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Soccer fans react after Germany was eliminated from the World Cup as they watch the group F World Cup match between South Korea and Germany as they visit the fan mile in Berlin Wednesday, June 27, 2018. (Bernd von Jutrczenka/dpa via AP)

Für die deutschen Fans war die Fussball-WM in Russland kein freudiges Ereignis.  Bild: AP/dpa

Zwei Generationen, keine Harmonie – darum ist Deutschland gescheitert

Manuel Neuer wirkte nach Deutschlands WM-Pleite fast schon erleichtert – und wie seine Kollegen ratlos. Immerhin: Die DFB-Elf will mit Bundestrainer Löw weitermachen.

Marcus Krämer, kasan / spiegel online



Ein Artikel von

Spiegel Online

Man muss den deutschen Nationalspielern zugutehalten, dass es selbst nach einem normalen Länder- oder Bundesligaspiel schwierig ist, treffende Analysen in die Mikrofone zu sprechen. Wie soll das erst nach dem historischen WM-Aus des DFB-Teams gelingen? Nach einem Ergebnis, das kühnste Pessimisten nicht für möglich gehalten hätten, das es in der Geschichte des vierfachen Weltmeisters noch nie gab.

Die Spieler machten nach der 0:2-Niederlage gegen Südkorea einen ratlosen Eindruck, so wie sie es über weite Strecken des Turniers in Russland getan haben. Erst recht gegen Südkorea, den vermeintlich schwächsten Gegner in dieser Gruppe. Als erster Spieler verliess Captain Manuel Neuer die Kabine und brachte seine Enttäuschung auf den Punkt:

epa06844928 Players of Germany react after the FIFA World Cup 2018 group F preliminary round soccer match between South Korea and Germany in Kazan, Russia, 27 June 2018.

(RESTRICTIONS APPLY: Editorial Use Only, not used in association with any commercial entity - Images must not be used in any form of alert service or push service of any kind including via mobile alert services, downloads to mobile devices or MMS messaging - Images must appear as still images and must not emulate match action video footage - No alteration is made to, and no text or image is superimposed over, any published image which: (a) intentionally obscures or removes a sponsor identification image; or (b) adds or overlays the commercial identification of any third party which is not officially associated with the FIFA World Cup)  EPA/DIEGO AZUBEL   EDITORIAL USE ONLY  EDITORIAL USE ONLY

Die Deutschen wirkten im Spiel gegen die Südkoreaner ratlos.  Bild: EPA/EPA

«In keinem der Spiele hat man eine deutsche Mannschaft gesehen, vor der man Angst oder Respekt haben musste», sagte Neuer. «Jeder Gegner hat auf unsere Fehler gewartet. Und sie wussten, dass sie ihre Chancen bekommen werden.» Dabei brauchten die Südkoreaner, anders als Mexiko und Schweden in den ersten beiden Gruppenspielen, verhältnismässig lange, um die Chance auf den Sieg zu realisieren. Wenn das Team von Trainer Shin Tae Yong früher damit begonnen hätte, die vielen Konter mit mehr Mut zu Ende zu spielen, hätte es für das deutsche Team sogar ein Ergebnisdebakel werden können.

«Jeder hätte gerne gegen uns gespielt»

«Wir waren zu langsam und zu lethargisch», analysierte Neuer weiter – ohne eine Begründung für die Lethargie nennen zu können. «Selbst wenn wir weitergekommen wären, hätte doch jeder gerne gegen uns gespielt.» Gegen Deutschland, gegen den Mythos der Turniermannschaft, gegen ein Team, das gegen Schweden vor wenigen Tagen doch gezeigt hatte, dass es selbst bei schwacher Leistung in der Lage ist, entscheidende Tore zu erzielen.

Doch was dem Titelverteidiger Zuversicht und den Glauben an die eigene Stärke hätte wiedergeben müssen, verpuffte wie nahezu jeder Eckball in den drei Partien. «Wir haben das positive Gefühl aus dem Schwedenspiel nicht rübergebracht», sagte Toni Kroos, der als entscheidender Torschütze ganz besonders selbstbewusst hätte auftreten müssen. Doch: «Dafür war die erste Halbzeit zu leblos. Man hatte nie das Gefühl, dass es für uns ein Finale ist», sagte Kroos weiter.

Ein Finale hatte die Mannschaft vor vier Jahren, gewann es 1:0 gegen Argentinien und damit den vierten deutschen WM-Titel. Neun Weltmeister standen 2018 noch im Kader, alle immer noch im besten Fussballeralter – und doch war das eines der grossen Rätsel dieser Mannschaft. Bis auf Matthias Ginter, der in Russland keine Minute spielte, trugen die anderen acht allesamt Probleme mit sich herum. Seien es Verletzungen, Formschwächen oder wie bei Mesut Özil eine öffentlich geführte Debatte über Heimat und Körpersprache.

Zwei Generationen, keine Harmonie

Und dann ist da noch ein Riss innerhalb der Mannschaft, den niemand bestätigen will - der sich aber nicht wegdiskutieren lässt. Bundestrainer Joachim Löw schaffte es nicht, aus den Weltmeistern auf der einen und der Generation der Confed-Cup-Sieger 2017 auf der anderen Seite eine harmonische Einheit zu formen. Wenn die Routiniers, Neuer sei hier ausgeklammert, nicht ihre gewohnte Leistung zeigen können und die jungen Spieler in deren Fahrwasser gehemmt wirken, kann kein funktionierendes Gefüge entstehen. «Wir haben es nicht geschafft, so zu reagieren, dass wir wieder die Mannschaft sind, die wir mal waren», sagte Sami Khedira, ein Vertreter der ersten Fraktion.

Julian Draxler, als Weltmeister und Confed-Cup-Sieger ein Hybrid, wollte die These von der fehlenden Harmonie nicht bestätigen: «Darauf habe ich keine Antwort.» Und sagte dann doch noch einen entlarvenden Satz. «Wir haben es nicht geschafft, zu vermitteln, dass wir Spass an der Sache haben.» Kein Spass? Bei einer Weltmeisterschaft? Das wird wiederum den deutschen Fans nur schwer zu vermitteln sein.

Fragen zur Zukunft der deutschen Nationalmannschaft wurden, auch hier kein Vorwurf an die Spieler, ausweichend beantwortet. «Es gibt von Turnier zu Turnier Veränderungen», sagte Kroos. «Wie gross die dieses Mal sein werden, muss man sehen.» Falls Spieler über einen Rücktritt nachdenken, wird das erst in den kommenden Tagen publik werden. Das Verhältnis zu Löw scheint aber intakt zu sein. «Es werden alle 23 Spieler sagen, dass wir den Weg des Bundestrainers gut finden», sagte Mats Hummels.

Löw selbst liess seine Zukunft an diesem schmachvollen Abend offen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • amRhein 28.06.2018 09:50
    Highlight Highlight Jogi hätte am besten nach dem Weltmeister den Job einem anderen Trainer überlassen..
  • Hans der Dampfer 28.06.2018 09:44
    Highlight Highlight Ich habe mir vor der WM diesen Screenshot von der SPON Webseite gemacht weil ich mir dachte dass das nicht gut gehen kann..
    Benutzer Bild
    • greeZH 28.06.2018 10:35
      Highlight Highlight Könntest du das näher erläutern..
    • Hans der Dampfer 28.06.2018 11:05
      Highlight Highlight Aha, sieht man nicht so super.. Da steht:
      In der Gruppe F wird es keinerlei Probleme geben, im Achtelfinale gegen Costa Rica, die Schweiz oder Serbien auch nicht. Ab dem Viertelfinale geht die WM dann erst richtig los.
    • greeZH 28.06.2018 11:16
      Highlight Highlight Ah :). Na gut, darauf hätte ich auch getippt.
  • greeZH 28.06.2018 09:39
    Highlight Highlight Wahrscheinlich das grösste deutsche Fussballdesaster in der Neuzeit. Die EM-Teams von 2000 und 2004 hatten schlicht nicht die Qualität, aber diese Mannschaft darf niemals so ausscheiden.
  • Alterssturheit 28.06.2018 08:41
    Highlight Highlight Es tut auch Deutschland gut, wieder mal "unten durch" zu müssen. So bleibt man geerdet und schätzt es umso mehr, wenn's dann wieder aufwärts geht.
  • Tooto 28.06.2018 08:34
    Highlight Highlight Bei solchen öffentlichen Äusserungen, habe ich auch das Gefühl dass es schwierig ist sich als junger Spieler in der Mannschaft zu integrieren.

    https://www.watson.ch/sport/wm%202018/844288175--extrem-durch-social-media-gepraegt-weltmeister-hummels-kritisiert-generation-san-
  • länzu 28.06.2018 08:05
    Highlight Highlight Jogi Löw war einfach nicht mutig genug, die junge Generation nachzuziehen. Es ist fast wie bei uns, Özil, Khedira etc. dürfen wohl selber bestimmen wie lange dass sie spielen wollen. Pendant Schweiz (Lichtsteiner, Dzemali, Djourou etc.). Dass er Sane, immerhin bester Jungprofi in der PL nicht aufgeboten hat, war ein schlechtes Signal. Das Erdogate hat schlussendlich wohl ich zum Scheitern beigetragen. Özil und Gündogan waren kaum mehr voll akzeptiert im Team. Und schliesslich war es auch ein schlechtes Signal, Neuer um alles in der Welt durchzuboxen.
    • Fulehung1950 28.06.2018 10:00
      Highlight Highlight Länzu: wenn Sie jetzt noch behaupten, Lichtsteiner und Dzemaili würden ihre Leistung nicht bringen, sind Sie entlarvt als völliger Banause
  • Nelson Muntz 28.06.2018 06:29
    Highlight Highlight Zeit, dass wir die Rechnung für unsere Nachbarn im Süden und Norden begleichen!
    • Red4 *Miss Vanjie* 28.06.2018 08:35
      Highlight Highlight Jamaan knallt IKEA raus 💪 http:// Jnall
  • Adumdum 28.06.2018 04:32
    Highlight Highlight Dass die keinen Spass hatten hat man gesehen - so ein lustloses, lahmes Ballrumgeschiebe...

    Sieht man vielleicht auch mal den Wert eines Poldi für die allgemeine Stimmung in der Mannschaft - und eines Führungspersönlichkeit wie Lahm, im Vergleich zu der Arroganz von Hummels oder Farblosigkeit von Özil.

    Was einem Leroy Sane jetzt wohl so durch den Kopf geht...

    Und nach 12 Jahren ist’s vielleicht auch einfach mal Zeit für einen neuen Trainer. A propos Neuanfang.



    • MacB 28.06.2018 09:00
      Highlight Highlight MIt allem einverstanden aber Hummels ist nicht arrogant, er spricht auf den Punkt. Siene ANalyse direkt nach dem Spiel war SACKSTARK und traf den Nagel auf den Kopf. Er ist ja auch sehr selbstkritisch. Da tust du ihm ein wenig unrecht find ich. ANsonsten 100% richtig.
    • Micha Schläpfer 28.06.2018 11:11
      Highlight Highlight oooh Sané, und ich hab mich, von allen deutschen, am meisten auf ihn gefreut. Was für ein eleganter und spritziger Spieler, und bei der nächsten WM wird er schon 26 sein....
    • MacB 28.06.2018 11:29
      Highlight Highlight @Micha: Bei der EM ist er erst 24...immerhin :)

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