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Hamilton überlässt Bottas auf der Zielgeraden den dritten Rang. bild: Keystone

Hamilton zeigt Herz – warum er Teamkollege Bottas den Podestplatz schenkte

Verspielt Lewis Hamilton den WM-Titel wegen seiner Fairness? Beim GP von Ungarn lässt er Teamkollege Valtteri Bottas kurz vor dem Ziel vorbei und vergab so leichtfertig drei Punkte im WM-Kampf mit Sebastian Vettel.



Die Zuschauer trauten ihren Augen kaum. Beim Formel-1-GP von Ungarn lag Lewis Hamilton bis kurz Schluss auf Rang 3, liess dann aber wenige Meter vor der Ziellinie seinen Teamkollegen Valtteri Bottas vorbeifahren und verschenkte so drei wichtige Punkte im WM-Kampf mit Sebastian Vettel, der seinen Vorsprung in der WM-Wertung dank dem vierten Saisonsieg auf 14 Punkte ausbauen konnte. 

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Hamilton macht Platz für Bottas und überlässt ihm Rang 3. Video: streamable

Aber warum liess Hamilton Bottas passieren? Ganz einfach, der Finne hatte den dreifachen Weltmeister in Runde 46 seinerseits vorbei gelassen, weil Hamilton zu dieser Zeit schneller unterwegs war als er selbst. «Ich dachte, ich habe den Speed, die Ferraris zu schlagen und gewinnen zu können», sagte Hamilton nach dem Rennen. Er habe aber versprochen, Bottas den dritten Rang zurück zu geben, falls er nicht an Räikkönen und Vettel vorbei käme.

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Bottas lässt Hamilton in der 46. Runde ziehen. Video: streamable

Und Hamilton, der sich letztes Jahr einen erbitterten WM-Kampf mit Nico Rosberg lieferte und bislang nicht zwingend für sein Fairplay bekannt war, hielt Wort und liess Bottas wieder vorbei. «Es war hart für die WM. Aber ich denke, ich habe heute gezeigt, dass ich ein Teamplayer bin», erklärte Hamilton. «Das Herz sagte mir, dass es das Richtige ist, was ich tue.»

«Grande Hamilton!», kann man da nur sagen. Schliesslich ist ein solches Verhalten im Haifischbecken Formel 1 keine Selbstverständlichkeit. Das fand auch Bottas: «Ich danke Lewis für seine Fairness und dass er Wort gehalten hat», lobte der Finne seinen Teamkollegen. Er hatte zwei Runden vor Schluss seinem Team gesagt, dass er wieder an Hamilton vorbei will. «Das war so besprochen. Ich wäre sonst auch sauer gewesen.»

Der aktuelle WM-Stand (11/20)

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Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzender Niki Lauda erklärte den Positionswechsel so: «Wir wollen unseren Fahrern gegenüber immer fair sein. Wir holten Hamilton vor Bottas, weil Lewis zu diesem Zeitpunkt schneller war. Aber dann konnte Hamilton eben nicht an den Ferrari vorbei. Also drehten wir das um.»

So leicht, wie es bei Lauda tönt, taten sich die Mercedes-Bosse bei ihrem Entscheid aber nicht. Der TV-Sender «Sky» veröffentlichte nach dem Rennen ein kurzes Video, das Teamchef Toto Wolff in dem Moment zeigte, als Hamilton Bottas wieder vorbei liess. Wolff klatschte verärgert in die Hände, drehte sich zu Niki Lauda um, schlug erst auf den Tisch und danach auf seinen Stuhl.

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Toto Wolff ärgert sich hinter den Kulissen masslos. Video: streamable

«Am Ende könnten uns diese drei Punkte zum Titel fehlen. Vielleicht werden die Leute eines Tages zurückblicken und sagen, in Ungarn wart ihr naiv. Da habt ihr den WM-Titel weggeworfen», sagte Wolff später im Interview. «Aber das war so abgesprochen und für mich ist es wichtig, dass du zu deinem Wort stehst.»

Ferrari setzt voll auf Vettel

Ganz anders als Mercedes handhabt Ferrari die Stallorder. Ihnen kommt es nicht im Traum in den Sinn, im Titelkampf Punkte zu verschenken. Vettel, der in Ungarn von der Pole-Position ins Rennen ging, war schon nach wenigen Runden durch ein in Schieflage geratenes Lenkrad handicapiert. Der hinter ihm folgende Räikkönen hätte schneller fahren können und liess das die Boxencrew über Funk auch mehrfach wissen.

Der Finne fand im Ferrari-Kommandostand aber kein Gehör und musste im «Sinne des Teams» handeln, seine eigenen Ansprüche zurückstellen, Vettel den Vortritt lassen und als Puffer zwischen dem WM-Leader und den dahinter folgenden Mercedes dienen.

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Die defekte Steuerung bei Vettel. bild: screenshot sky

Und auch beim Boxenstopp sorgte Ferrari dafür, dass Vettel vor Räikkönen blieb. Weil der Deutsche zuerst seine Reifen wechseln musste, hätte der Finne mit einigen schnellen Runden einen Vorsprung herausfahren können. Doch die Scuderia holte Räikkönen bereits eine Runde nach Vettel in die Box. 

Der Weltmeister von 2007 schimpfte am Funk: «Ich hätte noch länger draussen bleiben können. Jetzt gerate ich in die Fänge von Mercedes.» Immerhin bedankte sich Vettel artig bei seinem Teamkollegen: «Kimi war schneller. Ich schulde ihm einen grossen Gefallen.»

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Kurios! Vettel und Räikkönen halten bei der Siegerehrung kurz Händchen. Video: streamable

Gut möglich, dass Vettel seinem Teamkollegen am Ende gar den WM-Titel verdankt. Denn während Mercedes brav auf Fairplay setzt, bevorzugt Ferrari seinen Weltmeister-Kandidaten ohne Kompromisse. Schon in Monaco musste Räikkönen Vettel den Sieg überlassen. 

Mercedes ist sich sicher – hoffentlich nicht zu sicher –, Ferrari im WM-Rennen auch ohne Stallorder hinter sich lassen zu können. Ob Vettels Erfolg in Ungarn das Produkt eines im Vergleich zu Mercedes grösseren Entwicklungsschritts ist oder lediglich der Charakteristik des Hungarorings geschuldet ist, wird sich allerdings erst nach der Sommerpause (ab dem 27. August) weisen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Hayek1902 31.07.2017 15:08
    Highlight Highlight Bei Ferrari ist die Fahrtrichtung klar: Du hast eine Nummer 1 und eine Nummer 2. Bist du die Nummer 2, fährst du für die Nummer 1, Ende der Geschichte. Passt dir das nicht, musst du zu einem anderen Team oder besser werden als die Nummer 1. Am Ende des Tages ist man ein Team, also wieso soll ich das nicht ausnutzen, dass ich 2 Fahrer habe? Gerade Hamilton hat ja in der Vergangenheit selbst aufgezeigt, was alles in einem Team passieren kann, wenn das nicht genau geregelt ist. Dieses Rennen war für mich ein schönes beispiel für Teamwork innerhalb der Formel 1von beiden Teams.
  • Mia_san_mia 31.07.2017 14:19
    Highlight Highlight Sehr geil wies die Kommentatoren von Vettel TV (RTL) angurkt, dass sie sich für ihre Kritik an Mercedes entschuldigen müssen 😄
    • greeZH 31.07.2017 15:23
      Highlight Highlight Ein deutscher TV-Sender drückt dem Deutschen die Daumen. Skandal.
  • Licorne 31.07.2017 12:47
    Highlight Highlight Ich denke, es war ihm ganz recht, nicht an einer Siegerehrung zu sein, an welcher Vettel auf ihn runtergrinst. Wegen drei Punkten war das für ihn kein allzu grosses Opfer.. dennoch: Schön, hielt er Wort.
  • sven_meye 31.07.2017 12:18
    Highlight Highlight Trotzdem ist er mir immer noch komplett unsympathisch.
    • Mia_san_mia 31.07.2017 13:16
      Highlight Highlight Ja aber besser als die Heulsuse Vettel...
    • Ursus ZH 31.07.2017 13:53
      Highlight Highlight Warum?
    • Mia_san_mia 31.07.2017 14:18
      Highlight Highlight Ich mag beide nicht und war bis Baku unschlüsdig, wem ich es mehr gönnen würde. Die dumme Aktion dort von Vettel und allgemein das Gejammer von ihm nerven aber einfach. Wie z.B. auch in Silverstone beim Duell mit Verstappen. Das ist Rennsport, da muss man nicht die ganze Zeit weinen wie ein kleines Kind.
    Weitere Antworten anzeigen
  • John Smith (2) 31.07.2017 11:40
    Highlight Highlight Was soll dieses Gefasel von «Fairplay»? Das sind Teams, und bei jeder Sportart zählt am Schluss der Erfolg des Teams. Ausser offenbar in der «Formel egoman».
    • My Senf 31.07.2017 13:36
      Highlight Highlight Wenn man keine Ahnung von F1 hat sollte man Fussball oder Volleyball schauen und kommentieren! In der F1 gibts die Team- und die Fahrer-WM! Für das Team springen bei 1.&2. gleichviel Punkte raus! Sportteams lassen dann ihre Fahrer eben auch gegeneinander fahren um zu beweisen wer der "bessere" ist. Ausser Ferrari natürlich. Die gehen immer davon aus dass kein Fahrer ohne Ferrari etwas ist...
    • Hoppla! 31.07.2017 16:02
      Highlight Highlight Wird, falls zum Schluss ein Punkt entscheidet, bei Vettel neben der Jahreszahl des Weltmeistertitels "aber es war unfair da er als Nummer 1-Fahrer im Team bevorzugt wurde im Gegensatz zu Hamilton" stehen?
    • My Senf 31.07.2017 17:21
      Highlight Highlight Wen interessiert die Jahreszahl und was daneben steht? Sagt das irgendwas über den VET aus? Wahre Grösse wird anders definiert! Senna ist und bleibt der grösste zB obwohl MSC mehr Titel hat. Who cares.
  • My Senf 31.07.2017 11:36
    Highlight Highlight Schlussendlich geht es auch um den Rückhalt im Team! Den bestätigte HAM nun eindrücklich. Und es geht auch um Sympathien. Ein Gentleman HAM ist vieeel sympathischer, als ein Jammerlappen VET dem ganz Ferrari helfen muss damit er was gewinnt. War bei MSC schon so
    • manuel0263 31.07.2017 13:46
      Highlight Highlight Vettel macht wie Michael Schumacher mit dem Team einen Wagen siegfähig, während Hamilton bisher nicht gezeigt hat, dass er das kann und immer nur im jeweils besten Auto sass. Nach allen Informationen liest Hamilton Bottas am Schluss nur sehr zähneknirschend passieren...welch grosse menschliche Leistung.
    • My Senf 31.07.2017 13:58
      Highlight Highlight Mein lieber. Die Mär deutscher Medien! Adrian Newey und die brause Millionen machten Vettel zum WM genau so wie die Briattore schumelleien MSC zum WM machten! Lies doch mal wars Brawn zB dazu sagt. Verträumte Fans! Ohne Software und Aero-Ingenieure wäre VET nur ein Fahrer wie jeder andere
    • Toerpe Zwerg 31.07.2017 14:10
      Highlight Highlight Haters gonna hate ..
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Sennas tödlicher Unfall in Imola: «Als hätte man Jesus live ans Kreuz genagelt»

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