: Ob die Katalanen auch eine Vereinbarung mit Traffic haben, ist ungewiss. Sicher ist: Der Douglas-Wechsel war nicht der erste Überraschungs-Transfer des 22-fachen spanischen Meisters, bei dem Traffic mitwirkte: 2008 fädelte die Agentur den Wechsel des Brasilianers Henrique ein. Er kam für zehn Millionen Euro von Palmeiras, dem Partnerverein von Traffic.

Ein Jahr später nahm die «Blaugrana» den jungen Stürmer Keirrison für 14 Millionen Euro unter Vertrag. Beide Spieler wurden später mehrfach ausgeliehen, ehe sie ohne einen Einsatz in der Primera Division nach Brasilien zurückkehrten.

Barças Flop-Brasilianer

Drahtzieher bei allen drei Transfers war Andre Cury, ein enger Vertrauter von Barcelonas Ex-Präsident Sandro Rosell. Cury war früher bei Nike tätig, dann Direktor von Traffic. Seit 2012 ist er offiziell Südamerika-Beauftragter des Klubs. Auch beim Neymar-Transfer hatte er seine Finger im Spiel. Er war die Person, welche den Katalanen dazu riet, im Voraus zehn Millionen Euro an den FC Santos zu überweisen, um einen Transfer zu Real Madrid zu verhindern.

Selbst wenn Alves geht, ist kein Platz für Douglas

Wie bei Neymar soll auch beim Douglas-Transfer nicht alles mit rechten Dingen zu- und hergegangen sein. Rund 6,5 Millionen Euro sollen auf dem Weg nach Brasilien verschwunden sein. Laut dem Radiosender Cadena Ser soll sich mittlerweile die spanische Staatsanwaltschaft eingeschaltet haben.

epa04469021 Italian defender of FC Torino Matteo Darmian celebrates after scoring the 1-0 during Italian Serie A soccer match between FC Torino and Parma FC at Olimpico stadium in Turin, Italy, 29 October 2014.  EPA/DI MARCO

Verpflichtet Barça im Sommer Torinos Matteo Darmian? Bild: EPA/ANSA

Was mit Douglas am Ende der Saison passiert, ist unklar. Sein Berater betonte zuletzt: «Wir haben aktuell keine Absichten, Barcelona zu verlassen.» Vielleicht hoffte er da noch auf einen Abgang von Dani Alves. Doch der 77-fache brasilianische Nationalspieler, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, könnte nun doch bei Barça bleiben.

Und selbst wenn Alves wechselt, sind die Tage von Douglas wohl gezählt. Die Katalanen haben ihre Fühler nämlich nach Matteo Darmian vom FC Torino ausgestreckt. Und so bleibt für Douglas vermutlich nur die Rückkehr nach Brasilien, zurück in die Versenkung, aus der er im letzten Sommer gekommen ist. Barcelona hätte sich sicherlich gewünscht, dass sich der Rechtsverteidiger besser entwickelt. Aber doch wird man das Gefühl nicht los, dass Douglas nie eine echte Chance hatte. Dass er bloss geholt wurde, um nicht zu spielen.

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6 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
Illuminati
06.05.2015 10:33registriert March 2015
Spannender Artikel. Bitte mehr davon, Danke!
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6

7 Fragen und Antworten zum möglichen Messi-Abgang aus Barcelona

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