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Die Rolle des Unschuldslamms spielt Luis Suarez gut. Doch im Jahr 2014 entgeht den Kameras nichts. Bild: AP

Kommentar

«Beisser Suarez gehört nicht auf den Fussballplatz, sondern für mindestens ein halbes Jahr gesperrt»

Luis Suarez' Torriecher ist unfassbar. Doch der Stürmer aus Uruguay hat nicht nur Hunger auf Tore, sondern auch auf Gegenspieler. Zum dritten Mal hat Suarez vor den Augen aller zugebissen. Die Bestrafung muss drakonisch sein.

Ja, all die vielen Wortspiele und Fotomontagen sind lustig. Auch ich lache darüber, weil man die Welt generell nicht zu ernst nehmen sollte, die Fussballwelt schon gar nicht. Aber es überwiegt die Verärgerung darüber, was Luis Suarez getan hat. Nicht zum ersten Mal. Nicht zum zweiten Mal. Sondern schon zum dritten Mal in seiner Karriere hat der Stürmer einen Gegner gebissen.

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Suarez' Biss in Chiellinis linke Schulter. GIF: SRF

Das ist unverzeihlich. Auch wenn Luis Suarez den Biss gegen den Italiener Giorgio Chiellini gemäss L'Equipe, die den TV-Sender «Canal 10» zitiert, herunterspielt. «So etwas geschieht halt während eines Spiels. Wir sind in einem Duell, er haut mir die Schulter in den Mund und ich berühre ihn ebenfalls. Aber ehrlich gesagt, daraus sollte man jetzt keine grosse Geschichte machen.»

2010 sperrt ihn der holländische Fussballverband nach der ersten Beissattacke für sieben Spiele. 2013 sperrt ihn der englische Fussballverband nach der zweiten Beissattacke für zehn Spiele (zu den Videos).

«Als Wiederholungstäter darf Suarez nicht mit Milde rechnen, im Gegenteil: Er ist hart zu bestrafen.»

Fifa eröffnet Verfahren

Die FIFA informiert am frühen Morgen, dass sie eine disziplinarische Untersuchung gegen Luis Suarez eingeleitet hat. Der Spieler und/oder der uruguayische Verband seien eingeladen, bis heute um 17 Uhr brasilianischer Zeit ihre Stellungnahme abzugeben.

Und 2014? Die FIFA wird nicht umhin kommen, Suarez für den Rest der WM auszuschliessen. Denn selbst wenn Uruguay in den Final kommt, hat es nur noch vier Spiele zu absolvieren – so lange wird der Stürmer mit Sicherheit zuschauen müssen. Als Wiederholungstäter darf Suarez nicht mit Milde rechnen, im Gegenteil: er ist hart zu bestrafen.

Die FIFA wird den 27-jährigen Unverbesserlichen aufgrund der TV-Bilder sperren, sofern die Szene nicht im offiziellen Schiedsrichter-Rapport erwähnt ist. Falls der Unparteiische den Vorfall zwar gesehen, ihn aber nicht als sanktionswürdig beurteilt hat, handelt es sich um einen Tatsachenentscheid. Dieser würde keine Sperre nach sich ziehen.

Fernsehbilder zeigen, dass der Schiedsrichter während der Beissattacke abseits des Spielgeschehens den Blick auf den Ball gerichtet hatte. So wird mit grosser Wahrscheinlichkeit kein Wort darüber im Rapport stehen.

Uruguay's Luis Suarez gives referee Marco Rodriguez from Mexico a thumbs up during the group D World Cup soccer match between Italy and Uruguay at the Arena das Dunas in Natal, Brazil, Tuesday, June 24, 2014. (AP Photo/Ricardo Mazalan)

Vom Rapport des mexikanischen Schiedsrichters Marco Rodriguez hängt ab, ob Luis Suarez aus dem Verkehr gezogen wird. Bild: Ricardo Mazalan/AP/KEYSTONE

«Die Verbannung muss zwingend auch den Klubfussball betreffen.»

«Hoffentlich», muss angefügt werden. Denn es darf schlicht und einfach nicht vorkommen, dass ein Fussballer seinen Gegenspieler beisst. Als Eric Cantona in Kung-Fu-Manier einen Zuschauer ansprang, wurde er für acht Monate gesperrt. Das ist der Massstab, der gelten muss. Und Suarez darf nicht «nur» für Länderspiele gesperrt werden, die Verbannung muss zwingend auch den Klubfussball betreffen.

Zu den wiederholten Beissattacken kommen weitere Vorkommnisse, die Luis Suarez zu einem Spieler machen, auf den man getrost verzichten kann, so viele Tore er auch schiessen mag. 2011 wird er für acht Spiele gesperrt, weil er sich gegenüber dem dunkelhäutigen Patrice Evra rassistisch äusserst. Als er nach Ablauf der Sperre erneut auf ihn trifft, verweigert er ihm den Handschlag bei der Begrüssung. Aus diesem Holz ist Suarez geschnitzt.

«Weg mit ihm! Ich werde ihn nicht vermissen.»

Als 2010 im WM-Viertelfinal gegen Ghana der Goalie geschlagen ist, hechtet Suarez in der letzten Minute der Verlängerung auf der Linie, wehrt den Ball mit der Hand ab. Er sieht zwar die Rote Karte. Aber weil Ghana den fälligen Penalty verschiesst und anschliessend Uruguay im Elfmeterschiessen gewinnt, zieht Suarez' Team in den Halbfinal ein.

Fairerweise muss gesagt werden: Viele andere Fussballer hätten in jener Szene gleich gehandelt wie Suarez. Dass der Vorfall aber genau in seinem Lebenslauf auftaucht, passt, wie der Spruch, mit dem er kokettiert: «Ich habe auch eine Hand Gottes. Meine ist sogar die wahre Hand Gottes!»

FILE - In this Friday, July 2, 2010 file photo, Uruguay's Luis Suarez, left, stops the ball with his hands to give away a penalty kick, during the World Cup quarterfinal soccer match between Uruguay and Ghana, at Soccer City in Johannesburg, South Africa. On this day: In the last minute of extra time, Uruguay striker Luis Suarez was sent off after he used his hands to keep out Dominic Adiyah’s header when the score was1-1. Asamoah Gyan missed the ensuing penalty in the last kick of the game and Ghana went on to lose the penalty shootout. (AP Photo/Ivan Sekretarev, File)

«Handballer» Suarez verhindert den ersten Einzug eines afrikanischen Teams in einen WM-Halbfinal. Bild: AP

Die Fans des FC Liverpool und von Uruguays Nationalmannschaft haben in den letzten Jahren viel Grund zur Freude gehabt mit Luis Suarez. Der Rest der Welt hat sich primär über ihn geärgert. Weg mit ihm! Ich werde ihn nicht vermissen.

Was halten Sie von der Beissattacke Luis Suarez'? Wie soll die FIFA reagieren? Teilen Sie uns Ihre Meinung im Kommentarfeld unten mit.

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    Alle Leser-Kommentare
  • skibba 25.06.2014 12:20
    Highlight Highlight Ich bin kein Kommentarschreiber, möchte aber angesichts dieser Suarez-Situation meinen Gedanken über die ständigen Schiedsrichter-Diskussionen (letztlich gibt's ja auch im Suarez-Fall eine) mal freien Lauf lassen. Ich denke, dass Problem sind nämlich nicht nur die Schiris, sondern auch wir. Es ist heute integraler Teil dieses Spiels, zu bescheissen. Simulieren, Schwalben, Penalties schinden – all diese Hürden werden den Schiris neben dem eigentlichen Spiel (Offsides, leichtes oder schweres Foul, Tor oder nicht Tor, etc.) zusätzlich in den Weg gestellt. Die Spieler kommen immer ungeschoren davon – die Presse, die Fans: alle hacken auf dem Unparteiischen rum, wenn er auf etwas reingefallen ist. Der Spieler, der mit seiner Aktion zu betrügen versucht, wird verschont – ja, manchmal sogar als schlau oder gerissen bezeichnet – obwohl ihn seine Aktion moralisch als Charakterlumpen disqualifiziert (oder findet ihr das Verhalten von Thomas Müller gegen Portugal integer?). Ein Spieler wie Suarez, der um einen Penalty zu schinden (das ist meine Vermutung) sogar zu solch unterirdischen Mitteln wie einem Biss greift, und die Tat danach im Wissen, dass sie dank gefühlten 8 Millionen Kameras jeder Mensch von Thailand bis Alaska sehen kann, noch leugnet, sorgt nur für einen Exzess, über den man sich kurz aufregt und der allerspätestens nach seinem nächsten Tor wieder vergessen ist – Sperre hin oder her. Kanns das wirklich sein?
    5 0 Melden
  • Luki Bünger 25.06.2014 11:06
    Highlight Highlight Gebissen werden ist sehr grusig und demütigend.
    Was aber an einem gestreckten Bein von hinten weniger grusig und unsportlich sein soll, muss mir mal jemand erklären. An dieser WM hat's Spieler, die verteilen Blutgrätschen und Karate-Kicks wie andere Feuersteine an einer Hochzeit. Wenn ich mich recht entsinne, musste sogar ein Spieler mit einer Backenknochen-Fraktur nach Hause. Der Täter meinte daraufhin, dass solche Dinge "im Fussball halt passieren" und das war bloss common sense.
    Suarez' Beissabdruck mit bisschen Hautcrème pflegen oder mit 'nem zertrümmerten Schädel ein halbes Jahr im Inselspital rumhängen. Come on, Ralph, das ist doch Verhältnisblödsinn!
    4 2 Melden
  • steven g. 25.06.2014 10:44
    Highlight Highlight sofort ausschaffen!!
    2 0 Melden
  • JustierNo1 25.06.2014 09:00
    Highlight Highlight gut kein Problem dann nehmen Sie also lieber einen üblen Tritt oder Ellenbogenschlag als einen Biss? Klar ist es bescheuert was er gemacht hat aber meiner Meinung nach überhaupt nicht verletzungsgefährlich, es gibt da einige Haudegen die viel hässlichere Fouls begehen und bei denen nicht "für ein Jahr für Club und Land sperren, Maulkorb" geschrien wird.
    Bei manchen Forderungen, unter anderem jene von diesem Reporter hier, habe ich das Gefühl man will ihn am liebsten nie mehr an die frische Luft lassen. Hallo? Von Typen wie Kahn, Cantona und Suarez lebt der Fussball!
    4 4 Melden
    • dave1771 25.06.2014 09:44
      Highlight Highlight Sehe ich genau so! Danke JustierNo1!
      1 3 Melden
    • Barnie 25.06.2014 12:12
      Highlight Highlight Ich bin ja auch nicht der Ansicht, dass man Suarez für Monate aus dem Verkehr ziehen muss. Aber eine Strafe (= Sperre) soll "weh tun", der Täter soll Konsequenzen tragen müssen. Insbesondere ein Wiederholungstäter. Das gilt natürlich auch für andere grobe Fouls/Unsportlichkeiten.
      2 0 Melden
  • dave1771 25.06.2014 08:28
    Highlight Highlight Also ich finde das nicht so schlimm. 10 Spiele reichen! Das kann man nicht mit einem Kung-Fu Tritt von Cantona vergleichen! Und wer sagt, er würde Suarez nicht vermissen, hat wohl noch nicht mehr als ein Match von ihm gesehen...
    6 4 Melden
  • george 25.06.2014 08:12
    Highlight Highlight Ausschluss vom Turnier, also mindestens für 1 Spiel sperren, wäre mehr als gerechtfertigt.
    3 0 Melden
  • JustierNo1 25.06.2014 07:01
    Highlight Highlight Was ist das denn für ein reisserischer Artikel? Die "rassistische Beleidigung" wurde nie komplett bewiesen. Parallelen zu Cantona? Bitte ich denke es ist ein Unterschied ob man jemanden in Brusthöhe tritt und somit eine lebensgefährliche Verletzung riskiert oder ob man jemanden in die Schulter kneift. Sperre für den Clubfussball? Sorry aber das ist absolut lächerlich, was kann den der FC Liverpool dafür, soll er den seine Spieler nicht mehr an die WM lassen damit sowas nicht mehr passiert? Suarez für ein paar Länderspiele sperren und gut ist.
    9 13 Melden
    • Barnie 25.06.2014 08:04
      Highlight Highlight Das ist kein Artikel, sondern ein Kommentar, der die persönliche Meinung des Autors wiedergibt. Genau so wie Sie Ihre Meinung hier äussern. Der Spieler gehört für lange Zeit für sämtliche Spiele gesperrt, also auch im Club. Seine Aktion hat mit Sport nichts zu tun. Liverpool wird das verkraften, ich denke nicht dass der Arbeitnehmer Suarez mit voller Lohnzahlung rechnen kann, er kann ja seinen Teil des Arbeitsvertrages selbstverschuldet nicht erfüllen. Ich bin auf jeden Fall gespannt wie die FIFA das regeln wird.
      11 3 Melden
    • Roger Hügli 25.06.2014 08:07
      Highlight Highlight "jemanden in die Schulter kneift"

      Na wenigstens disqualifiziert sich ihr Kommentar gleich selbst!
      8 3 Melden
    • dave1771 25.06.2014 09:47
      Highlight Highlight Für Liverpool sperren? Hallo? Und dan soll Liverpool auch noch Suarez' Lohn kürzen? Auch schon was von Arbeitsrecht gehört! 10 Spiele sperren und gut ist! Ich glaube Chiellini hat weder eine kaputte Schulter, noch irgendeine Krankheit von Suarez!
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