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epa01373952 Grid girls pose before going to the starting grid prior to the Grand Prix of Canada, 08 June 2008 in Montreal, Canada.  EPA/JENS BUETTNER

Sie bleiben jedes Jahr trotz stetiger Reglement-Änderungen, Boxengirls. Bild: EPA

Stille in der Formel 1

Motorensound aus dem Weltall – Rasierer sind lauter als Formel-1-Autos

Die Formel 1 hat sich für die neue Saison ein grünes Mäntelchen zugelegt. Sprit sparen und ein leises Hybrid-System sind in, dröhnende Benzinschleudern out. Doch viele Fans und Fahrer sind wenig begeistert vom neuen Kurs.



Für einen richtigen Formel-1-Fan ist der Sound der Motoren etwas vom Wichtigsten. Was für Otto Normalverbraucher einen ohrenbetäubenden Krach darstellt, ist für die Fans feinste Musik in den Gehörgängen. Die Chefs der Formel 1 haben in diesem Jahr aber die Wünsche der Ohrenärzte nach Ruhe über den Anspruch der Fans auf lautes Gedröhne gestellt.

So klingt ein Formel-1-Auto im Jahr 2014 aus der Nähe

Nicht mehr V12, V10 oder V8: V6 ist das neue Zauberwort in der Formel 1. Der Start in eine neue Ära? Youtube/Cricketvidoes2013

Viele TV-Zuschauer, die noch nichts von den Regeländerungen mitgekriegt haben, dürften am frühen Sonntagmorgen bei der Fernbedienung den Knopf beim Lautstärkeregler gedrückt gehalten haben, um die fehlende «Musik» zu suchen.

Zynischer Weltmeister

«Der Sound der Formel 1 ist weg! Wir brauchen den alten Sound zurück», forderte Force-India-Teamchef Vijay Mallya vor laufenden TV-Kameras, als der Inder realisierte, wie leise die neue Generation Grand-Prix-Prototypen tatsächlich ist.

Wie das Internetportal «motorsport-total» schreibt, ist auch der vierfache Weltmeister Sebastian Vettel überhaupt nicht angetan von den neuen Motorengeräuschen: «Ich denke, es ist vieles verloren gegangen», klagt der Deutsche nach seinem frühen Ausfall beim Saisonauftakt in Australien.

In seinem Frust doppelt Vettel nach: «Es hört sich eher an, als würde der Staubsauger nebenher laufen und nicht, als würde ein Rennauto fahren». Um am Schluss noch sarkastisch hinzuzufügen: «Schön, dass man sich wegen der leiseren Motoren nun unterhalten kann.»

«Ich denke, es ist vieles verloren gegangen.»

Sebastian Vettel.

Gleicher Meinung wie der Weltmeister

Die Meinung von RTL-Experte und Formel-1-Insider Nikki Lauda zum Thema Nr. 1 auf dem deutschen Privatsender: «Ich habe mich eigentlich gewehrt gegen die Blödheiten, die die Menschen gesagt haben – es sei langweilig und es klinge nach nichts. Darum habe ich gesagt: ‹Nehmen wir die Ohropax heraus, dann ist es gleich wie früher›. Ich muss aber ehrlich sagen, ich war heute auch leicht enttäuscht. Am Fernseher, aber auch beim Start – es fehlt einfach etwas.»

Die neuen Regeln am Beispiel von Red Bull

Noch nie wurden die Regeln so schön und spektakulär in einem Video präsentiert wie in diesem RedBull-Clip. YouTube/Infiniti Red Bull Racing

Die wichtigsten Änderungen im Reglement sind:

– Motor: Nicht mehr 2,4-Liter V8-Motor, sondern 1,6 Liter V6-Turbomotor. Die PS-Zahl geht von 750 auf 600 zurück. Ausserdem sind neu pro Pilot und Saison anstatt acht nur noch fünf Aggregate erlaubt.

– Benzin: Die Renndistanz darf nicht mit mehr als 100 Kilogramm Treibstoff bewältigt werden, 30 Prozent weniger als noch im Vorjahr. Eine nicht ganz unwichtige Vorgabe, wie beim Grand Prix in Melbourne der an zweiter Stelle klassierte Daniel Ricciardo erfahren musste, der wegen zu grossem Benzindurchfluss noch nachträglich disqualifiziert wurde.

– Durch Energierückgewinnung wird der Extra-Boost von 80 auf 160 PS verdoppelt. Ausserdem steht die Zusatzleistung eine halbe Minute pro Runde zur Verfügung (vorher nur 6,7 Sekunden).

– Nur mehr eine Getriebeübersetzung für die gesamte Saison. Dafür steht aber ein zusätzlicher Gang zur Verfügung, sodass nun mit acht Vor- und einem Rückwärtsgang gefahren wird.

Die Regeländerungen simpel zusammengefasst von Mercedes-Motorenchef Andy Cowell: «Die neue Formel 1 dreht sich vor allem darum, möglichst viel Leistung aus einer festgeschriebenen Menge Kraftstoff bei einer maximal festgelegten Durchflussmenge zu quetschen».

Hier wird der Sündenbock unter die Lupe genommen

Das neue V6-Turbo-Aggregat mit dem (kleineren) Hubraum von 1,6 Litern. Anstatt zwei ist nur noch ein Auspuffrohr vorhanden. YouTube/MERCEDES AMG PETRONAS

Mercedes-Sportchef verteidigt den Hybrid

«Der Hybrid ist nun mal Zukunft (und Gegenwart) der Automobilindustrie. Dies ist eine moderne Technologie, die Strassenautos gehen in die gleiche Richtung. Downsizing ist das Motto», erklärt Totto Wolff.

«Wir müssen akzeptieren, dass sich die Formel 1 verändert hat. Diese Autos werden in ein paar Rennen schneller sein als die alten. An den Sound gewöhnen wir uns.» Und weiter: «Ich verspreche Ihnen, dass Sie nächstes Jahr keinen Unterschied mehr merken werden.»

Hören Sie einen Unterschied?

Youtube/MrTommydu81

Hier sehen Sie den Spanier Fernando Alonso bei einem Rundenvergleich mit sich selbst in Melbourne. Zuerst im neuem Ferrari von 2014, danach wird das Vorjahresmodell hinzugefügt. Interessant sind auch die fast drei Sekunden grosse Differenz bei der Rundenzeit. Ob der Sound-Unterschied wirklich so gravierend ist, urteilen Sie am besten selbst.

Vermissen Sie den alten Formel1-Sound?

Wenn schon Grün, dann richtig: Die neue Formel E

Der spezielle Motoren-Sound für die Rennserie für Formelwagen mit Elektromotor gibt es im Video ab 1:27 zu hören. Youtube/FIAFormulaE

Die Formel-E-Saison wird am 13. September 2014 in Peking beginnen. Das Saisonfinale wird am 27. Juni 2015 in London sein. Initiator der Serie ist FIA-Präsident Jean Todt. Alle Teams werden im Startjahr mit dem gleichen Fahrzeug unterwegs sein. McLaren liefert den Elektro-Motor, das Getriebe und die Elektronik. Die Höchstgeschwindigkeit der Boliden ist auf 225 km/h begrenzt, die bei voller Power von 270 PS angetrieben werden. Dazu gibt es Einheitsreifen und eine Budget-Obergrenze für das operative Geschäft eines Team von gut 2,5 Millionen Schweizer Franken.

Am Schluss wird es nur eine Episode sein

Kimi Räikkönen beim Rundendrehen. YouTube/ALLFormula1TV

Am meisten Freude an der ganzen Diskussion haben übrigens die Boliden-Designer. Die neuen hässlichen Nasen der Rennwagen sind nämlich durch die Sound-Debatte ziemlich in den Hintergrund gerückt. Am Schluss wird es hingegen wie immer in der Formel 1 ausgehen: Nach dem ersten Gezeter werden Rufe nach neuen Renn-Serien laut.

Doch trotz neuen Serien wie der angekündigten Formel E, die Vergangenheit lehrt uns: Seit Visionär Bernie Ecclestone anfangs der Siebziger Jahre das Ruder übernommen hat, wird über zu viel Macht und vor allem zu viel Abschöpfung seitens der Organisatoren geklagt – doch dem Formel-1-Zampano Ecclestone gelang es noch immer irgendwie, alle Beteiligten an Bord zu halten. Deshalb wird die Formel 1 weiterhin auf grünem Kurs bleiben. Auch wenn es in Zukunft eine leisere Musik geben wird.

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