«Sie haben mir den Arsch gerettet»: So hat FCSG-Rotsünder Watkowiak den Cupfinal erlebt
Ein Jubelmeer in Grün und Weiss, das Ende einer langen Durststrecke. Nichts weniger als dies, den erst vierten Titel in der 147-jährigen Klubgeschichte und den ersten nach der gewonnenen Meisterschaft im Jahr 2000, wünschten sich die zu Tausenden mitgereisten Fans des FC St.Gallen. Ihr Wunsch sollte erhört werden. Doch sie mussten leiden, was den Triumph umso süsser macht.
«Ich weiss, wie viel dieser Cupsieg den Menschen bedeutet», sagte Präsident Matthias Hüppi. Vonseiten Lukas Görtlers klang es ähnlich: «Es ist unglaublich. Ich war schon zweimal hier, und am Ende hatte ich jeweils geweint, weil es nicht reichte», so der Captain. «Ich wollte es unbedingt. Die ganze Region hat diesen Titel so verdient nach dieser Saison.»
«Alle sagten, sie ziehen es für mich durch»
Wohl keiner im mit 30'671 Zuschauern ausverkauften Wankdorf war nach dem Schlusspfiff erleichterter als Lukas Watkowiak. Mit Sonnenbrille und ohne Trikot feierte der 30-jährige Deutsche vor der St.Galler Kurve. Er ging als erster zur Pokalübergabe durch das Spalier, das die unterlegenen Spieler von Stade Lausanne-Ouchy gebildet hatten. Dabei hätte genau er zur tragischen Figur dieses 101. Cupfinals werden können. Doch die Rote Karte, die er sich unmittelbar vor der Pause mit einem Blackout leichtfertig einhandelte, sie sollte ohne Folgen bleiben.
«Ich habe der Mannschaft mit der Roten Karte geschadet», gab der Rotsünder später zu Protokoll. «Aber in der Pause kamen alle zu mir und sagten mir, sie ziehen es jetzt für mich durch.» Schliesslich habe er der Mannschaft im Lauf des Cups zweimal im Penaltyschiessen «den Arsch gerettet, jetzt haben sie mir den Arsch gerettet. Wir sind einfach eine geile Truppe». In der 2. Runde gegen Wil und im Achtelfinal gegen Rapperswil-Jona hätte die St.Galler Cup-Geschichte vorzeitig enden können. Beide Male führte Watkowiak mit zwei gehaltenen Penaltys seine Mannschaft in die nächste Runde.
«Finals spielt man nicht, Finals gewinnt man»
Wie Basel im Vorjahr gegen das Unterklassige Biel musste auch St.Gallen gegen den Vierten der Challenge League beissen. Am Ende stand wie im Vorjahr (4:1) ein klares Verdikt zugunsten des Favoriten. Zweikampfstärke und defensive Stabilität liessen nicht nur die nummerische Unterzahl vergessen, sondern auch die fehlende Kaltblütigkeit vor dem gegnerischen Tor. Trainer Enrico Maassen meinte: «Auch wenn uns nicht alles perfekt gelungen ist: Finals spielt man nicht, Finals gewinnt man.» Sie seien auch mit einem Mann weniger klar die bessere Mannschaft gewesen.
Und so reckte Lukas Görtler die knapp 7 Kilogramm schwere Sandoz-Trophäe im dritten Anlauf in den Berner Nachmittagshimmel. Aus den Kanonen schossen grün-weisse Konfetti. Und auf den Rängen lagen sich die St.Galler Anhänger in den Armen. (nih/sda)
