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Germany's Arne Friedrich, left, celebrates with teammate Per Mertesacker after their teammate Miroslav Klose scored their side's fourth goal during the World Cup quarterfinal soccer match between Argentina and Germany at the Green Point stadium in Cape Town, South Africa, Saturday, July 3, 2010.  Germany won 4-0. (AP Photo/Julie Jacobson)

Mertesacker mit Teamkollege Arne Friedrich. Bild: AP

Per Mertesacker im Karriere-Interview: «Werde zum ersten Mal in meinem Leben frei sein»

Per Mertesacker beendet im Mai seine Karriere. Zuvor gab der deutsche Fussballweltmeister in einem Interview unbekannte Einblicke in die Härten seines Jobs.

11.03.18, 13:19 12.03.18, 11:33


Er will etwas hinterlassen, «für die nachfolgenden Generationen», sagt Per Mertesacker gegenüber der Spiegel-Reporterin. Und tatsächlich: In einem bemerkenswert offenen Interview blickt der 33-jährige Deutsche zurück auf seine Fussballkarriere, die er im Mai beenden wird. Nach 15 Jahren Profifussball, nach 104 Länderspielen, 221 Spielen in der Bundesliga, 155 in der Premier League und 83 im Europapokal.

Der Kapitän von Arsenal London und Spiegel-Reporterin Antje Windmann trafen sich im Januar in einem Thai-Restaurant im Norden der Stadt. Mertesacker hatte nur eine Bedingung: «Das alles darf nicht weinerlich klingen, denn natürlich sind mir die Privilegien meines Lebens bewusst.»

Er wolle nur einblenden, was er selber lange ausgeblendet habe: Dass das Profi-Fussballgeschäft nicht nur dem Körper sehr viel abverlange. 

Und das sagt Mertesacker über …

Arsenal's Per Mertesacker runs during the Champions League Group F soccer match between Arsenal and Dinamo Zagreb, at The Emirates Stadium in London, Britain, Tuesday, Nov. 24, 2015. (AP Photo/Tim Ireland)

Per Mertesacker im Trikot von Arsenal London. Bild: AP/AP

… die körperlichen Symptome vor jedem Spiel

Mertesacker hatte am Morgen vor jedem Spiel Durchfall. Zudem erfasste ihn vor lauter Anspannung kurz vor Anpfiff jeweils ein heftiger Brechreiz.

«Vom Bett muss ich sofort auf die Toilette, vom Frühstück auf die Toilette, vom Mittagessen wieder auf die Toilette, im Stadion wieder auf die Toilette. [… und zum Brechreiz:] Mir dreht sich der Magen um, als müsse ich mich übergeben. Ich muss dann einmal so heftig würgen, bis mir die Augen tränen. […] Natürlich denkst du: Ach du scheisse, hoffentlich sieht das keiner. Was ist das bloss? Andererseits war ich danach sofort da.»

… das Wechselspiel zwischen Liebe und Hass

«Wenn die Fans dich feiern, ist das unbeschreiblich. Pfeifen sie dich aus, puh, ich versinke da vor Scham.»

… die Erleichterung nach dem WM-Aus 2006

«Klar war ich auch enttäuscht, als wir gegen Italien im Halbfinale ausgeschieden sind, aber vor allem war ich erleichtert. Ich weiss es noch, als wäre es heute. Ich dachte nur: Es ist vorbei, es ist vorbei. Endlich ist es vorbei. […] Der Druck hat mich aufgefressen. Dieses ständige Horrorszenario, einen Fehler zu machen, aus dem dann ein Tor entsteht. […] Die Angst hat man auch bei anderen Spielen, dass du immer wieder zur Anzeigetafel guckst, die Minuten zählst. Aber bei der WM, das war unmenschlich.»

Während der WM gab Mertesacker ein legendäres Interview

Nach dem Spiel gegen Algerien bei der WM 2014 fragte ein Reporter Mertesacker, warum das Spiel der Deutschen so  anfällig gewesen sei. Deutschland hatte gewonnen. Video: YouTube/Kevin Owens

… Verletzungen als Selbstschutz

«Es denken alle, es wäre ein Drama, wenn du verletzt ausfällst – ist es nicht. Denn es ist der einzige Weg, eine legitimierte Auszeit zu bekommen, mal raus zu sein aus der Mühle. […] Wenn ich nicht mehr konnte, war ich verletzt, so war es immer. Ich behaupte sogar, dass viele wiederkehrende Verletzungen psychisch bedingt sind. Dass der Körper der Seele damit zu Ruhe verhilft. Aber das hinterfragt niemand.»

… seine Zukunft

Per Mertesacker wird im Sommer die Nachwuchsakademie von Arsenal London übernehmen.

«Ich will das System angreifen. Wir sind für die Jungs verantwortlich, die zu uns kommen. Die dürfen nicht alles auf die Fussballkarte setzen, die Schule vernachlässigen.» 

epa06073257 (FILE) Arsenal captain Per Mertesacker lifts the FA Cup after winning the FA Cup final match Arsenal vs Chelsea at Wembley Stadium in London, Britain, 27 May 2017 (issued 07 July 2017). Media reports on 07  July 2017 that Arsenal captain Mertesacker has announced to retire at the end of season.  EPA/ANDY RAIN *** Local Caption *** 53549883

Mertesacker mit dem FA-Pokal. Bild: EPA/EPA

… seine letzte Saison

«Alle sagen, ich solle das letzte Jahr richtig auskosten, noch mal so viel spielen wie möglich, alles aufsaugen. [kopfschüttelnd] Am liebsten sitze ich auf der Bank, noch lieber auf der Tribüne. [… Nach dem Abschiedsspiel] werde ich mit über 30 zum ersten Mal im meinem Leben frei sein.»

… das, was bleibt

«Aber selbst wenn ich vor jedem Spiel erbrechen und 20-mal in die Reha müsste, ich würde es immer wieder machen. […] Für die Erinnerungen war es das alles wert.»

Germany's Per Mertesacker celebrates with the trophy after the World Cup final soccer match between Germany and Argentina at the Maracana Stadium in Rio de Janeiro, Brazil, Sunday, July 13, 2014. Germany won the match 1-0. (AP Photo/Matthias Schrader)

Der grösste Moment in der Karriere: Per Mertesacker mit dem WM-Pokal. Bild: AP

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Fulehung1950 12.03.2018 17:59
    Highlight Ich habe da ein Problem. Der Mann verdient bei Arsenal geschätzte CHF 4 bis 5 Mio., seit 2011. sind irgend etwas um die 30 läppische Milliönchen. Warum hörte er dann nicht auf? Er kam ja nicht als Bettler zu den Gunners, davor wird er auch etwas weniges angespart haben, immerhin war er ab 2003 Profi.

    Doch geldgeil?
    0 5 Melden
  • dave1771 12.03.2018 09:24
    Highlight BFG, man muss ihn lieben!!! #karneval
    3 1 Melden
  • Adumdum 12.03.2018 05:38
    Highlight Super Interview, vielen Dank! Auch und gerade an PM für die krasse Offenheit. Alles gute für die nächste Karriere!
    9 2 Melden
  • Juerg Baumer 12.03.2018 04:06
    Highlight Bravo
    8 2 Melden
  • Dingsda 11.03.2018 22:33
    Highlight "Popularity Is the Slutty Little Cousin of Prestige"
    - Birdman
    14 2 Melden
  • dr9 11.03.2018 20:18
    Highlight Das Interview ist sehr spannend. Herr Mertesacker hat meinen vollen Respekt. Klar er hätte aufhören können, aber er hat es nicht getan, sich durch gebissen und auch die positiven und verführerischen Seiten des Profifussballers genossen. So ist das Leben, manchmal muss man Leiden um so coole Sachen zu erleben (Titel, Trophäen und Anerkennung). Es ist eben nicht immer alles schwarz und weiss im Leben.


    48 0 Melden
  • DerRabe 11.03.2018 17:40
    Highlight Wow, das ist mal ein top Interview.
    Hab‘ mich immer gefragt, wie die da unten auf dem Platz Woche für Woche so cool sein können und einfach ihr bestes geben. Jetzt weiss ich, auch die sind kurz vor dem Zerbrechen und geben sich einfach nur die grösste Mühe es sich nicht anmerken zu lassen.

    Sehr stark so etwas zu erzählen. Danke dafür!
    103 3 Melden
  • Goon 11.03.2018 15:21
    Highlight Reizdarm würde ich sagen.
    13 84 Melden
  • bokl 11.03.2018 15:11
    Highlight Sehr gutes Interview.

    Andererseits: #Per4WeinDoch...
    22 100 Melden
  • Posersalami 11.03.2018 14:34
    Highlight Ich kann ihn verstehen. Andererseits hätte er vor Jahren genug Geld für den Rest seines Lebens verdient gehabt. Es stand im zudem frei, einen anderen Beruf zu wählen. Mein Mitleid hält sich also in sehr enen Grenzen.
    21 148 Melden
    • Raembe 11.03.2018 15:17
      Highlight Er hat ja die Gründe offen gelegt warum er weiter gemacht hat....
      143 2 Melden
    • rodman 11.03.2018 20:45
      Highlight Er hat ja gar nicht um Mitleid gefragt...
      61 2 Melden
  • brn_cgn 11.03.2018 14:03
    Highlight Ein toller Beitrag, der zum Denken anregt!
    203 2 Melden
  • Freilos 11.03.2018 13:33
    Highlight Da hat aber einer den Beruf mehr als nur verfehlt. Ich weiss nicht was ihn daran gehindert hat einer Arbeit nachzugehen in der er nicht diesem Druck (sorry aber das ist überhaupt kein Druck wenn man sein Hobby zum Beruf machen kann und dabei so viel Geld verdient) ausgesetzt ist. Viele tausende Menschen wären gerne in seiner Situation.
    18 345 Melden
    • Marshawn 11.03.2018 14:14
      Highlight Da hat aber einer den Sinn des Interviews mehr als nicht verstanden.
      278 8 Melden
    • SilWayne 11.03.2018 15:28
      Highlight Textverständnis: 1, setzen...
      154 8 Melden
    • Forrest Gump 11.03.2018 16:45
      Highlight Genau diese Einstellung führt dann zu solch tragischen Ereignissen wie bei Robert Enke. Klar gibt es viele Fussballer, die einfach Spass haben am Fussball spielen und viel Geld verdienen, andere zerbrechen hingegen am Druck.
      81 4 Melden
    • droelfmalbumst 11.03.2018 16:54
      Highlight aiaiai... kann mal einer eine zeichnung vom artikel machen?
      117 1 Melden
    • Fulehung1950 12.03.2018 17:52
      Highlight Er hättedoch schon lange aufhören können. Kohle genug hat er. Er wäre dann lange vor dem 30. frei gewesen.
      1 4 Melden
  • Bluesofa 11.03.2018 13:30
    Highlight Sehr berührendes Interview! Ich bewundere seinen Mut und möchte einfach sagen: Danke, dass du uns auch diese Seite des Fussballs mal vor Augen führst!
    336 9 Melden
  • Loeffel 11.03.2018 13:24
    Highlight Guter typ.
    242 7 Melden

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