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Philipp Marda

Beobachtet von Schiedsrichter und Gegenspielern zieht Philipp Marda ab. Bild: Philipp Marda

Dieser Zürcher ging fürs Studium nach Taiwan und spielt jetzt Premier League

Von der Sportanlage Heslibach in Küsnacht ZH ins 40'000 Zuschauer fassende Kaohsiung-Nationalstadion auf Taiwan – Philipp Marda lebt gerade seinen Traum. Auch wenn der Fussball nicht mehr als ein grosses Hobby geblieben ist.



Taipeh an der Nordspitze von Taiwan: Eine Stadt, in deren Grossraum rund sieben Millionen Menschen leben, fast so viele wie in der gesamten Schweiz. Hier lebt Philipp Marda, seit er im Sommer ein Studienjahr an der weltweit angesehenen Nationaluniversität in Angriff genommen hat.

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Viele Häuser, aber auch viel Grün: Taipeh mit dem berühmten Wolkenkratzer Taipei 101. bild: Shutterstock

Marda lebt mittendrin – und fühlt sich trotzdem nicht von der Grossstadt erschlagen. Mit seinem Töff, sagt er, sei er in nur 15 Minuten weg vom Beton. «Du fährst einmal um den Rank und schon bist du mitten im Dschungel, mit Wasserfällen, kalten und heissen Quellen, Schlangen, wilden Tieren. Es ist ein extrem vielfältiges, sehr interessantes Land», schwärmt der 26-jährige Zürcher von seiner temporären Heimat.

Eben noch 2. Liga, nun der Kampf um die Meisterschaft

Marda, der die Pässe der Schweiz, Deutschlands und Marokkos besitzt, ist ein Sprachtalent und beherrscht nicht weniger als acht Sprachen fliessend. Doch weil er unbedingt auch noch Mandarin lernen wollte, entschied er sich für das obligatorische Auslandjahr seines Studiums in International Management für Taiwan.

Philipp Marda

In Ostasien fühlt sich der Student pudelwohl. Bild: Philipp Marda

Und als der Bescheid kam, dass man ihn dort aufnimmt, folgte Schritt zwei der Auswanderung auf Zeit: Die Suche nach einem Fussballteam. Was danach kam, war ein rasanter Aufstieg von der regionalen 2. Liga beim FC Küsnacht ZH an der Goldküste in die Taiwan Football Premier League, die höchste Liga des Landes.

Ein Bekannter vermittelte ihn an den Präsidenten des Royal Blues FC, welcher ihm Probetrainings versprach. Marda, der hier wie dort auf jedem Fussballplatz «Pippo» gerufen wird, überzeugte – und erkämpfte sich auf Anhieb einen Stammplatz.

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Das TV berichtet von einem Turnier, das Marda mit seinem Team gewonnen hat. Video: YouTube/中華電視公司

Im Nationalstadion – vor 300 Fans

«Natürlich hat die Premier League hier mit jener in England nicht viel gemeinsam», stellt Marda klar. «Sonst hätte ich ja auch nicht die Chance, in dieser Liga zu spielen.» Der Fussball sei in Taiwan zwar auf dem Vormarsch, aber doch noch eher klein. Zu den Spielen der höchsten Liga kommen bloss einige hundert Zuschauer. Der Nationalsport sei Baseball, dann komme Basketball. «Es werden sogar Baseball-Partien von Kindern live im Fernsehen gezeigt», staunt er.

Taiwan

Taiwan liegt im westlichen Pazifik, rund 100 Kilometer vor der Küste Chinas. Bild: Google Maps

Zu verdienen gibt es nicht viel, in erster Linie Punkteprämien. «Reich wird man nicht, aber es ist ein kleiner Zustupf.» Um das Studienjahr alleine mit dem Fussball zu finanzieren, würde dieses Sackgeld nicht reichen.

Ein Erlebnis ist es trotzdem. Denn gespielt wird trotz der ausbleibenden Massen in grossen Stadien, zum Beispiel im Nationalstadion in Kaohsiung. «Es ist der absolute Wahnsinn», erzählt Marda am Telefon, «auch wenn dann nur 300 Nasen da sind. Vor jedem Spiel läufst du zur Hymne der FIFA ein, manchmal mit Kindern an der Hand zur Begleitung. Das ist schon sehr cool. Ich darf in der höchsten Liga eines Landes spielen, das ist doch ein Traum!» Dank dem Fussball kommt er auch im Land herum, das zwar ein wenig kleiner als die Schweiz ist, aber drei Mal so viele Einwohner zählt.

In this undated photo released by Kaohsiung Organizing Committee on Sunday, July 12, 2009, the main stadium for the World Games in the southern Taiwan city of Kaohsiung is shown. The quadrennial World Games begin Thursday, July 16, 2009, in Kaoshiung under the shadow of a possible Chinese boycott of its high profile opening ceremony. This year 3,100 athletes from 91 countries and territories will be participating. (AP Photo/Kaohsiung Organizing Committee) ** NO SALES, EDITORIAL USE ONLY, MANDATORY CREDIT **

Das extravagante Nationalstadion wurde vor zehn Jahren eröffnet und ist das grösste des Landes. Bild: AP

Kein königlicher Blauer mehr, sondern ein roter Löwe

Im Februar beginnt die neue Saison, welche Philipp Marda nicht mehr bei den Royal Blues absolvieren wird. Der ambitionierte Ligakonkurrent Taipeh City Red Lions war auf ihn aufmerksam geworden, liess ihn von Scouts beobachten und bot ihm einen Transfer an. «Ich habe mir gut überlegt, ob ich zu einem Rivalen wechseln soll», schildert Marda. «Aber ich habe Vor- und Nachteile abgewogen, es mit einigen Leuten besprochen und bin überzeugt, dass es der richtige Entscheid war.»

Gut möglich, dass für den neuen Klub auch Mardas Grösse von 1.81m ein Argument für die Verpflichtung war. Zuhause ist das durchschnittlich, «aber hier ist das gross. Meine Grösse ist definitiv von Vorteil», sagt der zentrale Mittelfeldspieler, der die Spielübersicht als seine Stärke nennt.

Aufgefallen ist ihm im ersten halben Jahr in Taiwan, dass die Teams das Risiko eher scheuen. «Es wird extrem auf Ballbesitz geachtet. Man will lieber keinen Fehler machen, spielt etwas mutlos. Die Kreativität steht sicher nicht im Vordergrund.» Es ist ein Eindruck, der sich mit Berichten deckt, die dies häufig als Grund für das Scheitern Japans und Südkoreas an der WM nennen. «Das ist vielleicht kulturell bedingt. Das Gemeinwohl steht im Vordergrund, bevor der Einzelne versucht, zu glänzen.»

Philipp Marda

Im Blitzlicht der Fotografen: Marda und der Royal Blues FC feiern einen Turniersieg. Bild: Philipp Marda

«Es tut sich hier etwas»

Vielleicht wird das beim neuen Klub anders sein. Die Red Lions («das Logo sieht fast aus wie jenes des FC Winterthur») unterstrichen ihre Ambitionen mit der Einstellung eines neuen Trainers aus Europa. Der Spanier Felix Ramirez, zuletzt in Marbella tätig, hat übernommen. «Das Ziel des Vereins ist es, dank der Förderung junger Spieler mittelfristig zur Nummer drei im Land zu werden und langfristig die Nummer eins zu sein», sagt Marda.

Derzeit seien die ersten beiden Teams dem Rest der Liga noch klar überlegen. «Tatung und Taipower haben das meiste Geld und die professionellsten Strukturen, sie machen den Titel unter sich aus. Fast alle taiwanesischen Nationalspieler sind dort engagiert.» Das Nationalteam liegt auf Rang 124 der FIFA-Weltrangliste, so gut war es noch nie. Auch Mardas Eindruck ist: «Es tut sich hier etwas.»

Gegessen wird auswärts

Trainiert wird fast jeden Abend, tagsüber büffelt Marda in der Uni. Wenn keine Spiele anstehen, bereist er mit Freunden das Land, geht wandern und zelten. Die schwierige Situation, in der sich das Land befindet – China betrachtet es als sein Territorium, Taiwan will eigenständig sein – ist dann kaum je ein Thema. «Im Alltag merkt man davon nichts. Und in der südostasiatischen Kultur ist es auch nicht üblich, gleich zuerst über Politik zu reden. Man ist hier zurückhaltender als in der westlichen Welt.» Bei Abstimmungen wie zuletzt über gleichgeschlechtliche Ehen oder Atomkraftwerke werde aber die Demokratie gelebt.

Philipp Marda

Zu Besuch auf einem Fischmarkt. Bild: Philipp Marda

Marda lebt mit einem Kollegen in einer WG, deren Küche wohl ungenutzt bleibt. «Seit ich hier bin, habe ich noch nicht einmal gekocht», sagt der Student. Auswärts zu essen sei auch für Einheimische normal und günstig. «Das Essen nimmt einen zentralen Punkt im taiwanesischen Leben ein, es wird zelebriert. Man geht oft mit Freunden oder der Familie weg.»

Endlich wieder gute Schoggi

Dass er länger in Taiwan bleibt, falls er mit dem neuen Klub Erfolg hat oder andere Angebote erhält, schliesst der Zürcher trotz aller Liebe zur Insel aus. Er werde in die Schweiz zurückkehren, das Studium habe Priorität. «Ich spiele wirklich nur aus Freude Fussball und nicht, weil ich irgendwelche übertriebenen Ambitionen oder Träume von einer grossen Profikarriere hätte.»

Noch bis im Sommer darf sich Philipp Marda aber immerhin ein wenig so fühlen, wenn er in der Taiwan Premier League antritt. Danach wird er wieder in der Heimat sein und dann gibt's auch wieder etwas anderes als asiatische Küche: «Auf richtig feine Schoggi freue ich mich jetzt schon!»

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Video: watson/Madeleine Sigrist, Emily Engkent, Knackeboul

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19
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19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • MaskedGaijin 10.01.2019 18:43
    Highlight Highlight Sehr cool! Taiwan ist sicher auch mal eine Reise wert.
  • 有好的中国老虎 friendly chinese Tiger 10.01.2019 14:31
    Highlight Highlight Tolle Geschichte. Jeder der sich für die fernöstliche oder chinesische Kultur interessiert, sollte unbedingt mal Taiwan besuchen. Hier kann man noch die traditionelle chinesische Kultur erleben. Dazu haben die einfach geiles Essen.
  • Jacksonmo 10.01.2019 12:20
    Highlight Highlight Riesig!
  • NichtswissenderBesserwisser 10.01.2019 12:00
    Highlight Highlight Äs küssli ufs Nüssli, Pippo.
  • DocShi 10.01.2019 11:47
    Highlight Highlight 1) toller Bericht.
    2) wieso darf er 3 Pässe haben? Ich darf nur 2 haben.
    • loquito 10.01.2019 13:35
      Highlight Highlight 3 Pässe sind doch Standard... Oder?
    • DocShi 10.01.2019 13:47
      Highlight Highlight @loquito, nein. Du darfst (sofern du nicht Diplomatstatus hast) nur 2 Nationalitäten haben. Deswegen ja meine Frage.
    • loquito 10.01.2019 14:06
      Highlight Highlight So ein Blödsinn. Ich kenne viele Menschen mit 3 Pässen, mich eingeschlossen. Als Doppelbürger in einem Land mit Jus Solis geboren hast du drei Pässe. Warum sollten 3 Pässe nicht erlaubt sein? Versteh das jetzt nicht
    Weitere Antworten anzeigen
  • Nothingtodisplay 10.01.2019 11:28
    Highlight Highlight Klasse, wie sie beim Gruppenfoto den Hintergrund (Stadion) "bescheissen" wollen. :D

    Schöne Geschichte obwohl der Titel etwas irritiert.
  • Delay Lama 10.01.2019 11:24
    Highlight Highlight Tolle Geschichte!
  • Steffan Griechting 10.01.2019 11:18
    Highlight Highlight Hab den neulich mal im Gym gesehen - der drückt die Bank wie Hercules!
    • Buttercup Bumbersplat 10.01.2019 18:46
      Highlight Highlight *Stéphane Grichting
    • KekDu 10.01.2019 20:51
      Highlight Highlight Hoppers im Gym hahah

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Sugo di pomodoro ... mal ganz grundsätzlich.

Pasta mit Tomatensauce: Etwas derart Alltägliches, dass man darob kaum einen Gedanken verliert ... ausser vielleicht mit der Frage, «Und wie machst du so deinen Sugo?». Denn etwas ist selbst nördlich der Alpen implizit klar: Jeder hat da seine eigene Version.

Gleich vorweg, also: Ein einzelnes, richtiges, authentisches Rezept für sugo di pomodoro existiert nicht. Diese simpelste und most basic aller Pastasaucen war schon immer die Summe der Bestandteile aus dem Vorratsschrank. Obwohl «Summe» …

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