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Der erste Schweizer Meistertitel für den FC Basel geht auf das Konto von Hermann Gass. 1916 schaffte er mit Siegen im Kugelstossen, Diskus- und Speerwerfen sogar das Triple. bild: zvg

«Der FC Basel und seine Stadt» – 10 Auszüge aus dem neuen Jubiläums-Buch des FCB

«Der FC Basel und seine Stadt – eine Kulturgeschichte», das Buch zum 125-Jahr-Jubiläum des FC Basel, erscheint heute. Wir haben bereits reingeschaut – und erste Eindrücke erhalten.



252 Seiten umfasst es, das neue literarische Werk über den FC Basel, das seit heute im Handel erhältlich ist. Das Buch, das mit verschiedenen Serien wie etwa den Anfängen des Vereins über 70 Bilder beinhaltet, widmet sich Themen wie «echten» Basler Spielern, epischen Duellen und Ästhetik. Es stellt aber auch grundsätzliche Fragen zu Romantik, Kommerz und Identität.

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Wir haben uns mit der Rezension dem Kapitel «Sprache – ein magischer Raum» gewidmet – und dabei spannende Geschichten und wunderbare Zitate entdeckt.

Von «kampfunfähigen Forwards»

Wie der Fussball, so kam auch das Vokabular von England in die Schweiz. Die deutsche Fussballsprache musste also erst erfunden werden. So geläufig uns heute Begriffe vom Fussballplatz sind, so schwierig sei es für die Fussballpioniere im 19. Jahrhundert gewesen, überhaupt erst Worte zu finden für das, was sie da taten.

«Trotz aller Anstrengungen gelang es uns nicht, noch einmal den Ball durchs Goal der Old Boys zu jagen; denn die Verteidigung der Old Boys spielte es gut und grob, dass wirklich auch einer unsrer Forwards kampfunfähig wurde.»

FCB-Berichterstatter im Cluborgan über eine Begegnung mit den Old Boys im Jahr 1898.  

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Von 1893 bis 1967 trug der FCB sein Spiele auf dem Landhof aus. Hier in einem Bild aus dem Jahr 1933. bild: zvg

«Dass die Old Boys gewinnen würden, war bei der Stärke ihrer Mannschaft nicht zu bezweifeln; jedoch mit solcher Goalzahl, das glaubten sie selber nicht. Es ist dies Resultat eben nur dem durch strömenden Regen völlig aufgeweichten Ground zuzuschreiben.»

Zeitungsbericht über die 1:5-Niederlage gegen die Old Boys im November 1903.

Das Spiel ohne Hände

Ferdinand Isler, Gründungsmitglied des FC Basel, machte es sich 1893 zur Aufgabe, sich den Fussballregeln zu widmen, da diese damals in der Schweiz noch nicht existierten. Isler bestellte sich die Regeln auf Englisch, übersetzte diese und publizierte in verschiedenen Zeitungen Artikel über das «Footballspiel». Das hörte sich dann so an:

«Die Quintessenz des Spieles besteht nun darin, den vollkommen runden Ball ... unter der Querstange des Mals hindurchzutreiben, und zwar ohne Anwendung der Hände.»

Ferdinand Isler, Gründungsmitglied des FCB über die Spielregeln

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Kantersieg: Der FC Basel (in den dunklen Shirts) beim 5:0-Sieg gegen den Nachbarn aus Mülhausen im Jahr 1906.   bild: zvg

Treueschwüre und Tradition des Alkoholkonsums

Der «Farbenkantus» war das erste und heute vergessene Vereinslied des FC Basel. Der Text belege, dass sowohl die heutigen Treueschwüre aus der Kurve («Rotblau bis in Tod») wie auch der soziale Druck zum Alkoholkonsum beim FCB eine lange Tradition hätten:

«Dem Blau der Treue,
der Liebe Rot
Sind wir ergeben bis zum Tod.»

Der «Farbenkantus» über Treue 

«Darum auf, ihr Freund und Zecher.
Hebet euer Glas aufs Neu.
Stosset an und leert die Becher.»

Der «Farbenkantus» über Alkoholkonsum

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51'000 Zuschauerinnen und Zuschauer sind im Juni 1971 zur Finalissima zwischen GC und dem FC Basel im Wankdorfstadion erschienen. bild: zvg

Die Kulturgeschichte des FC Basel

Das Verhältnis von Fussball und Kultur war über Jahre schwierig, weil Fussball als Proletensport galt und damit der Inbegriff der Kulturlosigkeit war. Erst eine gemeinsame «nietenlose» Lotterie vom FCB und dem Theater Basel führte 1972 dazu, dass sich Kultur und Fussball näher kamen. Die Lotterie wurde wie folgt angepriesen:  

«Entweder Sie sehen auf der Bühne des St.-Jakob-Stadions die Helden des Rasens. Oder Sie sehen in den Basler Theatern die Helden rasen.»

Seither, so heisst es, sitzen die Kulturaffinen und die Kulturfernen beim FCB im Stadion – die Einfachen und die Studierten.

Die sechs furchtbaren Jahre

Der Fall in die Nationalliga B und der Wiederaufstieg sechs Jahre später haben den FC Basel geprägt – auch, weil die Fans ihren tragischen Helden immer beiseitestanden.

«Egal, wie trostlos die Spiele waren, und egal, wo sie stattfanden, ob daheim im alten ‹Joggeli› oder auswärts in Emmenbrücke, Bulle oder Châtel-Saint-Denis – immer und überall wurde die Mannschaft unterstützt.»

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Der FC Basel vom Meister zum Absteiger und zurück. Video: YouTube/SRF Archiv

Die «Schande von Basel»

Natürlich ist auch der 13. Mai 2006 ein Thema. Der Tag, an dem Iulian Filipescu den FC Zürich in Basel zum Meistertitel schoss – in der 93. Spielminute.

«Einwurf FCZ (notabene viel zu weit vorne ausgeführt), Flanke, Tor.»

Beschreibung des FCZ-Siegtreffer – nicht ohne Verweis auf den irregulären Einwurf.

Schwer getroffen haben den FC Basel aber vor allem die anschliessenden Ausschreitungen der Fans, als die Liga den FCB mit 80'000 Franken, zwei Geisterspielen und zwei weiteren Spielen mit gesperrter Muttenzerkurve büsste.

«Ein anderer Verein wäre daran zerbrochen. Die Basler aber standen wieder auf, überwanden die Krise und waren danach stärker denn je.»

Die geschönten Geschichten

So wunderbar die Geschichten auch klingen, so räumen die Autoren ein, dass sie geschönt sind, allesamt. Sie haben zwar einen wahren Kern, bestehen jedoch mehr aus dem ganzen Drumherum. Narrative, gehegt und gepflegt – und nicht näher hinterfragt.

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Ottmar Hitzfeld präsentiert 1973 den Meisterpokal.  bild: zvg

Die Probleme mit den Medien

Dass das Publikum nach Skandalen lechzt, hat auch Einfluss auf die Medien. Zitate von Karli Odermatt und Marco Streller zeigen auf, wo die Probleme für die Spieler entstehen.

«Wir gingen früher zum Biertrinken einfach weg aus Basel, zum Beispiel nach Laufen, damit uns möglichst niemand sah.»

Karli Odermatt

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Karli Odermatt 1973 mit seiner ersten Frau Vreni. bild: zvg

«Wenn ich heute irgendwo ein Bier trinke, blitzen die Handys, und am nächsten Tag heisst es in der Zeitung, der Streller habe zehn Bier getrunken. Auch wenn es nur zwei waren.»

Marco Streller 2013

Der Dragovic-Skandal

Obwohl die Klubs mit Mediensprechern und Spieler-Schulungen penibel darauf achten, dass keine Skandale entstehen, ist das natürlich nicht unumgänglich. Der letzte grössere Skandal war wohl jener von Aleksandar Dragovic, der öffentlich Busse tun sollte, nachdem er bei der Cupübergabe 2012 in Bern Bundesrat Ueli Maurer auf den Hinterkopf geschlagen hatte und dann an der Meisterfeier in Basel sagte: 

«Dieser Ueli Maurer oder wie der auch immer heisst. Ich kann mich nur bei ihm entschuldigen – auch wenn es sehr, sehr schwerfällt. Aber ich muss es leider tun, wegen dem Verein. Aber innerlich, und das weiss – glaube ich – jeder, hat es sehr, sehr viel Spass gemacht. Und ich glaube, jeder von euch hat gelacht.»

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Der Fall Dragovic. Video: YouTube/z51z

Die Autoren Michael Rockenbach, Claudio Miozzari, Thilo Mangold und Philipp Loser laden am Freitag, 18 Uhr auf dem Landhof zur Vernissage. Die Buchpräsentation findet am 25. September, 19.30 Uhr bei Orell Füssli in Basel statt.

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