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Hardturm 1954: In den 40er- und 50er-Jahren teilten sich GC und FCZ die Spielstätte an der Hardturmstrasse jahrelang. Bild: ETH-Archiv

Darum müssen die FCZ-Fans vor dem Umzug in den Hardturm keine Angst haben

Die Fans des FC Zürich müssen keine Angst vor dem Umzug über die Gleise haben. Denn der Hardturm war schon öfters die Heimat von ganz Fussballzürich.

matthias scharrer / schweiz am wochenende



Ein Artikel von

Zürich ist eine mehrfach geteilte Stadt: Es gibt das rotgrüne und das bürgerliche Zürich, das wohlhabende und das arme, das coole und das bünzlige Zürich – und es gibt den Grasshopper Club und den FC Zürich.

Die Territorien der beiden grossen Fussballklubs waren jahrzehntelang klar voneinander abgegrenzt: Südlich der Gleise, die vom Hauptbahnhof aus in Richtung Bern führen, liegt der Letzigrund, also FCZ-Land. Nördlich der Gleise ist das Hardturmareal; es war bis zur Schliessung des Hardturmstadions im Jahr 2007 Heimat der Grasshoppers – und ist dies für viele noch immer.

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Nicht nur die Limmat teilt Zürich in zwei.  Bild: flickr/kuhnmi

Jetzt sollen beide Klubs eine neue, gemeinsame Heimat erhalten: Am 25. November entscheidet das Stadtzürcher Stimmvolk über den Bau eines Fussballstadions für FCZ und GC auf dem Hardturmareal, ergänzt durch eine Siedlung mit Genossenschaftswohnungen und zwei profitorientierte Hochhäuser.

Das Projekt ist aus mehreren Gründen umstritten. Da ist zum einen die politische Ebene: Die SP sagt, die privaten Investoren, die das Stadion mit zwei Hochhäusern querfinanzieren wollen und dafür bei einem Volks-Ja von der Stadt Bauland zu einem günstigen Baurechtszins erhielten, kämen finanziell zu gut weg. Die Grünen fürchten vor allem den Verlust der Grünflächen der Stadionbrache. Und vereinzelte namhafte Höngger Freisinnige lehnen das Projekt ab, da die 137-Meter-Hochhäuser ihnen den Blick in Richtung Alpen verstellen und ohnehin nicht ins Stadtbild passen würden.

Dass Zürich das Stadion jetzt trotzdem bauen sollte, weil die Vorlage ausgewogen ist, wurde schon dargelegt. Noch einmal kurz zusammengefasst: Ein Ja brächte günstige Wohnungen, ein Stadion – und die zwei Hochhäuser würden im zunehmend grossstädtischen Zürich-West drinliegen. Die Alternative wäre eine rein kommerzielle Nutzung des Areals, da sich die Grossbank Credit Suisse vertraglich ein Rückkaufrecht gesichert hat, falls dort kein Stadion entsteht. Genossenschaftswohnungen würde die CS sicher nicht bauen.

Emotionen für den Letzigrund

Doch neben der politischen gibt's da noch eine emotionale Ebene. Sie könnte bei der Abstimmung am 25. November mit entscheidend sein. Für GC-Fans ist sie vorwiegend positiv besetzt: Es geht um die Hoffnung auf eine Rückkehr in den Hardturm nach über zehnjährigem, sportlich ziemlich erfolglosem Exil im Letzigrund. Lediglich einen Cupsieg aus dem Jahr 2013 verbuchte GC in den Jahren des Exils – für den Rekordmeister mit insgesamt 27 Schweizer-Meister-Titeln und 19 Cupsiegen eine magere Bilanz.

«Der Letzigrund ist die Heimat des FCZ.»

Luca Maggi

Der FCZ hingegen errang fast alle seiner grossen Erfolge mit dem Letzigrund als Heimatstadion. Entsprechend zwiespältig sehen seine Fans den bei einem Volks-Ja anstehenden Umzug über die Gleise. Stellvertretend sei hier Luca Maggi zitiert, der kürzlich im FCZ-Fanmagazin «Daleó» schrieb: «Der Letzigrund ist die Heimat des FCZ».

«Es ist nicht zwingend das aktuelle Letzigrund-Stadion, welches diese Heimat ausmacht, es ist der Ort und unser damit verbundenes Ritual.» Hier treffe man sich. «Es gleicht dem sonntäglichen Gang in die Kirche», so Maggi weiter im Heft der Letzigrund-Südkurve. Und: «Es sind emotionale Gefühle, die dafür sprechen, weshalb der FCZ auch in Zukunft im Letzigrund spielen soll.»

Abstimmung

Am 25. November entscheidet das Stadtzürcher Stimmvolk über den Bau eines neuen Fussballstadions auf dem Hardturmareal. Neben dem Stadion sind einerseits eine Genossenschaftssiedlung mit 174 günstigen Wohnungen geplant, andererseits zwei Hochhäuser mit 570 profitorientierten Wohnungen und Gewerberäumen. Sie sollen das Stadionprojekt querfinanzieren. Die Stadt würde dafür den privaten Investoren das Bauland zu einem vergünstigten Zins für maximal 92 Jahre überlassen. 

(mts)

Canepas Hardturm-Sympathien

Im gleichen Heft plädiert FCZ-Präsident Ancillo Canepa für den Bau einer neuen FCZ-Heimat auf dem Hardturmareal. Er führt vor allem wirtschaftliche Gründe dafür an: Mit einem eigenen Stadion könnten die Fussballklubs mehr Einnahmen erzielen, auch aus dem Bratwurst- und Bierverkauf sowie der Vergabe des Namensrechts für das Stadion.

«Erinnern wir uns an die Saison 2006/7, als wir in einem richtigen Fussballstadion gespielt haben!»

Ancillo Canepa über den Hardturm

Aber das Hardturm-Stadionprojekt beschäftigt Canepa auch in emotioneller Hinsicht. Er erinnert an die Saison 2006/7. Damals trug der FCZ seine Heimspiele im Hardturm aus, weil gerade der bis heute ungeliebte neue Letzigrund gebaut wurde. «Erinnern wir uns an die Saison 2006/7, als wir in einem richtigen Fussballstadion gespielt haben! Als wir eine Bombenstimmung erleben durften, als wir nicht zuletzt dank der spür- und hörbaren Unterstützung der Fankurven den Meistertitel im ‹Finalspiel› gegen GC gewannen.» Canepa weiter: «Dieses Feeling habe ich seither bei Heimspielen nicht mehr erlebt.»

Der FC Zuerich feiert den Meistertitel nach dem letzten Meisterschaftsspiel der Saison der Super League zwischen dem FC Zuerich und den Grasshoppers am Donnerstag, 24. Mai 2007 im Hardturm Stadion in Zuerich. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

2007: Der FCZ wird im Hardturm Meister. Bild: KEYSTONE

Der als Leichtathletik-Stadion konzipierte luftige Letzigrund wird kaum je eine Hexenkessel-Atmosphäre entwickeln können, darüber sind sich Fussballfans weitgehend einig. Der neue Hardturm hingegen ist als reines Fussballstadion mit steilen Tribünen bis nahe zum Spielfeldrand geplant. Und mit einer Kapazität von 18000 Zuschauern hätte er eine Grösse, die FCZ und GC besser füllen können als den deutlich grösseren Letzigrund.

Doch zurück zum Thema Heimat: Die Saison 2006/7 war nicht die erste, in der sich FCZ und GC ein Stadion teilten. Schon in den ersten Jahren nach ihrer Gründung bestritten die beiden Klubs ihre Heimspiele zeitweise auf dem gleichen Platz. Es handelte sich um den Innenraum der 1892 erbauten, bis 1911 betriebenen Velorennbahn Hardau. Hier errang der FCZ in der Saison 1901/02 seinen ersten Meistertitel. Und hier fand 1911 übrigens auch das erste Länderspiel der Schweizer Nationalmannschaft statt, als die Schweiz Ungarn mit 2:0 besiegte.

In der Zwischenkriegszeit erlebte die Schweiz dann eine erste Welle von Stadionbauten. Sie erfasste auch Zürich: 1925 wurde der vom FCZ erstellte Letzigrund eröffnet. Vier Jahre später zog GC mit dem Hardturm nach. Die Eisenbahnlinie dazwischen wurde schon bald als Demarkationslinie zwischen den Lagern der beiden Klubs wahrgenommen, wie der Zürcher Historiker Christian Koller in einer 2008 veröffentlichten Abhandlung über Zürcher Stadionprojekte schrieb.

Dennoch blieb eine gemeinsame Heimspielstätte für GC und FCZ auch in den folgenden Jahrzehnten ein Thema. Der FCZ hatte den Letzigrund 1935 aus Geldnot für 110000 Franken an die Stadt verkauft und war fortan Mieter. In den 40er- und 50er-Jahren teilten sich FCZ und GC während mehrerer Saisons das Hardturmstadion. Die beiden Klubs trugen dort in Absprache mit der Nationalliga ihre Heimspiele jeweils in Doppelveranstaltungen am Sonntagnachmittag aus.

HANDOUT - VISUALISIERUNG --- Das Siegerprojekt des Investorenwettbewerbes zum Hardturm-Areal in der Vogelperspektive. Der Investorenwettbewerb der Stadt Zuerich zum Hardturm-Areal ist abgeschlossen. Wie am Dienstag, 12. Juli 2016, bekannt wurde, hat der Stadtrat auf einstimmige Empfehlung des Preisgerichts entschieden, das Projekt

So soll das neue Stadion auf dem Hardturmareal aussehen. Bild: HRS REAL ESTATE AG

Der Grund für das Zusammenspiel war schon damals finanzieller Natur: So liessen sich höhere Einnahmen erzielen. «Im Letzigrund erschienen durchschnittlich 5000 bis 6000 Besucher, im Hardturm aber 8000 bis 10000», schreibt Michael Lütscher in seiner 2010 erschienenen FCZ-Chronologie «Eine Stadt, ein Verein, eine Geschichte».

1967/68 wollte der FCZ erneut auf dieses Geschäftsmodell zurückgreifen. Doch die Stadt, die an den Einnahmen im Letzigrund beteiligt war, intervenierte. Der FCZ blieb fortan im Letzigrund, bis er 2006/7 wegen der Bauarbeiten vorübergehend über die Gleise musste.

Bleibt die Frage, was aus dem Letzigrund wird, falls nun der FCZ erneut auszieht. «Das Stadion kann dann – wie ursprünglich vorgesehen, flexibler für Konzerte und vermehrt für andere Events genutzt werden», schreibt der Zürcher Stadtrat in der Abstimmungszeitung.

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    Alle Leser-Kommentare
  • ktanner 11.11.2018 11:52
    Highlight Highlight Sollte die Vorlage für das neue Stadion angenommen werden, droht leider schon wieder Rekurs! Einige Höngger-Einwohner drohen bis vor Bundesgericht zu gehen. Da nützen letztendlich wieder einmal alle Ja-Stimmen nichts. Wenn es soweit kommt dann dauert es Jahre bis dieser Rekurs behandelt ist und irgendwann wirft dann die CS den Bettel endgültig hin und baut selber teure Wohnungen und das Stadion auf dem Hardturmareal ist endgültig begraben!
  • Grave 11.11.2018 09:31
    Highlight Highlight Das beste währe doch wenn sie gleich die beiden klubs zu einem fusionieren würden. Aus finanzieller und sportlicher sicht doch nur vorteile 😉
  • Beggride 11.11.2018 09:02
    Highlight Highlight Alle FCZ Fans, die das "gewohnte Ritual in gewohnter Umgebung" einem Stadion mit mehr Stimmung und mehr Auslastung, besseren finanziellen Grundlagen und somit auch besser sportlich für sportlichen Erfolg für den eigenen Verein bevorzugt, kann ich ehrlich gesagt nicht ganz verstehen...
  • Neunauge 11.11.2018 08:33
    Highlight Highlight Welcher Hardturm? Nach dem Verkauf der Namensrechte wird das Ding im besten Fall CS-Arena heissen, im schlimmsten Fall Sepp Blatter Park.
  • Jol Bear 10.11.2018 18:32
    Highlight Highlight Ideal wäre sicher, wenn der FCZ im Letzigrund und GC im Hardturm daheim wären. Die wirtschaftliche längerfristige Perspektive spricht aber für das neue Projekt, ein "richtiges" Fussballstadion für beide. Ausserdem die sportliche Realität: In Zürich finden sich kaum Investoren für zwei Vereine. GC ist seit Jahren abstiegsgefährdet, sollten sie runter müssen, würden sie kaum bald wieder aufsteigen. Zwei SL-Clubs oben scheint für den Platz Zürich je länger desto mehr unwahrscheinlich.
  • Nelson Muntz 10.11.2018 17:32
    Highlight Highlight Wieso, resp. wer gab den Auftrag, wurde der alte Hardturm abgerissen, bevor die endgültige Baubewilligung gegeben wurde? Bis heute ein nicht nachvollziehbarer Entscheid.
  • Caulfield 10.11.2018 17:16
    Highlight Highlight Ich will ja kein Klugscheisser sein, aber das erste Länderspiel der Schweiz war gegen Frankreich in Paris. In der Schweiz spielten sie auch noch in Genf und Basel, bevor das erste Länerspiel aber tatsächlich in Zürich 1911 im Hardturm war.
    Ansonsten hoffe ich als Basler und Fussball-Fan, dass die Stadt Zürich wieder ein reines Fussballstadion bekommt.
  • Ludwig van 10.11.2018 17:08
    Highlight Highlight Ich hoffe schwer dass es angenommen wird. Nicht nur wegen dem Fussball. In Zürich herrscht eine krasse Wohnungsnit. Viele finden kaum noch eine Wohnung in der Stadt. Das hat die Mietpreise in die Höhe treibt. Zürich braucht dringend mehr Wohnungen und Hochhäuser in Zürich-West sind genau das richtige.
    • Grave 11.11.2018 09:28
      Highlight Highlight Es gäbe auch noch andere, schönnere orte zum wohnen als zürich 😉
    • Dee Lee 11.11.2018 12:50
      Highlight Highlight Wenn alle 300 Wohnungen ein Stadion kommt, wird es in Zürich bald eng...
  • vescovo 10.11.2018 16:23
    Highlight Highlight Der Letzigrund ist ja jetzt schon immer leer. Wozu denn noch ein zweites Stadion?
    • Toerpe Zwerg 10.11.2018 17:09
      Highlight Highlight Im neuen Stadion wird der FCZ auf 15k kommen im Schnitt.
    • Dark Circle 10.11.2018 17:42
      Highlight Highlight Und wovon träumst du nachts? Der FCZ kommt bei einem Topspiel an einem Samstagabend auf vielleicht 14k Besucher, GC nicht einmal auf die Hälfte. Ein neues Stadion bringt vielleicht in den ersten paar Monaten mehr Zuschauer, weil man es "einmal gesehen haben will". Danach pendelt es sich wieder ein und es werden nicht mehr Leute im Stadion sein weder bisher.
    • Toerpe Zwerg 10.11.2018 18:17
      Highlight Highlight Wait and see. Ein neues Stadion hat immer einen nachhaltig positiven Effekt auf die Zuschauerzahlen. Beim Umzug vom Leichtathletik- ins Fussballstadion wird dieser noch grösser sein.

      Am Derby vom Juli waren 16.500.
    Weitere Antworten anzeigen
  • DrLecter 10.11.2018 15:30
    Highlight Highlight Sie müssen ohnehin keine Angst haben, das Stadionprojekt wird ein weiteres Mal scheitern!

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