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27.07.2016; Barcelona; Fussball Primera Division - FC Barcelona; 
Jorge Mendes, Gruender und Eigentuemer der Spieleragentur Gestifute, Praesentation der Neuverpflichtung Andre Gomes (Barcelona) 
(Joan Valls/Cordon Press/freshfocus)

Jorge Mendes ist einer der mächtigsten Fussballberater der Welt. Bild: Joan Valls/Cordon Press

Das System Mendes – «Wohlfühlpakete» für Ronaldo und Co.

Cristiano Ronaldo, Pepe, Ricardo Carvalho: Die Steuerbehörden ermitteln gegen auffällig viele Klienten des Beraters Jorge Mendes. Und das hat seine Gründe, wie Football Leaks belegt.



Ein Artikel von

Spiegel Online

Wer Jorge Mendes als Berater gewinnt, bekommt die Premium-Behandlung. Kein Spielerberater gilt in der Branche als so mächtig wie der Portugiese. Kaum ein Agent kann mithalten bei den unfassbaren Deals, die der 50-Jährige mit den grössten Klubs der Welt abschliesst. Allein vier seiner Spieler kicken für Real Madrid, die Königlichen. Wen Jorge Mendes berät, dem öffnen sich auf dem Fussballmarkt neue Türen.

Zum Wohlfühlpaket gehört für einige Spieler zudem ein praktisches Offshore-Modell. Das offenbaren die Dokumente von Football Leaks, die der «Spiegel» in Kooperation mit den Partner-Redaktionen der European Investigative Collaborations (EIC) ausgewertet hat. Spätestens seit den Enthüllungen der vergangenen Tage ist die Rundum-Sorglos-Zeit für viele Klienten von Mendes vorbei. Jetzt interessieren sich Behörden für die potenziellen Steuervermeidungsmodelle seiner exklusiven Kundschaft.

Zu dieser Kundschaft gehören Europameister und Champions-League-Sieger, ein Weltfussballer und ein WM-Torschützenkönig. Über ihnen thront Cristiano Ronaldo, darunter strahlen Nationalspieler wie Fábio Coentrão und Ricardo Carvalho, ein junger Star wie James Rodríguez und eine gestandene Grösse wie Képler Laveran Lima Ferreira.

Képler wer? Képler hat als knallharter Verteidiger schon über 80 Länderspiele für Portugal absolviert. Die Fussballwelt kennt ihn als Pepe. Vielleicht nennt er sich so, weil sein Name etwas sperrig ist. Die Football-Leaks-Dokumente legen diesen Schluss nahe: In zwei Verträgen, die die Nutzungsrechte für Abbildungen von Pepes Gesicht für Werbezwecke regeln, die sogenannten Bildrechte, gelingt es den Verantwortlichen mehrmals nicht, den Namen des Stars richtig zu schreiben. In einem Vertrag mit Real Madrid wird er «Kléper» genannt, in einem Vertrag mit Sportartikelhersteller Umbro «Keplar».

Darum geht es den spanischen Steuerbehörden natürlich nicht, als sie die Bildrechteverträge von Pepe im November 2015 unter die Lupe nehmen. Vielmehr wollen die Inspektoren wissen, wie viel der Spieler in den Jahren 2011 bis 2013 über seine Bildrechte eingenommen hat. Sie wollen Arbeitsverträge, Bildrechte-Deals, Kontoauszüge sehen. Und sie wollen wissen, was es mit Weltex Capital Limited auf sich hat.

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Weltex ist ein Unternehmen auf den British Virgin Islands (BVI), es ist ein typisches Beispiel für die Offshore-Konstruktionen des Mendes-Systems. Das funktioniert normalerweise so: Die Briefkastenfirma in der karibischen Steueroase BVI hält die Bildrechte an einem Spieler. Sie gestattet zwei Unternehmen aus der europäischen Steueroase Irland, diese Rechte zu verwalten und Werbedeals auszuhandeln. Beide irischen Unternehmen, Polaris und Multisports & Image Management, gehören zum Mendes-Kosmos. Eine institutionalisierte Steuervermeidungsmaschinerie, die, wie zum Beispiel im Fall des Grösstverdieners Cristiano Ronaldo, wohl auch auf legale Schlupflöcher baut.

Doch die spanischen Steuerbehörden haben die Geduld mit den Fussballstars verloren – und untersuchen die Steuererklärungen von zahlreichen Mendes-Kunden. Seit Mittwoch ist bekannt, dass die Staatsanwaltschaft in Madrid Anklage gegen drei Spieler erhoben hat und gegen zwei weitere ermittelt. Zu Pepes Steuersituation gab es auf EIC-Anfragen keine Auskunft. Der Spieler ergriff hingegen selbst die Initiative und postete auf Instagram das Foto eines Dokuments, das ihm eine weisse Weste bescheinigen soll.

Der Fall Ricardo Carvalho

Unbefleckt davonkommen wird Pepes ehemaliger Teamkollege Ricardo Carvalho hingegen nicht. Der 38-jährige Abwehrspieler, auch Mendes-Kunde, hat sich nach Informationen der spanischen «El Confidencial» selbst angezeigt – einen Tag, bevor das Recherchenetzwerk EIC erstmals über das Offshore-System von Fussballern berichtete.

Portugal's national soccer player Ricardo Carvalho attends a news conference at Alvalade stadium in Lisbon, Portugal September 3, 2015. Portugal will face France in a friendly game on Friday. REUTERS/Rafael Marchante

Ricardo Carvalho hat sich selbst angezeigt. Bild: RAFAEL MARCHANTE/REUTERS

Die Vorgeschichte führt auch auf die Britischen Jungferninseln, ins Jahr 2004, als die Firma Alda Ventures und Carvalho einen Vertrag schlossen – was den gleichen Zweck zu erfüllen schien wie später die Briefkastenfirma Weltex für Pepe oder Tollin Associates, Cristiano Ronaldos Spardose. Die Einnahmen aus Werbedeals wanderten auf Konten der BVI-Firmen. Was machen sie da? Sie warten auf Carvalhos Ruhestand, lautete die Antwort seiner Anwälte im Zuge der Inspektion. Sie präsentierten ein Schriftwerk, das eine «mündliche Vereinbarung» belegen sollte: Carvalho würde die Einnahmen aus seinen Bildrechten erst ein Jahr nach Ende seiner Karriere kassieren. Und müsste sie demnach erst dann versteuern.

Die Untersuchungen zum Fall Carvalho dauern an. Gegenüber dem EIC-Rechercheteam äussert er sich nicht. Den Behörden hat er Bereitschaft für einen Deal signalisiert.

Der Briefkasten des James Rodríguez

Dem mittlerweile vereinslosen Carvalho hat Super-Berater Mendes zu einer ertragreichen Karriere verholfen. Der Markt- und Werbewert des einstigen Champions-League-Siegers hat mittlerweile allerdings abgenommen. Das kann man von Real-Mittelfeldstar James Rodríguez nicht behaupten. Der 25-jährige Kolumbianer hat bei der WM 2014 verzückt – und sein Gesicht zu einem der begehrtesten Werbeobjekte der Fussballwelt gemacht.

Auch James kommt daher in den Genuss des mendesschen Wohlfühlpakets. Und auch er hat seine Bildrechte an eine Briefkastenfirma auf den BVI abgetreten: Kenalton Assets Limited, das Weltex, Alda, Tollin von James Rodríguez, an der gleichen Adresse ansässig wie die Offshore-Unternehmen von Cristiano Ronaldo und Startrainer José Mourinho.

Real Madrid’s Cristiano Ronaldo, right, celebrates with James Rodriguez after scoring the second goal during the UEFA Super Cup soccer match between Read Madrid and Sevilla at Cardiff City Stadium in Wales Tuesday, Aug. 12, 2014. (AP Photo/Kirsty Wigglesworth)

Der Meister und sein Schüler: Cristiano Ronaldo und James Rodriguez sind beide Mendes-Kunden. Bild: Kirsty Wigglesworth/AP/KEYSTONE

Noch 2014 hat Kenalton an James rund 12 Millionen Euro für die Nutzung seiner Bildrechte für die Jahre 2015 bis 2020 bezahlt. Im Voraus. Warum das? Womöglich, weil er im Jahr seines Wechsels von Monaco nach Madrid noch nicht in Spanien steuerpflichtig war und von einem niedrigeren Steuersatz in Monaco profitierte? Auf Fragen der EIC-Recherchepartner gab James keine Antwort. Wer die Steuertricks des Fussballstars wahrscheinlich sehr gut erklären könnte, ist der Starberater persönlich. Eine britische PR-Agentur, die Mendes vertritt, lässt allerdings wissen, dass er selbst mit Steuermodellen der Spieler nie etwas zu tun gehabt habe. Sie seien auf Wunsch der Vereine und mit Hilfe von Steuerberatern geschaffen worden.

Tatsächlich hat sich Jorge Mendes aber Ende 2015 eine Option auf Anteile an der Briefkastenfirma Kenalton gesichert. So kann der Superberater am Erfolg seines Superstars verdienen. Das ist sein Wohlfühlpaket. (chr/pre)

Die verrücktesten Klauseln in Fussballer-Verträgen

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    Alle Leser-Kommentare
  • Kstyle 09.12.2016 18:20
    Highlight Highlight Lasst mich raten am schluss passiert ausser ein paar reuigen worte nix. Sie sind ja leistungsträger der gesellschaft. Die krankenschwester zum glück nicht die kann man so richtig fertigmachen wen sie die steuererklärung mal falsch ausgefüllt hat. Ironie off
    • FrancoL 09.12.2016 18:54
      Highlight Highlight Völlig richtig, aber man hat uns das eingeredet und nun glauben es viele, weil es einfach ist zu glauben was viele glauben und hinterfragen bedingt Interesse und eine Portion Intelligenz.

      Und ja es wir praktisch nichts passieren, man wird auch schnell vergessen dass es doch etwas komisch anmutet dass Mou ein Konto bei der STGKB hat, er ist ja wohl fast monatlich im Kanton St. Gallen. Doch, doch das wird so sein.

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