Sport
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05995547 German Formula One driver Sebastian Vettel (L) of Scuderia Ferrari celebrates on the podium next to his second placed Finnish teammate Kimi Raikkonen (R) after winning the Monaco Formula One Grand Prix at the Monte Carlo circuit in Monaco, 28 May 2017.  EPA/VALDRIN XHEMAJ

Läuft wieder bei Sebastian Vettel, Kimi Räikkönen und Ferrari. Bild: EPA/EPA

Mit diesen Schachzügen in der Grauzone des Erlaubten hat sich Ferrari zurück gekämpft

Die Gründe für die sportliche Auferstehung der Scuderia Ferrari in der Formel 1 sind vielschichtig. An der Basis des aktuellen Erfolgs stehen Umstrukturierungen genauso wie raffinierte Schachzüge und Lösungen in der Grauzone des Reglements.



Da waren nur noch Frust und die lähmende Gewissheit, die Erwartungen nicht erfüllen und die hoch gesteckten Ziele ein weiteres Mal nicht erreichen zu können. Die Klassierungen im Grand Prix von Italien vor zwölf Monaten hatten für Ferrari etwas Symbolhaftes.

epa05522266 German Formula One driver Sebastian Vettel of Scuderia Ferrari reacts after the qualifying session at the at the Formula One circuit in Monza, Italy, 03 September 2016. Vettel jumped the fence after qualifying to give a wave to the crowd and there was another rope that he didn’t see and hit his face. The 2016 Formula One Grand Prix of Italy will take place on 04 September 2016.  EPA/SRDJAN SUKI

Vor einem Jahr war Ferrari noch abgeschlagen. Bild: EPA/EPA

Die Plätze 3 und 4 für Vettel und Kimi Räikkönen im Heimspiel in Monza waren Spiegelbild einer Saison, in der es zu Podesträngen reichte, in der es der Deutsche und der Finne aber nie schafften, sich auf Augenhöhe mit den Fahrern in den überlegenen Mercedes bewegen zu können. Vettel und Räikkönen beendeten ihr zweites gemeinsames Jahr bei Ferrari sieglos und desillusioniert.

Richtige Schlüsse und Beschlüsse

Tempi passati. Heuer ist alles anders. Besser, für Ferrari erfreulicher. Die Scuderia hat den Rank endlich wieder gefunden. In der Zentrale in Maranello haben sie die richtigen Schlüsse aus der jüngsten Vergangenheit gezogen und die richtigen Beschlüsse gefasst. Tönt ganz einfach. Doch was steckt genau dahinter?  Was hat Ferrari zurück an die Spitze gebracht?

epa06166520 Winner British Formula One driver Lewis Hamilton of Mercedes AMG GP (R) and second placed German Formula One driver Sebastian Vettel of Scuderia Ferrari (L) celebrate on the podium after the 2017 Formula One Grand Prix of Belgium at the Spa-Francorchamps race track near Francorchamps, Belgium, 27 August 2017.  EPA/VALDRIN XHEMAJ

Duscht seine Gegner wieder: Sebastian Vettel. Bild: EPA/EPA

Details der Metamorphose vom chancenlosen Herausforderer zum ernsthaften Titelkandidaten werden selbstredend keine preis gegeben. Allgemeine Angaben darüber, wo der Hebel angesetzt wurde, müssen reichen. Auf jeden Fall haben Veränderungen auf allen relevanten Ebenen zur Kehrtwende beigetragen.

Die Gründe

1. Anpassung der Arbeitsprozesse

Am Ursprung steht die Anpassung der internen Arbeitsprozesse. Mattia Binotto, ein in Lausanne geborener Italiener, hat seit seiner Beförderung vor gut einem Jahr zum Technischen Direktor die Strukturen optimiert, die ein effektiveres Vorgehen erlauben. Die Abteilungen im Hause Ferrari präsentieren sich wieder als Einheit. Diese Stabilität erleichtert die stete Weiterentwicklung von Motor und Chassis.

epa05813127 A handout picture made available by Ferrari press office shows a moment of official presentation of the new Ferrari Formula One SF70H. Standing rear from left side the drivers Antonio Giovinazzi and Sebastian Vettel, the chairman Sergio Marchionne, the managing director and team principal Maurizio Arrivabene, the driver Kimi Raikkonen, the managing director and team principal Maurizio Arrivabene and the chief technical officier Mattia Binotto. Maranello, Italy, Friday, Feb. 24, 2017. ANSA/ WEB/ FERRARI.COM +++ ANSA PROVIDES ACCESS TO THIS HANDOUT PHOTO TO BE USED SOLELY TO ILLUSTRATE NEWS REPORTING OR COMMENTARY ON THE FACTS OR EVENTS DEPICTED IN THIS IMAGE; NO ARCHIVING; NO LICENSING +++  EPA/FERRARI HANDOUT  HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Mattia Binotto (r.): Hat bei Ferrari aufgeräumt. Bild: EPA/ANSA

2. Neues Reifen-Management

Der Antriebsstrang hinkt leistungsmässig jenem von Mercedes zwar noch geringfügig hinterher. Die Vorzüge des aktuellen Autos, in Anlehnung an das 70-jährige Bestehen des Unternehmens SF70H genannt, machen das kleine Defizit indessen wett – mittlerweile selbst auf Hochgeschwindigkeitskursen wie in Francorchamps oder Monza. Den am häufigsten genannten Vorteil bringt der Ferrari Ausgabe 2017 im Bereich des Reifen-Managements.

Ferrari driver Sebastian Vettel of Germany takes a curve during the first free practice for Sunday's Italian Formula One Grand Prix, at the Monza racetrack, Italy, Friday, Sept.1, 2017. (AP Photo/Luca Bruno)

Sebastian Vettel beschäftigte sich ausführlich mit den Reifen. Bild: AP/AP

3. Heckflügel und Unterboden. Aber ist da alles legal?

Aber auch in Bezug auf die Aerodynamik, die im vergangenen Jahr eine der Schwachstellen war, erreicht der Wagen Spitzenwerte. Dass sie sich mit den Anpassungen etwa beim Heckflügel oder beim Unterboden in der Grauzone des Reglements bewegen, ist den Ingenieuren bewusst. Illegales Tun, wie von der Konkurrenz vermutet, kann ihnen aber nicht nachgewiesen werden.

Ferrari driver Sebastian Vettel of Germany stops in the pit lane during the first practice session for the Austrian Formula One Grand Prix at the Red Bull Ring in Spielberg, Austria, Friday, July 7, 2017. The Austrian Grand Prix will be held on Sunday. (AP Photo/Ronald Zak)

Ist da hinten beim Heckflügel alles legal? Die Konkurrenz vermutet nicht, aber nachweisen kann sie das nicht. Bild: AP/AP

4. Letztjähriges Auto lange weiterentwickelt

Neben den technischen Fortschritten haben auch raffinierte Schachzüge schon lange vor Beginn der Saison zum aktuellen Erfolg beigetragen. Der Entscheid, das letztjährige Auto bis zum Ende der letztjährigen WM weiter zu entwickeln, um den Defiziten auf die Spur zu kommen und aus den Fehlern zu lernen, hat sich als goldrichtig erwiesen.

Die Suche nach den Ursachen für den instabilen Abtrieb des Ferrari SF16-H war bei der Lösung für das Nachfolgemodell von eminenter Bedeutung. Zudem kommt die optimale Nutzung der Reifen nicht von ungefähr, denn Ferrari hatte sich konsequent mit der Entwicklung der von Pirelli gelieferten Walzen beschäftigt. Ein Auto des Jahrgangs 2015 wurde so umgebaut, dass Erfahrungen für das jetzige Auto gesammelt werden konnten.

epa06174356 Ferrari German driver Sebastian Vettel (C) with Force India French driver Esteban Ocon (L) and Force India Mexican driver Sergio Perez attend a press conference ahead of Formula One Italian Grand Prix at the Monza racetrack, Italy, 31 August 2017. The 2017 Formula One Grand Prix of Italy will take place on 03 September.  EPA/FABRIZIO RADAELLI

Hat wieder alle Trümpfe in der Hand: Sebastian Vettel. Bild: EPA/ANSA

5. Tests mit Stammfahrern

Auch betreffend Testfahrten hatten sich die Verantwortlichen von Ferrari für die beste Lösung entschieden. Im Gegensatz etwa zu Mercedes und Red Bull, die beim vorsaisonalen Üben vorwiegend das Ersatzpersonal zum Einsatz brachten, sassen bei den Roten vorwiegend Vettel und Räikkönen im Auto – und konnten so ihre persönlichen Beitrag auf der Suche nach Optimierung einbringen.

Vettel überliess betreffend Reifen auch neben der Strecke nichts dem Zufall. Mehrmals besuchte er das Pirelli-Werk in Mailand, um sich mit den Ingenieuren auszutauschen. Das angeeignete Wissen erleichtert die Abstimmungsarbeiten an den Grand-Prix-Wochenenden erheblich.

Der immense Aufwand trägt Früchte. «Wir sind jetzt wieder auf jeder Strecke konkurrenzfähig», konnte der zufriedene Vettel am vergangenen Sonntag nach dem Grand Prix von Belgien konstatieren. In Maranello sind die Zuversicht und der Glaube an die eigene Stärke endgültig zurück. (fox/sda)

Immer wichtig bei Aerodynamik-Verbesserungen: An den Wind denken

Video: watson/Emily Engkent

Die Mehrfach-Weltmeister der Formel 1

Das könnte dich auch interessieren:

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Schüsse auf Laden in Interlaken

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Nur ein neuer Covid-19-Toter – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen
6
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Boogie Lakeland 01.09.2017 17:14
    Highlight Highlight Fehlt bei der Bildstrecke mit den Weltmeistern nicht Häkkinen? Oder hab ich den einfach übersehen 😊
    • Darkside 01.09.2017 17:46
      Highlight Highlight Mika forever! Einfach ein Gott!
      Play Icon
    • Reto Fehr 01.09.2017 20:53
      Highlight Highlight Du hast ihn übersehen. Ist Bild 11 mit 2 Titeln.
    • Boogie Lakeland 01.09.2017 22:35
      Highlight Highlight Ok merci, war wohl ein Fehler im System- hat mir nur 15 angezeigt🙌
  • c_meier 01.09.2017 14:34
    Highlight Highlight Erfolg in der Formel 1 ohne Grauzone...
    Benutzer Bild
    • Darkside 01.09.2017 17:48
      Highlight Highlight Ist ja in anderen Sportarten nicht anders... Aktuell grade wie PSG das Financial Fairplay Konzept der UEFA lächerlich macht.

Massa betet für Freund Schumacher, «dass er wieder an die Strecke kommt»

Es ist eine der Fragen, die Formel-1-Fans rund um die Welt beschäftigen: Wie geht es Michael Schumacher? Einer, der es sechseinhalb Jahre nach dem schweren Ski-Unfall des deutschen Champions weiss, ist Felipe Massa.

«Mein Verhältnis zu ihm war immer sehr eng», so der Brasilianer. Schumis ehemaliger Teamkollege bei Ferrari ist mit der Familie Schumacher befreundet und damit einer von wenigen Menschen, die wissen, wie es dem siebenfachen Formel-1-Weltmeister Schumacher geht.

Er wolle sein Wissen …

Artikel lesen
Link zum Artikel